Äschenbestand?!

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Re: Äschenbestand?!

Beitragvon stillwater » 31.01.2015, 15:37

"Leider widmet man sich in den letzten Jahren fast ausschließlich der Wiederansiedlung von Lachs und Meerforelle"

Lieber Frank, danke für Dein Statement, Du triffst es auf den Punkt! Wenn man nur ein Bruchteil das für die Äschen investieren würde was man für Lachs & Meerforelle
tut dann würde es bestimmt für den Äschenbestand in NRW besser aussehen. Aber Äschen habe nun mal keine Lobby und die Medien, Politiker usw. interessieren bzw. engagieren sich halt mehr für die edlen Wandersalmoniden.

beste Grüße

Uli
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Re: Äschenbestand?!

Beitragvon trutta1 » 31.01.2015, 18:27

Hallo Uli,

bevor hier jetzt einige Leute den Zeigefinger erheben, will ich ihnen gleich etwas Wind aus den Segeln nehmen.
Natürlich bin ich nicht gegen die Wiederansiedlung unserer Wandersalmoniden.
Aber wie teilweise entschieden wird ob sich ein Bach dafür eignet oder nicht, ist schon mehr als fraglich.
Scheinbar geht es nur um die Ausschöpfung der Fördergelder.
Einige dieser Bäche befische ich schon über 30 Jahre und sicher würden sie sich bei voller Durchgängigkeit auch zur Wiederansiedlung von Lachs und Meerforelle eignen.
Warum man allerdings nicht vorher diese Hindernisse beseitigt um ihnen einen Aufstieg zu den Laichplätzen zu ermöglichen ist mir unerklärlich.
In diesen Niederungsbächen müssen die Wandersalmoniden bis in den Oberlauf der Bäche aufsteigen können, da nur dort durch die höhere Fließgeschwindigkeit ausreichend große Kiesbetten vorhanden sind. Laichen sie im Unterlauf, wird kaum ein Smolt die große Reise ins Meer antreten da diese Bereiche fast immer komplett begradigt sind. Kiesbetten gibt es dort kaum und Unterstände bzw. bepflanzte Uferstrecken sind auch eher selten.
Dafür sind Einflugschneisen für Kormorane reichlich vorhanden und man braucht sich nicht zu wundern, dass bei Testfischen kaum abwandernde Smolts gefangen werden.
Die Hoffnung, dass die Äsche dort wieder in alter Bestandsdichte vorkommen wird, habe ich schon lange aufgegeben. Denn wie Du richtig bemerkst, hat die Äsche gegenüber einem Lachs die "schlechteren Karten".
Den Medienrummel bei einem Lachsbesatz muss man mal erlebt haben [-( (oder auch nicht!).
Solange diese Bäche nicht durchgehend passierbar sind ist es für mich eine nicht nachvollziehbare Vernichtung unserer Steuergelder.
Die Zahlen der gefangenen Rüchkehrer seit 2009 untermauern dies. Wenn dann durch die Medien von einem vollen Erfolg des Wiederansiedlungsprojekts berichtet wird... :?: :!: :-k

MfG, Frank
Der Äschenflüsterer ( Leider hören nur noch wenige zu!)
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Re: Äschenbestand?!

Beitragvon stillwater » 31.01.2015, 20:49

hallo Frank,

vielen Dank für Deine Ausführungen - dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

beste Grüße

Uli =D>
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Re: Äschenbestand?!

Beitragvon Maqua » 15.10.2015, 08:35

Ich hole das nochmal hoch, weil es mich interessiert, wie die derzeitige Situation der Äschenbestände auch an anderen Gewässern aussieht.
Für mein Hausgewässer (NRW) darf ich nach der Saison 2015 berichten, das der Bestand regelrecht explodiert ist.
In den vergangenen Jahren hatte ich am Ende der Saison maximal 5-10 Äschen im Fangbuch notiert, manches Jahr auch gar keine.
Derzeit stehen da für die Saison 2015 rund 150 Äschen notiert, in allen Größen von 15-45cm.
Es wurden keine Äschen in der Strecke besetzt, allerdings ist die Äsche seit Jahren ganzjährig geschont.
Die 2 Kormorankolonien an unserer Strecke weisen in etwa seit 5 Jahren die gleichen Bestandszahlen auf.
Die 2 letzten Winter waren sehr mild und haben sicherlich zur derzeit guten Situation beigetragen.
Dennoch wundere ich mich doch sehr, wie innerhalb von einem Jahr der Bestand dermaßen ansteigen konnte.
Ein sehr gutes Aufkommen von Jungfischen hatten wir vor 3 Jahren, dieser Jahrgang scheint durchgekommen zu sein und stellt heute den Hauptanteil der Population.
Wie sieht es bei euch mit den Beständen aus?
Gruss Manni
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Re: Äschenbestand?!

Beitragvon Kurt Mack » 15.10.2015, 10:55

Hallo Manni!

