Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

Was macht FLIEGENFISCHEN aus? Hier darf nach Herzenslust gefachsimpelt werden! Auch Termin- und andere Ankündigungen passen hier herein.
(Bitte prüfe zuerst, ob nicht eine der nachfolgenden Rubriken geeigneter für Deinen Beitrag ist).

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Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

Beitragvon Frank. » 14.10.2014, 10:07

Lieber Olaf,

gegen
gespliesste hat geschrieben:Tweed-Sakko, tattersall-check Hemd

habe ich ganz und gar nichts – es gibt Menschen, die haben mich darin schon am Wasser gesehen, mit Tweed-Kappe, mit meiner Gespließten, meinem uralten Weidenkorb und noch ein paar sehr traditionellen Ausrüstungsgegenständen ... Ich habe ja auch zeitweise in England gelebt und mag das leicht Spleenige sehr.
Als ich allerdings mal am Itchen eingeladen war, da fielen reihenweise die Aston-Martin- und Bentley-Fahrer mit Champagnerflaschen dort ein, um dann große Mengen von Vorfächern um alle Gegenstände und Lebewesen (einschließlich der eigenen Person) zu wickeln, die sich nicht umgehend in Sicherheit brachten.
Beinahe hätte ich geschrieben: Um alle, die nicht bei "Drei!" auf'm Baum waren. Aber auf den Bäumen war es am gefährlichsten überhaupt ...

Aber sonst bin ich ganz bei dir. Das ist nicht die Regel, und diese Szene wird vor allem aus einigen Stadtteilen Londons an die Flüsse entsendet.

Dein Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
Franz Kafka
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Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

Beitragvon matthias z. » 14.10.2014, 10:12

Hallo Olaf,

...in Winchester warst Du sicherlich am Itchen oder :wink:?

Dass die Norweger eine gesunde Einstellung zu Ihrer Natur haben, würde ich nicht so unterschreiben aber letztendlich sieht man an Land ja nicht, was die Norweger mit den Lachsfarmen im Meer alles zerstören.

Hallo liebe Thread Teilnehmer,

Im Übrigen oute ich mich jetzt auch mal als jemand, der "zu den zweifelhaften Gesellen der Londoner" Maklerszene gehörte und der auch schon mal zur Maifliegenzeit "aus seinem Loch gekrochen ist" um im Zuge von "Corporate Entertainment Einladungen" an den Chalkstreams zu fischen. Heute fehlt mir "Fantasie, Mut, Kreativität und ich habe (bestimmt) Angst vorm Scheitern und deswegen bleibe ich beim Gewohnten (bzw. bin dahin zurück gekehrt) "........trotzdem fische ich immer noch gerne!!

Wir sind alle Individuen.

Tight lines,

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Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

Beitragvon gespliesste » 15.10.2014, 00:11

Hallo Matthias,

matthias z. hat geschrieben:...in Winchester warst Du sicherlich am Itchen oder :wink:?


Auch, aber Fischen war ich vornehmlich am Test, ist nur 15km entfernt. Oder was meinst du? Du schreibst leider ein wenig in Rätseln?

matthias z. hat geschrieben:Dass die Norweger eine gesunde Einstellung zu Ihrer Natur haben, würde ich nicht so unterschreiben aber letztendlich sieht man an Land ja nicht, was die Norweger mit den Lachsfarmen im Meer alles zerstören.


Zumindest gibt es in der norwegischen See noch recht gesunde Fischbestände, also kein Vergleich zu dem, wie der Rest von Europa seine Meere hingerichtet hat. Wir deutschen haben unsere damals reichhaltigen Lachsbestände schon vor vielen Jahren aus kommerziellen Gründen vollständig ausgerottet.
Die Lachsfarmen sind auch in Norwegen umstritten und mittlerweile recht stark reguliert. Das meiste spielt sich heutzutage so oder so in Chile ab.
Am Bodensee wird von staatlicher Seite mittlerweile auch über die Möglichkeiten von Felchenfarmen geforscht.
Also wenn das das einzige Argument ist, könnte man als Norweger die viel strapazierte Weissheit vom Glashaus und den Steinen anstrengen.

Meine Erfahrungen beruhen auf den Bekanntschaften mit gewöhnlichen (Berufs-) Fischern und Einwohnern vor Ort.

matthias z. hat geschrieben:im Zuge von "Corporate Entertainment Einladungen" an den Chalkstreams zu fischen.


