Akte FF: Unglaubliche Geschichten vom Fliegenfischen

Was macht FLIEGENFISCHEN aus? Hier darf nach Herzenslust gefachsimpelt werden! Auch Termin- und andere Ankündigungen passen hier herein.
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Akte FF: Unglaubliche Geschichten vom Fliegenfischen

Beitragvon Frank. » 04.09.2007, 20:21

Liebe Freunde,

gern möchte ich euch ermuntern, hier einmal das zu berichten, was man eigentlich gar nicht zu erzählen wagt – höchstens dann, wenn man mit ein paar Freunden (vielleicht am Stammtisch) zusammensitzt, schon ein paar Bierchen gezwitschert hat und in vielleicht etwas mutiger oder auch sentimentaler Stimmung ist.
Kein Anglerlatein! Nicht die zweihundertdreiundzwanzigste Variante vom GIGANTISCHEN FISCH, den man wahlweise verloren oder eben doch gefangen hat – sondern die kleine, aber eigentlich unglaubliche Geschichte, die viele von uns im Zusammenhang mit dem Fliegenfischen schon erlebt haben.
Das höchst bemerkenswerte Ereignis. Die wundersame oder seltsame Geschichte, bei der …

Ich denke, ihr ahnt, welche Art von Berichten ich meine. Mir sind in dieser Saison ein paar solche Unglaublichkeiten begegnet, die Freunden zugestoßen sind: Bei derjenigen mit dem weißen Vogel war ich Zeuge. Diejenige mit dem seltsamen Inhalt eines Saiblingsmagens ist photographisch und durch Zeugen belegt. Für die mit der „zahmen“ Forelle namens Kuno, die eher ermordet als gefangen wurde, gibt es meines Wissens keine Zeugen – sie ist aber so seltsam, daß man sie sich gar nicht ausdenken könnte.
Wäre das Forum nicht der richtige Ort, solche Ereignisse zu erzählen? An denen alle ihre Freude haben?

Mein Bericht handelt von längst vergangenen Zeiten:

Ich war damals erst ein kleiner Tunichtgut von vielleicht sechs, sieben Jahren, hatte aber meine ersten Plötzen, Brassen und wohl auch kleinen Karpfen längst gefangen, weil mein Vater mir die Angel in die Hand gedrückt hatte, kaum daß ich laufen konnte.

Dann gab es einen schönen Frühlingstag des Jahres 1964 oder 1965, an dem die ganze Familie an einen kleinen Fluß im Vorharz fuhr, um dort einen langen Angeltag zu verbringen. Alles wurde eingepackt: Spinner- und Fliegenruten, auch kräftige Grundangeln, um am Abend und in der Nacht vielleicht noch auf Aal zu gehen. Denn auch ein Zelt war dabei; damals haben wir die Nächte auf den Sonntag oft am Wasser verbracht.

Am Flußufer wurde das Lager aufgeschlagen; Mutter zog sich – wie immer bei solchen Gelegenheiten – mit einer Illustrierten und Strickzeug auf eine Gartenliege am schattigen Ort zurück, Vater schnappte sich die Spinnrute und verschwand stromaufwärts.
Ich hockte eine Zeitlang mit Schwimmer, Wurm und kurzer Rute am Ufer, in der Nähe meiner meist in der Sonne dösenden Mutter.

Es biß nichts, und schnell hatte ich Unsinn im Kopf.

Überhaupt hatte ich an diesem Tag keine rechte Lust zum Fischen und ließ bald die Rute Rute sein; mir stand der Sinn nach echten Abenteuern. Also machte ich mich ans Wegschleichen aus dem Einflußbereich meiner Mutter, auf eine Erkundung der Gegend, um möglichst ein wildes Tier zu erlegen. Bald hatte ich einen Feldhasen gesichtet – aber es fehlte mir an der Waffe, ihn zu erbeuten.