Bei uns werden Äschen schon seit 3-4 Jahren wieder vermehrt gefangen. Nicht so wie bei euch an der Rur, aber doch hat sich der Bestand deutlich erholt. Mir auf gefallen ist, dass die Äschen nicht mehr so einfach zu fangen sind und auch viel schneller durch den Drill eines Fisches vergrämt sind. Ich vermute eine natürliche Auslese durch den Kormoran. Seit 1990 fallen bei uns die Kormorane jeden Winter ein und fressen natürlich erst die "blöden" Äschen. Wenn man voraussetzt dass eine Äschen mit 3-4 Jahren vermehrt, wären das bis heute zwischen 6 und 8 Generationen bei denen sich immer mehr "schlaue" Äschen vermehrt haben.
Sicher werden wir nie wieder die Bestände von früher bekommen. Es besteht aber die Hoffnung mit Verbesserung der Lebensräume auch mal wieder Äschen ohne schlechtes Gewissen entnehmen zu können.
Ich zähle seit 20 Jahren jedes Frühjahr, wenn es der Wasserstand zu läßt, die Äschenbrütlinge. Sie stehen bei uns zwischen Mitte April und Anfang Mai über einen Zeitraum von 8 bis 12 Tagen in Minikonterwassern mit Wassertiefen von 10 bis 20cm. Man findet sie direkt unter der Wasseroberfläche mit einer Größe von 17 bis 22mm, danach sieht man sie noch einige Zeit etwas unter der Wasseroberfläche stehen.
Im trockenen Frühjahr 2014 waren die Bedingungen perfekt und ich konnte 30 mal mehr Brütlinge zählen als in Durchschnittsjahren, dieses Frühjahr immer noch 10 mal so viele.

Tschüß, Kurt
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Re: Äschenbestand?!

Beitragvon Maqua » 15.10.2015, 12:14

Hallo Kurt,
das mit den intelligenteren Äschen kann ich nachvollziehen, wie sonst wäre es zu erklären, das in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Kormorankolonie (Bereich Kläranlage, dort wo du gefischt hast) eine stabile Äschenpopulation bestehen kann!?
Die meisten Äschen haben bei uns eine Größe um die 30cm.
Frage: Sind sie in der Größe geschlechtsreif und laichen ab und wann ist üblicherweise die kritische Zeitphase, wo man das Waten wegen der Laichbetten einstellen sollte?

Eine andere Frage stellt sich mir ebenfalls, wie sieht es mit der Konkurrenzsituation Äsche-Bachforelle aus?
Am letzten Wochenende konnte ich auf einem Streckenabschnitt, der üblicherweise schöne Bachforellen hergibt, ausnahmslos Äschen fangen (ca. 20 Stck. in 2 Stunden).
Es war anscheinend keine Bachforelle mehr auf dem Stück.
Kann die Äsche die Bachforelle verdrängen?
Gruss Manni
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Re: Äschenbestand?!

Beitragvon Rattensack » 15.10.2015, 12:15

Servus Manni,

ich kann aus div. Bestandskontrollen im österr./südbayr. Raum berichten, dass heuer ein gutes Äschenjahr war.
Sogar in Gewässern wo die Temperaturen grenzwertig hoch sind findet man viele heurige Jungäschen.
Das Fehlen von Hochwässern den ganzen Sommer über ist wohl dafür verantwortlich.

Lg,
Clemens
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Re: Äschenbestand?!

Beitragvon fjorden » 18.10.2015, 11:00

Hallo Manni,
eigentlich eher nicht, da die Äsche doch mehr im Freiwasser ist. Anderseits lieben auch Äschen extrem schnell fließende Züge. Die Bachforellen sind dann mehr in der Deckung in Ausspülungen am Rand.
Gruß
Fjorden
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Re: Äschenbestand?!

Beitragvon gespliesste » 18.10.2015, 14:41

Hallo Manni,

Maqua hat geschrieben:Die meisten Äschen haben bei uns eine Größe um die 30cm.
Frage: Sind sie in der Größe geschlechtsreif und laichen ab und wann ist üblicherweise die kritische Zeitphase, wo man das Waten wegen der Laichbetten einstellen sollte?


Äschen werden mit 3 Jahren geschlechtsreif und laichen üblicherweise im März bis April vornehmlich bei 8°C Wassertemperatur. Mit welcher Größe sie genau laichfähig sind kann ich nicht sagen, das hängt davon ab, wie schnell sie in eurem Gewässer abwachsen. Aber Äschen von 30cm sollten im nächsten Frühjahr geschlechtsreif sein. Am sichersten ist eine genaue Altersbestimmung (Schuppenprobe oder mit Otolithen).

LG,

Olaf
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Re: Äschenbestand?!