Fliegenfischen als "Corporate Incentive" - sehr schön. Wurde auch in Deutschland zu Dot-Com Zeiten zumindest in unserem "Lederhosen und Laptop"-Freistaat hip. Mit den leicht angesoffenen Outperformern vom Vertriebsteam in unberührter Natur mal die Rute zu schwingen war schon immer mein Traum.

http://lmgtfy.com/?q=Fliegenfischen+Incentive

...und wer kommt da als erster Treffer ... hatten wir das nicht gerade erst?

Da findet man auch gleich die Anleitung für den Event: Angeln für Selbstoptimierer - als ökologisch feines Hipster-Hobby Da wurden alle modernen buzz-words PR trächtig in Verbindung mit dem Thema Fliegenfischen verwurstet. #-o

LG,

Olaf
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Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

Beitragvon CPE » 15.10.2014, 08:06

gespliesste hat geschrieben:http://lmgtfy.com/?q=Fliegenfischen+Incentive

...und wer kommt da als erster Treffer ... hatten wir das nicht gerade erst?



Hallo Olaf,

Der war nicht nur gut, der war richtig gut.

TL, Norbert
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Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

Beitragvon matthias z. » 15.10.2014, 09:52

Hallo Olaf,

....Du hattest geschrieben, dass Du "erst letztes Jahr wieder in Winchester am Test warst". Nun ist es aber so, dass der Itchen durch Winchester fliesst und der Test eben nicht. Eigentlich sollte es nur ein kleiner Scherz am Rande sein, sorry.

Was die Norweger oder das Thema "Umgang mit der Natur" generell angeht, hat bestimmt jeder seine eigenen mehr oder weniger subjektiven persönlichen Ansichten. Schliesslich sind wir ja alle Individuen.

Ich persönlich glaube nicht, dass sich die Norweger besser als andere Nationen verhalten. Wenn die Fäkalien von norwegischen Fischfarmen, die jährlich im Meer landen, das Doppelte von dem sind, was die norwegischen Menschen an jährlich Fäkalien von sich geben, schliesse ich jedenfalls daraus, dass das nicht gut sein kann. Den englischsprachigen Bericht, aus dem ich diese Inforamtion habe, füge ich per Link bei.

http://www.nmf.no/files/dokumenter/PDF/ ... LOWRES.pdf

Tight lines,

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Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

Beitragvon matthias z. » 15.10.2014, 09:56

Hallo Olaf,

ich hatte noch vergessen zu sagen, dass die Googlesuche "Fliegenfischen + Incentives" in der Tat zu einem sehr lustigen Treffer geführt hat. Dies reflektiert natürlich meine eigene subjektive Meinung.

Viele Grüße

Matthias
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Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

Beitragvon Maggov » 15.10.2014, 13:41

Carl Phillip Emanuel hat geschrieben:
gespliesste hat geschrieben:http://lmgtfy.com/?q=Fliegenfischen+Incentive

...und wer kommt da als erster Treffer ... hatten wir das nicht gerade erst?



Hallo Olaf,

Der war nicht nur gut, der war richtig gut.

TL, Norbert


Immer schön clean - äääh sauber bleiben ;)

LG

Markus
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Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

