Fliege fängt nicht

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Fliege fängt nicht

Beitragvon foxandfawn » 02.09.2017, 10:06

Hallo zusammen,

ich erhoffe mir durch diesen Beitrag eure Hilfe bei der Verbesserung meines Bindens und einen Austausch über mögliche Gründe dafür, dass ein Muster nicht so recht fangen will.


Fliege1.jpg
Fliege1.jpg (447.8 KiB) 580-mal betrachtet


Diese Fliege habe ich aus dem schönen Kanal von SMHAEN:
https://www.youtube.com/watch?v=xFeK6a6okUw

Ich mag die Materialauswahl und auch die Fliege gefällt mir ausgezeichnet gut, nur den lieben Fischlein einfach nicht.
Gefischt habe ich sie von April bis jetzt, hauptsächlich im Wiesenbach.


Der Dateianhang Fliege2.jpg existiert nicht mehr.


Diese March Brown war das vorgegebene Muster für die deutsche Meisterschaft auf der EWF 2017.
http://howtoflyfish.orvis.com/fly-tying ... -brown-dry

Bei den Materialien habe ich statt Woodduck Stockente nehmen müssen, Dubbing ist Eichhörnchen.
Diese Fliege hat nur eine Scheuchwirkung. Sowohl im Wiesenbach als am schnellem Gebirgsfluss.

Vielen lieben Dank und ich freue mich auf regen Austausch :)
Sandra
Dateianhänge
Fliege2.jpg
Fliege2.jpg (407.79 KiB) 580-mal betrachtet
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Re: Fliege fängt nicht

Beitragvon Royal Coachman » 02.09.2017, 10:57

Hallo!

Zur ersten Fliege möchte ich nichts sagen, das ist nicht meine Welt.

Aber zur zweiten zur March Brown fällt mir schon einiges ein.

Im Wiesenbach geht eine March Brown sehr selten, die March Brown kommt eher an größeren Flüssen und da in Massen vor.
Es ist schwierig ein Muster einfach zu übertragen auf ein anderes Gewässer.

Zur Fliegenkritik: die Schwanzfiebern sind zu kurz und sollten etwas nach oben stehen (Knöllchen am Ende binden), eine Trockenfliege sollte auf einer ebenen Fläche auf Schwanz und Hecheln stehen ohne den Untergrund zu berühren. Ich halte von Eichhörnchen wenig. Als Empfehlung nimm Hasenohr, mit einer Goldrippung und mache ein Ende. Jede Fliege hat in der Natur ein Ende.
Als letzter Tipp senge die unteren "Füße" mit einer Zigarette ein wenig an, sodass kleine Knöllchen entstehen, das verbessert die Wasserlage und sieht sehr echt aus.
Im übrigen fische ich in einem Wiesenbach nur Iron Blue Duns oder Gray Duns sowie im Sommer Buck Caddis oder Goddard Sedge.

Es gibt Fliegen die fangen Fische und Fliegen die fangen Fischer, mir sind erstere lieber.

tight lines
RC
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Re: Fliege fängt nicht

Beitragvon Michael Wenzel » 02.09.2017, 11:33

Hallo Sandra,

da RC etwas zur zweiten Fliege geschrieben hat, nehm ich mich mal der Ersten an. Das in dem Video soll eine BWO (Blue Winged Olive) imitieren und dort passt das auch. Der Körper der Fliege erscheint in einem angenehmen Olivton. Ich weiß nicht ob es an der Bildqualität Deines Bildes liegt, jedoch sieht dieser Farbton nicht wirklich oliv aus. Auch die Körperform Deiner Fliege sieht eher nach einer Nassfliege aus, während die im Video ja eine Trockenfliege ist. Der nächste Punkt ist einer der Wichtigsten! Lass das Video mal bis zum Zeitpunkt 0:11 Sekunden laufen und halte es an. Nimm Deine Fliege und halte sie in diese Stellung. Und jetzt haben wir (wie auch in den nächsten 2-3 Sekunden) die Sicht des Fisches auf die Fliege. Sieht Deine so aus wie die im Video? Dann betrachte die Hakenauswahl. Der im Video ist ein ziemlich feindrähter Trockenhaken mit relativ wenig Lichtreflexion. Deiner hingegen ist ziemlich kräftig und, na sagen wir mal "blinky" :-) ... wenn Du diese Dinge änderst bin ich sicher, daß Deine Chancen steigen, sofern es an den Gewässern die Du befischst überhaupt BWO's gibt ;-) . ... jetzt mußt Du Dir selbst nur noch die Gretchenfrage stellen, nämlich: Welches Fischnährtier steht den Fischen, zu welcher Zeit, in welcher Form, Farbe und Größe zur Verfügung, und wie biete ich meine Imitation an? ... Kannst Du die Frage beantworten und hast die richtige Fliege gewählt, fängst Du Fische :-) ...


