Bindestock Selbstbau --- der Werdegang ...

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Bindestock Selbstbau --- der Werdegang ...

Beitragvon Wolfgang V. » 14.12.2016, 20:01

Hallo, ich heiße Wolfgang und ich bin brandneu hier. :badgrin:

Ich habe mich schon an anderer Stelle vorgestellt und wollte jetzt nachdem ich schon danach gefragt wurde mal meinen selbstgebauten Bindestock vorstellen bzw. dessen Werdegang.
Da ich schon andere Sachen in meinem anderen Hobby selbst konstruiert und gebaut habe und das in ganz anderen Dimensionen und Schwierigkeitsgraden kam für mich der einfache Kauf eines Bindestockes auf keinem Fall in Frage.
Muss aber dazu sagen (bzw.schreiben) das ich damals nie gedacht hätte das um Bindestöcke so ein Hype veranstaltet wird.

Angefangen hat alles mit einem Provisorium um meine ersten Fliegen und Nymphen zu binden vor ca . knapp einem Jahr.
Ich fertigte mir zunächst eine Grundplatte aus 15mm Stahl an in der ich zirkular eine Flachsenkung fräste per CNC Fräse um darin ein Magnetfuß eines Hydraulischen Messuhren Armes aufzunehmen den ich mir im Netz besorgte. Die bekannte Bucht bietet da einiges an..... Am Arm selbst klemmte ich einen 8mm Passstift ein und drehte mir aus einem Aluminium Werkzeughalter mit Spannzange eine simple Aufnahme mit Messingbuchse und Schraubklemmung um das Drehen des später eingespannten Hakens zu ermöglichen. Diese Aufnahme konnte ich dann auf den Passstift stecken. Hier mal das Gesamtkonstrukt im Anfangsstadium.

Bild

Ok, leider ist das Bild verdreht aber man kann erkennen was es sein soll hoffe ich. Alle klappen jetzt bestimmt den Kopf nach links :)

Zur Hakenaufnahme selbst nahm ich einfach eine M 5 Schraube die ich mir so zurecht drehte das sie 1. in den Werkzeughalter bzw. Spannzange passte und 2. am anderen Ende ebenfalls so abgedreht wurde das dort eine Bohrbuchse auf zu schieben geht. An diesem anderen Ende des Zapfens bohrte ich ein kleines 1mm Loch. Durch eine aufgeschraubte Rändelmutter die die Bohrbuchse nach vorne schob konnte ich meine Haken erst mal einigermaßen befriedigend einspannen. Natürlich nicht zu fest da sie sonst verbiegen würden.
Gut zu erkennen auf den folgenden Bilder:

Bild

Bild
Bitte nicht auslachen, das war eine meiner ersten Fliegen überhaupt die ich da gerade zusammen getüddelt hatte. :oops:


Einige Zeit später dann bastelte ich mir dann noch einen Bobbin Halter bzw. Galgen dazu auf dem ich gedrehte Klemmhalterungen aufsteckte mit kleinen 2mm gekerbten Passstiftchen um Federn einzuhängen. So konnte ich nun ein Bobbin auch im gewünschten Winkel zum Hakenschenkel fixieren wenn nötig.

Bild
Eine um den Werkzeughalter gespannte Feder zum einklemmen von Rippungsdraht usw. kam dann auch noch hinzu.

Alles in allem keine optimale Lösung, aber für den Anfang war es ok.
So weit erst einmal, zum ersten Stand meines selbstgebauten Bindestockes. Demnächst geht's natürlich weiter Freunde.
Ich hoffe es gefällt euch schon mal bis hier hin und so mancher findet hiermit ein paar Anregungen wofür auch immer.

Grüße Wolfgang
Zuletzt geändert von Wolfgang V. am 14.12.2016, 20:24, insgesamt 1-mal geändert.
Viele Grüße Wolfgang
Wolfgang V.
 
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Re: Bindestock Selbstbau --- der Werdegang ...

Beitragvon Löhrer Meefisch » 14.12.2016, 20:14

Hallo Wolfgang! Erstmal herzlich willkommen [SMILING FACE WITH SMILING EYES] danke für den tollen Bericht. Bin schon gespannt wie es weiter geht.

Gruß René
Gruß und tight lines
Rene
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Re: Bindestock Selbstbau --- der Werdegang ...

