Anfüttern beim Fliegenfischen

Was macht FLIEGENFISCHEN aus? Hier darf nach Herzenslust gefachsimpelt werden! Auch Termin- und andere Ankündigungen passen hier herein.
(Bitte prüfe zuerst, ob nicht eine der nachfolgenden Rubriken geeigneter für Deinen Beitrag ist).

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Re: Anfüttern beim Fliegenfischen

Beitragvon truttalover » 04.08.2013, 13:40

Hallo zusammen
Habe mal ein wenig gestöbert , anscheinend ist das gezielte Anfüttern bei so manchen ,,Fliegenfischern ,, wohl doch kein NO Go !
Für mich schon !!! Aber wer genaues wissen will , schaut mal wie Erge es in dem Fred vorschlägt. fischarten-und-ihr-fang-fliegenfischen-praxis-tech-f26231/czech-nymphing-auf-barbe-am-grosen-fluss-rhein--t258528.html#p2622213
Meine Meinung , das Anfüttern hat beim echten Fliegenfischen nichts verloren und wer meint so mehr zu fangen sollte wieder aufs Plumsangeln umsteigen.
Gehe mir jetzt auch so ein leckeres Eis essen - und ja ich finde den Bruchglastisch auch sehr ansprechend ,auf jeden Fall ansprechender als Anfüttern beim Fliegenfischen egal um welche Fischart es sich handelt.

t.l. Peter
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Re: Anfüttern beim Fliegenfischen

Beitragvon Werbe » 05.08.2013, 14:41

Hallo ,
in Köln am Rhein läuft das folgendermaßen: Der Fliegenfischer beauftragt seinen "Caddy" wahlweise Guide damit, sich 25 m oberhalb vom Fischer mit zwei Futtereimern in die Randströmung zu stellen und aus dieser Position alle 3-4 Minuten (Über die exakte Frequenz diskutiert man in dortigen Fachkreisen noch.) einen wohl geformten Futterballen so in die Strömung zu platzieren, dass die Futterfahne ungefähr 7 m vor dem ebenfalls in der Strömung stehenden Fliegenfischer eine 75 cm bis 1 m breite Futterspur bildet. In diese wirft der Fliegenfischer seine in Neonfarben gebundene Nymphe, füttert Schnur nach und lässt die Nymphe möglichst lange in der Futterspur stromab treiben. Den Biss stellt der Fliegenfischer dadurch fest, dass sich beim Hereinholen der Leine vor dem Neuauswurf die Schnur irgendwie schwerer als sonst anfühlt. :-k .
Wenn die beiden Eimer leer sind, macht der Fliegenfischer Pause und der "Caddy" muss neues Futter holen. Aus Sicherheitsgründen ist er aber verpflichtet, den Fliegenfischer vorher zu verankern, damit er ihn, wenn er mit vollen Eimern zurück kommt, wieder findet.
Das hat folgenden Grund: Da Kölner Fliegenfischer, selbst wenn sie nicht aus Köln sind, oft von den Wellen der vorbei fahrenden Schiffe im stehenden Schlaf überrascht werden, nimmt Vater Rhein sie manchmal mit und spült sie in Düsseldorf an's Ufer.
Düsseldorfer und Kölner verstehen sich aber nicht so gut,weshalb die Düsseldorfer über diese Form der "Anlandung" Kölner Fliegenfischer not verry amused sind. :mrgreen:
Wie man nun unschwer erkennen kann, bringt das Anfüttern beim Fliegenfischen durchaus Probleme mit sich

Gruß
Werner
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Re: Anfüttern beim Fliegenfischen

Beitragvon daniel72 » 06.08.2013, 13:48

Hallo,
leider hat nicht jeder von uns einen Fluss mit fetten Besatzforellen vor der Haustür. :mrgreen:
Wenn nur Friedfische da sind, welche schwer oder garnicht zu fangen sind, warum sollte man da nicht andere Wege gehen, wenn es Erfolg bringt?
Ich würde es probieren, wenn ich keine anderen Möglichkeiten hätte(Zum Glück habe ich sie aber)
Und ehrlich Leute, ob es dann richtiges oder falsches Fliegenfischen ist, würde mir am Allerwertesten vorbei gehen :!:

Gruß Daniel
daniel72
 
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Re: Anfüttern beim Fliegenfischen

Beitragvon Achim Stahl » 06.08.2013, 15:31

Moin,

... und wieder mal stelle ich mir die Fragen: "Wo fängt es an und wo hört es auf, und weshalb ist jetzt der eine Fliegenfischer der bessere und der andere kein richtiger mehr?" :-k

