Versehentlich nass gefischte Maifliege fängiger als trockene

Hier gehts rund um den Fisch. Besonderheiten, spezielle Techniken und Köderwahl auf unterschiedliche Fischarten, u.s.w.

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Versehentlich nass gefischte Maifliege fängiger als trockene

Beitragvon Hickey » 16.05.2017, 20:35

Hallo zusammen,

Ich war heute an einem Wiesenbach unterwegs, der immer einen recht guten Maifliegenschlupf hat. Die ersten waren auch schon unterwegs, zusätzlich gab es eine ganze Menge anderer Insekten. Ich muss dazu sagen, dass ich mich der Insektenkunde gerade erst öffne, und bisher immer eher nach dem etwas stupiden Trial-and-Error-Prinzip gefischt und oft auf Nymphen zurück gegriffen habe.

Aber zurück zum Thema: Ich habe eine gelbe Maifliege angeknüpft (und zwischendurch auch mal eine Adams ausprobiert) und diese leicht stromauf geworfen, an mir vorbei treiben lassen und dann noch stromab Leine nachgefüttert. Der Bach ist extrem langsam und glasklar, die Fische daher auch oft relativ scheu. Das 16er Fluoro-Vorfach habe ich mit Orvis Mud behandelt. Trotzdem konnte ich sowohl auf Adams als auch auf Maifliege trocken gefischt nur 1-2 Bisse verzeichnen. Als die Fliege aber nach ein paar Würfen nass war und knapp unterhalb der Wasseroberfläche dahin schwamm, oder wenn ich sie am Ende der Drift mit einem Zucker unter Wasser brachte, um sie so unauffällig, wie möglich einzustrippen - dann ging es auf einmal ab und ich konnte einige aggressive Bisse verzeichnen.

Ist das ein Phänomen, das durchaus mal vorkommen kann? Oder habe ich irgendwas falsch gemacht, das dann "aus Versehen" doch funktioniert hat? Dass man normal nicht trocken stromab fischt, weil man dann ggf. die unterhalb stehenden Fische vergrault, ist mir dabei schon klar; das meine ich nicht.

Danke für ein bisschen Aufklärung!
Michael
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Re: Versehentlich nass gefischte Maifliege fängiger als troc

Beitragvon Royal Coachman » 16.05.2017, 20:43

Hallo Michael!

Du hast gar nichts falsch gemacht, ich fette meine Fliegen grundsätzlich nicht und sie fangen über und unter Wasser genau so gut.

Das funktioniert aber nur mit klassisch gebundenen Fliegen, Parachutes gehen überhaupt nicht, da stimmt die Silhouette nämlich nicht mehr.

Auch das plötzliche Untertauchen reizt die Fische oft ungemein, besonders am Abend.

Noch ein kleiner Tip, brenne mit einer Zigarette die unteren Hecheln etwas an. Die dadurch entstehenden kleinen "Füßchen" sind wichtig und außerdem hat die Fliege eine bessere Wasserlage.

Viel Erfolg noch und
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Re: Versehentlich nass gefischte Maifliege fängiger als troc

Beitragvon Magellan » 17.05.2017, 04:15

Hickey hat geschrieben: dass ich mich der Insektenkunde gerade erst öffne, und bisher immer eher nach dem etwas stupiden Trial-and-Error-Prinzip gefischt und oft auf Nymphen zurück gegriffen habe.



Ei- Larve- Nymphe, ergo: Insekt, da ist also nichts stupides dabei...

Hickey hat geschrieben: am Ende der Drift mit einem Zucker unter Wasser brachte, um sie so unauffällig, wie möglich einzustrippen - dann ging es auf einmal ab und ich konnte einige aggressive Bisse verzeichnen.


Michael,
nenne es Biss reflex, den du mit deiner Fliege ausgelöst hast als deine Technik versagte! Das klappt auch wunderbar mit der schlitter-Sedge oder einer “Bomber“

Diese Effizienz tut einem Trockenfliegenpuristen natürlich im Herzen weh, aber, Fliegenfischen hat ja bekanntlich mehrere Facetten...

