Definitorische Probleme bei Trockenfliegenpuristen...

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Definitorische Probleme bei Trockenfliegenpuristen...

Beitragvon Maggov » 02.07.2011, 18:52

.... mal was für die Leseratten und Philosophen und gegen die Inflation der Wurftröds...

Hallo zusammen,

gestern war wieder Zeit in die Tasten zu klopfen... es ist zu lang und etwas abgehoben... aber was solls :twisted:

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Dry-fly-upstream-only … wer sagt das eigentlich?

Über das Buch „The Floating Fly“ von Malcolm Greenhalgh aufmerksam geworden beschloss ich mich der Frage zu widmen wer eigentlich das Dry-Fly-upstream-only Gesetz aufgeworfen hat. Ich persönlich folge dieser Maxime so weit es geht und zwar gar nicht aus irgendwelchen ethischen Aspekten heraus sondern weil ich diese Methode für effektiv halte und sie mir schlichtweg am meisten Spaß bereitet. Mag sein dass ich bei einer anderen Fischereimethode mehr oder „besser“ fangen würde aber das Fangen per se steht bei mir eben oft nicht im Vordergrund - auch wenn es mein Anreiz ist mit der Rute ans Wasser zu gehen.

Ein interessanter Punkt ist dies für mich auch deshalb da ich immer wieder in Diskussionen in Internetforen den Vorwurf lese dass die Trockenfliegenpuristen die eigentlich intoleranteren Fischer seien und sich für etwas Besseres halten.

Ich denke Gründe dafür gibt es durchaus denn Fischer die sich bewusst entscheiden sich auf die Trockenfliege und vielleicht sogar auch noch auf das ausschließliche Fischen stromauf zu beschränken haben ein Problem diese Selbstbeschränkung als Empfehlung zu formulieren ohne dabei nicht dogmatisch zu klingen. Anscheinend ist es auch für andere Fischer schwer nach zu vollziehen warum diese Einschränkung wirklich sinnvoll oder erfüllend sein kann – darauf möchte ich am Schluss dieses Textes eingehen.

Doch zunächst mal zu der Frage: Wer hat eigentlich behauptet man müsse sich so verhalten?

Dieser Frage geht auch Greenhalgh in seinem Buch nach und zitiert bezieht sich zunächst auf den sog. Hallford'schen Code. Dieser wurde nach Greenhalgh gar nicht von Hallford selbst sondern von J. W. Hills definiert wie folgt:

1. Finde einen Fisch der steigt

2. Finde heraus welches Insekt er nimmt

3. Wähle eine entsprechende Trockenfliege die dieses Insekt imitiert

4. Werfe den Fisch stromauf an

Anschließend stellt sich der Autor die Frage ob Hallford dies wirklich so kategorisch vorgab und führt folgendes Zitat aus Hallford's „Dry Fly Fishing“ an:

Some dry-fly fishermen are such purists that they will not under any circumstances whatever make a single cast except over a rising fish, and prefer to remain idle the entire day rather than attempt to persuade the wary inhabitants of the stream to rise at an artificial fly, unless they have previously seen a natural one taken in the same postion. Allthough respecting their scruples this is, in my humble opinion, riding the hobby to death and I for one am an advocate for floating a cocked fly over a likely place, even, if no movement of a feeding fish has been seen there.


Anscheinend nimmt es unser Hallford also mit dem Fischen auf ausschließlich gesichtete und steigende Fische nicht ganz so eng. Dies machte mich neugierig... wie kategorisch war Hallford eigentlich? Deshalb machte ich mich auf die Suche nach seinen Publikationen und bestellte sein Buch „The Dry-Fly Man's Handbook“ – da sollte ich doch Antworten auf meine Fragen finden. Greenhalgh während dessen schreibt als bekennender Trockenfliegenfan weiter warum die anderen Regeln aus seiner Sicht durchaus sinnvoll und begründet sind.

Hallford fischte an den traditionsreichen Kreideflüssen wie Test und Itchen. Beide weisen bestimmte Charakteristiken wie relativ langsame Strömung, ein reichhaltiges Nahrungsangebot und sehr hohen Befischungsdruck sowie sehr scheue Fische auf. Greenhalgh räumt dann ein dass in anderen (z.B. nordenglischen) Flüssen die Bedingungen komplett anders sein können und dort vielleicht auch andere Methoden sinnvoller erscheinen. Obwohl beide Autoren den zurückgestoppten Wurf stromab kennen und beschreiben stellen sie ebenfalls klar dass aus ihrer Sicht ein Wurf gerade stromauf die effektivste Methode einer dragfreien Präsentation darstellt.