MW
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Re: Fliege fängt nicht

Beitragvon Kläuschen » 02.09.2017, 17:14

Hallo Sandra
Prima dass du deine Flusen hier zeigst. Ich finde sie nicht so übel, dass sie nix fangen könnten. Scheinen zickig zu sein eure Forellen.
SMHaen ist nicht so mein Geschmack. Mach doch mal ne Adams und ein paar Rehaarsedge in versch. Größen. Fangen eigentlich immer und überall. Und feinere Haken wären schon gut. Im Bilderfred gibts auch jede Menge Anregungen.
LG Klaus
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Re: Fliege fängt nicht

Beitragvon dreampike » 03.09.2017, 09:01

Hallo Sandra,

ich finde Deine Fliegen schön und wenn ich eine Forelle wäre, dann würde ich da reinbeissen...

Ich kann mir jetzt nicht wirklich vorstellen, dass dein mangelnder Fangerfolg an der Bindeweise der Fliegen liegt, auch wenn da auf hohem Niveau noch die eine oder andere Mikroverbesserung möglich wäre. Wenn ich mir meine einfach gebundenen Palmerfliegen anschaue, mit denen ich recht gut fange, dann haben die wenig mit den natürlichen Vorbildern gemein. Die Forellen packen zu, wenn ihnen die Größe und die Farbe des Objektes passend erscheinen und sie nicht durch das Vorfach verscheucht werden. Bei unseren langsam fließenden Bächen mit glasklarem Wasser darf die Spitze des Vorfachs nicht auf dem Wasser liegen. Die Forellen nehmen dann die Fliege wahr, steigen hoch und drehen dann kurz vor dem Biss ab. Daher entfette ich das (14er) Vorfach mit einem kleinen Lappen mit Spüli und reibe danach das Vorfach mit Orvis Mud ein. Damit und mit einem kleinen Zug an der Fliege schwimmt das Vorfach nicht auf und die Fliege wird bedenkenlos genommen (ok, nicht immer...). Diese Prozedur wiederhole ich während des Fischens ständig.
Wolfgang aus Ismaning
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Re: Fliege fängt nicht

Beitragvon foxandfawn » 04.09.2017, 13:40

Vorab: Vielen lieben Dank euch allen für eure Beiträge!! Genau so habe ich mir das gewünscht :D


@ Royal Coachman
Die technischen Hinweise werde ich gleich beim nächsten binden umsetzten. Vor allem das mit den versenken der unteren Hecheln erscheint einfach nur logisch. Dubbing Vorräte werde ich auch erweitern, ich habe zudem noch eine Fuchsmaske zuhause, vielleicht lässt diese sich auch verwerten.

Da ich erst die zweite Saison in diesem Revier tätig bin, konnte ich noch nicht genau ausmachen was und wann am Bach fliegt, schlüpft und so vorkommt. Aber das finde ich eins der schönen Dinge am Fliegenfischen nie auszulernen und immer etwas neues zu entdecken.


@ Michael
Danke für die Anregung, über die Eigenschaften der Haken habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Ich binde meine Fliegen bisher hauptsächlich auf Gamakatsu und Tunca.


@Klaus
Da sprichst du etwas an mit Rehhaar (Winterdecke), das ist für mich noch das am schwierigsten zu verarbeitende Material. Es sträubt sich im wahrsten Sinne des Wortes immer, nur nicht so wie ich das gerne hätte :wink:
Ich arbeite deswegen lieber mit einem Stück Muledeer aus der Sommerdecke welches feiner ist, aber auch diese Fliegen finde ich noch nicht optisch zufrieden stellend, auch wenn diese fangen.

@Wolfgang
Danke für den Tipp mit dem entfetten, Mud hängt jetzt am Lanyard und wird so nicht immer zu hause vergessen. Hoffe auch wir treffen uns mal wieder am Wasser oder auch mal zum kaffeetscherln mit Bindestock :D

Liebe Grüße,
Sandra
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Re: Fliege fängt nicht

Beitragvon foxandfawn » 04.09.2017, 13:49

@ Royal Coachman

Diese Fliege habe ich inspiriert durch Forelle&Äsche neulich gebunden.
https://www.forelleundaesche.com/2016/0 ... -blue-dun/

Beim nächsten binden werde ich gleich den Tipp vor Dir anwenden, dann werden auch die Hecheln von der Fliegenbox nicht so flach gedrückt wie auf dem Foto.
Hat sich gut bewährt im Gebirgsbach, ob wohl die Fische an diesem 30 Grad Tag sich sonst zu nichts hinreissen ließen.