Gruss
Heiko
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Re: Versehentlich nass gefischte Maifliege fängiger als troc

Beitragvon Royal Coachman » 17.05.2017, 11:25

Hallo Heiko!

Das macht einem "Trockenfliegenpuritaner" eigentlich nichts aus, denn eine große Schlitterfliege oder ein dicker Käfer machen u.U. auch große Forellen lebendig.

Außerdem fischt man in "Wilden Wassern" fast ausschließlich so, denn die Fliege wird durch die starke Wasserbewegung meist sofort unter Wasser gedrückt.

tight lines
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PS: wenn der Grund eines Gewässers grundsätzlich zu jeder Tages- und Nachtzeit mit schweren Jigs durchgepflügt wird, das tut weh!
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Re: Versehentlich nass gefischte Maifliege fängiger als troc

Beitragvon flo staeuble » 17.05.2017, 11:30

Royal Coachman hat geschrieben:
PS: wenn der Grund eines Gewässers grundsätzlich zu jeder Tages- und Nachtzeit mit schweren Jigs durchgepflügt wird, das tut weh!


aber Gebhard - entstehen so nicht wertvolle Laichplätze und man spart sich die von dir an anderer Stelle empfohlene Spitzhacke??

(ich entschuldige mich bei allen Beteiligten für meine Albernheit)

flo
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Re: Versehentlich nass gefischte Maifliege fängiger als troc

Beitragvon Hans. » 17.05.2017, 13:27

Hallo Michael,

Als Anfänger im Fliegenfischen hatte ich in einem Stausee mit unerwünscht abgesoffenen Elkhair Caddies reichlich mehr Forellen gefangen als trocken :shock: ,
und das dort dann zur Methode erhoben :wink: .

Es ist alles gut!

Gruß,
Hans
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Re: Versehentlich nass gefischte Maifliege fängiger als troc

Beitragvon Hickey » 17.05.2017, 16:29

Danke euch allen für die ermutigenden Antworten. Auch wenn das für dieses Jahr gesetzte Ziel heißt, soviel wie möglich trocken zu fischen, werde ich am Ende wohl kein "Trockenfliegenpurist" sein. Zu sehr schlägt in mir das Herz des Jägers - das heißt, mir geht's um's Fische fangen, nicht um irgendwelche Grundsatzangelegenheiten. ;)

(Das NICHTS in der Angelei soviel Freude bereitet, wie der auf sauber präsentierte Trockenfliege gefangene Fisch bleibt davon vollständig unbenommen!)
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Re: Versehentlich nass gefischte Maifliege fängiger als troc

Beitragvon AlexX!! » 17.05.2017, 17:05

Hi Michael,

dafür gibt es sogar eigens entworfene Muster, die "Gosling Wetfly" ist zum
Beispiel so eines. total simpel, schlägt aber meistens jedes noch
so toll gebunde trocke Muster :)
schau mal hier im Forum, oder bei Tante Goooooogle

beste Grüße
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Re: Versehentlich nass gefischte Maifliege fängiger als troc

Beitragvon Maggov » 17.05.2017, 17:44

Royal Coachman hat geschrieben:Hallo Heiko!

Das macht einem "Trockenfliegenpuritaner" eigentlich nichts aus, denn eine große Schlitterfliege oder ein dicker Käfer machen u.U. auch große Forellen lebendig.

Außerdem fischt man in "Wilden Wassern" fast ausschließlich so, denn die Fliege wird durch die starke Wasserbewegung meist sofort unter Wasser gedrückt.

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PS: wenn der Grund eines Gewässers grundsätzlich zu jeder Tages- und Nachtzeit mit schweren Jigs durchgepflügt wird, das tut weh!