Die Tage vergehen und man liest im „The Floating Fly“ weiter, der Kontext wechselt und ein wenig später ist das bestellte Buch im Briefkasten. Was zunächst auffällt ist das Volumen – es ist ein wirklich dickes Buch! Ein Blick auf die Gliederung zeigt dass es auf knapp 380 Seiten so gut wie alle Aspekte der Trockenfliegenfischerei angefangen von Techniken und Gerätekunde, Werfen, Taktiken und Techniken, Philosophie, Insektenkunde und auch Gewässermanagement in drei logischen Blöcken abgehandelt werden.

So gibt es auch ein Kapitel namens „The Ethics of the Dry Fly“ das in diesem Zusammenhang besonders spannend erscheint. Tatsächlich ist es in unserer Fragestellung äußerst hilfreich denn Hallford geht präzise und so gut wie vollständig auf die Fragestellung der „richtigen“ Trockenfliegenfischerei und den oben genannten Code ein.

Zunächst definiert er Trockenfliegen und eingesunkene Fliegen um das Fischen mit der Trockenfliege einzugrenzen. Nach dieser Definition muss eine Fliege klar und hoch aufschwimmen um als Trockenfliege durch zu gehen. Emerger und No-Hackle Flies die klar für das Schwimmen im Film gedacht sind würden nach seinen Formulierungen wohl eher als eingesunkene Fliegen gelten – genauso wie die Trockenfliege die man zurechtstutzt oder mittels waagrechten Zug in oder unter den Film zieht.

Anschließend widmet er sich der Frage was „Trockenfliegenfischen“ ist und kommt tatsächlich in diesem Absatz zu dem Schluss das die Reinform das Anwerfen eines steigenden Fisches mit einer Trockenfliege darstellt. Er räumt auch ein dass es durchaus sinnvoll sein kann auch Fische an zu werfen die relativ knapp unter der Oberfläche stehen und somit klar an der Oberfläche orientiert sind. Direkt auf diesen Satz führt er jedoch an dass dies in stark befischten Gewässern wahrscheinlich nicht zum Erfolg führt und den Fisch eher vergrämt. Dies stellt sich für mich angesichts der Gewässerstrukturen wie er sie beschreibt als durchaus realistisch dar. In den klaren Kreideflüssen sieht man die Fische hervorragend und der Befischungsdruck war auch schon damals recht hoch. Die Strömung ist relativ langsam und die Fische haben somit beste Karten Fischer zu entdecken, das Angebot zu prüfen und auf Störungen wie aufplatschende Schnüre & Co. Empfindlich zu reagieren. Bei scheuen Fischen werden sich diese für mehrere Stunden in einen Unterstand flüchten und so haben nachfolgende Fischer schlichtweg eine bescheidene Fischerei. Der englische Sports- und Clubgeist sah dies als unsportlich an und so entstand wahrscheinlich die Regelung das Fischen nur auf aktive Fische zu begrenzen. Ein klares Zeichen für Aktivität ist nun das Steigen des Fisches und von daher hat man sich wohl darauf beschränkt.

Im Folgenden behandelt er das Fischen mit der eingesunkenen Fliege und um hier nicht zu ausladend zu werden möchte ich es dabei belassen dass er nach meinem Verständnis der englischen Sprache weder das Fischen mit dieser Methode für ineffizient noch für falsch oder verwerflich hält sondern seiner Ansicht nach ist die Trockenfliege in Chalkstreams (die er ebenfalls als klare und nahrungsreiche Flüsse mit mäßiger Strömung und mitunter starkem Pflanzenbewuchs definiert) schlichtweg erfolgreicher ist. Ich denke jeder der schon einmal an derartigen Strecken gefischt hat kann nachvollziehen wie schwer es im Vergleich zur Trockenfliege ist eine Nymphe, eine Nassfliege oder einen Streamer durch diesen Unterwasserurwald zu führen...

