von Frank. » 13.01.2012, 20:34
Rolf hat absolut Recht - und, mein Lieber: Sei herzlichst bedankt für das herrliche Zitat, das ich nicht kannte! Man könnte aus Skues' Lebzeiten auch noch die Dada-Fliegen ergänzen, aus den Zeiten nach seinem Tod außerdem die poststrukturalistischen, die nach Art der Jungen Wilden, die Pop-Artler usw.
Das wäre mal ein Projekt: Kleine Kunstgeschichte des Fliegenbindens! Rolf, wollen wir … ?
Jedenfalls bindet mein Freund Ulli Bussmann so exakte Imitationen, das man drei Mal hinschauen muss, um sie vom Original zu unterscheiden. Ulf Carraro und Thomas Grubert aus unserem Forum und vom zu Recht legendären Göttinger Fliefi-Stammtisch sind auch echte Künstler geworden, die genial gute Imitationen binden. Und dann Krzysztof Grzybowski! Oder Mario ... Und Marco ... Und noch ein paar …
Diese Fliegen sind von einer absolut bewunderungswürdigen Raffinesse, und gerade jemand wie ich, der zwei linke Hände mit jeweils zehn Daumen hat, kann da nur staunen. Aber in Sachen Fängigkeit - da darf es gewiss auch ein bisschen weniger sein ...
Thomas Kochs "Jessica" sieht so aus, als würde sie zu reihenweisen Ohnmachten im Kolk führen. Aber sie fängt. Meine liebste Stimulator-Fliege ist ein Dingenskirchen, was andere Leute zum Lampenputzen verwenden. Die größte Forelle des vergangenen Jahres habe ich auf einen mehr oder minder nackten Haken gefangen. Ich habe es oft genug gesehen, dass große Forellen auf Blütenblätter des asiatischen Springkrauts steigen. Mein Freund Michael hat mit Bananenschalen (!) Hechte gefangen!
In der Maifliegenzeiten hingegen habe ich es schon erlebt, dass man mit einem in Sachen Farbe oder Größe nur minimal von den "Originalen" abweichenden Mustern nicht mehr den Hauch einer Chance hat ...
Auf Ent- oder Weder-Fragen, das habe ich in den letzten Jahrzehnten gelernt, gibt es beim Fliegenfischen nur eine einzige Antwort: In aller Entschiedenheit sowohl als auch!
Übrigens: Die besten Fliegen beschreibt man mit einer etwas abweichenden Rechtschreibung als realistig …
Euer Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
Franz Kafka