Der Weg des geringsten Widerstands ist in meinen Augen immer, in einem "gut gepflegten Salmonidengewässer" mit reichlich fangfertigem Besatz ganz orthodox und regulär eine handelsübliche Fliege zu wässern. Fasanenschwanznymphe, Flohkrebs, Rehhaarsedge, Klinkhamar, CDC parachute oder, wenn Streamern erlaubt ist, ein schön beschwerter Wooly Bugger gehen dort immer, und falls nicht, beschwert man sich über den schlechten Bestand und fährt beim nächsten Mal zu einem besser besetzten Gewässer. Alles Super, alles korrekt und ganz ohne Zweifel echtes Fliegenfischen, das ich keinem madig machen will. Aber letztendlich viel einfacher und anspruchsloser als in einem Gewässer mit wesentlich weniger dichtem Weißfischbestand trotz Anfüttern einen guten Döbel, einen Karpfen oder eine Barbe an die Fliege zu bekommen. Das allerdings ist kein Fliegenfischen. :doubt:

Und wo fängt man in einem gepflegten Salmonidengewässer die richtig guten Forellen oder in einem Mischgewässer die Karpfen und Weißfische, ohne selbst anzufüttern? Unterhalb von den Brücken, von denen aus Passanten die Enten und die Fische füttern... =D>

Früher gab es auch noch die Einleitungen von Schlachtereien. Das waren echte Hot Spots für große Forellen.

Die berühmte Brotfliege funktioniert auf Karpfen und Forellen auch nur, wenn vorher schon jemand die Fische mit Brot vertraut gemacht hat. Ob man das nun selbst war oder jemand anderes die Vorarbeit geleistet hat, ändert an dem Effekt nicht viel.

Ich finde, man sollte mit moralischen Verurteilungen und Grezziehungen nicht zu schnell sein und auch ab und zu das eigene Tun selbstkritisch betrachten.


Viele Grüße!


Achim
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Re: Anfüttern beim Fliegenfischen

Beitragvon Maggov » 07.08.2013, 10:07

Hi Achim,

Schön im alten Thread Dein Posting zu lesen wo Du Dich als Dry only Puristen bezeichnest und dann dieses Posting. :biggrin:

Auch wenn Du viel Richtiges schreibst - so finde ich - tust Du vielen Fliegenfischern mit diesem Urteil Unrecht (ich habe leider k.A. Ob es eine Minderheit oder die Mehrheit ist, aber es sind mehr als nur eine Hand voll).

Es stimmt was über Schlachtabfälle schreibst und auch alles Andere habe ich so gesehen und erlebt, aber meinst Du nicht auch dass es auch andere Situationen und Fischer gibt die dieses Bild wieder etwas gerade rücken?

Ich gebe Dir recht man sollte vorsichtig sein und Anfüttern ist ein sehr schwieriges Thema in allen Angeldisziplinen. In stehenden Gewässern kann es da zu richtigen Problemen führen denn die Wasserqualität kann bei zu massiven Anfüttern echte Probleme verursachen. Bitte auch nicht vergessen dass dazu noch Spaziergänger kommen die Enten füttern und Badegäste ihren Müll im Wasser entsorgen. Deshalb ist in vielen Vereinen die stehende Gewässer bewirtschaften Anfüttern mittlerweile Verboten.

Wenn ich früher Köderfische gestippt habe, dann habe ich anfangs auch eine Futterwolke gelegt. Irgendwann habe ich aber festgestellt, dass ich deutlich schneller meine Fischerl zusammen hatte wenn ich mit einer kürzeren Stippe die hot spots abgesucht habe bis ich die Fische gefunden hatte.

Anfüttern mag sehr gut funktionieren, nicht umsonst gab es früher die Tradition bei den Karpfenfischern Futterplätze und -gewohnheiten zu schaffen. Das ist m.M. Nach auch unabhängig von der Bestanddichte, es ist vielmehr die Frage wie stark und lange ich anfüttern muss um den gewünschten Erfolg zu erreichen.