Dann wird es richtig spannend denn er definiert den Puristen und zwar unterscheidet er hierbei nochmals zwischen den Ultra-Puristen sowie dem Puristen selbst. Der Ultra-Purist beschränkt sich ausschließlich auf steigende Fische während der Purist eben auch auf andere Fische. Gemeinsam ist beiden das Fischen auf gesichtete Fische, die Präsentation ohne „dragging“ und das Benutzen einer Trockenfliege. Eine Fehlinterpretation ist m.M. nach die Gleichsetzung der dragfreien Drift mit einer Präsentation stromauf. Im Kapitel davor „Casting“ geht er nämlich mit der gleichen Akribie in die Trennung zwischen stromauf und stromab fischen ein und ist dort bei weitem nicht kategorisch für einen Präsentation stromauf sondern er empfiehlt diese Art der Präsentation schlichtweg da sie aus seiner Sicht der effizienteste Weg ist eine dragfreie Präsentation und eine optimale Chance für den Anhieb zu erreichen. Er räumt auch ein dass dies nicht immer möglich ist:

Under all possible conditions it is desirable that the dry-fly man should cast upstream. (…) There are occasionally places where upstream fishing is barely possible, and even times, too, the force of the wind is so great that even with the downward finish and a cast of only 2 ½ yards in length it is almost impossible to place the fly accurately into the teeth of the gale.

Then it is permissible to fish downstream or partly across and partly down with the floating fly. (…) In either case it is a manoeuvre of desperation, and one can seldom get the chance of presenting a second fly to the same fish without setting it down.


Nicht vergessen die Ausgangssituation ist ein stark befischter Chalkstream – für mich durchaus nachvollziehbar dass hier die Chance den Fisch zu vergraulen aufgrund der über den Fisch treibenden Flugschnur und das Einholen oder Abheben der Fliege/Flugschnur über dem Fisch durchaus vergrämende Effekte hat.

Abschließend verweist er auf sein Kapitel „Drag“ und legt dem Leser nahe dieses zu studieren um zu seiner Schlussfolgerung zu kommen:

He can safely sum up the question in a few words: whenever and wherever possible the dry-fly man should cast upstream, and whenever and wherever he deviates from this golden rule, his chances of success are indeed remote.


Nachdem Hallford nun erklärt hat was er unter Puristen versteht geht er auf die Wahrnehmung dieser Leute ein:

The expressions are often used by angling authorities as a species of reproach and commiseration, or even with the intention of being read as chaff.


Seine Sicht war damals also schon umstritten bzw. zu kategorisch verstanden – er tut sich selbst auch keinen Gefallen indem er weiter schreibt:

Now I would urge the the first rule to be observed by every man who wishes to be deemed as dry-fly fisher is to follow the example of these purists or ultra-purists.


Denn nimmt man diesen Satz aus dem Kontext heraus so muss drängt sich tatsächlich der Gedanke auf dass Hallford diesen Purismus als Wahrheit oder Dogma proklamiert. Liest man jedoch weiter so kommen seine Ausführungen zum Fischen mit der eingesunkenen Fliege. Er beschreibt wie frustrierend es sein kann wenn man bei nicht optimalen Bedingungen ans Wasser kommt und die Trockenfliege keinen Erfolg verspricht, ins besonders wenn man zu Gast ist oder Gäste an seinem Wasser hat. Er gesteht der Nassfliege durchaus den Erfolg zu, schränkt diesen aber an Chalkstreams aufgrund des Nahrungsangebotes und der scheueren Fische klar ein. Außerdem zeigt der die Konsequenzen auf – nachfolgende Fischer haben ein „abgegrastes“ Wasser vor sich mit sensibilisierten oder inaktiven Fischen. Man selbst mag seinen Spaß/Erfolg gehabt haben aber nachfolgende Fischer werden es nicht mehr haben. Dann führt er die hohen Pachtpreise, die Aufwendungen für die Gewässerpflege (die Chalkstreams haben in der Regel einen hauptberuflichen Gewässerwart der sich um die Bestandspflege und das Freihalten bestimmter Passagen von Unterwasserpflanzen kümmert) und das Aufrechterhalten der Bedingungen bei gleichzeitig hohem Befischungsdruck auf. Eine uns nicht ganz unbekannte Situation sieht man mal davon ab dass bei uns keine Gewässer gemäht werden und das Amt des Gewässerwarts i.d.R. ehrenamtlich wahrgenommen wird...

Das Ganze klingt für mich wie ein Appell an die Vernunft und gegenseitige Rücksichtnahme – wir alle zahlen einen Haufen Geld und wollen Spaß haben, wenn nun der Erste am Wasser die ganze Strecke ab pflügt haben nachfolgende Fischer schlichtweg schlechtere Bedingungen. Warum also nicht gezielt auf ausgemachte Fische fischen so dass alle was davon haben.