Beitragvon orkdaling » 15.10.2014, 19:07

Hallo Matthias,
hat ja niemand gesagt das es bessere Menschen sind., die 4,5 Mio. Norweger.
Tatsache ist das sie ganz Westeuropa, sowie Polen, Russland... mit billigen Zuchtfisch versorgen und nun auch in Nord und Suedamerika Kæfige aufstellen und fuer Krankheiten sorgen.
Tatsache ist weiterhin das es immer mehr Kommunen gibt die sich zur Wehr setzen und das Aufstellen neuer Anlagen verbieten.
Wir setzen uns auch mit dem Problem im Verband auseinander und ich glaube es gibt keinen Lachsfischer der nicht gegen diese Art der Zucht ist (die Lachslaus læsst gruessen), wenn dann landbasierte Aufzucht.
Tatsache ist leider auch das der Boss einer der grøssten Firmen seine Steuern im Ausland bezahlt (wurde im Forum schon berichtet).
Aber so spielt nun mal die Wirschaft und Politik - wird aber zunehmend schwieriger fuer sie.
Wollte auch nur zum Ausdruck bringen das wir mit den meist auslændischen "Poolpæchtern" nichts am Hut haben. Ansonsten macht es keinen Unterschied ob du Norweger bist oder Gastangler, Schueler oder Pensionist und auch Rollstuhlfahrer bekommen Zugang (Plattform oder befahrbarer Streifen, noch nicht ueberall aber zuhnehmend). Fischen und Jagen ist schon durch Geschichte des Landes zur Tradition geworden und hat einen hohen Stellenwert.
Was mich aber fast wuetend macht ist die Tatsache, dass immer mehr polnisch und deutsch registrierte Trailer mit russischen oder ukrainischen Fahrern die Lachstransporte nach Westeuropa abwickeln. Mit klapprigen Autos, keine Schneeketten, uebernachten am Strassenrand bis hin zu tragischen Unfællen.
(die fallen dir um den Hals wenn du ein Satz gebrauchte Ketten verschenkst)
Den armen Hunden wuensche ich das sie bald aussteigen kønnen aber die haben sicher keine Lust mehr zum fischen.
Gruss
Hendrik
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Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

Beitragvon gespliesste » 16.10.2014, 01:27

Hallo,

orkdaling hat geschrieben:Fischen und Jagen ist schon durch Geschichte des Landes zur Tradition geworden und hat einen hohen Stellenwert.


genau so habe ich es im Kontakt mit den Leuten vor Ort auch empfunden.

LG,

Olaf
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Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

Beitragvon steinfliege1 » 20.03.2016, 16:24

Liebe Forumgemeinde,

leider habe ich gerade erst diesen nun schon etwas älteren Faden mit aktuellen Themen gefunden und möchte meine Gedanken dazu gern kundtun
Es ist immer leicht jemanden zu ver –ur –teilen, den man nicht oder nur aus dem Fernsehen kennt. Gelegentlich stelle ich fest, dass sowohl im Internet, als auch bei meinen Fernsehbeiträgen Darstellungen zu Fehlinterpretationen führen. Scheinbar werden Dinge auch so ausgelegt wie es einem in den Kram passt, was oft nur wenig mit den Tatsachen zu tun hat. Ferner stelle ich fest, dass Foren genutzt werden, um mit der Anonymität Lügen zu verbreiten. Ich wurde sogar schon in einem Forum gesperrt, um auf Vorwürfe nicht antworten zu können. Habt doch mal den Mut zu Euren Aussagen zu stehen und Euch mit Euren tatsächlichen Namen anzumelden! Schreibt doch mal die Menschen direkt an und erkundigt Euch darüber, ob Eure Meinung der Wahrheit entspricht. Im Folgenden möchte ich kurz einige Dinge ins rechte Licht rücken. Leider kann ich in den Fernsehbeiträgen nur sehr oberflächlich auf die vielen Unterbereiche meiner Lebensweise eingehen. Dazu könnt Ihr weiter unten noch mehr lesen.

Zum Fliegenfischen nur soviel:
Die Überschrift trifft die Sache nur sehr am Rande. Ich bin weder ausgestiegen, noch gehe ich nur Fliegenfischen. Das Fischen –auch mit der Fliege- ist nur ein Teil meines Angebots.
Die Fliegen über die Ihr herzieht sind meine ersten gewesen und ich habe sie für mich und für die Nachwelt aufgehoben. Denn irgendwann werden die Muster doch so vorzeigbar, dass sie einerseits kaum vom Original zu unterscheiden sind und anderseits zeigen doch alle ohnehin nur ihre besten Fliegen vor. Dass ich meine Ersten dokumentiert habe, war lediglich ein Spaß.
-Man muss nicht immer den „Dicken“ raushängen lassen. ; )-
Ich finde es schade, wie verfachsimpelt und -kompliziert mittlerweile unsere Welt ist. Man braucht eine Ausbildung, Lizenzen und Titel, um irgendetwas zu unterrichten. Aus meinem Job als Trainer einer Golfmannschaft und Ausbilder für den Verband weiß ich, dass nicht die, mit den meisten Titeln die besten Trainer sein müssen. Es gibt überall und ich allen Fertigkeiten Leute ohne Studium, die exzellente Lehrer geworden sind. Zum Beispiel: Claus Hessler im Schlagzeug. Ferner gibt es exzellente Lehrer im Sport, die mittelmäßige Spieler waren und umgekehrt, mittelmäßige Trainer, die exzellente Spieler waren. Das ist im Golf nicht anders, als im Fußball. Aber es kann natürlich helfen bei guten Lehrern Unterricht gehabt zu haben. Auch ich habe in Kursen bei renommierten Fischern gelernt. Dass ich mich der Ausbildung bei Verbänden verweigere, liegt daran, dass ich durch meinen Golflehrerjob lang genug Lehrproben, methodische Reihen und Trainingsmethoden gelernt habe, um sie zu kennen und ihren Stellenwert zu kennen. Von daher habe ich lediglich den Inhalt gewechselt.