Dazu brauchte ich, das wußte ich aus den vielen Indianerbüchern, die mir vorgelesen worden waren, ganz genau: unbedingt Pfeil und Bogen. Und so machte ich mich stillvergnügt, konzentriert und kreativ ans Basteln dieser Jagdwaffe.

Wie das genau ablief, weiß ich nicht mehr; das Ergebnis – wie seine Vor- und Nachgeschichte – hat mir mein Vater aber später so oft erzählt, daß das Geschehen sich sehr genau rekonstruieren läßt (übrigens dürfte Freund Ulli aus meines Vaters Mund diese Geschichte auch oft genug gehört haben – deshalb mag er hier als Zeuge dafür dienen, daß das Ganze wirklich nicht erfunden ist).

Was auch immer genau ich warum, mit welchem Endziel und unter dem Einfluß welchen Teufels tat: In jedem Fall war es ein schwerer Fehler, meinen Bogen aus einem Stück 35er Aalschnur und dem Mittelstück einer dreiteiligen DAM-Fliegenrute zu basteln, an dessen Enden die Sehne festgebunden wurde.

Als Pfeil die Rutenspitze zu verwenden: Das war Fehler Nummer zwei.

Denn die Waffe war schon dem dritten oder vierten Schußversuch nicht mehr gewachsen. Die Schnur hielt. Das Mittelstück der Rute nicht. Auch der Pfeil hatte schweren Schaden erlitten, weil ein großer Stein als Zielscheibe für die ersten Probeschüsse gedient hatte.
Zum Glück für den Hasen – die Jagdwaffe war erstens untauglich und zweitens schon vor dem ersten Halali kaputt. Und zwar endgültig.

Wie und mit welchen Worten mein Vater das damals kommentiert hat – darüber möge der Mantel des Schweigens gebreitet bleiben; er war jedenfalls den Tränen nahe, und das habe ich bei ihm sehr, sehr selten erlebt.
Wenn später mein Sohn eine meiner heißgeliebten Ruten zu Zahnstochern verarbeitet hätte, wäre es auch mit meiner Gelassenheit am Ende gewesen. Zur Sicherheit habe ich deshalb Flitzebögen immer gemeinsam mit ihm gebastelt, aus Eschenzweigen. Niemals aus Angelruten.

Mein Vater nun beschloß, anstatt mich streng zu bestrafen und für alle Zukunft von den kostbaren Fliegenruten fernzuhalten (wofür ich durchaus Verständnis hätte haben müssen), mich einer pädagogischen Radikalkur zu unterziehen.
Noch am gleichen Tage begann er, mir das Fliegenfischen beizubringen, wohl auch, damit ich die Achtung vor dem Material lernte.

Diese Tage, an denen ich unter seiner Aufsicht die ersten Wurfübungen machte, habe ich nie vergessen; besonders in mein akustisches Gedächtnis haben sie sich tief eingegraben. Es waren immer wieder dieselben Worte, die ich in der tiefen, sonoren Stimme meines Vaters hörte, der eine wahre Engelsgeduld hatte:
»Zehn Uhr … … Ein Uhr …… Zehn Uhr … Nicht peitschen! … Ein Uhr … Und jetzt schießen lassen! Neun Uhr! … Aber nicht peitschen!!!«
»Zehn Uhr … … Ein Uhr …… Zehn Uhr … Nicht peitschen! … Ein Uhr … Schießen lassen! Neun Uhr! … NICHT peitschen, habe ich gesagt!!!«

Diese Worte habe ich an diesem Tag und der kommenden Zeit so oft gehört, als sei mein Vater ein buddhistischer Mönch, der mich sein Mantra lehrte.

Das waren übrigens Übungen ohne Haken und Vorfach, aber am Wasser.
Den ersten Fisch habe ich an der Fliege sicher erst fünf, sechs Jahre später gefangen. Aber das Werfen: das habe ich damals gelernt, habe es lernen müssen, meinen kurzen Ärmchen zum Trotze.