Hallo Gebhard,

nach der Hallford'schen Definition bis Du aber in beiden Fällen raus... Sorry ;)

LG

Markus
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Re: Versehentlich nass gefischte Maifliege fängiger als troc

Beitragvon Olaf Kurth » 17.05.2017, 22:47

AlexX!! hat geschrieben:

dafür gibt es sogar eigens entworfene Muster, die "Gosling Wetfly" ist zum
Beispiel so eines. total simpel, schlägt aber meistens jedes noch
so toll gebunde trocke Muster :)


Das ist genau so, wie es Alex beschreibt,

ich erinner mich gerne, dass mir Frank vor Jahren bei einem gemeinsamen Fischen mit seiner letzten "Gosling" ausgeholfen hat. Mit diesem tollen Muster konnte ich Fische fangen, sie nahmen wirklich keine andere Fliege, ich wäre fast verzweifelt. Revanchieren wollte ich mich bei Frank mit meinen "Coque de Leon-Fliegen", für mich das beste Trockenfliegen-Muster ever....

Liebe Grüße,

Olaf
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Re: Versehentlich nass gefischte Maifliege fängiger als troc

Beitragvon flo staeuble » 18.05.2017, 07:20

hey Michael, versuch mal an deinem Bach zur Maifliegenzeit die im anderen Thread beschriebene Maifliege mit Steinhuhnhechel.
Die erfüllt beide Anforderungen. Das Ding ist einerseits so groß und hell, dass du es immer siehst, andererseits hängt aber soviel wuchtiger Hechelschmarrn dran, dass die Hälfte der Fliege erheblich unter der Wasseroberfläche dümpelt.
Meine Maifliegenerfolge sind durch diese Fliege erheblich gewachsen.
Grüße vom Flo
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Re: Versehentlich nass gefischte Maifliege fängiger als troc

Beitragvon Hickey » 18.05.2017, 09:17

Danke für den Tipp, Flo! Ich hab grad mal geschaut, war mir aber nicht ganz sicher, welchen Thread du meinst. Weißt du noch den Threadtitel?

Danke,
Michael
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Re: Versehentlich nass gefischte Maifliege fängiger als troc

Beitragvon AlexX!! » 18.05.2017, 09:34

Hickey hat geschrieben:Danke für den Tipp, Flo! Ich hab grad mal geschaut, war mir aber nicht ganz sicher, welchen Thread du meinst. Weißt du noch den Threadtitel?

Danke,
Michael



hier

fliegenbinden-und-insektenkunde-f26227/trockenfliegen-eure-beste-maifliege--t272833-s15.html

ersatzweise tut es für die Fronthechel aber auch eine gelb gefärbte Mallard oder Rebhuhn Feder

beste Grüße
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Re: Versehentlich nass gefischte Maifliege fängiger als troc

Beitragvon maggo » 18.05.2017, 10:54

Moin Michael,

das "Phänomen" hatte ich als Anfänger auch. Zwar nicht mit der Maifliege sondern mit einer Mücke oder einer Caddies in Norwegen. Als Anfänger habe ich mir selber auf die Schulter geklopft, wenn ein Wurf mal dahin kam, wohin ich zielte - dann aber enttäuscht, wenn nur wenige Forellen danach stiegen.
Wie es häufiger der Fall war und ich einen Tüddel entwirren musste, ging die Fliege unter und beim Einstrippen kamen die Bisse.

Daraufhin habe ich Fliegen gebunden, die weniger gut (kleinere oder weichere Hecheln) und knapp unter der Oberfläche schwimmen. Das läuft (zumindest in Norwegen) echt gut.

Auch fette ich meine Fliegen selten, so dass die Fliegen auch mal bewusst untergehen dürfen.

Viele Grüße,
Marco
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Re: Versehentlich nass gefischte Maifliege fängiger als troc

Beitragvon BergLutz » 18.05.2017, 10:59

Hi Marco,

das kann ich so bestätigen. In den kleinen Fjellseen in Norwegen hab ich auch am besten mit einer abgesoffenen Bibio gefangen - noch besser - mit dem Bellyboot in der Winddrift langsam geschleppt.

Gruß
Lutz
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