Wenn es um die Kurse für meine Schule geht unterrichte ich überwiegend Einsteiger und die Grundlagen im Fliegenfischen. Die, die den letzten Schliff brauchen gehen meist zu Fliegenfischerlehrern mit einem „Namen“. Das Gros meines Lehrplans ist nicht Fliegenfischen, sondern das Leben in der Natur.

Mehr zu meiner Lebensweise…
Die Information ich führe zweimal wöchentlich nach Dossenheim, um zu duschen und meine Freundin zu besuchen ist schon seit November 2014 nicht mehr aktuell. Die zwei Tage „waldfrei“ zu Beginn des Projektes dienten nie dazu, dass ich duschen konnte, sondern eine Beziehung mit einer Frau aus Dossenheim zu führen. Meine Freundin musste mich eher dazu anhalten zu duschen -zu schnell gewöhnt man sich an den Rauchgestank in den Klamotten und duftet wie ein Räucherwürstchen. Ferner habe ich mir das tägliche Duschen abgewöhnt und kann mich auch im Wald ganz gut waschen. Genauso wenig entspricht es der Tatsache, dass ich aus Dossenheim stamme. Das hat irgendwann mal eine Zeitung über mich geschrieben. Ich habe lediglich bis 2013 in der Rhein-Neckar-Region gelebt. Gebürtig stamme ich aus Mülheim an der Ruhr.

Den gravierenden Einschnitt mein altes Leben aufzugeben vollzog ich, weil der Leidensdruck in einem zivilisierten Leben trotz meiner sehr guten Reputation im Job zu hoch war. Zukünftig wollte ich meine Kosten minimieren und da die höchsten Kosten die Miete waren, galt es, diese zu minimieren. Aus der Einsicht, dass man mit einem zivilisierten Leben ständig die Umwelt schädigt wuchs der Wunsch, den Schaden den ich produziere zu minimieren. Da ich dort wohne, wo ich arbeite kann ich großteils auf mein Auto verzichten. Ich war überzeugt, dass mir weitere Kurse und Bücher über Survivaltechniken nicht weiter helfen würden und so erschien es mir sinnvoller die Fertigkeiten im Alltag zu leben. Der unbequeme Alltag mit seinen Entbehrlichkeiten sollte mir zeigen, was ich wirklich brauche und worauf ich verzichten kann. Mit Beginn des Projekts wollte ich mich auch etwas von den Menschen zurückziehen. Zu tief saßen die Verletzungen und Enttäuschungen… Aber auch der Rückzug hat seine Grenzen. Spätestens nach eineinhalb Jahren in der Natur waren auch diese Mauern meiner Seele durchbrochen und ich stellte fest, dass ich abhängiger bin als ich ursprünglich dachte. Die Natur zeigt einem das schnell. Meist genügen schon vier Regentage in einem Zelt alleine im Wald, um zu spüren, dass zwischenmenschliche Nähe und Wärme gut tun kann. Besonders, wenn man mehrere Winter draußen verbracht hat.
Ich bin heute stolz darauf, mein eigenes Geld zu verdienen, nicht auf ander Leut’s Kosten zu leben und dass mich der Burn-Out nicht total in die Knie gezwungen hat und das obwohl man mir 2012 beim Arbeitsamt prophezeite ich würde keinen Job auf dem freien Markt finden. Dass ich trotzdem nicht untergegangen bin, verdanke ich -neben manchen Menschen- auch der Natur und ihrer stillen Heilkraft. Dass jemand, der knapp dem Burn-Out entkommt, über lange Zeit gehörig etwas falsch macht, kann ich zum Teil bestätigen. Ja, man muss beim Burn-Out vor allem wieder das richtige Maß finden und nein, man hat leider die Außenwelt und Dinge, die einem von außen zustoßen leider nicht im Griff.
Und ja, ich verdiene Geld mit meiner Arbeit. Was tun die, die die Nase rümpfen, wenn sie erfahren, dass einer der im Wald lebt Geld verdient? Arbeiten diese Leute nicht? Wo steht die unterschwellige Regel, dass man kein Geld verdienen darf, wenn man so lebt wie ich? Manchmal habe ich den Eindruck ich müsse mich dafür schämen, aber was ist denen, die so argumentieren lieber? Dass ich von Hartz IV lebe und lieber in einer auswegslosen Lebensphase aufgegeben hätte? Ja, ich habe drei Monate Hartz IV bekommen, als ich überhaupt nicht weiter wusste und die Zeit war für mich die Hölle.