Nein, zum Fliegenfischer bin ich damals durchaus nicht geworden. Ich habe das wirklich als Strafe empfunden, nicht als die mir gewährte Gnade, die es tatsächlich gewesen ist. Freilich habe ich meine kriminelle Energie in der Zukunft niemals mehr an einer Angelrute erprobt.

So, und nun seid ihr dran!

Herzlichst, Frank
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Beitragvon Norbert WAF » 04.09.2007, 20:58

... heutzutage alles kein Problem mehr, LEBENSLANGE GARANTIE, EGAL WIE DIE RUTE ZU BRUCH KOMMT ...

so ändern sich die Zeiten, SAGEnhaft

Wiedermal sehr unterhaltsam Frank, ich hoffe in Hamm wandert eine handsignierte Erstausgabe deiner gesammelten Werke in Tombola :wink:

Herzlichste Grüsse aus Westfalen

Norbert
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Herzlichen Glückwunsch!!!!

Beitragvon FFFrank » 04.09.2007, 21:31

Habe ich das richtig gelesen - handelt es sich um den 1.000 Beitrag???

Herzlichen Glückwunsch an Frank. von

FFFrank

Sorry, habe mich noch nicht im Forum vorgestellt - wird folgen!!
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Beitragvon af127 » 04.09.2007, 22:24

Hallo Frank,

wieder einmal sehr unterhaltsam geschrieben. Danke. Auch von mir Respekt für den 1000. Beitrag.

Gruß Arian
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Beitragvon Frank. » 04.09.2007, 22:30

af127 hat geschrieben:Mal sehen wie lange es diesmal dauert bis Frank "sein -i" gestrichen haben möchte :wink: ...


Schon vor 'ner halben Stunde. Hab mit mir gerungen - aber: Recht hast Du. Weg damit. Ich kenne den Herren nicht. Und Rechnungen an diesen Empfänger sende ich grundsätzlich zurück.

Danke für die Ermunterung - sonst hätte ich noch ein bißchen gewartet.

Herzlich, Frank
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Beitragvon Frank. » 04.09.2007, 23:10

Norbert WAF hat geschrieben:... heutzutage alles kein Problem mehr, LEBENSLANGE GARANTIE, EGAL WIE DIE RUTE ZU BRUCH KOMMT ...

so ändern sich die Zeiten, SAGEnhaft


VerDAMmter Mist. Gab es damals noch nicht. Sonst würde ich die Garantie eintreiben können - die Reste des Stöckchens hab ich nämlich noch.

Frank
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Beitragvon Erzgebirgler » 05.09.2007, 00:02

Hallo Frank,

mal wieder ne tolle Abendlektüre. :D
Zumindest hast du im zarten Alter schon sehr viel Kreativität bewiesen, zum Glück für den Feldhasen. Bild
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Beitragvon Hans. » 05.09.2007, 00:21

Lieber Freunde,

mir war mal Folgendes passiert:

Als ich Ende der sechziger Jahre als fünfzehnjähriger Jugendlicher in einen Angelverein eintrat, mein Freund war schon Mitglied dort, durfte ich gleich loslegen, es gab keine Schulung, einfach garnichts.
Schnell war das Spinnfischen erlernt, ein bißchen erste Theorie aus den Angelbüchern meines Bruders gesogen, und dann war ich eines Tages allein mit meiner Spinnrute an einer harzer Talsperre. Nach dem sehr aufregenden Fang einer Regenbogenforelle, einer meiner ersten Fische überhaupt, hatte ich einen anderen Fisch am Haken, etwas über dreißig Zentimerter. So richtig wußte ich nicht, was das war, aber im Eifer, gleich einen zweiten Fisch gefangen zu haben, schlug ich ihn ab. Doch die jauchzende Freude wandelte sich in lähmenden Schrecken, das Herz pochte bis zum Hals: mir dämmerte, und je mehr ich darüber nachsann, desto sicherer wurde ich, das ich einen Zander gefangen und völlig untermaßig abgeschlagen hatte. Meine Güte, habe ich mich geschämt! Nach allen Seiten umschauend bin ich, mit tausend Nadelstichen im Rücken mit dem Fisch im Wald verschwunden. Möge mich nur niemand damit sehen, welche Schande, welche Schmach, ...mit bloßen Händen habe ich ihn unter einer Fichte verscharrt.


