Die Hase bei Osnabrück - Hilfe zur Taktik

Hier gehts rund um den Fisch. Besonderheiten, spezielle Techniken und Köderwahl auf unterschiedliche Fischarten, u.s.w.

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Die Hase bei Osnabrück - Hilfe zur Taktik

Beitragvon Jan Dalf » 12.10.2014, 13:22

Hallo zusammen!

Ich bin recht neuer "Fliegenfischer" und habe hier leider nicht die typischen Salmonidengewässer. Ich habe vor Jahren mal in Oldenburg zum Zeitvertreib eine Exori Rute mit allem Zipp und Zapp gekauft, recht schnell aber bemerkt, dass der Besuch eines Kurses wohl die bessere Wahl wäre. In den Anzeigen unserer Vereinszeitschrift dann der lang ersehnte Hinweis auf Binde- und Wurfkurse hier bei uns in der Nähe.

Mit der Klasse #5/6 Rute und DT Schnur komme ich mittlerweile recht gut klar, habe mir eine Vision Ikon Wathose und dazugehörige Schuhe gekauft. Das Binden der Fliegen macht mindestens genau so viel Spaß. Mit dem Üben kommt natürlich ein gewisser Zuwachs und auch zu meinem Lehrgangsleiter, ein Mefo und Streamer Spezi, pflege ich regelmäßigen Kontakt, schließlich ist es meine einzige Anlaufstelle hier und er ist ein netter Kerl. Osnabrück ist bestimmt nicht das Mekka des Flugangelns. Mittlerweile habe ich mir für den Herbst eine #8 Flextec Rute mit Sinktip besorgt, was aber ein anderes Thema ist.

Trotz des gelegentlichen gemeinsamen Fischens mit meinem Wurf- und Bindelehrer bleiben Fragen offen, zumal wir beide nicht viel Zeit haben und Ausflüge zum Fischen eher selten stattfinden. Vielleicht kann ich hier ein paar Tips bekommen, wie ich das Gewässer fokussiert und zielgerichtet beangele.

Ich beschreibe also erstmal das Gewässer. Die Hase ist meinem Gebiet fast vollständig begradigt und eingedeicht. Es gibt zwar ein paar Projekte zur Renaturierung, aber das ist sehr minimalistisch. An einigen Stellen gibt es potentielle Stellen fürs Flugangeln, das ist aber eher zu vernachlässigen.

Jetzt kommen wir zur guten Seite der Hase. Fünf Fahrrad Minuten von mir zu Hause teilt die Hase sich. Der Hauptstrom geht in den Alfsee, ein Hochwasser Reservebecken. Erreicht wird das durch ein Verteilerbauwerk, das einerseits das Reservebecken über eine Art Vorfluter speist, aber eben auch zwei relativ (für hiesige Verhältnisse) naturbelassene Altarme. Als kleiner Junge habe ich dort öfters Forellen gefangen. Vermutlich hat der starke Fischereidruck aber die Salmoniden dort reduziert. Faktoren wie intensive Landwirtschaft, Regulierung der Flussgeschwindigkeit et. c. sind hier gravierend.
Die beiden Altarme sind aber sauerstoffreich und erfolgversprechend. Hier verbringe ich mittlerweile viele Stunden.

Der eine Altarm ist die Hohe Hase. Gespeist durch einen 500m langen unterirdischen Kanal unter Deich und Acker führend, entspringt die Hohe Hase aus einem Auslaufbauwerkchen in Ihren Lauf. Dieser Auslauf war vor ein paar Wochen verstopft (!), was meine Vermutungen bezüglich des Bestandes bewahrheitet hat: (Bach-)Forellen in guter Stückzahl und respektabler Größe, die in den kleinen Kolken und Gumpen gefangen waren. Nach Anruf beim Gewässerwart hat das NLWKN dafür gesorgt, dass die Jungs wieder schwimmen konnten.