Für mich hat das Fliegenfischen seinen Reiz in der Situation, im Beobachten und Aufspüren von Fischen, deren Beobachtung was sie gerade machen und der Imitation des Beuteschemas. Das gilt für das Bonefish fischen in den Flats genauso wie an einem Karpfenteich oder einem Salmonidenbach. Deshalb ist es für mich vollkommen uninteressant die Fische mittels Futter an zu locken - ich suche lieber den Fisch. Das würde ich genauso an dem bestandsschwachen Weissfischwasser machen und lieber Strecke machen als anfüttern. Mag sein dass ich so weniger fange, aber wenn ich erfolgreich bin gibt mir dieser Fisch mehr an Zufriedenheit zurück als zig angefütterte Fische.

Ich glaube auch dass die Erwartungshaltung ein wichtiger Aspekt ist. Wenn ich weiss dass in dem Wasser die fangaussichten nicht sooo rosig sind, warum gehe ich dann hin und versuche krampfhaft und mit allen Mitteln einen Fisch zu fangen? Das muss doch mit der Erwartungshaltung zusammen hängen dass nur ein Tag mit einem gefangenen Fisch einen erfolgreichen Tag ausmacht. Das finde ich angesichts der Tatsache dass die meisten wohl noch nie einen Weissfisch (z.B. Eine Rheinbarbe) entnommen und gegessen haben nicht mehr zeitgemäß und auch schade, denn irgendwie scheint der Fangerfolg vieles andere in den Schatten zu drängen.

LG

Markus
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Re: Anfüttern beim Fliegenfischen

Beitragvon Bernd Ziesche » 07.08.2013, 11:04

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Zuletzt geändert von Bernd Ziesche am 08.08.2013, 12:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Anfüttern beim Fliegenfischen

Beitragvon Achim Stahl » 07.08.2013, 11:18

Moin Markus,


Maggov hat geschrieben:Auch wenn Du viel Richtiges schreibst - so finde ich - tust Du vielen Fliegenfischern mit diesem Urteil Unrecht (ich habe leider k.A. Ob es eine Minderheit oder die Mehrheit ist, aber es sind mehr als nur eine Hand voll).


Bitte verstehe mich da nicht falsch: Ich urteile nicht, ich zeige nur eine andere Facette des Fliegenfischens auf, die allgemein (auch von mir) gutgeheißen wird.

Maggov hat geschrieben:Ich glaube auch dass die Erwartungshaltung ein wichtiger Aspekt ist. Wenn ich weiss dass in dem Wasser die fangaussichten nicht sooo rosig sind, warum gehe ich dann hin und versuche krampfhaft und mit allen Mitteln einen Fisch zu fangen?


Uiuiui, das könnte man aber bös in den falschen Hals bekommen! Klingt fast wie: "Wenn ihr kein Brot habt, dann esst doch Hefekuchen wie wir!" :doubt:

Ich habe ja auch eine Zeit lang in einer Region gelebt, in der es Forellen in Hülle und Fülle gab und weiß, wie einfach man sich dort vollkommen politisch korrekt verhalten kann. Nach Feierabend schnell ans Wasser gehen und drei vier gute Forellen auf Trockenfliege oder Nymphe zu fangen war vollkommen alltäglich. Ich kenne aber auch die andere Seite, Regionen, in denen man verzweifelt versucht, überhaupt einen Fisch ans Band zu bekommen und tagelang Schneider bleibt, der nächste Salmonidenfluß 200 km weit entfernt. Da sinnt man nach Möglichkeiten, dennoch ab und zu mal einen Fisch mit der Fliege zu fangen. Ich persönlich stehe dazu, dass ich es durchaus geil finde, ab und zu mal einen starken Fisch zu drillen. Wenn dieses Erlebnis viele Wochen und Monate lang ausbleibt, sind mir einfache Methoden, einen Fisch ans Band zu bekommen auch nicht immer unrecht. Dann streamere ich auch mal im Mai an einer totsicheren Strecke auf Hecht oder fliege nach Bayern und fische an der Mosach, der Berchtesgadner Ache oder "beim Heger" und werfe dort auch ganz ungeniert die Brückenforellen an. Die Freiheit nehm ich mir und niemand schert sich drum. Warum sollte ich mich dann darüber erregen, wenn jemand am Rhein eine Handvoll Brot ins Wasser wirft, um endlich mal wieder einen Fisch zu fangen?


Viele Grüße!


Achim
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Re: Anfüttern beim Fliegenfischen

Beitragvon Maggov » 07.08.2013, 13:09

Hi Achim,

Ich will nix in falsche Hälse werfen - bitte nicht falsch verstehen.

