Alkoholmissbrauch am Wasser

Was macht FLIEGENFISCHEN aus? Hier darf nach Herzenslust gefachsimpelt werden! Auch Termin- und andere Ankündigungen passen hier herein.
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Re: Alkoholmissbrauch am Wasser

Beitragvon Frank. » 09.04.2013, 20:17

elchvieh hat geschrieben:ich pfeif auf englischen Schnapps aus Massenproduktion.


Lieber Aldo, alter Freund - ich widerspreche dir ungern … Aber hier vergleichst du Äpfel mit Birnen. Forellen mit Döbeln. Kartoffeln mit Fußbällen. Natürlich ist ein wirklich guter Obstler, Grappa, Tresterbrand eine wunderbare Sache; ich wäre der Letzte, der das abstreiten würde. Als Student habe ich in einer WG mit dem Sohn des Inhabers einer kleinen, exquisiten Privatbrennerei gewohnt, und das hat mich wahrscheinlich ein ganzes Semester gekostet. Auch aus dessen Haus habe ich ein paar hochfeine Fläschchen stehen, und darunter ist ein Birnengeist, der einem den Hut hochgehen lässt, außerdem ein Spätburgunder Tresterbrand, der mich in Verzückung bringt.

Bei dem Vergleich zwischen einheimischen Obstbränden und Whisky (womit ich keineswegs "englischen Schnaps aus Massenproduktion meine. Nein. Nein.) würde ich niemals ein Entweder/Oder aufmachen.Sondern immer ein entschiedenes Sowohl/Als auch.

Dein Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
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Re: Alkoholmissbrauch am Wasser

Beitragvon Frank. » 09.04.2013, 20:21

MEFO45 hat geschrieben:Das ist das Leben!


Da schließe ich mich allen deinen Vergleichen mit Begeisterung an (besonders die Sache mit den bloßen Füßen und der Holzterrasse macht mich gerade so richtig an!) - füge aber noch einen hinzu: Das ist der perfekte Wurf mit der Trockenfliege auf eine steigende Forelle.
Magic moments.
Wer die nicht kennt, hat's verpennt - das Leben.

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von den Gipfel des Olymps gestürzt....

Beitragvon elchvieh » 09.04.2013, 21:49

Lieber Frank


auf die Gefahr hin, allen Ernstes auf Ewig aus den heiligen Hallen aller Fliegenfischer verbannt zu werden, dem großen Anathema anheimzufallen, exkommuniziert und öffentlich zum Banausen erklärt zu sein:

Ich hab dem Whisky die Freund- und Gefolgschaft aufgekündigt. Über Jahrzehnte liebte ich ihn, hatte er doch seit ich ihn mehr oder weniger legal erwerben konnte, immer einen Hauch von Exklusivität, von Ferne, von etwas nicht Alltäglichem welches über das nur gut schmecken hinaus ging. Wer einheimischen Schnaps trank, war in meinen Augen gewöhnlich, wusste das Gute nicht zu schätzen und galt als einfache Natur, um nicht zu sagen unzivilisiert.
Erst durch eine nebensächliche Plauderei im nächtlichen Altenheim der F.fischer in dem eine Sorte Whisky genannte wurde, die ich nicht kannte und die so ganz besonders edel sei, wurde ich neugierig und hab angefangen mich ein bisschen kundiger zu machen. Und je mehr ich mich mit diesen Brennereien befasst habe, desto mehr wurde mein Idealbild gründlich zerdeppert...
Hast du gewusst das Laphroaig jedes Jahr mehr als 2 Millionen Liter Schnaps produziert, Lagavulin gibt seine Zahlen nicht bekannt – es dürfte aber noch um einiges mehr sein, Glenlivet produziert um die 6,5 Millionen Liter..... etc.
Um es sehr ironisch mit Shakespeare zu sagen „wie immer die Rose auch hieße, sie würde uns doch lieblich duften“. Der Schnaps aus Schottland, mein Lieber, ist schlicht und oifach eine wohlschmeckende Massenware. Käme derlei aus einer Brennerei im nächsten Industriegebiet und würde für den selben Preis angeboten, bliebe der Brenner als geisteskrank verlacht, auf seinen Millionen Litern sitzen.
Bis vor wenigen Jahren lebt ich hoch über den Rheintal in einem ganz kleinen Dorf und mein bäuerlicher Nachbar hielt nicht nur ein par Kühe, sondern er brannte (und brennt) Obst und Kirschenschnaps. Wenn die Früchte reif waren – dann war das eine Arbeitsaktion für seine ganze Familie und das halbe Dorf. Da wurden die Kirschen nicht nur sorgsam vom Baum geholt und gewaschen, sondern jeder braune Tupfen, jede Fehlstelle wurde von Hand herausgeschnitten bevor die Früchte eingemaischt wurden. In den Obstschnaps bzw. dessen Maische kam kein Apfel mit einer braunen Stelle oder einem Wurm und keine von Wespen angefressene Birne. Am Ende gabs – wenn ich mich recht erinnere, aus 25kg Kirschen ca 1l Schnaps mit 38%. „Gesamtausstoß“ dieses Familienbetriebes: so um die 120l Schnaps im Jahr und mit schöner Regelmäßigkeit alljährlich eine Goldmedaille.
Um zur Conclusio zu kommen: Warum soll ich für einen Schnaps aus der Massenproduktion 60,- Euro und mehr zahlen – auch wenn er gut schmeckt; wenn ich für 20,- Euronen einen Spitzenschnaps aus der heimischen Wirtschaft bekomme – der kein bisschen schlechter schmeckt – nur eben anders.
Noch dazu bleiben diese 20 Eumel dann hier und helfen einem Bäuerlein beim Überleben und nicht einem Konzern wie Diageo. Mir geht es dabei nicht um vermeintlichen Geiz, (Du weißt ja, was ich von Geiz ist.... halte) sondern um die Relation zwischen Aufwand, Produkt, Genuß, Preis und Ökologie.