Beitragvon orkdaling » 18.10.2015, 15:42

Hallo,
meine bescheidene Meinung zur Verdrængung durch Forellen.
Eigentlich ist es nicht møglich das ein Bestand Æschen von Forellen verdrængt wird oder umgekehrt.
Die Æsche bevorzugt einen anderen Lebensraum mit schnellfliessenden Freiwasser, darum Æschenregion. Die Forelle doch mehr die Bereiche mit Einstænden wie Steine, Wurzelhølen, Kehrbereiche usw. Natuerlich kommt es zur Laichræuberei, verstærkt durch zu hohem Besatz von "Fangfisch" (Bach und Regenbogen) um die Gewæsser "produktiver" zu machen. Der Verein /Pæchter will/muss ja verdienen, leider.
Wenn wie im beschriebenen Fall nun Æschen gefangen werden statt Forellen dann wurden keine Forellen eingesetzt oder der Gewæsserabschnitt hat sich grundlegend geændert und es herrschen andere Strømungsverhæltnisse. Das kann durch Umbauten ober und unterhalb geschehen oder auch durch Witterungseinfluesse.
Eisschollen kønnen "Berge" verschieben und das Gewæsserprofil ændert sich.
Das die Æschen weg gefressen wurden schliesse ich aus (ausser durch den schwarzen Bøsewicht).
Die Glomma hat streckenweise einen guten Bestand an Hechten und guten Forellen aber wohl einen der besten Æschenbestænde Europas.
Wichtig, so denke ich und das sollten die Vereine auch tun, Watverbot an den Laichplætzen.
Gruss
Hendrik
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Re: Äschenbestand?!

Beitragvon Hans. » 12.11.2015, 11:30

Hallo,

ja früher, bevor das mistige Wehr gebaut wurde, da gab es Äschen im Überfluss. Du brauchtest nur mit dem Stiefel den Bachgrund aufwühlen und schon war ein Dutzend vor Deiner Nase. So erzählen die, die es noch erlebt haben. Sie würden auch nach 40 Jahren das Wehr sofort sprengen, wenn sie dürften. Warum das Wehr die Äschen vertrieb, weiß niemand so genau. Ich kenne das alles nicht. Seit 12 Jahren in meinem Forellenfluss irgendwo in Niedersachsen einmal in der Woche unterwegs, fing ich nach dem 2008er Kormorancrach die letzten Jahre immer mal eine Äsche so um die 20cm, dann wurden es ein paar mehr, allmählich auch um die 30cm. In diesem Jahr nun waren es bereits sieben oder acht. Und im Sommer gab es die große Überraschung: Am seitlichen Ende einer sehr großen Rausche fing ich eine wohlgenährte, kräftige Äsche von 42cm. Ich kann euch meine Freude darüber, dass dieser Prachtfisch überhaupt vorhanden war, gar nicht beschreiben. In diesem Sinne der schönste Fisch meines Lebens!

Gruß,
Hans

P.S. Bewusst auf Fotos und Keschern verzichtet konnte ich sie nach dem Abhaken unter Wasser neben die Rute halten und später an der Rute exakt nachmessen :wink:
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Re: Äschenbestand?!

Beitragvon Maqua » 12.11.2015, 11:55

Danke bis hierhin für die Einschätzung der aktuellen Lage. :daumen
Es scheint ja flächendeckend aufwärts zu gehen, mit den Äschenbeständen.
Ob das nun an den letzten beiden Wintern liegt, die keine waren, oder andere Gründe hat, wer weiß das schon.

Gemessen habe ich sie auch nicht, könnte die 50er Marke angekratzt haben, auf ein schnelles Foto meiner bisher schönsten und grössten Äsche vom letzten Wochenende konnte ich aber nicht verzichten.
Traumhaft schön! :smt055
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Re: Äschenbestand?!

Beitragvon Hans. » 12.11.2015, 12:30

Wirklich traumhaft schön!
Vielleicht kann ich meine Kamera irgendwann mal schneller herfummeln als das jetzt der Fall ist, dann mache ich bestimmt auch mal das eine oder andere Foto....
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Re: Äschenbestand?!

Beitragvon Matze Mc Fly » 25.02.2016, 19:35

Abend,
ich wollte jetzt nicht extra einen neuen Thread aufmachen deswegen stelle ich meine Frage hier. Und zwar,das Gewässer was ich befische hat seit Ca 4 Monaten einen deutlich höheren Pegel und starke Schwankungen. Wirkt sich das negative auf unsere geliebten Äschen aus? Wie sind da eure Erfahrungen?

Gruß Matze
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Re: Äschenbestand?!

Beitragvon Siegfried. » 26.02.2016, 00:10

Hi Matze,
eher im Gegenteil. Je höher und trüber das Wasser desto schlechter kommen die Kormorane an die Äschen dran und die sind die allergrößte und tödlichste Gefahr die unseren Äschen, und denen bei uns NRW ganz besonders, droht.
Glück Auf
Siegfried
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