Nach meinem Wurfkurs wollte ich natürlich mit scharfem Gerät angeln. In Erinnerung an die Forellen aus Kindheitstagen ging ich also das erste mal wieder an diese Hohe Hase. Ich habe sofort bemerkt, dass dort keiner angelt. Keine Trampelpfade, keine Posen in den Bäumen, Eisvogel und FISCHE. Allerdings keine Salmoniden auf den ersten Blick. Leider wollten die meine Trockenfliegen nicht wirklich und ich habe - wie frisch gelernt, ein paar Steine und Äste umgedreht. Das Ergebnis: Gammarus, ohne Ende in olivgrünen Farbtönen. Also habe ich zu Hause eine Goldkopfnympfe mit olivgrünem Dubbing gebunden. Was soll ich sagen, ein Wurf sofort ein Treffer. Was für ein tolles Gefühl! Ein amtlicher Döbel durfte nach kurzem Ausflug in gasige Atmosphäre wieder schwimmen.

Aber dann war da ja noch meine Forellenvermutung. Die mussten da doch sein. Ich habe gemeint eine gesehen zu haben. Das Wasser hier ist ja nicht so glasklar und auch ist der Boden eher sandig bis schlammig, aber zu unverkennbar die Körperform und die dunklen Tupfer. Dazu die Größe - alles Andere als Besatzforellen. Später bestätigte die besagte Verstopfung des Zulaufes ja meine Vermutung.

Bis heute habe ich aber keine überlisten können. Weder mit Trocken- Nass, oder Streamerfliegen. Lediglich einen Nachläufer hatte ich mit einem kleinen Streamer.

Worauf würdet ihr achten? Welche Muster würdet ihr fischen? Ach ja auch im Sommer konnte ich leider keine Eintagsfliegen oder dergleichen beobachten. Klar, Mücken, Libellen und das übliche Getier, aber eben nicht die typischen Eintagsfliegen.
Erschwerend ist der bevorzugte Standort der Fettflossenträger. Sie stehen nahe am Auslaufbauwerkchen, welche sich nur "upstream" bewerfen lässtin dem recht iefen Kolk (1,4m) bei relativ turbulenter Strömung. Besonders jetzt, wo das Wasser kühler wird. An warmen Sommertagen habe ich sie auch in flachem Wasser "dösen" sehen. Ich bin für jeden Tip dankbar, der mich dem Ziel näher bringt (Fliegenmuster, Pirschtechnik, Kurse, Bücher...)

Die Schonzeit fängt hier übrigens erst in drei Tagen an. Also dürft ihr euch gerne beeilen :-)

Die ersten denken jetzt wahrscheinlich: "Oh Gott, was erzählt er bloß", oder "Ist er bald fertig mit dem Getippe?". Nein. Das war Part 1, die Hohe Hase.

Kommen wir zu Part 2, der Tiefen Hase:

Sie zweigt etwas später ab (500m stromab, vor einer Rechenanlage die vor dem Vorfluter zum Reservebecken geht) und zwar direkt über drei höhenregulierbare Wehre nebst Fischtreppe. Nach diesem Wehr kommt ein ca. 70X70 Meter großes "Auslaufbiotop", einigermaßen bewatbar. Dieser Bereich ist jetzt meine Stelle, wenn ich an der Hohen Hase mal wieder nichts fange. Und jetzt kommt etwas, was ich so nie im Leben erwartet hätte.
Mittlerweile gehe ich dort auch mal nur beobachten. Versuche Standplätze der Fische auszumachen usw. Dabei habe ich gesehen, dass hinter dem zweistufigen Wehr, unter einer kleinen Straße wirklich massenhaft Forellen sind. Was machen die da bloß? Es kann doch nicht sein, dass an der einzigen nicht befischbaren Stelle der Fisch steht. Bemerkt habe ich das nur durch Zufall, als ich auf der Brücke stehend in den Bereich des Wehres starrte, grübelnd über Vorhanden- oder Nichtvorhandensein von Fischen....Es sollten also auch Forellen im weiteren Verlauf der tiefen Hase sein!?

Das macht es nicht einfacher. Sie ist recht linear. Hier gibt es zwar Kurven und mal einen überhängenden Busch, aber halt keine Pools oder Hot Spots, von denen man aus der Forellenregion hört. Wie geht man bei so etwas vor?