Beitragvon Hoffi » 14.12.2016, 21:55

Wolfgang,
Soweit so gut, hätte ich nicht besser hin bekommen :mrgreen:

Nee im Ernst. Haste fein gemacht.
Möchte unbetont mehr erfahren wie es weiter geht.
...ich mach `ne Fliege und geh fischen. Gruß Ingo
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Re: Bindestock Selbstbau --- der Werdegang ...

Beitragvon FlyMike » 15.12.2016, 12:45

Hallo Wolfgang,

also ich würde mal sagen mit dem Stock kann man Fliegen binden :daumen . Besonders das mit dem Gelenkarm finde ich interessant.
Ich finde es gut wenn einer, wenn er die Möglichkeiten hat, sich seine Arbeitsmittel selbst baut. =D>

Und zu deiner Vermutung .....
Ok, leider ist das Bild verdreht aber man kann erkennen was es sein soll hoffe ich. Alle klappen jetzt bestimmt den Kopf nach links :)
kann ich dir sagen: Ich nicht, ich habe den Bildschirm nach rechts gedreht :mrgreen:

Gruß
Michael
.......... tie or die ........
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Re: Bindestock Selbstbau --- der Werdegang ...

Beitragvon Harald aus LEV » 15.12.2016, 16:50

Hallo Wolfgang,
der Stock sieht richtig gut aus und Deine Fliege wird fangen, garantiert. Im Grunde kommt es darauf an, wie sie dem Fisch gefällt.

Gruß
Harald
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Re: Bindestock Selbstbau --- der Werdegang ...

Beitragvon Wolfgang V. » 15.12.2016, 17:35

Hallo,

ich werde einfach mal weiter machen um einige nicht unnötig auf die Folter zu spannen.
Wie sich beim Anblick des Teiles jeder denken kann war diese Art von Haken Spannung alles andere als günstig.
Haken der Größe #16 zbs. konnte ich zwar spannen aber die Festigkeit ließ zu wünschen übrig.
Manchmal passierte es das ein eingespannter Haken beim binden abbrach, oder aber die fertigen (Fliegen) hatten im Hakenbogen Verletzungen im Material. Es entstand also im Hakenbogen eine eingebrachte Sollbruchstelle quasi. Die Gewissheit das dies nun nicht das optimale Haken Spannen darstellt veranlasste mich nach einer neuen Lösung zu suchen.
Als binde Neuling kommt man zumindest in meinem Fall mit Bindevideos in Kontakt, jeder kennt bestimmt diese Videos und so stieß ich auf ein paar Videos in denen man schön sehen konnte wie der eingespannte Haken samt Spannzange sich rotieren ließ um Material auf den Hakenschenkel zu bringen. Man sieht dort genau wie der Hakenschenkel genau in der Drehmitte der Lagerung rotiert, sofern er optimal eingespannt wurde.
Klar war das mir dieser Gedanke nicht mehr aus dem Kopf ging.
Daraus resultierte das ich mir Abends ein paar Gedanken machte was ich ändern wollte. Es dauerte nicht lange und ich kam zu folgendem Entschluss: Grundplatte und der Hydraulisch fest zu stellende Arm werden bestehen bleiben der Rest wird komplett neu.
Also eine komplette Lagerung mit ca. 45°grad (Knie) an der sich eine ordentliche Spannzange befindet und die Lagerung selbst muss per Hand drehbar sein und am besten einen Kurbelknauf besitzen und natürlich muss auch alles feststellbar sein.
Zuerst machte ich mich daran eine neue Spannzange zu bauen, auf der Arbeit fiel mir eine mini Parallelschraubzwinge in die Hände.
Mein Chef sagte mir das Teil zu mit einem Lächeln und nach erfragter Erlaubnis mir einen Bindestock nach Feierabend zu bauen legte ich prompt am nächsten Tag los. Ich spannte diese kleine Schraubzwinge einfach nach Gefühl in ein Präzisionsschraubstock und schliff mir das Ding auf einer alten Schleifmaschine mit Magnettisch zurecht bis ich zufrieden war. Danach verbesserte ich mit Kunstoffgleitlager und 4mm Passstiften die Parallelführung beider Spannbacken. Das ganze sah dann so aus:

Bild

Bild

Bild

Diese zwei Teile kamen dann in den Härteofen und wurden bei ca 800°eingewickelt in Härteschutzfolie eine knappe Stunde geglüht, danach im Ölbad abgeschreckt und danach vorsichtig erneut sauber geschliffen um eine schöne Oberfläche zu erhalten. Danach dann drei Stunden ganz langsam im Ofen auf ca. 200° angelassen und nach erneutem Abkühlen dann bei 100° über Nacht zum gaaaanz langsamen auskühlen im Ofen belassen.
Am nächsten Tag dann nach Feierabend nahm ich mich dem 45°Knie an. Aus einem 20mm starkem und 75mm langem Rundstahl drehte ich mir in der Drehbank eine Art in der Mitte verjüngte Welle die an jeder Seite eine Art Flansch bekamen. Ich nenne sie jetzt mal Säule.
Die eine Seite musste die Drehachse aufnehmen können, als Drehachse benutzte ich einfach ein 12mm Passtift und der Flansch bekam mit einer Reibahle eine ganz simple 12 H7 Passung. An dem anderen Flansch bohrte ich außermittig ein M 5 Gewinde ein um die Spannzange daran zu befestigen.
In diesem Zustand ging ich dann an ein Schraubstock und spannte auf der Länge der Schraubstockbacken einen langen 12H7 Passstift ein den ich ca. 20mm rausschauen ließ. Auf diesen eingespannten Passstiftzapfen steckte ich dann meine ( Säule ) an deren anderen Ende sich die schon angeschraubte Hakenspannzange befand.
Ich begann nun in der Mitte meiner (Säule) am 8mm Durchmesser punktuell das Material mit einer sanften Autogen Flamme gleichmäßig zu erhitzen bis eine Glühfarbe von ca. 800° - 850° grad erreicht war. Vorsichtig konnte ich nun die Säule abbiegen und zwar so weit bis sich der Bereich ca. 3-4mm über der Hakenspannzange in der Drehmitte des 12 H 7 Passstifte befand. Hier war gutes Augenmaß gefragt mit Hilfe einer anderen 12mm Welle die ich darüber hielt um die eingespannte Welle zu verlängern. 8)
Am dritten Tag drehte ich dann ebenfalls aus 20mm Stahl die Lagerung selbst. bzw. das Lagerrohr. Allerdings nahm ich zur Lagerung der zukünftigen 12mm Welle keine Kugellager da mir das für einen popligen Bindestock viel zu viel Aufwand war und das in meinen Augen total überdimensioniert wäre. Für die Lagerung nahm ich einfach zwei Messing Gleitbuchsen mit Graphit Reservoirs die ich darin einpresste. Die Dinger gibt es in versch. Toleranzfeldern und sind im Internet zu haben. Allerding drehte ich dann später das Lagerrohr in der Länge nochmal so weit ab das in Zukunft die Messingbuchsen 0.3mm aus dem Lagerrohr herausstehen. Somit hatte ich auch auf beiden Seiten die Axiale Lagerung hergestellt. Das Lagerrohr bekam dann noch eine 6mm breite Nut auf drei viertel seiner Länge eingefräst in der ich ein längliches Klötzchen stecken konnte. Dieses Klötzchen bekam mit einem Schwalbenschwanzfräser die Aufnahme verpasst um sie am Hydraulischen Arm festklemmen zu können. Ich lötete das fertige Schwalbenschwanz Klötzchen dann einfach mit Weichlot in die Nut. Das hält allemal für diesen Zweck.
Am dritten Tag dann nach Feierabend musste ich nur noch die andere Seite der Wellenaufnahme aus Aluminium drehen. Eine Seite die fest mit dem Lagerrohr verbunden ist und die andere Seite eine Art Wellenscheibe als Axialer Anschlag der Lagerung und zur Aufnahme des Kurbelknaufes und ein Klemmschräubchen mit flacher Kunststoffspitze. Die Wellenscheibe bekam dann noch eine Behandlung in der Drehmaschine mit dem Rändler genauso der Kurbelknauf aus Messing. Danach ging es dann ans Zusammenbauen. Die 12mm Welle wurde in der Länge angepasst und in der Wellenscheibe verklebt. Die andere Seite der Welle steckt in dem Knie und wird dort durch eine Madenschraube einfach fest geklemmt. Die Welle hat dort von mir eine Klemmfläche bekommen. In der Axiallagerung befinden sich noch einige Passscheiben um den Abstand zwischen Wellenscheibe und festsehendem Teil einzustellen. Außerdem stanzte ich mir mit Locheisen aus dünnem Teflonmaterial Scheiben aus die sich auch auf der Axialen Lagerung dazwischen befinden. Unter zusammendrücken von Wellenscheibe mit Knie auf dem Lagerrohr klemmte ich die Welle per Madenschraube fest. Als ich nun per Hand an der Wellenscheibe drehte war ein erwünschter saugender Wiederstand zu spüren. Danach zerlegte ich wieder alles um die blanken Stahlteile glasperl zu strahlen, dann kamen die Teile in ein Kaltbrünierbad für ein paar Minuten. Danach wurden die Teile über Nacht in einem Ölbad belassen und ich konnte am nächsten Tag wieder alles zusammenbauen. Das soweit fertige Teil seht ihr auf den folgenden Bildern.:

Bild

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Jetzt konnte ich erst einmal ganz anständig Fliegen binden.............
Soweit so gut? .....denkste! Der endgültige Stand war auch das noch nicht so ganz ...... Fortsetzung folgt :-k :smt003
Viele Grüße Wolfgang
Wolfgang V.
 
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Re: Bindestock Selbstbau --- der Werdegang ...

Beitragvon joschn » 15.12.2016, 17:44

Respekt Wolfgang,
da erkennt man den Handwerker.
Nicht nur am Bindestock, auch dein Bindeplatz sieht Strukturiert aus, zumindest die Ausschnitte die man sieht :wink:
Grüße vom Albtrauf

Jörg
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Re: Bindestock Selbstbau --- der Werdegang ...

Beitragvon HannesN » 15.12.2016, 18:46

Wow! Ganz großes Kino, das gibt bestimmt den ultimativen Bindestock!
Weiter so, bin echt gespannt was noch kommt.

Gruß Hannes
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Re: Bindestock Selbstbau --- der Werdegang ...

Beitragvon zollgendpol » 15.12.2016, 19:03

Hallo Wolfgang,

das liest sich für einen Beamten der null handwerkliches Können hat aber sehr spannend! Der Stock schaut schon mal gut aus. Man sieht dass du dein Handwerk verstehst. Bist offensichtlich Dreher von Beruf!?

Freu mich schon auf die Fortsetzung!

Gruß Karl
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Re: Bindestock Selbstbau --- der Werdegang ...

Beitragvon Mr. Wet Fly » 15.12.2016, 19:54

Moin Wolfgang,

erst mal ein herzliches Willkommen hier.
Du hast Dich ja schon sehr gut eingeführt. :wink:

Dein Bindestock, eine saubere handwerkliche Arbeit. =D> =D> =D> =D>

Ich wäre froh gewesen wenn ich auch so einen Chef gehabt hätte der es mir erlaubt
nach Feierabend Drehteile zu fertigen.
Bei uns war das streng verboten, dabei hätte man so viel tolle Teile drehen können.

Freue mich auf weitere Werke von Dir.

Im Bindethread hast Du ja auch schon was gepostet, da kommt bestimmt noch mehr. :wink:

Gruß Bernd
Mr. Wet Fly
 
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Re: Bindestock Selbstbau --- der Werdegang ...

Beitragvon mooose » 15.12.2016, 20:30

Hallo Wolfgang,

schaut vielversprechend aus...weiter so!
Das hat schon echt seine Vorteile, wenn man das Können und die Ressourcen hat, seine Werkzeuge selbst zu fertigen!

Hut ab & strammen Faden!
Jan
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Re: Bindestock Selbstbau --- der Werdegang ...

Beitragvon Wolfgang V. » 16.12.2016, 14:40

Hallo,

freue mich sehr das es euch interessiert und gefällt.
Und ich bin froh das ich auch im Moment die Zeit habe um so ausführlich den Werdegang des Bindestockes hier zu dokumentieren.

