Wo sind die größeren Farios geblieben?

Hier gehts rund um den Fisch. Besonderheiten, spezielle Techniken und Köderwahl auf unterschiedliche Fischarten, u.s.w.

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Wo sind die größeren Farios geblieben?

Beitragvon PitTR » 18.09.2014, 17:11

Hallo zusammen,

vielleicht ist euch auch schon Folgendes passiert und ihr könnt mir weiterhelfen:
Ich fische in einem vor-alpinen Gebirgsbach in der Nähe von Reit im Winkl mit einer Forellenpopulation, die sich selbst reproduziert. Der Befischungsdruck ist sehr gering. Bis etwa Ende Juli hätte ich fast jeden Tag mit maßigen Fischen nach Hause gehen können. Hauptsächlich band ich den Stimulator ans Vorfach, um nicht zu viele kleine Forellen zu haken und weil er in der Strömung am besten zu sehen ist. Das funktionierte auch recht gut. Die kleinen Forellen bissen Gott sei Dank nicht.

Die Situation hat sich aber jetzt völlig verändert: Weder auf Nymphe, noch auf Trockenfliege und Streamer beißen die größereren Forellen, und die kleineren Forellen (bis 25 cm) stürzen sich mittlerweile auf den Stimulator, so dass es fast keinen Spaß mehr bereitet, die Fliege auszuwerfen (Hauptbeschäftigung ist das Reinigen und Trocknen der Fliege).

Erklären kann ich mir das Ganze im Augenblick nicht, denn am Gewässer hat sich ja nichts geändert.

Ich weiß nicht, ob ihr Ähnliches mal erlebt habt? Interessant wäre es für mich, eure Meinung zu hören.

Gruß Pit
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Re: Wo sind die größeren Farios geblieben?

Beitragvon Michael. » 18.09.2014, 17:46

Hallo Pit,

es ist jetzt die Zeit im Jahr, wo sich die größeren Bachforellen auf Laichwanderschaft begeben - und sich daher nur noch wenig für unsere Fliegen interessieren. Zumindest bei uns ist das jedes Jahr ab Anfang/Mitte September so...

Gruß
Michael
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Re: Wo sind die größeren Farios geblieben?

Beitragvon Olaf Kurth » 18.09.2014, 18:00

Lieber Pit,

es ist schwer Ferndiagnosen zu stellen, vielleicht hilft Dir mein Ratschlag trotzdem:
Versuche es zu unterschiedlichen Tageszeiten am Gewässer. Die größeren Raubforellen in unseren Wildbächen (600m - 700m) meiden z.B. oft die hellen Tagesstunden und bleiben in ihren Verstecken (so meine Erfahrung). Wenn der Tag so langsam zur Neige geht, kommen die kräftigen Forellen hervor und suchen ihre proteinreiche Nahrung. Ich würde versuchen abends übergroße Trockenfliegen in Größe 8 oder 10 zu präsentlieren, Wooly-Variationen als Beutefisch-Imitat oder aber - ppppppsssssssssttttt - Geheimtipp: Mausmuster(!).

Denk immer dran: Hoch aufgerichtet und laut auftretend, bemerken Dich die meisten Wasserbewohner am Wildbach sehr schnell. Gedecktes, konzentriertes Indianerfischen mit allen Sinnen ist Pflicht!

Ü-60er Forellen aus unseren Wildbächen haben regelmäßig Mäuse und komplette große Frösche im Magentrakt.

Nachtrag: Laichwanderungen beginnen regional sehr unterschiedlich, es kann durchaus sein, dass Deine kräftigeren Laichforellen größere Fressperioden eingestellt haben und sich im Moment um andere Sachen kümmern. Da Eure Schonzeit für Bf. in knapp 14 Tagen beginnt, würde ich die Fische einfach in Ruhe lassen.

Liebe Grüße,

Olaf
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Re: Wo sind die größeren Farios geblieben?

Beitragvon Frank. » 18.09.2014, 18:55

Michael und Olaf haben die wichtigsten Dinge ja schon gesagt.
Auch bei uns am Fluss beginnt jetzt im Herbst schon langsam der Kampf um die Laichbetten in den kiesigen Abschnitten und die Großforellen sind extrem aggressiv. Meiner Erfahrung nach werden besonders leuchtend rote Streamer sehr heftig angegriffen. Für Trockenfliegen und Nymphen besteht hingegen kaum Interesse.

Ich tendiere freilich sehr dazu, die Laichfische jetzt schon in Ruhe zu lassen. Das halte ich persönlich für den wichtigsten Hinweis ...

Dein Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
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Re: Wo sind die größeren Farios geblieben?

Beitragvon ralph » 18.09.2014, 19:41

Hi Pit,

ich glaube auch, dass es mit der Laichwanderung zu tun hat. Ich fange bei mir i.d.R. 60/40 Bach- und Regenbogenforellen in allen Größen. Heute habe ich nur maßige Regenbogner und sehr kleine, noch nicht laichreife Bachforellen fangen können. Die kleinen habe ich auch an vielen Spots gefangen, wo sonst große zu finden sind. Ich deute das so, dass die großen, laichreifen Fische schon auf Wanderschaft sind.

Liebe Grüße,
Ralph
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Re: Wo sind die größeren Farios geblieben?

Beitragvon gespliesste » 19.09.2014, 00:35

Hallo,

klar gibt es regionale Unterschiede, aber mitte Septemeber bei dem Wetter ist wirklich noch arg früh für die Laichwanderung. In München war heute den ganzen Tag pralle Sonne und mind. 25 Grad.