„Der Odenwald-Tipianer“ ist kein absolutes Projekt. Ich lebe weder komplett in der Zivilisation und fröne total dem Konsum, noch gehe ich absolut in die Steinzeit zurück. Ich mache Vieles selbst, aber nicht alles. Ich schlachte Tiere, wie Fische und Schafe, darf aber nicht so jagen wie ich es mir vorstelle. Weil ich laute Waffen ablehne und das deutsche Jagdrecht alles andere verweigert, gehe ich nicht selbst jagen. Ich gerbe Leder aus Fellen der Jäger und mache Taschen daraus. Bei Bedarf trage ich auch zivilisierte Kleidung, wenn es Menschen mögen, die mir wichtig sind. Um Termine zu organisieren nutze ich ein Smartphone, weil Rauch- und Trommelzeichen bisher bei meinen Kursinteressenten nicht ankamen. Auch bei einem Leben unter meinen Umständen ist es wichtig, sich schöne Dinge zu leisten und ich gehe auch gern gut essen. Meine sozialen Kontakte zur Außenwelt pflege ich gelegentlich im nahe gelegenen Restaurant –auch, um dort an meinen Internetseiten zu arbeiten und Bücher zu schreiben und meinem alten Hobby, dem Schlagzeugspiel zu frönen. Vor allem zur kalten Jahreszeit ist das Zusammensitzen und Erzählen eine uralte Tradition. Das Restaurant ist also Begegnungsstätte und gleichzeitig Arbeitsplatz. Fernsehauftritte und die Medien nutze ich, um zu zeigen, welcher Reichtum in der Natur liegt und wie wichtig es ist, dass der Mensch seine Bedürfnisse der Natur unterordnet –zu seinem eigenen Wohlergehen. Manche Artikelüberschriften wie
„Ich bin der Waldmensch aus der Bergstraße!“ erfinden die Medien und stammen weder aus meiner Feder noch aus meinem Mund.
Mein Leben ist ein „sowohl-als-auch“ statt ein „entweder-oder“. Ich nehme was ich brauche und nicht mehr. Ich sehe mich weder als Einsiedler noch als Aussteiger. Mein Leben ist keine Survivalshow, ich flüchte nicht an einem Tag vor einem Bären, schlafe in einem toten Kamel und am nächsten Tag in einer Luxusvilla. Dazu ist am Ende des Geldes zuviel Monat übrig. Ich sträube mich dagegen meine Wahrheit zu beschönigen und zu verändern, auch wenn ich dadurch weniger Geld verdiene. Genauso hat unsere Natur und damit auch meine Kurse im Wald wenig mit echter Wildnis zu tun. Aber selbst in Alaska kann es passieren, dass man Touris trifft. Es dreht sich bei meinen Kursen eher um Vermittlung von Fertigkeiten, die mit der Natur in Zusammenhang stehen und leider immer mehr verloren gehen. So diente mein Projekt dazu, das weiterzugeben, was ich selbst draußen erlebt habe –denn in der Literatur sind Dinge oft anders dargestellt, als ich sie tatsächlich erlebt habe. Meinem Leben und den restlichen 30 Jahren meines Lebens gibt diese Arbeit mehr Sinn als mein früherer Job. Heute führe ich Menschen in die Natur, entgegen dem konventionellen Naturschutz, bei dem man um die Natur am liebsten einen großen Zaun machen und alles mit Verbotsschildern versehen würde. Ich glaube, dass Menschen eher die Natur erhalten, wenn man ihnen die Schönheit der Natur zeigt und das versuche ich mit meinen Kursen.