Vielen Dank schonmal im Voraus!
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Jan
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Re: Die Hase bei Osnabrück - Hilfe zur Taktik

Beitragvon greypanther » 12.10.2014, 22:10

Hi Jan,

Jan Dalf hat geschrieben:Das macht es nicht einfacher. Sie ist recht linear. Hier gibt es zwar Kurven und mal einen überhängenden Busch, aber halt keine Pools oder Hot Spots, von denen man aus der Forellenregion hört. Wie geht man bei so etwas vor?

Ein Bach, den ich regelmäßig befische, ist streckenweise sehr stark verbaut. Wehre stauen das Wasser, um es in Kilometer lange Kraftwerkskanäle zu leiten. Diese Kanäle sind schnurgerade und weitestgehend strukturlos.
An einem dieser Kanäle darf ich fischen. Ein Kanal, wie man sich ihn künstlicher nicht vorstellen kann. Ein reines "Industriegewässer". Schnurgerade, gleichmäßige Tiefe und praktisch strukturlos. Zu allem Überfluss ist der Kanal auch noch mit Dachpappe (!) ausgekleidet, um mögliche Leckagen zu verhindern. Man denkt zunächst, dass sich in solch einem Wasser Salmoniden niemals wohlfühlen können. Trotzdem, das Wasser wimmelt vor Forellen, und nicht gerade kleine!
Beim näheren Hinsehen wird aber offensichtlich, dass die Rinne nicht ganz so strukturlos ist. Hier und da liegen größere Steine am Grund, die vom Hang herunter gerollt sind. Das Hochwasser im Frühjahr hat einigen Sand herein geweht, der an manchen Stellen mit spärlichem Ranunculus bewachsen ist. Und genau an diesen Stellen halten sich die Fische auf.
Lange Rede, kurzer Sinn: als beste Taktik in diesem "Gewässer" hat sich die Nassfliegen- und Streamerfischerei schräg stromab bewährt. Eine Fliege schräg ans andere Ufer präsentiert und dann mit der Strömung im Bogen herum treiben lassen hat bisher noch nie die Wirkung verfehlt. Wichtig dabei ist, dass man Kilometer "macht", will sagen, man muss lange Strecken befischen, bis man an einen Hot Spot kommt. Das Fliegenmuster ist dabei eher von untergeordneter Bedeutung.
Wenn Erlenwurzeln, Steine am Grund oder überhängende Büsche vorhanden sind, so stehen die Forellen gerne an bzw. hinter diesen Hindernissen.
Gruß
Klaus


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Re: Die Hase bei Osnabrück - Hilfe zur Taktik

Beitragvon orkdaling » 13.10.2014, 00:05

Hallo Jan,
das ist schwierig wenn man das Gewæsser nicht kennt. Aber du kannst davon ausgehen das es auch bei einem schnurgeraden eintønig hinfliessenden Gewæsser den einen oder anderen Einstand gibt, diese musst du finden. Ein ueberhængender Busch, Krautluecke,einmuendender Graben oder nur ein Stein am Grund.
Wichtig ist es meiner Meinung nach die Futtergrundlage zu finden.
Zuckmuecken, Steinfliegen, Brutfisch usw., auf irgend etwas haben sich die Fische eingestellt. Ich bin ein Anhænger der " Futtertheorie ". Als Kind hab ich zb Døbel/Aitel mit Kirschen gefangen oder abend mit Junikæfern. Schwærmt hier der Wattwurm sind es schwarze Fliegen/Streamer, ist aber genuegend Brutfisch in der Bucht sind blauweisse oder gruenweisse Streamer angesagt. Auch im Meer ist es so, kein Jungfisch dann sind Dorsche Krabbenfresser.
Wenn es erlaubt ist kannst du auch mal mit einem Sieb ins Wasser steigen, dann weisst du was fuer "Haupt"-Nahrung am Grund zu finden ist.
Es wuerde aber mit dem Teufel zugehen wenn Døbel und Forelle keinen Fischstreamer nimmt wenn du ihn nahe am Einstand bzw tief genug anbietest.
Ein anderes Thema wære die Anpirsch. Gerade Tieflandbæche mit Schwingboden sind schwierig zu befischen, die "høren" dich bevor du einen Fischschwanz siehst.
Nicht trampeln, Deckung ausnutzen, manchmal bringt es Erfolg wenn du ein paar Minuten nach dem Anschleichen wartest bis sich alles beruhigt hat.
Oder warst du zur falschen Zeit am falschem Ort, Sonne und Mittagszeit sind an solchen Gewæssern nicht der Renner, anders sieht es morgens oder abends zur Dæmmerung aus. Wenn alles nichts bringt dann findest du sicher einen" Alten Hasen" der sich ueber die Schulter schauen læsst.
Viel Erfolg
Hendrik
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Re: Die Hase bei Osnabrück - Hilfe zur Taktik

