Die Alm – ein wirkliches Juwel!
Ein Bericht von Karl Reisenbichler 

Erfahrene Fliegenfischer wissen, dass das Glück sprichwörtlich ein Vogel ist. Und weil sich diese Binsenweisheit immer wieder bestätigt, kann man ein Fischgewässer nur bewerten, wenn man dieses über einen längeren Zeitraum kennt und auch selbst befischt hat. Aus diesem Grund habe ich mich doch sehr gewundert, einen Bericht über die Alm zu lesen, der auf dem Wissen eines Fangtages und Hörensagen basiert. Und weil ich nicht denselben Fehler begehen wollte, habe ich mit meinem Bericht über dieses Gewässer gewartet, bis ich genug Gelegenheit hatte, es auch wirklich in dieser Saison kennen zu lernen. Denn auch wenn man, wie ich, bereits seit Jahren ein Gewässer kennt, kann es sich doch von Jahr zu Jahr anders präsentieren. Auch das ist eine Erfahrung, die Fliegenfischer
zwangsläufig machen, dass sich die Weisheiten des Vorjahres in der aktuellen Saison nur mehr als Torheiten erweisen.

Eigentlich ist es müssig, zu erklären, warum es durchaus passieren kann, dass an einem bestimmten Tag gar nichts geht. Dennoch nur auszugsweise einige der Gründe für solche „Katastrophentage“. Schon die Wetterlage entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Aufziehende Tiefdruckgebiete können Fische in ihre Verstecke treiben oder den Appetit verderben, lange bevor der Fischer selbst etwas davon merkt. Auch die Mondphasen haben nach langjähriger Erfahrung vieler Fischer einen Einfluss. Auch wenn dieser Einfluss bis heute nicht wirklich wissenschaftlich bestätigt ist. Vom Insektenschlupf, der Wassertemperatur, dem zeitlichen Verhalten der Wasserhöhe und so weiter will ich gar nicht erst anfangen. Kurzum, es gibt viele unterschiedliche Faktoren, auf die weder der Fischer selbst noch der Bewirtschafter des Gewässers Einfluss haben, die zum Teil über den Fangerfolg entscheiden. Und keine Frage, dass sich das von Tag zu Tag komplett anders darstellen kann.

Dass die Almstrecken des Stiftes Lambach landschaftlich wunderschön sind und nicht nur einen Fischtag, sondern auch durchaus einen Ausflug wert sind, darüber herrscht Einigkeit. Ob der Reiz für Fliegenfischer aber genauso groß ist, darüber gehen anscheinend die Meinungen auseinander. So berichtet Mag. Hans Peherstorfer über einen katastrophalen Fischtag in der Alm.

Warum ich diesen Bericht nicht so ganz ernst nehmen kann, habe ich eingangs bereits erläutert und werde ich noch näher ausführen. Nochmals, ein Tag an einem Gewässer ist meines Erachtens nicht genug, um eine Beurteilung zu erlauben. Und vom Hörensagen habe ich persönlich noch nie viel gehalten.

Entgegen dem oben erwähnten Bericht, nach dem es sich um ein im Prinzip totes Gewässer handelt, habe ich die Alm an vielen Tagen als sehr fängig und empfehlenswert erlebt. Ich will gar nicht bestreiten, dass es auch an der Alm Tage gibt, die die Vermutung aufkommen lassen, es befinde sich kein einziger Fisch im Wasser. Doch habe ich diese Tage auch an allen anderen von mir befischten Gewässern erlebt.

Selbstverständlich auch bei jenen mit berühmten und klingenden Namen. Aber gehören nicht diese „Katastrophen“ zum Fliegenfischen dazu? Ist es wirklich spannend, wenn jeder Tag ein Supertag ist? Der Ärger über die Geldausgabe an einem solchen Tag ist verständlich, aber damit muss man leben. Eine Fanggarantie wird und kann kein Bewirtschafter geben.

So konnte ich in dieser Saison zwar noch keinen Rekordfang verzeichnen, aber die Fangergebnisse von mir und Kollegen, die mit mir unterwegs waren, konnten sich fast immer sehen lassen. Sowohl im Frühjahr, als auch im Sommer und Spätsommer bis Herbst war es immer wieder ein schönes Erlebnis.