Seit ich von einer Versicherungsmaklerin erfahren habe, dass seit 2009 die Krankenversicherungspflicht besteht und man hohe Strafen zahlt, wenn man nicht versichert ist, ist die Tür „Leben ohne Geld“ ohnehin verschlossen. Wenn ich schon Geld verdienen muss, dann doch lieber mit einem Job der mir Spaß macht und ein Beitrag für diese beknackte Gesellschaft leistet, die mehr und mehr entwurzelt und ihren Bezug zur Natur verliert. Mein Leben ist nicht mehr danach ausgerichtet meine latenten Zukunftsängste zu minimieren und einzig und allein auf den Erwerb von möglichst viel Geld -so wie es früher der Fall war. Der Preis den ich für mein heutiges Leben zahle ist, dass ich kein festes Einkommen und keine Sicherheiten habe. Dafür habe ich keine Verträge, keinen Chef und keinen „nine-five-Job. Mein Leben ist dadurch einfacher geworden. Wer sich also lieber das Portemonnaie füllt, in den ersten Jahren des Wechsels mehr als € 500,- braucht und ein bequemes Leben wünscht, dem empfehle ich keine Nachahmung. Wer ein Leben im Freiflug wagen möchte, der kann es probieren, ohne Garantie auf Erfolg.

Wer richtig ins Horn blasen möchte und meint, alles zu können, der kann mich gern besuchen. Denn ich weiß nicht alles und bin weit davon entfernt –aber: ich tue weniger lieber, als dazu zu lernen.
Ich schätze und respektiere Leute mit besonderen Fertigkeiten und solche, die den Mut haben, ihre Meinung zu sagen -auch wenn sie dafür belangt werden können und sich die Postulierungen später als falsch herausstellen. Wenn jemand mehr kann oder weiß als ich oder noch unabhängiger lebt oder meint, besser zu fischen, der kann mit Rute und Rolle zu mir kommen und sich mit mir persönlich unterhalten oder auch fischen gehen und fachsimpeln, um dann vielleicht seine Meinung über mich zu revidieren. Denn auch ich weiß nicht alles, lerne aber gern. Ganz besonders gern tausche ich mich mit denen aus, die unter dem Deckmantel der Anonymität aufgrund mangelnden Wissens Unwahrheiten über mich verbreiten -die lade ich ein, ein offenes Gespräch -auch in der Öffentlichkeit- zu führen.

Herzliche Rauchzeichen aus dem Odenwald,

Marc Freukes
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Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

Beitragvon Hans. » 20.03.2016, 17:00

Hallo Marc,

danke für Dein ausführliches Statemant. Du machst hier im Forum allerdings nur die Erfahrung die alle machen, die sich über die Medien ins Gespräch bringen. Das hast Du getan, das hast Du zugelassen. Was wäre aus Deiner Unternehmung ohne die Medien geworden???? Das Honorar mag genauso willkommen sein wie die sich dadurch ergebende Kundschaft. Der Preis dafür ist allerdings der, dass Du dann auch so gesehen wirst, wie die Medien Dich darstellen. Darüber darfst du Dich nicht beschweren. Und je exotischer sich etwas anmutet, desto mehr Gerede gibt es, nicht nur hier in diesem Forum. Wer mit den Pressewölfen heult wird Futter für die Leser. Auf dieses Spiel hast Du Dich eingelassen (...sogar (oder gerade ?) ausgerechnet mit der Bild!!!). Womit ich wieder am Anfang meines bescheidenen Geschreibsel bin.

Gruß,
Hans
Gefühlsmäßig ist der Unterschied zwischem einem Fisch und keinem Fisch eine der weitesten Entfernungen im Universum. David Profumo
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Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

Beitragvon Flymaniac » 21.03.2016, 20:12

Hi zusammen,

das ist genau mein Ding: fahre mit dem Auto ans Gewässer, und dann:.....

AUSSTEIGEN UND NUR NOCH FLIEGENFISCHEN :mrgreen:!