Das Ganze wird noch dadurch unterstrichen dass er dann das Fischen mit der Nassfliege stromauf beschreibt (durchaus nicht despektierlich - eher im Gegenteil) und einräumt dass er von Fischern gehört habe die mit der Naßfliege auf Sicht fischen (Sawyer?). Er räumt ein dass diese Methode durchaus seine Argumentation gegen die Naßfliegennutzung entkräften würde sowie dass er dies noch nie gesehen hätte und an der Effizienz dieser Methode zweifle. Dies heißt für mich im Umkehrschluss (denn heute wissen wir ja wie effizient diese Methode sein kann) dass er eigentlich gar nichts gegen die Benutzung der Nassfliege selbst hatte bis auf die Tatsache dass man diese oft flächendeckend einsetzt und so in entsprechenden Gewässern nachfolgenden Fischern den Spaß vergällt. Er empfiehlt die Trockenfliege schlichtweg weil sie als am effektivsten erscheint und den Vorteil hat dass man Fische gezielt ansprechen kann. Dies wiederum entspricht dem englischen Sportsgeist der jedem den gleichen „Genuss“ und die gleichen Bedingungen zugestehen will sowie eine gewisse Bescheidenheit und Fairness fordert:

After all, what does it amount to? A member of a club or subscription water has to practice a certain modicum of unselfishness so as not to interfere with the sport of his fellow-members. He must abstain from hammering a fish, whether rising or in position, so as not to add to the fish's already advanced education. He is expected to keep well back from the bank when walking upstream, so as not to scare the fish and injure the prospects of others who are following him. When making his way downstream he should even take greater precautions in this respect, because from the position of every feeding fish with its head directed upstream the angler is then visible at a far greater distance than when moving upstream.

(…)

If a fellow-member should hook a fish he should offer his assistance with the landing-net, and if this offer is accepted he should volunteer advice as to the handling of a fish. He should at all times be ready to tell his fellow-member the pattern of fly which has proved successful, and if necessary give one to his friend in case he should be without the particular artificial. In a word, he should be in every respect a true sportsman.


In dieser Zusammenfassung wird nirgendwo (!) erwähnt dass Trockenfliegen oder das Fischen stromauf Voraussetzungen sind um als fairer Sportsmann zu gelten. Die Methoden werden empfohlen um sportliche Fairness und Erfolg effizient miteinander zu verbinden und er führt auf dass manche Strecken dies zu festen Regeln definiert haben damit alle in den Genuss einer guten Fischerei gelangen. Aber er fordert niemanden dazu auf dies gleich zu tun. Er wirbt für ein Verständnis warum dies an manchen Strecken so gehandhabt wird und stellt klar dass dies nicht für alle Gewässer notwendig ist.

Nimmt man die so bestehenden Auflistungen von Regeln bzgl. der Etikette am Wasser so wird man meist die gleichen Regeln dort wieder finden und auch die gleiche Intention. Unsere Wasserflächen sind begrenzt und die Anzahl der Fischer ist steigend. Dies führt zwangsläufig dazu dass das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme immer bedeutender wird. Die Methoden und Techniken der Fliegenfischerei haben sich verfeinert, sind effizienter geworden. Dies ist wünschenswert und erfreulich nur muss man sich die Frage stellen ob das Abgrasen eines Gewässers – egal mit welcher Methode – sportlich im Sinne von rücksichtsvoll für nachfolgende Fischer ist. Wenn man dann zudem catch und release sowie immer effizientere Methoden kombiniert, dann wird dies dazu führen dass im Extremfall nur noch der erste Fischer am Wasser fängt und alle nachfolgenden Fischer das Nachsehen haben. Schön wenn man selbst der Erste ist oder war... ansonsten wohl eher nicht wünschenswert.

