Rätselhafter Saisonsart

Hier gehts rund um den Fisch. Besonderheiten, spezielle Techniken und Köderwahl auf unterschiedliche Fischarten, u.s.w.

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Rätselhafter Saisonsart

Beitragvon webwood » 16.04.2014, 22:46

Liebe Leute,

ich stehe vor einem Rätsel. Heute war bei mir Saisonbeginn an der Ammer.
Binnen 3 Stunden konnte ich gerade mal einen Nachläufer auf eine Naßfliege verzeichnen. Ich habe daher ordentlich Strecke gemacht.
Nichts los am Wasser, doch dann kam ich an eine Stelle von vieleicht 100 Metern Länge an der die Fische wie blöde gestiegen sind.
Es waren gegen 13 Uhr, ca. 5 Grad Luftemperatur und kein Insekt in der Luft. Meine Augen sind zwar nicht mehr die besten, doch habe ich definitiv nichts
rumfliegen gesehen. Mit einer braunen Midge, auf gut Glück ausgesucht, konnte ich an dieser Stelle jeweils mit wenigen Würfen etliche Fische fangen.
Der Mageninhalt hat mich auch nicht schlauer gemacht. Neben vermutlich Algenfäden waren vereinzelt kleine hellbeige Klümpchen in der Größe von ca. einem Millimeter oder kleiner zu finden. Gebuckelt haben die Fische nicht, sondern sind sehr aktiv und platschend nach ?????? gestiegen und gesprungen als seien fette Maifliegen unterwgs . Ich kann mir das einfach nicht erklären. Auch wenn meine Augen nicht mehr die besten sind, weshalb steigen Fische in so einem begrenzten Bereich derart aktiv auf augenscheinlich gar Nichts und flussauf, wie flussab, ist auch an identischen Stellen gleichzeitig tote Hose.

Vieleicht hat einer von Euch ja eine Erklärung

Thomas
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Re: Rätselhafter Saisonsart

Beitragvon Martin 1960 » 17.04.2014, 01:35

Hallo Thomas.

Eine Vermutung wäre, dass sich die Fische über Fischlaich hergemacht haben?

Gibt es in, Eurem Gewässer, Flußbarsche?
Flußbarsche laichen ja im zeitigen Frühjahr und der Barschrogen könnte die "hellbeige Klümpchen" erklären.

Auch Groppen laichen von Februar bis Mai, je nach Gewässer und Region.
Freundlicher Gruss, Martin

"jetzt kann ich es, ...." nur eine kurzer Moment!
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Re: Rätselhafter Saisonsart

Beitragvon AlexWo » 17.04.2014, 02:26

Hi,

mmmh, vielleicht hast Du eiablegende Insekten übersehen und die Fische haben Eipakete genommen?

Gruss

Alex
"salmonfishing is not distance, its control...." H.M.
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Re: Rätselhafter Saisonsart

Beitragvon Mahi-Mahi » 17.04.2014, 08:36

Hallo Thomas,
es muß nicht so sein wie ich das mal erlebt habe, aber lese selbst.
Ich war an meinem Stammgewässer unterwegs und es war schon sehr schwer einen Fisch zu fangen. Keine steigen zu erkennen!
Ein anderer Fischer ca 150 Meter oberhalb von mir benahm sich meines Erachtens seltsam. Er stand wie angewachsen am Ufer und warf gelegentlich mal!
Ob er was gefangen hat weiß ich nicht. Als der besagte in meine Nähe kam und wir uns kurz unterhielten fingen wie aus dem Nichts etliche Fische an zu steigen?!
Aber keiner konnte gefangen werden. Zuvor war dort garnichts, also Fische waren genug da. Der Fischer ging weiter und ich konnte aus seinem Verhalten wie ich sah folgendes ausmachen.
In der Zeit als er noch oberhalb von mir war bis zum Ankommen bei mir hatte das Brot, dass er zerkleinert hatte den Weg an meine Höhe gefunden und so das steigen ausgelöst.
Die Brotkrümel waren so klein, dass man sie nich sehen konnte, aber ich im Nachhinein sah, dass mit diesem Material gearbeitet wurde. Nicht schlecht, gell!
Hat bei dir an der Ammer jemand die Enten oder so oberhalb gefüttert? Das wäre eine Erklärung.

Grüße v. d. Ostalb
Harald
Mahi-Mahi
 

Re: Rätselhafter Saisonsart

Beitragvon Mindelpeter » 17.04.2014, 18:23

Hi Thomas,

wer fängt, hat recht... :D

Also bist du mit deiner Mückenimi wohl nicht so falsch gelegen. Als ich Anfang März zum ersten mal heuer an der Mindel war, sind auch einige Fische gestiegen. Leider war mein dünnstes Mono an diesem Tag ein 0.18er...ich hätte sonst auch einen Buzzer angeknüpft.

Vielleicht hatte der Mageninhalt ja Ähnlichkeit mit diesen Larven, wahrscheinlich waren deine schon angedaut.