Große Fliegen = große Fische? Die Logik erschliesst sich mir auch nicht ganz.. Die "kleinen" sind ja auch immer da, also hätten ja auch im Sommer beissen sollen? Ein #10 Stimulator ist für eine 15cm Forelle kein Hinderniss. Wobei die großen Hakenbögen für die kleinen Fische oft zum Verhängnis werden. Ich mag diese "grossen" Fliegen nicht so gerne, an unseren Flüssen fische ich selten größer als #14.

Hab die letzten Tage von einem anderen Fluss aus Bayern gehört, dass zur Zeit wenige große Forellen beissen und kaum noch kleine.
Also alles wohl sehr relativ.

LG,

Olaf
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Re: Wo sind die größeren Farios geblieben?

Beitragvon orkdaling » 19.09.2014, 08:15

Meine bescheidene Meinung:
1.Dein Nachbar hat alle aufgegessen.
2.Die haben Nahrung umgestellt, fressen nun Fischlein.
3.Da schliesse ich mich den anderen an, die sind zwar noch nicht am laichen aber die sind in laichstimmung, sammeln sich bereits.
Ich kønnte auch jedes Jahr meinen Hut fressen wenn ich sehe wie grøssere Trupps von Mefo sich in meiner Hausbucht sammeln, buckeln, spielen aber nicht eine beisst an. Und das im August/Sept., je nach wetterlage. Ab und zu hatte ich Glueck mit Reizfarben aber da hakst du 50% von aussen, was bedeuten wuerde das sie nur aggressiv reagieren.
Aber erfreu dich doch an dem schønen Herbst, æh Sommerwetter.
Gruss Hendrik
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Re: Wo sind die größeren Farios geblieben?

Beitragvon PitTR » 19.09.2014, 09:19

gespliesste hat geschrieben:Hallo,
....
Große Fliegen = große Fische? Die Logik erschliesst sich mir auch nicht ganz.. Die "kleinen" sind ja auch immer da, also hätten ja auch im Sommer beissen sollen? Ein #10 Stimulator ist für eine 15cm Forelle kein Hinderniss. Wobei die großen Hakenbögen für die kleinen Fische oft zum Verhängnis werden. Ich mag diese "grossen" Fliegen nicht so gerne, an unseren Flüssen fische ich selten größer als #14.
....

LG,

Olaf


Hallo Olaf,

Große Fliegen = große Fische? ich habe hier die Erfahrung gemacht, dass bis zum Sommer hauptsächlich die Großen auf den Stimulator gebissen haben. Im stärker strömenden Wasser waren es vermehrt Kleine. Aber darauf kann man sich ja einstellen, was bedeutet dort nicht zu fischen. Jetzt beißen die Kleinen, die ich aber noch nicht einmal aus dem Wasser nehmen muss um abzuhaken, da die Fliege ganz außen am Maul sitzt. Nehme ich kleine Fliegen, z. B. #14, so muss ich es leider tun, und das möchte ich vermeiden.

Gruß Pit
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Re: Wo sind die größeren Farios geblieben?

Beitragvon Salmo.trutta » 19.09.2014, 22:05

Hallo,

wenn ich von meinem Heimatgewesser hier in Österreich ausgehe - so kann ich die Beobachtung teilen. Die großen Bachforellen sind mit dem schlechten Wetter zwischen Ende August und Mitte September "verschwunden", wie sich auch das Laub zu verfärben beginnt und im Wasser schwimmt, der Morgennebel zäher wird, ... es wird halt Herbst. Selbst wenn das Wetter jetzt nochmal schön wird, wurde die Hormonkiste in Bewegung gebracht. Man kann das meiner Meinung nach auch schon vorher an der intensiveren Färbung der großen Bafos erkennen. Und, man fängt schon ab und zu noch eine - aber eher foul hooked. Das ist dann etwas mehr so wie Lachsfischen. Da es sich beim beschriebenen Fall ja eher um eine Höhenlage handelt ist das besonders frühe Auftreten wohl kaum überraschend. Hoffentlich bleibt es noch länger schön genug (für Rebos und Äschen) damit der Winter nicht zu lange wird.

LG Tobias
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Re: Wo sind die größeren Farios geblieben?

Beitragvon Joerg Giersbach » 28.09.2014, 20:23

Hallo!
War heute Mittag mal für 2 Std. am Wasser.
Als bei uns sind sie noch da! :lol:
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Gruß und TL Jörg
-Das Leben ist zu kurz um nicht mit Bambus zu fischen-
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Re: Wo sind die größeren Farios geblieben?

Beitragvon Olaf Kurth » 28.09.2014, 21:58

Ein schön gezeichneter, kräftiger Milchner, lieber Jörg,

mit dickem 'Petri' in die hessischen Nachbarreviere.

Liebe Grüße,

Olaf
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Re: Wo sind die größeren Farios geblieben?

Beitragvon OLDBOY » 29.09.2014, 10:10

Ich kann das nur bestätigen..... Habe gestern die Saison beendet, haben gefressen wie verrückt, eine 46 erwar auch dabei......
schön wenn man bestätigt wird, aufmerksame Leser wissen, was ich meine ;)
The beauty of fly fishing and our sport has very little to do with the size of the fish we catch. Instead, this attraction is found in the places that fishing takes us - those that are close to home and others that are halfway around the world.
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