Wenn ich die Definition Hallford's zu Grunde lege darf ich mich selbst nicht mal als „dry-fly man“ bezeichnen (geschweige denn als Purist) denn:

- ich benutze nur zu 90-95% Trockenfliegen an unseren Salmonidengewässern

- meine Trockenfliegen sind nicht konform mit Hallford's Definition denn ich fische auch Emerger, Parachtutes, Terrestrials und No-Hackle Fliegen deren alle eine Eigenschaft gemeinsam ist: der Körper liegt im Film

- ich Fische nicht ausschließlich auf gesichtete Fische sondern werfe auch Stellen auf Verdacht an

- ich verwende Gruppen- und Reizmuster, betreibe somit kein „Matching the Hatch“

- ich fische nicht kategorisch in der dead drift, es gibt auch Situationen in denen ich die Trockenfliege aktiv an der Obverfläche bewege

Wenn ich jedoch berücksichtige dass der gute Hallford vor 100 (!) Jahren gelebt und gefischt hat und die Gewässer die ich befische i.d.R. eben nicht die klassischen Chalkstreams sind so denke ich dass ich gute Chancen hätte von ihm heute als fairer Sportsmann und Trockenfliegenfischer anerkannt zu werden denn in folgenden Punkten stimmen wir überein:

- ich fische bevorzugt stromauf da ich das für am erfolgversprechendsten halte (Fische sehen uns schlechter, die Präsentation passt, Anhieb ist besser verwertbar)

- ich fische zu 80% nicht flächendeckend sondern suche Fische oder probiere „hot spots“ mit zwei, drei Würfen aus und gehe dann weiter

- Ich muss nicht jeden Fisch anfischen und/oder gefangen haben den ich sehe

- Bei Gewässern mit hohem Befischungsdruck versuche ich nachfolgenden Fischern ebenfalls eine gute Fischerei zu ermöglichen (nicht zu viel Unruhe an der Stelle, nicht zu langes Fischen)

Niemand zwingt mich zu diesem Vorgehen denn an keiner (öffentlich zugänglichen) Strecke ist mir ein derartiges Regelwerk bekannt. Ich tue dies lediglich weil es mir Freude bereitet. Die Fischerei funktioniert auch prima!

Im übrigen sind auch die beiden Autoren keine Prinzipienreiter:

Some dry-fly fishermen are such purists that they will not under any circumstances whatever make a single cast except over a rising fish, and prefer to remain idle the entire day rather than attempt to persuade the wary inhabitants of the stream to rise at an artificial fly, unless they have previously seen a natural one taken in the same postion. Allthough respecting their scruples this is, in my humble opinion, riding the hobby to death and I for one am an advocate for floating a cocked fly over a likely place, even, if no movement of a feeding fish has been seen there.

Es gibt also keinen Grund sich aus Engstirnigkeit bei einer Freizeitbeschäftigung stärker ein zu schränken als unbedingt notwendig ausser es ist nicht explizit von Einem selbst erwünscht und der Umgang mit dem Fisch ist dabei aussen vor.

...aber Nachdenken kann man doch drüber, oder ;)

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Als gefühlter Ex-Purist bin ich natürlich auch sehr traurig :smt087

In diesem Sinne tight lines und viel Spaß am Wasser

Markus
Maggov
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Beitragvon Frank. » 02.07.2011, 19:36

Hab ganz herzlichen Dank dafür, lieber Markus - das ist eine spannende, reflektierende Darstellung geworden, die ich richtig gerne gelesen habe.

Als bekennender Nicht-Prinzipienreiter kann ich mich damit sehr gut anfreunden!

Dein Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
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Beitragvon henkiboy » 02.07.2011, 20:03

Hallo Markus,
da hast Du dir sehr viel Arbeit gemacht und herausgekommen ist ein mehr wie lesenswertes Posting in 1A - Qualität das entsprechend Spass beim Lesen bringt und zum Nachdenken anregt.
Hab vielen Dank dafür!

Gruß
Detlef
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Beitragvon f.k. » 02.07.2011, 22:45

Hallo Markus, vielen Dank für diesen absolut gelungenen Beitrag! Ich denke, dass man die zitierten Passagen vor allem als Aufforderung zu Toleranz und sportlichem Verhalten verstehen kann. Dies ist wirklich wünschenswert und sollte von jedem Fischer berücksichtigt werden! Auf alle Fälle ist dein Beitrag sehr schön zu lesen und interessant!
Gruß,

Florian

"The charm of flyfishing is that it is the pursuit of what is elusive but attainable, a perpetual series of occasions for hope"
John Buchan
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Hallo Markus

Beitragvon Royal Coachman » 02.07.2011, 23:13

Hallo Markus !