Grüße,
und erzählt Ihr auch mal was!
Hans
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Die Erdnussforelle

Beitragvon AndreasSH » 05.09.2007, 11:05

Moin Freunde,

mir ist mal folgendes passiert:

Es begab sich im Frühjahr 2005, das ich an meinem "Hausgewässer" welches in einer kleinen Stadt in die Elbe mündet, einen Rundgang machen wollte.
Es befinden sich dort viele Wehre, und ich wollte einfach mal schauen wie es mit den Aufstiegsmöglichkeiten für unsere Wanderfische aussieht.
Normalerweise fische ich sehr ungern in Stadtstrecken, da es meistens viel Aufsehen erregt, wenn man dort etwas fängt, und man gleich von zig Beobachtern umringt ist.
Allein schon der Anblick eines Fliegenfischers löst hier in der Gegend meist ungläubiges Staunen oder Kopfschütteln aus.
Einmal hörte ich, wie ein kleines Mädchen zu seiner Mutter sagte: "Guck mal Mutti, der macht Show-Angeln" :)
Nun, ich parkte also in der Nähe des Baches, setzte die Polbrille auf und näherte mich der Brücke am ersten Wehr, um da mal einen Blick zu werfen.
An Fischen gibt es dort meist nur Weissfische oder kleine Hechte zu sehen, allerdings hatte ich dort auch schon Neunaugen beim Laichen beobachtet.
Ich hatte kaum die Nase über das Geländer gesteckt, als ich am Rande der Betonwand unter der Brücke einen Schatten entdeckte.
Als ich genauer hinsah, entpuppte sich der Schatten als eine schöne dicke Regenbogenforelle, die dort am Rande der Strömung stand.
Schlagartig war mein Jagdinstinkt geweckt, ausserdem hatte ich schon länger nichts vernünftiges mehr gefangen.
"Rein zufällig" lag eine Rute im Auto, aber ich schaute mich erst einmal um, ob Beobachter in der Nähe waren. Sah gut aus.
Also schnell zum Auto, Rute zusammengesteckt und zur Brücke. Nicht das Missverständnisse entstehen, eine Angelberechtigung habe ich für die Strecke,
aber wie gesagt laufen dort im Ort auch viele Angler herum, und der "Futterneid" ist manchmal schon grotesk.
Ich machte einen Wurf schräg stromab unter die Brücke, und schon war die Rute krumm. Es gab ein mächtiges Geplatsche und heftige Gegenwehr.
In dem Moment als ich den Fisch unter der Brücke hervor hatte und zum Kescher greifen wollte, stürzte aus dem gegenüberliegenden Fahrradladen
ein Mann mit grauem Kittel und ebenso grauen Haaren hervor. Wild gestikulierend rief er mir zu, ich möge doch die Forellen in Ruhe lassen.
Ich war erstmal etwas verdutzt, schaute die Forelle an, die inzwischen bereits in den Kescher glitt, und sagte: "Das ist eine Regenbogenforelle, die hat hier gar nichts zu suchen..."
Im nächsten Moment krachte auch schon der Priest, was weitere Diskussionen überflüssig machte. Der Fisch hatte gut 45 cm, und sah klasse aus.
Der Fahrradhändler stand neben mir und kratzte sich beleidigt am Kopf. Ich versuchte Ihm noch zu erklären, wieso ich so einen Fisch entnehme,
aber ich glaube er hat das nicht so ganz verstanden.