Ich kann auch verstehen dass Dir der Fang und der Drill wichtig ist und Spaß macht. Was ich damit sagen wollte ist: es stimmt dass es "bessere" und schlechtere Regionen gibt was die Fangaussichten angeht. Du findest aber auch in Bayern Strecken die alles andere als einfach zu Fischen und/oder voller Fisch sind. Als Jungfischer waren Schneidertagebei mir an der Tagesordnung, über ein paar Aitel hat man sich tierisch gefreut und eine Forelle war was ganz Besonderes.
Die Gewässer, deren Wasserqualität, der Zugang zu Selbigen und natürlich auch die eigene Fischerei unterliegen einem ständigen Wandel.

Mein Hinweis zur Einstellung bezog sich darauf, dass man sich selbst doch mal hinterfragen könnte (Konjunktiv!) ob man an eine Strecke, die eben nicht optimal bzgl. Der Ausbeute ist, mit der gleichen Einstellung gehen sollte wie an Strecken die eben entsprechend hohe Fangaussichten bieten. Wenn ich mir hier nicht selbst einen so hohen Druck auferlege, dann kann ich doch ebenso zufrieden gehen wie an einer Super Strecke mit mäßigem Erfolg. Soll heissen: wer sagt denn dass jeden Tag was Fangen ganz normal und Schneidertage was mit dem eigenen Können oder schlechten Tagen zu Tun hat (ausser einem selbst bevor man ans Wasser geht)?

Genauso könnte man hinterfragen ob es an Strecken wie "die Heger" mit entsprechendem dichten Fischbestand es wirklich ausschlaggebend ist ob man zig Fische fängt oder eben nur ein paar, die aber dann entsprechend "kompliziert". Wenn Du in dem Parallelthread nachliest was der Eine oder Andere als Definition für Fliegenfischen für sich gewählt hat so kommt des häufigeren auch mal durch dass es um genau diesen Aspekt geht. Dass die Brückenforellen auf die Brotfliege gehen und man dann einen tollen Drill hat stimmt - ist dieser Drill nach der zigsten Forelle noch genauso erfüllend für Dich? Oder kommt nicht dann evtl. die Motivation das gleiche Ergebnis mit einer anderen Fliege / Methode zu erreichen?

Was Dein Beispiel am Rhein betrifft so ist es mir auch wurscht - es wäre einfach nicht mein Fall. Und wenn ich dort unbedingt eine Barbe erwischen wollte dann hätte ich auch kein Problem zu einer Spinnrute zu greifen und diese - wie als Jugendfischer - mit dem Rollblei und Naturköder zu befischen. So gerne ich mit der Fliegenrute fische finde so wenig Probleme habe ich mit anderen Methoden und ne Barbe an der Matchrute mit einer Centerpinrolle macht auch viel Spaß. Wenn ich dann keinen Fisch erwischt habe würde ich zunächst überlegen wie ich meine Angelmethode verfeinern kann und zwar deshalb weil ich glaube dass mir das an allen Strecken weiter hilft und nicht nur an diesem Abschnitt. So wie ein guter Werfer mit ungünstigem Gerät immer noch besser Werfen wird so glaube ich dass ein guter Fischer auch mit ungünstigen Methoden immer einen Tick besser fangen kann. Diese Fähigkeit lässt sich aber schlecht trainieren wenn ich mich nicht stetig fordere. Das Anfüttern wäre mir in diesem Kontext keine grosse Hilfe.

Wie oben geschrieben verstehe ich an einem Fliessgewässer (da mag der Rhein auch wieder ein schlechtes Beispiel sein) oder einem See wo man mit (belly)boot drauf darf noch nicht ganz warum ich mich nicht zum Fisch bewege anstatt ihn an zu locken.

LG und nix für ungut

Markus
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Re: Anfüttern beim Fliegenfischen

Beitragvon Maggov » 07.08.2013, 13:34

Bernd Ziesche hat geschrieben:Hallo Markus,
ich glaube nicht, dass Achim der Meinung ist, es wäre hier irgend etwas wieder gerade zu rücken. Vielmehr verstehe ich Achim so, dass er überhaupt kein Problem damit hat, wenn ein Fliegenfischer eine grosse Regenbogenforelle mittels Brotfliege unterhalb einer Brücke überlistet. Das ist doch jedem Fliegenfischer selbst überlassen, wie er den Fisch überlisten möchte. Ich für meinen Teil teile die Fangfreude und urteile nicht negativ über eine Methode, welche möglicherweise von meiner favorisierten Methode



Hallo Bernd,

Ich habe auch kein "Problem" damit und schreibe auch niemandem vor es anders zu machen. Ich äussere lediglich meine persönlichen Standpunkt auf die Frage was man (damit fühle ich mich auch angesprochen) davon hält. Wenn jemand eine Fisch so fängt und sich darüber freut so freue ich mich ebenfalls darüber. Und ich habe auch schon Brückenforellen so gefischt und schäme mich nicht oder meine heute dass es damals falsch war.