... und ich denke, der Flymaniac is hier nicht der einzige, der das tut!!!!!
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Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

Beitragvon cdc » 21.03.2016, 23:18

Schau mal an Marc, bis heute kannte, geschweige habe ich nicht gewusst, das es dich gibt... Das mag daran liegen das ich fest in diese bestehende Gesellschaft eingebunden bin, sprich einen Job habe um mein Leben nach meinen Vorstellungen
(Fliegenfischen) zu finanzieren... Was du so schreibst empfinde ich als schwammig... Leider kann ich nicht so richtig nachvollziehen warum du hier so ein Statement abgibst, oder habe ich etwas nicht verstanden???

Gruß Jürgen
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Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

Beitragvon steinfliege1 » 22.03.2016, 07:21

Lieber Hans,

ja, man weiß manchmal nicht worauf man sich einlässt.
Am Anfang hätte ich nie gedacht, dass meine
Geschichte solche Kreise -auch durch die Medien-
zieht. Wenn ich nicht einmal in der Zeitung gewesen
wäre, würde ich mit Sicherheit immer noch das Gleiche
tun, denn die Natur zu schonen, Vieles selbst herzustellen
und sich immer mehr auf die Natur einzulassen hat
mein Leben grundlegend geändert. Der Preis dafür ist,
dass ich viel weniger verdiene, als früher. Dafür lebe ich
-jede Minute, jeden Tag und habe viele meiner Ängste
im Griff, die mir früher das Leben erschwerten. Die
Existenzangst und die, kein Geld mehr zu haben, als
Golflehrer nicht über den Winter zu kommen...
Mir geht es immer darum, die Dinge möglichst un-
verfälscht darzustellen. Manche Sender stellen mein
Leben im Wald angemessen dar, manche weniger und
texten ihr Ding. Das Honorar bei den TV-Auftritten ist so
gering, dass man es am besten nicht erwähnt. Auf die
Bild und viele andere Tageszeitungen habe ich mich nur
indirekt eingelassen, indem die DPA einen schönen Bericht ge-
schrieben hat, der in ganz Deutschland verteilt wurde.
Manche Formate machen eben noch ihr Ding daraus.
Aber ehrlich: ich habe darüber gelacht. "Ich bin der
Waldmensch von der Bergstraße!" So ein Kokolores. =)
Man darf sich auch nicht zu ernst nehmen.
Für
jemanden, der zivilisiert lebt ist das Honorar schon gar
nicht interessant. Aber dafür
tue ich das nicht. Ich möchte dafür sorgen, dass alte
Fertigkeiten erhalten bleiben und mein Leben wird da-
durch etwas sinnvoller. Ferner zeige ich, wie weit ich
auf Dinge der Zivilisation verzichten kann und auf
welche Dinge nicht. Manche Dinge von früher sind
einfach genial und ich kann diese im Dauerbetrieb
testen und kriege dadurch ein Gespür, wie Menschen
früher gelebt haben.

@Jürgen: Ich habe mich geäußert, weil mein Name in
dem Faden hier aufgetaucht ist und ich gern
Manches ins rechte Bild rücken möchte.
Schwammig? Wieso? Weil ich immer noch ein
Handy habe und einmal wöchentlich auf mein Auto
zurückgreife? Ich tue das mit gutem Gewissen,
weil ich mich bis zum Äußersten für die Natur und
letztlich auch mich einschränke. Wer macht Regeln
für Aussteiger? Ferner sehe ich mich nicht als ein
Aussteiger, weil das in Deutschland nicht möglich
ist und in Alaska alleine würde ich wahrscheinlich
vereinsamen. Der Mensch ist ein Herdentier. Jemanden
zu suchen, der mit mir nach Alaska auswandert hatte
gedauert und auf einen Fremden in der Wildnis fixiert
zu sein ist mir zu riskant.

Herzliche Grüße,

Marc Freukes
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Re: Aussteigen und nur noch Fliegenfischen?

Beitragvon cdc » 22.03.2016, 10:38

Marc, du musst dich nicht ins rechte Licht rücken, wozu??? Die die auf deiner Seite sind bewundern dich und dein tun... Der Rest geht andere Wege um mit sich und der Natur im reinen zu sein... Für mich sind nicht die, die freiwillig den Ausstieg wagen die Helden, sondern die, die ungewollt aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden...
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