Dass man in der Badesaison manche schöne Plätze den Badegästen überlassen muss, ist ein Umstand, der zwar manches Mal den Blutdruck ein wenig höher steigen lässt, aber unvermeidbar und an praktisch allen Flüssen der Fall ist. Die Alm ist lang genug, um andere, ebenso schöne Plätze zu finden.

Es ist mir persönlich völlig unverständlich, wie man guten Gewissens von einem fischleeren Gewässer schreiben kann. Ich würde meinen, dass ein Paar Augen nicht genügt, um so etwas festzustellen. Denn wie oft habe ich bereits Stellen erlebt, an denen ich vorerst keinen einzigen Fisch zu sehen bekam. Und die sich dann doch im Laufe der Zeit als Heimat für zahlreiche Fische herausstellten.

Eigentlich sollte man als langjähriger Fliegenfischer sehr gut wissen, dass nicht alle Fische so einfach zu sehen sind. Und das ist auch gut so, denken wir nur an den Kormoran.

An diesen Tagen ist es uns auch nie passiert, dass an einer Strecke zu viele Fischer gewesen wären. Denn auf diesen Umstand wird bereits bei der Ausgabe der Tageskarten geachtet. Wohl gemerkt, unter normalen Umständen. Denn die von Mag. Peherstorfer kritisierte unkontrollierte Kartenausgabe ist nur auf den Umstand zurück zu führen, dass er seine Karten undatiert von der Ausgabestelle erhalten hat. Ein Zuvorkommen, das es so nicht mehr geben wird.

Das ist schade, aber wenn Zuvorkommenheit quasi schlecht gemacht wird, darf das nicht verwundern. Wobei ich hier noch erwähnen möchte, dass die Kartenpreise gegenüber dem Vorjahr gleich geblieben sind. Auch wenn das Jubiläum des Stiftes bereits vorbei ist, an den Preisen hat sich nichts geändert.

Auch die Besatzmaßnahmen stellen sich keinesfalls so dar, wie Mag. Peherstorfer behauptet. Entgegen kolportierten zwei Besatzmaßnahmen wird praktisch jeden Monat besetzt. Dazu gibt es auch Besatzprotokolle, die ich auf Anfrage auch zu sehen bekam. Hier ist genauestens nachzulesen, wie der Besatz erfolgte.

Und damit komme ich zu einem Thema, an dem ich mich immer wieder gerne heiß reden kann. Sind doch die Bewirtschafter großteils in einer leidigen Zwickmühle. Wir wissen alle, oder sollten es wissen, dass der Besatz vor allem mit Jungfischen erfolgen sollte. Dennoch muss(!) auch immer wieder Besatz mit fängigen Exemplaren erfolgen. Warum das? Ganz einfach, damit viele Fliegenfischer, die wenig waidgerecht auf der Jagd nach Rekordfischen unterwegs sind, zufrieden gestellt werden können. Leider stirbt diese seltsame Gattung an Fliegenfischern, die anscheinend gar nicht so recht kapieren, worin eigentlich der Reiz des Fliegenfischens liegen sollte, nicht aus. Es stimmt mich immer wieder traurig, solchen „Exemplaren“ zu begegnen.
Und diese machen es eben für die Bewirtschafter nicht einfacher. Wenn der Erfolg eines Tages nur in Kilo und Zentimeter gemessen wird, ist das ein schlechtes Zeichen für die Fliegenfischerei.

Die Almstrecken des Stiftes Lambach sind nicht unbedingt Strecken für Anfänger. Gerade die Wasserqualität und dadurch gegebene Sichtigkeit lässt manchen Anfänger schon mal verzweifeln. Aber gerade das, verbunden mit der landschaftlichen Schönheit und dem abwechslungsreichen Gewässer, ist für mich einer der Gründe, immer wieder gerne zu diesem Fluss zurück zu kommen.

Ich hatte in der heurigen Saison nicht einmal das Gefühl, dass es sich hier um „Abzocke auf tiefstem Niveau „ (Zitat: Mag. Peherstorfer) handeln würde. Und wohlgemerkt, ich habe öfters als EINEN Tag gefischt!


Ein Bericht von Karl Reisenbichler für www.fliegenfischer-forum.de. Das unerlaubte Kopieren und Verbreiten von Text- und Bildmaterial aus diesem Bericht ist verboten.

zurück zu "Österreich, Schweiz, Italien:" | zurück zu "Reise & Report" | zurück zur Startseite
© www.fliegenfischer-forum.de  - 2007