Mythen und Vorurteile

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Mythen und Vorurteile

Beitragvon Royal Coachman » 31.07.2016, 10:28

Hallo Freunde!

Diese Thema soll uns von einigen Mythen befreien und zu einem besseren Verständnis der "Welt unter der Wasseroberfläche" beitragen.

Ihr wisst sicher auch Einiges, das zwar gebetsmühlenartig wiederholt, dessen Wahrheitsgehalt aber dadurch nicht gesteigert wird.

Als Eröffnung möchte ich Euch von meinen Erfahrungen an meinem Forellenbach berichten.

MYTHEN und VORURTEILE


In unserer Zunft gibt es vielerlei Mythen und Vorurteile, die sich aber hartnäckig halten und gebetsmühlenartig wiederholt werden.
Im Laufe der letzten 3 Jahre konnte ich an meinem Bach folgendes feststellen.

Der Hecht ist im Forellenbach ein Schädling, er frisst alles leer!
Kompletter Quatsch: in 1 1/2 Jahren 8 Hechte gefangen von 60-95 cm nicht einer hatte eine Forelle im Magen, sondern ausschließlich Mühlkoppen!!
Wahrscheinlich sind diese leichter zu fangen.
Ein Freund von mir brachte mir einen 15 cm langen Hechtwobbler (Länge ohne Haken 15 cm mit dem Aussehen eines jungen Hechtes!) mit der Bemerkung, das ist DER Wobbler für Hechte.
An diesem Gewässer falsch: auf diesen Wobbler habe in 2 Jahren nicht einen einzigen Hechtbiss bekommen, er wird aber von großen Bachforellen auf das Heftigste attackiert, anscheinend ein Feindbild!
Ich darf aber anfügen, dass in meinem Bach keine Besatzfische herumschwimmen, sondern ausschließlich im Bach geborene Forellen.
Zum Schluss eine höchst aufschlussreiche Beobachtung:
Große Hechte erscheinen, wenn im Bach Blässhühner, Enten und Schwäne brüten!
Sie sind in dieser Zeit unfangbar!
Verlust binnen 2 Monaten: 6 Schwanenküken, 5 junge Blässhühner und ca 12 Entenküken!

Einer der ersten Hechte war der 95iger, ich hatte keinen Kescher mit und so musste ich den Fisch quer durch den Ort nach Hause tragen, mehrmals Auskunft geben usw.
Seither bin ich bei anwohnenden Vogelfreunden sehr beliebt!

tight lines
RC
Der immer auf Seiten der Fische steht!
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Re: Mythen und Vorurteile

Beitragvon AlexWo » 31.07.2016, 12:42

Servus RC,

beim Huchen gibt es den selben Schmäh: der Huchen frisst bevorzugt Äschen....
Dank der gefiederten Freunde sind unsere Äschenbestände schon so dünn, dass die Huchen bei uns verhungert sein müssten, sind sie aber nicht! Unser Gewässer ist voll mit Weissfischen, der Huchen frisst, was er grad erwischt, manchmal ist das halt auch eine Äsche.

LG

Alex
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Re: Mythen und Vorurteile

Beitragvon Trockenfliege » 31.07.2016, 16:27

Den Mythos, dass man Bachforellen nicht mit dem Vorfach überwerfen darf, da sie sonst verscheucht würden. tritt auch hier im Forum ab und zu auf.

Meine Erfahrung an diversen Bächen und Flüssen, in Europa und Übersee, bei Tag und in der Dämmerung und Dunkelheit, auch in sehr heiklen Situationen, zB. Wildfische im flachen, ruhigen Wasser haben gezeigt: Selbst beim Fischen direkt stromauf kann man den Fisch häufig mit dem Vorfach überwerfen, ohne ihn zu verscheuchen.
Mit direkt meine ich den Sichtbereich des Fisches, also je nach Tiefe jeweils innerhalb eines Korridors von 50 cm links und rechts des Fisches.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, in denen der Fisch dieses "Eindringen" nicht toleriert und abhaut, aber es funktioniert häufig genug.
Ich fische in kleineren Fliesgewässern prinzipiell stromauf und konnte so viele Fische auf kürzeste Distanz fangen, die von querüber oder von flußaufwärts viel schneller vergrämt worden wären. Da landet das Vorfach häufig direkt über dem Fisch.

LGruß
Reinhard
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Re: Mythen und Vorurteile

Beitragvon Thomas E. » 01.08.2016, 17:06

Trockenfliege hat geschrieben:Den Mythos, dass man Bachforellen nicht mit dem Vorfach überwerfen darf, da sie sonst verscheucht würden. tritt auch hier im Forum ab und zu auf.