Wie in der Antwort an Achim geschrieben ist es mir aber zu "einfach" das auf Dauer zu betreiben und ich persönlich würde nach dem dritten Fisch unter dieser Beispielbrücke das Gefühl haben dass sich dies sicherlich jetzt ewig fortsetzen liesse aber so geil finde ich dann Drill eben nicht. Mich reizt es dann eben mehr heraus zu finden ob es nicht doch anders geht.

Ein weiterer Aspekt sei nicht unerwähnt: an vielen Strecken investieren die Bewirtschafter hunderte von ehrenamtlichen Stunden in ein Wasser und müssen gleichzeitig die Balance zwischen der Erwartungshaltung der Fischer und dem vertragbaren Befischungsdruck finden. So sehr man jedem die Fänge gönnt wenn wir alle Methoden nur des Erfolgs wegens gut heissen und jeden dazu ermutigen ruhig das letzte bischen an Effizienz aus der Fischerei heraus zu holen, dann werden wir in absehbarer Zeit auch mit Anfüttern Schneider nach Hause gehen (egal an welcher Strecke) und eben diesen unsichtbaren freiwilligen Helfern jede Motivation rauben sich weiterhin um ihre Bestände zu sorgen.

Bzgl. Der Frage des Reizes stossen wir auf den gleichen Dissenz wie im Thread zuvor. Für mich ist es eben nicht entscheidend welches der stärkste Reiz ist sondern ob die Reize auf die ich mich beschränke (und ich füge beim Fischen mit der Fliegenrute gerne die Seitenlinie dem optischen Reiz dazu) erfolgreich sind. Bei Fischen wie dem Aal, der Rutte, beim Krebsfischen und manch' anderen Zielfischen mag das sehr aussichtslos sein, in diesen Fällen bin ich aber auch kein dogmatischer Verfechter des Fliegenfischens und setze dann auch gerne eine andere Methode ein. Nebenbei könnte man doch wirklich an Strecken wo es erlaubt ist auch seine Naturköder mit der Fliegenrute ausbringen - warum als überhaupt die Mühe machen und eine Imitation erstellen und fischen. Irgendwo haben wir alle doch eine Entscheidung zur Einschränkung getroffen, oder nicht?

LG

Markus

P.s. Der nicht als Fliegenfischer angefangen hat :wink:
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Re: Anfüttern beim Fliegenfischen

Beitragvon Achim Stahl » 07.08.2013, 16:05

Moin,

Maggov hat geschrieben:Ein weiterer Aspekt sei nicht unerwähnt: an vielen Strecken investieren die Bewirtschafter hunderte von ehrenamtlichen Stunden in ein Wasser und müssen gleichzeitig die Balance zwischen der Erwartungshaltung der Fischer und dem vertragbaren Befischungsdruck finden. So sehr man jedem die Fänge gönnt wenn wir alle Methoden nur des Erfolgs wegens gut heissen und jeden dazu ermutigen ruhig das letzte bischen an Effizienz aus der Fischerei heraus zu holen, dann werden wir in absehbarer Zeit auch mit Anfüttern Schneider nach Hause gehen (egal an welcher Strecke) und eben diesen unsichtbaren freiwilligen Helfern jede Motivation rauben sich weiterhin um ihre Bestände zu sorgen.


Ein einigermaßen versierter Fliegenfischer könnte fast jedes Forellen- und Äschengewässer mit ganz konventionellen Fliegenfischmethoden und ohne anzufüttern in einer Saisson annähernd leerfischen, wenn er es darauf anlegen würde. Es nützt überhaupt nichts, "effiziente" Methoden zu verbieten. Es nützt nur, die Entnahme zu beschränken, die Anzahl der Fischer am Wasser zu begrenzen und Methoden zu verbieten, mit denen Fische, die zurückgesetzt werden sollen, besonders leicht verletzt oder getötet werden. Das heißt, keine Naturköder an kleinen Haken, keine Widerhaken, keine zu dünnen Vorfächer.