Beitragvon daniel72 » 19.10.2014, 09:48

Hallo Jan,

ich kenne dein Gewässer auch nicht, vielleicht kann ich Dir trotzdem ein wenig helfen...
Wir haben hier auch ein ähnliches Gewässer ohne Struktur, eigentlich eine lieblos ausghobene Badewanne.
Ich habe mir daran auch schon die Zähne ausgebissen! :mrgreen:
Tagsüber geht hier garnichts, man sieht nicht mal irgendeine Aktivität, man könnte denken, dass hier nicht ein Fisch zu Hause ist.
Das ändert sich allerdings in der Dämmerung, eine Stunde vor totaler Dunkelheit fangen die Fische an zu steigen und das völlig arglos.
Das Problem ist, man weiß nie wo das passieren wird. Ich fahre die gesamte Strecke mit dem Fahrrad ab und SUCHE die Fische.
Sehr aufwendig, aber jeder so gefangene Fisch entschädigt für die vielen Kilometer...
Die beste Zeit dafür sind das späte Frühjahr und natürlich der Sommer.
Versuche es einfach, kann sehr spannend sein.

Gruß Daniel
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Re: Die Hase bei Osnabrück - Hilfe zur Taktik

Beitragvon Jan Dalf » 23.10.2014, 19:47

Guten Abend zusammen!


Vielen Dank für Eure Antworten. Genau solche Anhaltspunkte und Tips habe ich gesucht.

Leider hatte ich viel um die Ohren, sodass ich nicht viel fischen durfte. Ein paar kurze Stops zum beobachten saßen aber drin.

Ich werde natürlich weiter berichten, sollte sich etwas ergeben. Der nahende Winter wird aber vorerst keine Erfolgsmeldungen zulassen, wobei ich gerne noch etwas mit der neuen Rute Streamer fischen möchte.

Sollte jemand gute Lektüre empfehlen können, höre ich das sehr gern.
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Re: Die Hase bei Osnabrück - Hilfe zur Taktik

Beitragvon Timonator » 16.11.2014, 22:40

Guten Abend,

ich komm nicht ganz aus deiner Ecke, aber ich komme aus Lingen. Dort fische ich an der Ems und ab und an auch in Meppen an der Hase. Mit Forellen braucht man hier erst Recht nicht rechnen, dafür gibt es andere tolle Fischarten. Gerade wenn du Fragen zum Hechtfischen hast, darfst dich gerne bei mir melden. Du könntest mich auch gerne mal auf einen Hechttripp nach Holland begleiten.

Dein Wurflehrer ist nicht zufällig der Andi?

Ps.: Meinen bisher größten Hecht (1,12m) habe ich übrigens diese JAhr in der Hase fangen können. Natürlich mit der Fliegengerte :)

Gruß,
Timo
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Re: Die Hase bei Osnabrück - Hilfe zur Taktik

Beitragvon Jan Dalf » 19.01.2015, 20:23

Hallo Timo!

Ich habe Deine Antwort erst jetzt entdeckt. Ja, es ist der Andi, der mich dieser Sucht hat verfallen lassen.

1,12m Hecht? WOW!
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