Meine Erfahrung an diversen Bächen und Flüssen, in Europa und Übersee, bei Tag und in der Dämmerung und Dunkelheit, auch in sehr heiklen Situationen, zB. Wildfische im flachen, ruhigen Wasser haben gezeigt: Selbst beim Fischen direkt stromauf kann man den Fisch häufig mit dem Vorfach überwerfen, ohne ihn zu verscheuchen.
Mit direkt meine ich den Sichtbereich des Fisches, also je nach Tiefe jeweils innerhalb eines Korridors von 50 cm links und rechts des Fisches.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, in denen der Fisch dieses "Eindringen" nicht toleriert und abhaut, aber es funktioniert häufig genug.
Ich fische in kleineren Fliesgewässern prinzipiell stromauf und konnte so viele Fische auf kürzeste Distanz fangen, die von querüber oder von flußaufwärts viel schneller vergrämt worden wären.


Hallo Reinhard,

habe ähnliche Erfahrungen gemacht... ich fische auf die Bachis auch erfolgreicher schräg stromauf bis mal direkt stromauf.

Das empfahl schon Charles C. Ritz, allerdings bevorzugte er wie ich dann lieber die Präsentation im Bogen.

Denn Fische sind lernfähig...und so gibt es (seltener) Gewässer mit Forellen, die das Überwerfen garncht mögen. :p

Auf Äschen trifft das mehr zu, auch weil ein Wurf stromauf mit gestrecktem Vorfach/ Schnur je nach Strömungsverlauf leichter ein Furchen erzeugen kann.
Gruß
Thomas Ellerbrock
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Re: Mythen und Vorurteile

Beitragvon gespliesste » 02.08.2016, 01:41

Hallo,

ich denke man kann das nicht verallgemeinern.

Beides hat neben dem Ehrencodex der Engländer (dry-fly upstream only) Vor- und Nachteile. Auf Forellen die keine Fischer gewöhnt sind, hast du downstream meist schlechte Karten, ausser du bleibst kosequent ausserhalb des Sichtkorridors der Fische (was ja auch damit zu tun hat wie tief der Fisch in Gewässer steht und wie bewegt und sichtig das Wasser ist). Mit dem reinen Vorfach (also alles was unverjüngt ist) kannst du nach meiner Erfahrung bei guter Präsentation jeden Fisch überwerfen. So wird ja auch in Neuseeland auf die extrem scheuen Forellen gefischt. Da spielen noch einige andere Faktoren eine Rolle, ob das Vorfach einigermaßen gestreckt ist, ggf. die Spitze einsinkt, kein "Spray" aufs Wasser trifft, es sanft abgelegt wird usw.

Da Köcherfliegen bei der Eiablage immer stromauf "tanzen", sollte die Fliege bei entsprechenden Verhältnissen auch stromauf "tanzen". Für Anfänger ist es einfacher stromab zu fischen und die Fliege stromauf zu zupfen. Besser aber schwerer ist die in "Der Fliegenfischer" beschriebene Schlittertechnik. Man legt im Prinzip schräg stomauf ein "S" in die Schnur und die Fliege tanzt von alleine stromauf ohne das der Fisch einen sieht.

Aber mit den modernen, oft extremen Keulenschnüren, funktioniert das nicht so gut. Die Schlagen oft recht plump ein.

Wenn möglich, fische ich persönlich immer stromauf. Auf wirklich kapitale oder wilde Forellen hat man stromab viel weniger Chancen. Bei Äschen ist es nach meiner Erfahrung weniger wichtig ob man sich stromauf oder stromab befindet, dafür muss die Fliege wirklich perfekt laufen und Äschen können mitunter exterm selektiv sein. Wie Thomas ja schon erwähnt hat, Charles Ritz hat dem Thema sein Leben gewidmet, es gibt nach meiner Meinung kein besseres Buch über das Verhalten von Äschen und Forellen.

LG,

Olaf
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Re: Mythen und Vorurteile

Beitragvon Fliegenfan » 06.08.2016, 16:33

Guten Abend,
zum Schlittern der Köcherfliegen konnte ich gestern eine für mich interessante Beobachtung machen. Es war schon recht spät, aber Köcherfliegen flogen nur vereinzelt übers Wasser, wurden aber genommen wenn sie landeten. Also nahm ich auch ein Köcherfliegenmuster. Eine Forelle ignorierte die unbewegt treibende Imitation vollständig, nahm die furchende Fliege aber mit einem hohen Sprung. Also präsentierte ich der nächsten Forelle die Fliege schlitternd, ohne Erfolg. Dann ließ ich sie einfach treiben, die Forelle stieg, aber in dem Moment furchte die Fliege und die Forelle drehte ab und stieg danach auch nicht mehr. Also haben zwei Forellen mit nur 7m Abstand zu einander vollkommen unterschiedlich auf die Fliege reagiert. Ich fand das faszinierend da ich davon ausgegangen bin, dass wenn Forellen im gleichen Bachabschnitt schwimmen auch etwa die gleichen Fressgewohnheiten haben, dem scheint aber nicht so zu sein.
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