Zu Hause angekommen machte ich mich daran, den Fisch auszunehmen, als es plötzlich in der Spüle ein klöterndes Geräusch gab, dann noch eins...
Nun schaute ich mir den Mageninhalt an und glaubte nicht recht zu sehen. Erst dachte ich an Schnecken, aber beim genaueren Hinsehen stellte sich heraus,
das meine Forelle eine beträchtliche Menge an ERDNÜSSEN intus hatte ! Keine ganzen, nein diese gerösteten gesalzenen halben Erdnusskerne,
wie man sie im Laden als Knabberzeug für den Fernseh-Abend bekommt.
In diesem Moment wurde mir klar, das ich dem armen Fahrradhändler wahrscheinlich seine Lieblings-Mittagspausenbeschäftigung genommen hatte...

Abschliessend kann ich berichten, das der Fisch exzellent geschmeckt hat... :)
In der Stadtstrecke habe ich seitdem aber nicht mehr gefischt.
Angeln wird nur von solchen Menschen als langweilig empfunden, die damit nichts anderes verbinden als Fische zu fangen...
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Beitragvon Frank. » 05.09.2007, 11:32

Danke, lieber Andreas! Das ist wirklich eine tolle, lebendig beschriebene Geschichte - und Deine Verblüffung ist bestens nachvollziehbar.

Und, lieber Hans, auch Dir besten Dank! Hoffentlich kommen hier noch mehr solch wunderbarer, komischer, bedenkenswerter Erlebnisse zu Tage, an der wir unseren Spaß haben werden.

Und lehrreich ist das ja auch noch: Bin gespannt auf den ersten, der die Flying Peanut (schnell sinkend) präsentiert.

In Vorfreude auf alles Weitere,

Euer Frank
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Beitragvon Wolfgang Hinderjock » 05.09.2007, 12:03

Nicht unbedingt unglaublich, eher peinlich.....

Stapellauf

Es war einmal.....vor vielen Jahren....also damals........früher...

Es begab sich zu der Zeit, in der PVC-Wathosen den Gipfel der gerätetechnischen Entwicklung in diesem Bereich waren, zumindest bei uns.
Es war Mai, die Maifliegen schwirrten herum, die Forellen stiegen, es war eigentlich wunderbar.
Nun gibt es bei uns am Gewässer eine ganz bestimmte Strecke, die damals völlig frei von höherer Ufervegetation gehalten wurde.
Das Ende ist zudem begradigt, weist aber doch ein paar Kurven auf, die im Außenkurvenbereich eine recht tiefe Strömungsrinne, sowie unterspülte Ufer besitzen.
Seltsamerweise wird diese Strecke gern von wirklich großen Bachforellen angenommen.
Eigentlich sind diese Abschnitte wurftechnisch völlig unkompliziert, jedoch in der tatsächlichen Beanglung sehr schwierig.
Die Annäherung an die dort stehenden Fische ist extrem schwierig, die Trittscheuheit ist so ausgeprägt, daß man kaum näher als 30m heran kommt ohne bei den Fischen Alarm auszulösen. Es reicht auch oft ein einziger zufällig vertrampelter Fisch, der stromauf flüchtet um auf weite Strecken eine Kettenreaktion auszulösen. Zudem fällt eine Bewatung wegen der Wassertiefe und der Bodenbeschaffenheit völlig aus.
Nun gibt es aber eine Möglichkeit doch an die Fische heran zu kommen, ich nenne sie mal das "Aussitzen".
Man beobachtet über einige Tage den Abschnitt, merkt sich die Stellen an denen die Fische steigen und vor allem, wann sie zu steigen beginnen.
Dann sucht man sich eine geeignete Stelle und nistet sich ca- 1/2 -1 Stunde bevor die Fische steigen, dort gut in die Böschung gekuschelt ein.
Das klappt oft überraschend gut, verlangt aber Nerven.