Fliege3 Kopie.jpg
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Re: Fliege fängt nicht

Beitragvon Royal Coachman » 04.09.2017, 19:34

Hallo!
Sieht gut aus , bravo!

tight llines
Gebhard
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Re: Fliege fängt nicht

Beitragvon Kläuschen » 04.09.2017, 22:41

Abend zusammen
Mal ganz Allgemein gesprochen: Wenn man ein richtig guter Binder oder Binderin werden will, muss man/ Frau richtig hart dafür arbeiten. Am Anfang ist es besser sich auf einfachere Techniken zu konzentrieren und diese solange zu üben bis sie richtig gut aussehen z.B Dubben einer Hasenohrnymphe.Damit könnte man ein halbes Leben verbringen und es geht immer noch besser. Dann evtl. eine Hechel. Mit den 2 Fertigkeiten lässt sich schon richtig was ausrichten.
Frag mal die Champs hier und anderswo wieviel Zeit sie investieren. Das würdest du nicht glauben. Und wenn man grad nix bindet liest man Bücher darüber. Von nix kommt nix. Talent ist da nicht das Wichtigste sondern Leidenschaft.
LG Klaus
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Re: Fliege fängt nicht

Beitragvon dreampike » 05.09.2017, 08:44

@ Klaus: Was ist ein richtig guter Binder? Wann sehen Fliegen gut aus? Da legst Du die Latte ja irrsinnig hoch: "richtig hart arbeiten", "ein halbes Leben verbringen" (für eine Hasenohrnymphe ???) und das bei der Frage einer Fliegenbinderin, warum ihre (handwerklich vielleicht nicht superperfekten, aber durchaus gelungenen) Fliegen nicht fangen...
Die Frage ist, welche Perspektive Du dabei einnimmst. Geht es darum, eine Fliege zu binden, die höchsten ästhetischen Ansprüchen genügt und für die ich von anderen (Bindern) bewundert werden möchte oder gar hohe Platzierungen bei Bindewettbewerben im Sinn habe? Dorthin zu kommen mag vielleicht wirklich hartes Brot sein, das ist ohne Talent und Leidenschaft nicht zu schaffen.
Oder ist es das Ziel, Fliegen zu binden, die dem ursprünglichen Zweck dienen, nämlich Fische zu fangen? Perfektion und Leidenschaft sind für mich ok, ich schaue mir auch gerne schöne Fliegen an. Unterschiede ergeben sich bei der Beurteilung fliegenbinderischer Leistungen, die die Fängigkeit betreffen. Und da bin ich der Meinung, dass man auch ohne 10.000 Stunden am Bindestock Fliegen binden kann, die fangen.
Vielleicht oute ich mich jetzt als fliegenbinderischer Vollbanause, aber seit ich vor 42 Jahren meine erste Fliege gebunden habe, bin ich beim Binden immer beseelt von der Vorstellung, dass meine Fliegen bei entsprechend gelungener Präsentation die Fische zum Biss verleiten können. Solange sie das tun, bin ich zufrieden. Wenn ich Hasenohrnymphen brauche, dann fussele ich die entsprechenden Zutaten so auf einen Haken, dass die Proportionen und die Farbe stimmen. Die Beurteilung überlasse ich dann gerne der für mich einzig dafür autorisierten Fachjury, nämlich Forelle, Äsche und Co.

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Re: Fliege fängt nicht

Beitragvon orkdaling » 05.09.2017, 09:45

moin moin,
Klaus, Wolfgang - ihr habt ja beide Recht.
Das was hier oft gezeigt wird ist aller høchstes Niveau aber ob die fangen steht auf einem anderem Blatt.
Die gezeigte nichtsfangende Fliege ist fuer mich nicht die Schlechteste und fængt auch, aber sicher nur an einem aderen Platz zur anderen Zeit.
Manchmal ist es die Farbe oder Wassertemperatur, manchmal sind die Fische zu bestimmten Zeiten einfach sehr selektiv. Nicht nur im Bach, kommt auch bei der Mefofischerei vor das die Fische voll mit Watwurmern sind und da geht nun mal ein brauner Streamer oder schmaler brauner bis schwarzer Blinker. Zur anderen Zeit sind sie voll mit Tanglæufern und so ein Kleinkram. Solltet mal die dummen Gesichter der Blechfischer sehen wenn auf Kobberbassen(eigentlich nur Dubbing) Tangloppe oder Reke Fische von mehreren Kilo beissen.
Die wunderbarste preisverdæchtigste Fliege fængt also nichts wenn sie zur falschen Zeit am falschem Ort gefischt wird, manchmal liegen da nur wenige Minuten dazwischen wie zB eine Eintruebung nach einem Gewitterguss.
Die "Nichtsfangende" wuerde ich aber anbinden!
Gruss Hendrik
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Re: Fliege fängt nicht