Viel effizienter als Anfüttern ist sowieso, gut werfen zu lernen, die Fische "verstehen" zu lernen und aufgrund dieses Verständnisses die richtige Fliege richtig anzubieten. Und das will doch hoffentlich niemand jemandem verbieten... [-X


Viele Grüße!


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Re: Anfüttern beim Fliegenfischen

Beitragvon webwood » 07.08.2013, 19:04

Ich würde gerade mal gerne einen Gedanken laut aussprechen und selbigen zur Diskussion stellen.

Stellt Euch vor:
Ein Fliegenfischer hängt eine Made an den Haken und wirft mit der Fliegenrute.
Für meine persönliche Definition, wäre der Mann als Fliegenfischer für mich sowas von untendurch.

Der gleiche Fischer verwendet an gleicher Stelle und mit gleichem Köder eine Stippgerte.
Dann wäre das für mich eine andere, doch ebenso achtbare Technik.

Ist doch irgendwie meschugge, oder?

TL

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Re: Anfüttern beim Fliegenfischen

Beitragvon Maggov » 07.08.2013, 21:47

Achim Stahl hat geschrieben:Moin,

Ein einigermaßen versierter Fliegenfischer könnte fast jedes Forellen- und Äschengewässer mit ganz konventionellen Fliegenfischmethoden und ohne anzufüttern in einer Saisson annähernd leerfischen, wenn er es darauf anlegen würde. Es nützt überhaupt nichts, "effiziente" Methoden zu verbieten. Es nützt nur, die Entnahme zu beschränken, die Anzahl der Fischer am Wasser zu begrenzen und Methoden zu verbieten, mit denen Fische, die zurückgesetzt werden sollen, besonders leicht verletzt oder getötet werden. Das heißt, keine Naturköder an kleinen Haken, keine Widerhaken, keine zu dünnen Vorfächer.

Viel effizienter als Anfüttern ist sowieso, gut werfen zu lernen, die Fische "verstehen" zu lernen und aufgrund dieses Verständnisses die richtige Fliege richtig anzubieten. Und das will doch hoffentlich niemand jemandem verbieten... [-X


Viele Grüße!


Achim


Hi Achim,

Danke und absoluter Konsens. Ich möchte hinzufügen dass ein versierter Fischer das wohl auch mit anderen Methoden als Fliegenfischen schafft.

Ich glaube weiterhin dass Anfüttern und Lockstoffe ein tieferes Schlucken fördern würden und deshalb eben nicht als geeignete Methode erscheinen wenn man eine höhere Sterblichkeit bei zurückgesetzten Fischen vermeiden will.

LG

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Re: Anfüttern beim Fliegenfischen

Beitragvon Bernd Ziesche » 08.08.2013, 11:28

.
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Re: Anfüttern beim Fliegenfischen

Beitragvon AlexWo » 08.08.2013, 13:53

Hallo, wo ist denn Bernd Ziesche hin?

Also, für einen wahren Fliegenfischer kommt anfüttern oder aromatisieren nicht in Frage.
Es geht um das wie fangen, nicht um wieviel, hab das ja an anderer Stelle schon oft genug gesagt.

Wer mit diesen Methoden mit der Fliege fischt, ist einfach ein Fischräuber.

Das Bernd von solchen Gedanken geplagt ist, zeigt mir einfach, dass er keine fischereiliche Reife besitzt!
Da kann er noch soviel über Wurfphysik ausführen....

Viele Grüsse

Alex
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Re: Anfüttern beim Fliegenfischen

Beitragvon Achim Stahl » 08.08.2013, 15:11

Moin Alex,

einem der kompetentesten, bestausgebildedsten und geistig reflektiertesten Fliegenfischern, die ich kenne per Ferndiagnose zu attestieren, dass er keine fischereiliche Reife besitzt, finde ich schon ein wenig gewagt. Und damit habe ich mich extrem zurückhaltend ausgedrückt.

Ich bin in dieser Ferndiagnostig leider bei weitem nicht so bewandert wie du, stelle aber fest, dass du Bernds Postings auch in der Vergangenheit so gründlich mißverstanden hast, dass ich mich frage, ob du sie vielleicht gar nicht verstehen willst... :doubt:

Dass du dir offensichtlich solche Gedanken verbietest, wie Bernd sie sich macht, kann ich auch nicht als wie auch immer geartetes Reifezeugnis betrachten...

Schade, dass Bernd sich abgemeldet hat. Das finde ich einen außerordentlich großen Verlust für das Forum. Aber ich kann ihn gut verstehen...


Viele Grüße!


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