In dem Abschnitt hatte ich nun ein anscheinend besonders stattliches Fischlein ausgespäht.
Mit in die Böschung kuscheln war dort allerdings wegen der niedrigen, sehr steilen Böschung nichts.
Ich wählte eine andere Taktik, ich robbte, bei der Armee sagte man "Gleiten" dazu, mich auf dem Bauch liegend bis an die Böschungskante heran.
Dabei stellte ich fest, daß die PVC-Wathose auf Gras extrem gute Gleiteigenschaften aufwies.
Da lag ich nun hinter einem dicken Grasbüschel getarnt auf der Wiese, cirka 6-7m vor meiner Forelle.
Wie ich da nun so lag und der Dinge harrte, die da kommen sollten, kam etwas ganz anderes, nämlich Motorenlärm wie ihn 50cm³-Zweitaktmoteren aussenden.
In dem Moment fing nun auch die Forelle an zu steigen, ich zirkelte also aus liegender Position meinen ersten Wurf aufs Wasser.
Der Fisch nahm die Fliege allerdings nicht, dafür kam ich beim Einholen der Schur, mit nämlicher welcher in Konflickt mit einem ollen Ast, der vor meinem "Liegeplatz" ans Ufer getrieben war.
Ich musste ein Stückchen vor rutschen, um mit langem Arm zu versuchen ohne großen Aufstand die Schur frei zu bekommen.
Wie ich da nun herum hantierte und dabei immer wieder ein Stückchen vor rutschte, erreichte mich der Motorenlärm.

Dann ging alles ganz schnell.............

Auf der anderen Seitte stoppte eine Gruppe Mopedfahrer...ich war inzwischen so weit vor gerutscht, daß ich mit dem Oberkörper einen gewissen Überhang über die Böschungskante hatte, dabei stützte ich mich mit der linken Hand an der Böschung ab, der andere Arm mit der Rute fuchtelte über dem Wasser mit dem Ast herum........
Von der anderen Seite tönte ein "Guten Tag Herr Hinderjock!" herüber, es waren alles Mitglieder unserer Vereinsjugendgruppe, da..........gab der Boden unter meiner linken Hand nach.......ich kam ins Gleiten, stellte fest, daß der Gleitwert der Wathose auf feuchtem Gras noch besser ist als auf trockenem, die linke Hand fand keinen Halt...............und ich lief in ganzer Pracht kopfüber vom "Stapel".................

Die Heiterkeit am anderen Ufer war schier unbeschreiblich.....
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Beitragvon Frank. » 05.09.2007, 12:14

Meine kühnsten Hoffnungen werden schon schnell übertroffen, lieber Wolfgang! Was für eine f-a-b-e-l-h-a-f-t-e Geschichte ...

Danke!

Dein Frank
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Beitragvon reverend » 05.09.2007, 17:08

Frank Möbus hat geschrieben:
Norbert WAF hat geschrieben:... heutzutage alles kein Problem mehr, LEBENSLANGE GARANTIE, EGAL WIE DIE RUTE ZU BRUCH KOMMT ...

so ändern sich die Zeiten, SAGEnhaft


VerDAMmter Mist. Gab es damals noch nicht. Sonst würde ich die Garantie eintreiben können - die Reste des Stöckchens hab ich nämlich noch.

Frank


Wenn's wenigststens eine FENWICK gewesen wäre, hättte Sage auf dem Kulanzweg vielleicht noch Entgegenkommen zeigen können.
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Beitragvon webwood » 05.09.2007, 18:16

Hallo,

eine peinliche Geschichte kann ich nun auch beisteuern, auch wenn nicht direkt zu Fliegenfischen. In meinem ersten Norwegenurlaub als Angel-Anfänger wollte ich natürlich große Fische fangen. Für große Fische braucht man ein Gaff. Ich hab mir ein Edel-Teleskop-Gaff besorgt. Auf Knopfdruck verlängert sich das Gaff um fast die doppelte Länge. In Bergen hatte ich nun im Hafen einen recht ordentlichen Pollack gefangen. Wärend des Drill haben einige Leute und natürlich auch meine Frau zugeschaut. Als ich den Fisch nun zum landen soweit müde gedrillt habe, griff ich souverän nach meinem Teleskop-Gaff, Knöpfchen gedrückt und - Blipp- ist das Vorderteil mit einem eleganten Bogen einfach ins Wasser gesprungen. Norweger gelten ja als eher reserviert, in diesem Falle aber waren die Lacher eindeutig auf meiner Seite.