Jedenfalls dauerte es nicht lange und ich merkte das die jetzigen Spannbacken einfach zu dick waren.
Das Spannen klappte allerdings super! Aber zufriedenstellend war es leider doch nicht.
Als dann noch der nette Mindelpeter ein Bild des Bindestocks auf meiner FB Seite kommentierte das ich dort mit meinen Freunden teilte und er mich darauf aufmerksam machte das es gut ist wenn man am Haken Platz hat zum binden kam ich wieder ins grübeln......... Danke dafür Peter :)
Im Netz holte ich mir ein paar Inspirationen bekannter Bindestöcke und in meinem Kopf reifte eine Form heran wie die neuen Spannbacken aussehen könnten und die mir richtig gut gefiel. Am nächsten Tag auf der Arbeit war der erste Gang noch vor Arbeitsbeginn die Schrott bzw. Reststückkiste und zack hatte ich auch schon einen passenden Brocken Stahl für die zukünftige Existenz meiner zukünftigen Spannbacken auserkoren. Es war ein 20 x 30mm und 80mm langer Brocken Vierkantstahl. Die Idee erst mal einen ganzen Brocken zu machen um ihn später auseinander zu schneiden hatte ich von Anfang an da mir das viel Zeit ersparen würde.
Ich machte ihn mit Aceton Fett und Öl frei und färbte alle Seiten mit einem schwarzen Stift ein um mit der Anreißnadel und Anschlagwinkel ein paar Anrisse zu machen. Nach Feierabend ging es dann an eine konventionelle Fräsmaschine und ich stellte mit einem guten Schruppfräser erst mal die Grundform her. Leider habe ich nur ein Bild davon:


Bild

Danach ging es dann Stück für Stück weiter, alle Flächen schliff ich sauber und das Teil bekam schon in der CNC Fräse ein Langloch für die spätere vordere Parallellagerung. Auch die Fläche die an das Knie geschraubt wurde musste ich in genau diesem Winkel anbringen das sich der Hakenschenkelbereich später wieder in der Drehmitte der Lagerwelle befindet wenn man die Sache später dreht. Das war etwas kniffelig stellte aber kein Problem dar. Auch das Loch bzw. die Flachsenkung für die Befestigungsschraube zum Anbringen an das Knie ging ich gleich an. Der vordere Lagerkern wurde derweil von einem netten Arbeitskollegen aus einem anderen 20mm starken Stahlklotz herausgeschnitten per Drahterosion. Mit Drahterosion ist die Herstellung von Teilen im tausendstel Bereich möglich ( um kurz zu erläutern was das ist ). Allerdings ließ ich den Kern 0.03mm kleiner schneiden im Umfang als das Langloch in meinen Spannbacken. Desweitern bekam der Brocken schon die hintere innere 3mm Passstiftbohrung und das M5 Gewinde für die Spätere Rändelschraube zum Spannen. Das zu bohren war auch etwas kniffelig aber realisierbar. Später sollte dann in dem einen Spannbacken der 3mm Passstift fest eingepresst sein und in der gegenüberliegenden Spannbacke auch eine 3,01mm Passung um die Parallelität beider Spannbacken zu erreichen. Diese Bohrung aber nur auf einer Bohrungslänge von 3mm der Rest nach außen hin sollte dann M 5 Gewinde sein für die Spannschraube. Wenn man nun dort dann das Gewinde der Rändelschraube einschraubt drückt dieses auf den Passstift und die Backen werden hinten auseinander gedrückt und die Spannbacken klemmen dann vorne an der Spitze.
Der Fertigungsabschnitt war dann wie folgt:

Bild

Bild

Somit war es schon fast geschafft, weiter ging es dann an einem anderen Feierabend.
Der vordere Lagerkern bekam eine M4 Bohrung verpasst für die Rändelschraube zur Einstellung der späteren benötigten Spaltbreite des jeweiligen Hakens. Außerdem schob ich den Kern in das Langloch spannte alles zusammen ein und bohrte auf der einen Mitte der späteren Spannbackenhälfte eine 4H7 Bohrung durch Spannbacke und Kern für die spätere Verstiftung.
Als das gemacht war wurden alle Flächen und Bohrungen, Senkungen gefinisht. Das Teil in Aceton gespült und ohne es mit fettigen Händen anzufassen in Härtefolie gewickelt. Nun wartete das Teil darauf mit einem Schwung anderer betrieblicher Teile für eine gute Stunde im Härteofen zu verschwinden um bei 800 bis 820° grad durch zu glühen. Danach erfolgte dann das vorsichtige Abschrecken im Ölbad wobei auch ein einzigartiges Oberflächenbild entstand. Nach dem Abkühlen und entfetten putzte ich das Teil wieder schön sauber an einem Schleifvlies Mobb und es konnte danach das Anlassen des Teiles erfolgen. Gaaaanz langsam auf 200° bis 230° grad, nach erreichen dieser Temperatur blieb es dann 4 Stunden so im Ofen und kühlte ganz Langsam aus. Nach dem erkalten wurde es nochmal ganz langsam auf 100°grad erwärmt und es lag nochmal für ein paar Stunden im Ofen um alle Materialspannungen abzubauen.
So schaute die Sache dann aus:

Bild

Bild

Auf dem letzten Bild sieht man in der Mitte schon ein Anriss der Trennlinie. Ich wollte damit erneut kontrollieren ob das Teil seine Form nach dem Härten behalten hat und sich nichts verzogen hat. Sah aber alles top aus.

Ein paar Tage Später dann kam die große Stunde, der Arbeitskollege an den Erodiermaschinen hatte eine Maschine frei und nachdem ich höflich meinen Chef um Erlaubnis gefragt hatte konnte ich das Teil in der Mitte auseinanderschneiden lassen. Das dauerte rund 45Min.
So ein Trennschnitt beim Drahterodieren beträgt nur ein paar Zehntel Millimeter welcher auch immer auf die verwendete Drahtstärke an kommt. Bei meinen Spannbacken ging dadurch nur 0,3mm Material verloren.
Im vorderen Bereich der Spannbacken stach ich noch bei beiden Teilen an selber Stelle mit einem kleinen Vollhartmetall Fräser zwei Flachsenkungen ein in denen ein Schraubenfederchen seinen Platz einnahm.
Somit war die Sache zum Zusammenbau bereit was ruck zuck von der Hand ging. Ungeduldig Zuhause angekommen wurden die Spannbacken getauscht.
Hier noch ein paar Bilder davon.:

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild


So weit der aktuelle Stand. Im Moment spuckt mir noch eine Halterung für eine Feder durch den Kopf im Bereich des Knies um dort Material nach hinten wegspannen zu können. Rippungsdraht etc.....

Wenn sich was neues auftut werde ich es hier nachreichen.
Ich hoffe euch hat es bis hier hin gefallen.
Viele Grüße Wolfgang
Wolfgang V.
 
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Re: Bindestock Selbstbau --- der Werdegang ...

Beitragvon Mindelpeter » 16.12.2016, 18:22

Servus Wolfgang,

ganz ein toller Bericht zu deinen Bindestöcken =D>
Vor allem gefällt mir wie du an die Sache ran gegangen bist, zuerst ohne dich besonders an gängigen Stöcken zu orientieren. Dein zweiter war ja schon ziemlich gut, aber jetzt mit dem Kopf im LAW Design bist du prima aufgestellt für eine steile Karriere am Bindetisch :D
Wird Zeit das wir deine Fliegen sehen...

Ich wünsche dir allzeit einen strammen Faden

LG
Mindelpeter
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Re: Bindestock Selbstbau --- der Werdegang ...

Beitragvon Olaf Kurth » 16.12.2016, 21:53

Ein wunderschöner Bericht zu Deinem Bindestock, lieber Wolfgang,

mich beeindrucken die Schritte, mit denen Du erst den Rohling anfertigst und dann die verschiedenen Härteverfahren anwendest. Der fertige Bindestock kann sich sehen lassen. Du wirst ihn sicher mit der ein oder anderen Ergänzung für Deine weitere Zeit als Binder nutzen können.

Liebe Grüße,

Olaf
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Re: Bindestock Selbstbau --- der Werdegang ...

Beitragvon fly fish one » 17.12.2016, 10:29

Ich nehm auch einen! :P

Mein lieber Wolfgang,

für diese 1a Arbeit kriegste von mir meine Daumen hoch - alle 10!!
Unglaubliche Details, viele Stunden hingebungsvoller Arbeit - "Oider", der Hammer!! =D>

Ich bin sehr gespannt was Du noch alles baust! Achja, stimmt, der Hintergrund mit Deinem Arbeitsplatz zum Binden, dass ist eigentlich genauso beeindruckend!!

Dein Frank
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