LG

Peter
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Re: Rätselhafter Saisonsart

Beitragvon webwood » 17.04.2014, 19:43

Erst mal Danke für Eure Posts,

Das die Fische nach Laich gestiegen sind glaube ich eher nicht. Flussbarsche haben wir zudem auch nicht an der Ammer, Groppen vieleicht, doch habe noch nie eine gesehen. Auserdem schwimmt ja Laich nicht an der Oberfläche würde ich meinen. Die Fische sind wirklich heftig gestiegen.

Vom Mageninhalt könnten es vieleicht wirklich Eipakete gewesen sein, doch wieso waren dann keine Insekten unterwegs? So vollblind bin ich ja nun noch nicht.

Die Brottheorie glaube ich auch nicht recht. Flussauf ist zwar in ca. einem Kliometer eine Brücke, doch haben wir so gut wie nie Enten an der Ammer. Dafür ist die Strömung zu schnell. Die Brottheroie würde auch nicht erklären, warum die Fische so heftig am steigen waren und warum das entlang der Ammer nur auf diesem kleine ca. 100 Meter langen Stück so war.

Peters Insekten waren es gewiss nicht. Im Magen waren, wie gesagt, neben schwarzen Fäden (Algen vieleicht?) etliche Kügelchen, Durchmesser kleiner als ein Millimeter und von hellbeiger Farbe. So wie die Fische gesprungen sind, müsste es Anflugnahrung gewesen sein. Ich habe absolut nichts rumfliegen sehen und warum der Stieg nur auf einer so begrenzten Fläche war, kann ich mir einfach nicht erklären. Ich mache die Tage mal ein Foto von der Stelle.

Tight Lines

Thomas
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Re: Rätselhafter Saisonsart

Beitragvon greypanther » 17.04.2014, 21:44

Hi Thomas,

was die extrem lokale Aktivität von Fischen angeht so habe ich diesen Zustand in dieser Saison (die ja bei uns am 01.03. begonnen hat) ebenfalls erstmalig seit ich den Bach befische und schon mehrfach erlebt. Die aktiven Fische konzentrieren sich auf kleine Bereiche und dazwischen liegen ausgedehnte Strecken, die scheinbar fischlos sind. Ich führe dieses Phänomen auf den für die Jahreszeit extrem niedrigen Wasserstand in unserem Bach zurück. Die Fische konzentrieren sich offenbar an Stellen, die ihnen Nahrung, Schutz und ausreichend Sauerstoff bieten.
Der Mageninhalt Deiner gefangenen Fische gibt mir allerdings auch Rätsel auf. Für eine derart heftige Steigaktivität, wie Du sie schilderst, käme nach klassischer Interpretation nur eine äußerst rasch schlüpfende Spezies infrage. Die Forellen steigen schnell und heftig, um die rasch schlüpfenden und entfleuchenden Insekten doch noch zu erhaschen. Möglicherweise handelte es sich um winzige Köcherfliegen, die in Turbogeschwindigkeit geschlüpft sind (hab ich schon mehrfach beobachten können im zeitigen Frühjahr), oder um Dipteren. Allerdings passt das alles nicht mit den gefundenen Mageninhalten zusammen, es sei denn, die Forellen hätten ihr "Ziel" jedesmal verfehlt.
Zuletzt geändert von greypanther am 18.04.2014, 12:08, insgesamt 1-mal geändert.
Gruß
Klaus


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Re: Rätselhafter Saisonsart

Beitragvon webwood » 17.04.2014, 22:47

Servus Klaus,

die Vermutung mit dem Niedrigwasser ist sehr plausibel. In der Tat ist die Stelle, an der ich den Stieg beobachten konnte ein gutes Stück tiefer, als der Bereich ober und unterhalb der Ammer, obwohl die Stelle kein Gumpen ist. Stellen an denen wir letztes Jahr noch bis zu den Knien im Wasser standen, sind derzeit trockenen Fußes zu begehen. Köcherfliegen könnte vieleicht auch sein. Nach dem wir 2 Jahre in Folge durch Hochwasser so gut wie keine Köcherfliegen hatten ist in diesem Jahr an geschüzten Stellen durchaus wieder Sprock zu finden. Heute Mittag (keine Zeit zum angeln, aber mal geguckt) konnte ich vereinzelt ca 5 mm große Insekten fliegen sehen. Ich konnte leider keine fangen, doch waren es Flattermänner wie Köcherfliegen, Die Farbe der Flügel war graublau. Ich kann das Bild wg. Copyright nicht verlinken doch von der Farbe her, erstes Bild oben rechts :https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6cherfliegen
Was noch unklar ist, wäre der Mageninhalt. Nicht mal ansatzweise ein Fluginsekt, eben nur dieses Algenfandenzeugs und die kleinen braunen Kügelchen. Bei beiden Fischen war der gleiche Inhalt im Magen. Morgen früh ziehe ich noch mal los, Vieleicht fange ich wieder einen Fisch mit gleichem Mageninhalt. Dann mache ich Fotos.