Beitragvon Kläuschen » 05.09.2017, 09:49

Hallo Wolfgang,

damit hast du natürlich recht. Aber richtig verstanden hast du mich leider nicht. Es ist aber auch nicht sooo leicht zu erklären. Was ich sagen will ist: Es ist nicht gut, wenn du als ungeübter Binder mit schwierigen Mustern beginnst. Das kann nicht funktionieren. (Die Muster für die dt. Meisterschaft z.B. sind meistens gespickt mit schwierigen Passagen). Fange mit dem Einfachen an.
Oder: Wenn du das Malen erlernen willst, ist es anfangs besser, einen Bleistift zu nehmen und z.B. eine Blumenvase zu malen. Bist du es gut kannst vergeht bestimmt richtig viel Zeit. Wenn du aber denkst, es sei klug mit van Gogh´s Cafe de Nuit zu beginnen, wird es niemals funktionieren und am Ende bist du frustriert und gibst auf. (ich weiß, es ist so eine Sache mit dem Vergleichen).
Mir hat schon diese rote Fliege in Michaels neuem Bindetutorial nicht gefallen Sie ist für Anfänger ungeeignet, weil viel zu schwierig (und komplex)
Das jedenfalls, sind meine Erfahrungen mit Menschen, die das Fliegenbinden erlernen wollen. Du hast vielleicht andere gemacht.
LG Klaus
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Re: Fliege fängt nicht

Beitragvon FlyMike » 05.09.2017, 10:20

Hallo Sandra,

ich melde mich auch einmal zu Wort....... Ich finde deine Fliegen gut und erkenne Parallelen zu meinen binderischen Anfängen. Ich habe es auch immer zu gut gemeint und zu viel Material auf den Haken gebracht.
Z. B. dein erstes Muster, die Trockenfliege mit dem lackierten Body, hier ist der Body arg dick/schwer und hat null Auftrieb, ergo musst du viel anderes Material einbinden damit die Fliege schwimmt. Dadurch wirkt das Muster plump, ich habe mir im laufe der Zeit das Motto "weniger ist mehr" angewöhnt.
Auch die Auswahl der Materialien spielt eine große Rolle, ich binde sehr gerne mit natürlichen Material. Aber nicht jedes Material, bzw. alles vom Fell ist für Trockenfliegen geeignet. Z. B. verarbeite ich sehr gerne Squirrel und Hasenmaske bei Trockenfliegen, hier aber nur die steifen Grannen und nicht das Unterfell. Denn das saugt sich ruck zuck voll Wasser und die Fliege säuft ab. Das Unterfell ist aber wiederum gut für Nymphen geeignet.
Bei Trockenfliegen ist auch wichtig auf eine gute Qualität der Hecheln zu achten.
Ich bin auch Klaus seiner Meinung das man sich am Anfang auf einige Muster beschränken sollte um mit diesen die binderischen Grundtechniken (verschiedene Dubbingtechniken, Arten der Behechelung, die richtige Proportionen der Fliege, usw.) zu üben und wenn die sitzen kann man weiter und weiter und weiter..... machen. Denn das dazu lernen und Material horten wird nie aufhören :wink:
Wolfgang gebe ich auch Recht, denn die Frage "welche Fliege ist schön und welche ist hässlich" lässt sich wie viele andere Dinge im Leben nicht einheitlich beantworten weil es Ansichtssache ist und die Geschmäcker verschieden sind. Außer das die Trockenfliege schwimmen und die Nymphe untergehen sollte. :wink:
Aber letztendlich hat die Fliege wenn sie zum Fischen gebunden wurde nur einen Zweck und zwar Fische damit zu überlisten und in diesem Fall sind es die Fische die gut oder schlecht sagen.
Wenn du ein Gewässer hast das du regelmäßig befischt solltest du dir mal Zeit nehmen und ohne Rute an Wasser gehen und dir einen Überblick (über und unter Wasser) verschaffen was für Insekten in dem Wasser vorkommen. Dann kannst du deine Fliegenmuster diesen anpassen, das hat bei mir schon öfters zu einem Aha Effekt geführt.

Mach weiter so....