Liebe Grüße

Thomas
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Beitragvon Dirk Janßen » 05.09.2007, 21:33

Hallo Frank,

herzlichen Dank für diesen schönen Thread.

Ich habe die folgende im nachhinein lustige Geschichte schon mal geschrieben, aber in einem der vergangenen Foren.

Vor ein paar Jahren war ich im Herbst in Däningen unterwegs mit Family & Friends. Natürlich war die Fliegenrute dabei. Eines Morgens gegen 7:00 fuhr ich an die Karup A bei Trandumkirke (56°27'43.40"N , 8°59'4.16"E) um zu fischen.
Angekommen stellte sich die Situation wie folgt dar: Links eine Weide mit Jungbullen und gut zu begehendem Ufer, rechts eine leer aussehende offensichtlich feuchte Weide. Also erstmal nach links. Nach 10 Minuten Generve und Stupserei der Jungbullen bin ich dann aufs rechte Ufer gewechselt, das mit vielen großen Binsenbüscheln bewachsen war.
Nachdem ich dort 200 - 300 m am Ufer gefischt hatte und es immer sumpfiger wurde, wollte ich umdrehen und woanders hinfahren.

Ich drehte mich um und stand einem voll ausgewachsenen Bullen in 10 m Entfernung gegenüber. Keine Ahnung, wo der sich versteckt hatte, wahrscheinlich lag der bis dahin irgendwo hinter den Binsen. Es gab drei Möglichkeiten:
A. durch die Karup A durch
B. am Bullen vorbei oder
C. in einem großen Bogen von der Karup A weg durch das unbekannte augenscheinlich noch sumpfigere Gebiet.

Ich entschied mich für C. In 50 m Entfernung war ein etwas erhöhter Wall mit Baumbestand, der offenbar trocken war. Nach 20 m sackte ich schon bis zu den Knieen ein, nach 30 m bis zum Schritt und nach 40 m steckte ich bis zum Bauchnabel im Modder. Schwefliger Gestank, Blubberblasen und der saugende Grund - ab diesem Moment hatte ich Todesangst und dachte "Schei..., so sollte es nicht zu Ende gehen!"
Meine Rute und Tasche warf ich die letzten paar Meter nach vorne, nahme den Kescher quer zwischen die Hände und schaufelte mich gen Ufer. Ich habe es dann geschafft mich auf den Bauch zu ziehen und mich an Binsenbüscheln zum Ufer zu ziehen. Am Trockenen angekommen, habe ich mich erstmal hingelegt, um wieder zu Kräften zu kommen. Die Wathose war bis zum Rand voll mit stinkendem Modder und sauschwer geworden.
An dem Wall entlang bin ich dann zum Auto gelaufen und habe mich mühsam aus der Wathose gequält. Lediglich mit Unterhose bekleidet bei ca. 10 Grad habe ich eine Plastiktüte auf den Fahrersitz gelegt und bin zum Ferienhaus zurückgefahren.
Gegen 9:00 kam ich da an und pünktlich zum Frühstück. Family & Friends saßen um den Frühstückstisch und lachten sich halbtot, wie ich da so stand in Unterhose, schlammig und stinkend.
Ich war nur froh, nicht Regel 1 für den Darwin-Award erfüllt zu haben ;) und ich weiss seitdem, was Angstschweiß ist.

Dirk
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