Dafür verzichte ich gerne auf den schottisch-irischen Nimbus und gieß mir noch ein Gläschen Haselnuß ein (Nachbars Neuentwicklung, für die sich die Vertreibung aus dem Paradies lohnt :) )

Dein aufsässiges Elchvieh
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Re: Alkoholmissbrauch am Wasser

Beitragvon MEFO45 » 09.04.2013, 22:25

Hallo Elchvieh,

Deine Kritik ist absolut OK. Hat in meinen Augen nichts mit Aufsässigkeit zu tun. :wink:

Ich habe nicht weiter recherchiert, aber ich glaube, dass Deine Mengenangaben so stimmen können. Zumindest das krasse Unverhältnis in der Relation zu der Produktionsmenge der zitierten Familienbrennerei. Und dass Whiskey von einigen wenigen Konzernen seit ein paar Jahren tüchtig gehyped wird, ist nicht von der Hand zu weisen. Der Hype wird mit Legenden kräftig befeuert. Die Wahrheit sieht nüchterner aus. Beispielsweise wird das für diese Mengen benötigte Malz oft nicht auf den legendären Darrböden produziert, sondern der überwiegende Anteil einfach von Ausserhalb angeliefert. Zu groß sind die produzierten Mengen, als dass die Kapazitäten an den jeweiligen Standorten ausreichen könnten. Das darf - und sollte - man auch kritisch sehen.
Vieles, was uns an Whiskey Spaß macht ist Geschichte. Eine Geschichte. Pure Fiktion. Aber ist das ein gutes Buch nicht auch? Trotzdem genießen wir das. Nehmen wir Autos. Markige Werbesprüche. Wir wissen das alles. Trotzdem haben wir Freude daran, ein sogenanntes Premium-Fahrzeug zu fahren.
Teure Unterhaltungselektronik: Da wird viel geschrieben von hoch selektierten Bauteilen aus Luft- und Raumfahrt, Militär- und Medizintechnik. Alles Marketing. Macht nichts, wir haben trotzdem Freude daran. Und geben für High End gerne einmal "etwas" mehr aus. Weil das Ganze mehr ist, als die Summe seiner Teile. Weil Qualität Spaß macht und in gewissen Grenzen auch fühlbar ist. Die Explosion am Gaumen, die Frank so schön beschrieben hat, die entsteht nicht auf dem Papier. Und ist erst recht unabhängig von Produktionsmengen.

Den Guten aus der kleinen Familienbrennerei, den würde ich mit großem Vergnügen gerne probieren. Und der Whiskey in meinem Regal, der behält trotzdem seinen Ehrenplatz. Aber wenn mir "das Obst" schmeckt, dann muss ich vielleicht daneben noch ein Fach ausräumen... :D
Viele Grüße

MEFO
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Re: Alkoholmissbrauch am Wasser

Beitragvon CPE » 10.04.2013, 07:00

Hallo Elchvieh,

Wer Spitzenprodukte mit (und nur mit) Handarbeit oder Kleinstauflage verwechselt war noch nie in der Nähe eines britischen Motorrads.

Um themennaher zu bleiben: auch ein Wein mit über 90 Parkerpunkten möge bitte nicht mehr mit Schweißfüßen in Berührung gekommen sein.

Grüße, Norbert
CPE
 

Re: Alkoholmissbrauch am Wasser

Beitragvon elchvieh » 10.04.2013, 09:22

eigentlich bin ich sehr versucht etwas über edle Einfalt und stille Größe zu schreiben....

Allein schon um des lieben Friedens Willen, zitier ich dann doch lieber Friederich d.Rg.: "...Mus der Fiscal nhur das Auge darauf haben, das keine der andern abrug Tuhe, den hier mus ein jeder nach seiner Fasson Selich werden."