LG
Mike
.......... tie or die ........
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Re: Fliege fängt nicht

Beitragvon BergLutz » 05.09.2017, 10:44

Liebe Sandra,

als Bindeanfänger möchte ich Dir Mut machen. Deine Fliegen finde ich sehr schön - am schönsten die erste - die würde ich sofort dranhängen. Die zweite wäre mir persönlich etwas zu "laut" und etwas zu "barock". Ich finde , man muß oft der "Schönheit" unserer Bindeobjekte versuchen zu widerstehen und sich fragen: wie dick ist der Körper wirklich? Wie sieht das Ding von unten aus und wie schaff ich, daß es möglichst immer so landet wie ich will.
Bin dabei selbst den Weg des geringsten Widerstandes gegangen und habe 4 Grundmuster die ich oft benutze: Allen voran die Elk&CDC in 16 und 18 mit Rehhaar gebunden - Schwimmt wie Korken, hängt trotzdem tief im Film. Eine weitere Entdeckung ist die "La Peute" in #10 -#14: Ob trocken im Film , Deaddrift oder über die Oberläche gehüpft - sie geht in einer der Größen fast immer und hat mir Fische gebracht. Klinkhamer fand ich , sind gar nicht soo schwer zu binden und fangen fast immer (je nach Größe und Farbe) und nicht zuletzt spärlich gebundene Spider mit ein paar Flusen Hasenmaske und gelbem oder olivem Bindefaden, höchstens 2 Windungen Rebhuhn Softhechel - fertig. Die können alles mögliche darstellen. Als blankes Gegenteil habe ich neulich rot -schwarze Sakasa Kebari gebunden , mit gold Tinsel gerippt und Körper mit UV Lack. Die fand ich so schön.... und meine Frau wollte sie meiner Enkelin (4) als Ohrstecker geben. :-D
War richtig vernarrt in die Dinger. Sowas muss es auch geben aber die zeige ich höchstens mal einem Barsch oder Karpfen...
Für nächstes Jahr habe ich mir fest vorgenommen mehr Steine umzudrehen....

Gruß
Lutz
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Re: Fliege fängt nicht

Beitragvon ServusBenny » 05.09.2017, 13:06

Dann geb ich hierzu auch noch meinen Senf.

Sind wir ehrlich, die Aussagen
auch wenn da auf hohem Niveau noch die eine oder andere Mikroverbesserung möglich wäre

Deine Fliegen finde ich sehr schön

sind schon ziemlich positiv geschrieben. Ich bin aber der Meinung, dass anständig vorgetragene und ehrliche Kritik nie falsch ist und einen schlussendlich weiter bringt.

Wir Binder, und dazu zähle ich Anfänger wie auch Profis, können sehr wohl "schön" gebundene Fliegen von "nicht so schön" gebundenen Fliegen unterscheiden. Und die gezeigten Fliegen sind eben "noch nicht so schön" - was wohl bei uns allen der Fall war, wenn wir uns an unsere ersten Fliegen zurückerinnern. Das sind natürlich "menschliche" Blicke und diese sind natürlich auch verschieden. Aber dennoch gibt es einen gewissen "Schön-Konsens". Dass eine Fliege jedoch nicht wahnsinnig "schön" (oder vielleicht tifft es "gut" besser) gebunden sein muss, um Fische zu fangen, darin sind wir uns denk ich einig.

Die Frage wird eher sein, ob endlich Fische gefangen werden oder ob die Bindequalitäten verfeinert werden sollen.
Und laut der Thread-Überschrift geht es wohl eher um ersteres. Deshalb würde ich vor allem den Tipp von unserem Mike beherzigen und etwas weniger Material auftragen. Außerdem würde ich versuchen, insbesondere das zweite Muster etwas kleiner zu binden (Hakengröße 14 oder 16). Hol dir ruhig ein wenig Hilfe aus dem Internet (YouTube) und versuche da was "nachzumachen" - achte dabei insbesondere auf die Proportionen, dann bist du auf einem guten Weg.
Sollte es doch eher in die Richtung "Verbesserung der Bindequalitäten" gehen, würde ich den Tipps nachgehen, sich erst Mal auf wenige Muster zu beschränken. Hierzu eignet sich besonders die Red Hexe (relativ wenig Material, leicht abwandelbar zu Red Tag und/oder Nymphe) und die ist über Jahrzehnte fangerprobt.
Und zu guter Letzt gibt es hier ja einige, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn man Fragen hat.

In diesem Sinne, dranbleiben, weiterbinden und der Erfolg wird kommen ...
Servus Benny
--- Fliegenbinden ist eben mehr als nur Fliegen binden ---
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