von Frank. » 18.01.2012, 20:42
Lieber Tobias,
gerade die kleinen Wiesenbäche bieten oft optimale Nahrungsgrundlagen - mit Unmengen von Wasser- und Landinsekten, mit Kleinfischen, Schnecken, Fröschen und überhaupt allem, was eine Forelle begehrt. In den Gewässern unseres Vereins werden regelmäßig sehr, sehr große Bachforellen (ganz anderen Kalibers als diese!) in den Wiesenbächen gefangen, und ich wüsste noch andere Forumsmitglieder zu nennen, die in solchen Bächelchens im letzten Jahr Forellen ü60 (!) überlisten konnten.
Als ein guter Freund sein gepachtetes Rinnsal zum ersten Mal einem E-Fischen unterzog, stand uns allen, die dabei waren, der Mund weit offen - weil buchstäblich unter jedem Busch ein Großfisch mit mächtigen Laichhaken stand. Wenn du mich besuchen würdest, würde ich dir an einer Winzig-Bächlein-Brücke innerorts zwei Forellen zeigen, vor denen man Angst bekommen könnte.
In solchen Gewässern ist der Befischungsdruck sehr gering, und viele Strecken sind überhaupt schlicht unbefischbar, aufgrund des dichten Bewuchses. Man kommt schlicht nicht heran ans Wasser. Auch Kormoran und Reiher haben keine Chance. Hechte gibt es nicht - aber jede Menge Futter. Natürlich haben Forellen die besten Chancen, dort ohne Konkurrenz und Fressfeind prächtig abzuwachsen!
Und: Der vernünftige Angler lässt die großen Forellen dort weitgehend in Ruhe. Die Wiesenbäche sind ein Refugium, wo sich die Fische noch immer weitgehend ungestört reproduzieren können - und das ist gut so. Der Nachwuchs wandert dann ab - dorthin, wo wir ihn fangen können, ins nächstgrößere Gewässer.
Wenn ich Forelle wäre und ein hohes Alter erreichen wollte - dann würde ich mir auch einen Wiesenbach aussuchen ...
Dein Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
Franz Kafka