Dein Thomas
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Re: Rätselhafter Saisonsart

Beitragvon jpick » 17.04.2014, 23:15

Thomas,

... hast Du mal an die Tageszeit gedacht, es also gar nicht an der "Stelle" gelegen hat? Gerade im Frühjahr habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Fische erst zu bestimmten Zeiten aktiv werden, vor allem, wenn Sonne/Erwärmung kommen. Oft früher Nachmittag (heute an der Ruhr genau so wieder erfahren!), da denkst Du vorher, der Bach ist tot/Fischsterben/Kormoran *ggg*. Plötzlich ist dann auch Insektenaufkommen, Fische stürzen sich auf die Fliege und genauso plötzlich kann es wieder vorbei sein...

Grüße
Stefan
jpick
 

Re: Rätselhafter Saisonsart

Beitragvon webwood » 17.04.2014, 23:32

Es waren gegen 13 Uhr, ca. 5 Grad Luftemperatur und kein Insekt in der Luft


Jepp lieber Stefan,

das habe ich. Es dürfte von der Temperatur her das Tagesmaximum gewesen sein.
Das untermauert auch die Theorie von Klaus, unklar ist einfach noch der Mageninhalt und warum absolut kein Insekt in der Luft zu sehen war.
Das 100% aller aufsteigenden Insekten gefressen wurden ist doch eher unwarscheinlich, zumal der Schlupf ja sicherlich nicht nur in dem Bereich stattfand, in dem die Fische gefressen haben.

Viele Grüße

Thomas
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Re: Rätselhafter Saisonsart

Beitragvon Frank. » 18.04.2014, 10:14

webwood hat geschrieben:ch kann das Bild wg. Copyright nicht verlinken


Das wäre dann Glyphotaelius pellucidus. Das Bild ist unter Namensnennung des Urhebers Sanja565658 aus den Commons der Wikipedia zur Verwendung freigegeben.

Bild


Dein Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
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Re: Rätselhafter Saisonsart

Beitragvon Jürgen Gaul » 18.04.2014, 12:24

Hallo Thomas,

ein Glyphotaelius sp. war das sicherlich nicht, da diese Gattung ihren Lebensbereich nur im Stillwasser und sogar in temporären Gewässern hat und ihre Flugzeit meist später im Jahr liegt. Wenn es denn Köcherfliegen waren, würde ich am ehesten auf Hydropsychidae oder Rhyacophilidae tippen. Entsprechende Aufnahmen findest Du z.B. hier.

Viele Grüße und schöne Osterfeiertage
Jürgen
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Re: Rätselhafter Saisonsart

Beitragvon Eliasopa » 18.04.2014, 12:34

Hallo Thomas,

ist schon interessant. Ich bin zwar kein Experte, aber könnte es sein, daß an der besagten Strecke gerade ein Baum oder Busch geblüht hat von dem Pollen oder Blütenteile ins Wasser geweht worden sind und von den Fischen genommen wurden? " Kleine beige Kügelchen!"

Was sagen die Botaniker unter uns? Würde mich freuen wenn das Rätsel gelöst würde.

Viel Grüße vom Bodensee

Sigmund
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Re: Rätselhafter Saisonsart

Beitragvon Kurt Mack » 18.04.2014, 13:57

Hallo!

Schau beim nächsten Mal ob die hellen Kügelchen schwimmen, wenn ja, sind es sehr wahrscheinlich Fettablagerungen aus der Kanalisation (Restaurant, Imbiss, Metzgerei). Für uns nicht lecker, Fische sehen das leider anders.

Pollenkörner von Bienen sind wasserlöslich (Honig) und lösen sich schnell zu einem feinen Staub auf. Denkbar wären noch Teile von Blüten oder Knospen.

Tschüß, Kurt
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Re: Rätselhafter Saisonsart

Beitragvon Maggov » 18.04.2014, 14:41

Hi Thomas,

hier kommen ja sehr tolle und wilde Erklärungen... ich tippe recht pragmatisch auf kleine scharze Steinfliegen ("needleflies").

Warum? Nun, die schlüpfen derzeit an den Strecken wo ich die letzten Tage unterwegs war, sind am Wasser so gut wie gar nicht zu erkennen, in der Luft wegen der Grösse sehr schlecht und das von Dir beschriebene Steigverhalten habe ich auch an meinen Strecken beobachten können (womit Fettperlen und Laich, etc. ausscheiden).

Der leere Magen lässt sich auch damit erklären dass die Nahrung entweder weiter oben im Schlund saß (hast Du den angeschaut) oder die Fische gerade das Fressen erst begonnen haben (wie Du geschreiben hast war davor tote Hose - wieder gleiche Erfahrung: wegen der niedrigen Temperaturen konzentrieren sich die Fressaktivitäten an der Oberfläche auf eine sehr kurze Zeit).

LG

Markus
Reflection is a broad deep and quiet pool into which the stream of an angler's thought opens out from time to time.
A. A. Lucas in Fishing and Thinking, 1959
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