Und was mich angeht so schließe ich mich in Demut H.G. Wells an, der schrieb: "Unsere Welt des Selbstbetrugs wird in mitten der Ausflüchte und Einfältigkeiten zugrunde gehen."

schönen Tag allerseits, wünscht das
Elchvieh

PS Das britische Spitzenprodukt mit Spaltmaßen die man noch vom Mond aus sehen konnte - habe ich (endlich) verkauft, soll sich ein anderer damit ärgern.
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Re: Alkoholmissbrauch am Wasser

Beitragvon Frank. » 10.04.2013, 09:29

So, jetzt rufe ich uns alle und mich selbst mal zur Ordnung: Forendisziplin, bitte! Sonst ufert die "Schnaps ist eben nicht Schnaps"-Diskussion vielleicht doch ein wenig zu sehr aus.
Aber ich habe tatsächlich noch einen zum eigentlichen Thema: Jenen April-Scherz habe ich ja auch noch über ein anderes Forum, außerdem über Facebook verteilt, ein paar Freunde haben das zusätzlich per Mail in die Welt geschickt, so dass der "Zeitungsausschnitt" nun auch unabhängig vom Datum 1. April kursiert. Und zuletzt gestern hat sich jemand mörderisch über diesen "bescheuerten" Verband aufgeregt, der "offenbar nichts anderes zu tun hat", als uns nun den letzten Spaß am Wasser zu verderben. Hoffentlich bekommt der Verband nicht zu viele Protestmails …

Euer Frank
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Re: Alkoholmissbrauch am Wasser

Beitragvon HansAnona » 10.04.2013, 12:23

Also ich finde es gut wenn von guten Tropfen 6,5 Millionen Liter produziert werden. Da reicht es für alle Fliegenfischer!

Hicks, Alf

P.S. übrigens war ich vor einigen Tagen mit einem englischen Geschäftsfreund in Birmingham was trinken, wobei mir von diesem Fachmann erklärt wurde dass es bei Whiskey oberhalb der mittleren Preisklasse keine weitere Qualitäts-Steigerung mehr gibt ...
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Re: Alkoholmissbrauch am Wasser

Beitragvon CPE » 10.04.2013, 14:32

Hallo Alf,

So ein Mittelwert kann ganz schön groß sein...

http://www.shortnews.de/id/585298/teuer ... 5-000-euro

Gruß, Norbert
CPE
 

Re: Alkoholmissbrauch am Wasser

Beitragvon MuddlerMinow » 10.04.2013, 23:03

Das sind ja wahre Bekenntnisse hier!

Ich verdränge mal Deine Zahlen Elchvieh:-) aber ja, ist nicht schön all die Massenproduktion und der Kommerz soweit das Auge reicht.

Ich bin ein großer Rum Fan, liebe die weiten Geschmackswelten, goldenen Farbtöne und herrlichen Düfte, die man dort findet. Als Zigarrenschmaucher auch immer eine wundervolle Kombination..

Zum Lachsfischen gehört halt irgendwie ein Whiskey. Wieso eigentlich? Wir sind doch echt Gewohnheitstiere.
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Re: Alkoholmissbrauch am Wasser

Beitragvon elchvieh » 10.04.2013, 23:24

takk skal du ha!

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Re: Alkoholmissbrauch am Wasser

Beitragvon HansAnona » 11.04.2013, 07:53

MuddlerMinow hat geschrieben:Das sind ja wahre Bekenntnisse hier!

Ich verdränge mal Deine Zahlen Elchvieh:-) aber ja, ist nicht schön all die Massenproduktion und der Kommerz soweit das Auge reicht.

Ich bin ein großer Rum Fan, liebe die weiten Geschmackswelten, goldenen Farbtöne und herrlichen Düfte, die man dort findet. Als Zigarrenschmaucher auch immer eine wundervolle Kombination..

Zum Lachsfischen gehört halt irgendwie ein Whiskey. Wieso eigentlich? Wir sind doch echt Gewohnheitstiere.



Die besten Rum- und Zigarrenaromen erkennst Du im Kuss einer Kubanerin.

Duck und weg, Alf
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Re: Alkoholmissbrauch am Wasser

Beitragvon Olaf Kurth » 11.04.2013, 13:48

HansAnona hat geschrieben:Die besten Rum- und Zigarrenaromen erkennst Du im Kuss einer Kubanerin.




Sorry Alf,

bei so einer tollen Vorlage möchte ich mir Franks Signatur auleihen: "Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht." (Franz Kafka) :mrgreen: :mrgreen:

Liebe Grüße,

Olaf
Und Gott sprach zu den Steinen im Fluss: "Wollt ihr Mitglieder der UNERSCHROCKENEN werden?" Und die Steine antworteten: "Nein Herr, dafür sind wir nicht hart genug."
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Re: Alkoholmissbrauch am Wasser

Beitragvon Frank. » 11.04.2013, 14:12

Nehmen wir das mal als Schlusswort, okay?

Euer Frank
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