Großartig, hätte man nicht besser formulieren können.

tight lines
Gebhard
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Beitragvon Rolf Renell » 03.07.2011, 08:41

Schöne Arbeit Markus ! ,
hinzufügen möchte ich, das Halford diese geschilderten Sichten über die Jahre geändert hat und damit angepasst hat - vorallem muss der Name Marryat entscheiden mit aufgeführt werden,ohne ihn und Hills wäre wahrscheinlich kaum eines dieser Bücher erschienen.
Es gibt unter anderem seit kurzer Zeit eine Biographie über G.S.Marryat die leseswert ist und auch machne Zusammenhänge dabei nochmal erklärt,
beste Grüsse,
Rolf
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Beitragvon Maggov » 03.07.2011, 12:51

Hallo Rolf,

vielen Dank für diesen Hinweis - in der Tat ist das von mir erwähnte Buch eines der Letzteren Halfords wenn nicht sogar sein Letztes (Ersterscheinung 1912). Er verweist auch auf Marryat mit einem sehr schönen Vermerk (im Abschnitt "Sunk fly on dry fly waters"):

Marryat used to say that a day at the river-side watching a first-rate performer was quite as enjoyable as one passed in solitude fishing one self; and no doubt to an absolutely unselfish man like my late freind this selfdenying ordinance presented many charms and had no disadvantages.

Ich denke es ist neben der Sicht auch der Ausdruck der sich geändert hat - ähnlich wie in den Diskussionen hier im Forum kommen manche Statements (besonders wenn man sie aus dem Kontext heraus reißt) sehr dogmatisch rüber und sind vielleicht gar nicht so gemeint.

An die anderen Poster: vielen Dank für das feedback und ich freue mich natürlich sehr dass Ihr Euch die Mühe gemacht habt dieses Monsterposting zu lesen und nochmals mehr dass es Euch gefallen hat.

LG

Markus
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Beitragvon Bernd Ziesche » 03.07.2011, 13:24

.
Zuletzt geändert von Bernd Ziesche am 29.07.2013, 08:21, insgesamt 1-mal geändert.
Bernd Ziesche
 

Beitragvon Rolf Renell » 03.07.2011, 14:31

Hallo Bernd,
Richtig,auch dies bezieht sich schon auf den bekannten Auspruch Marryats:
"Its the Driver" - überliefert und zusammengefügt später als:
"Its not the Fly,its the driver".
Marryat war in vielen Dingen der prakmatische Vorreiter,auch im tacklebereich z. B. Die erste segmentierte Fliegendose mit Springdeckeln stammt von ihn bzw. Hat er fertigen lassen nach seinen Vorstellungen,später dann von Farlows,Hardy und Wheatley wieder aufgegriffen,
Beste Grüsse,
Rolf
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Beitragvon stalling-frank » 03.07.2011, 21:30

Hallo Markus,

ganz großes Kino :smt041 :smt041 . Der beste Beitrag seit langem in diesem Forum. Mals sehen, ob es auch hier wieder jemand schafft, Streit einzubringen :smt021

TL

Frank
Zuletzt geändert von stalling-frank am 04.07.2011, 12:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon flo staeuble » 04.07.2011, 09:44

servus markus,

spitzenbeitrag, wirklich hochinteressant.
in deiner einleitung schreibst du, dass dein beitrag sich auch auf den "vorwurf" bezieht, trockenfliegenpuristen seien intolerant.
dabei ist mir eine kleinigkeit aufgefallen:
oft (auch in diesem forum) wird fischern vorgeworfen, ihre methoden bezögen sich ausschliesslich auf das thema effektivität. gerade in threads über bissanzeiger, czech nymphing, beschwerte nymphen etc. wird dies oft zur generalkritik.
wenn ich deine halfordanalyse indes richtig verstanden habe, ist ihm die idee, auf eine methode zu verzichten, nur weil sie effektiv ist, komplett fremd.
schlicht und ergreifend ist es doch so, dass er das trockenfischen stromauf als die EFFEKTIVSTE methode empfindet. methodische selbstbeschränkungen aber fordert er nur aus gründen des sportgeists und des fairen miteinanders.
dass in den von ihm befischten gewässern beschwerte nymphen und streamer kein thema waren ist demnach auch der pragmatik (kraut, wasserpflanzen) geschuldet und nicht der freiwilligen methodischen selbstbeschränkung.
mein persönliches fazit ist demnach momentan: selbstbeschränkung im dienste eines freundlichen miteinanders: JA. selbstbeschränkung im sinne eines philosophisch fundierten purismus: NEIN.
oder sehe ich das falsch?
grüße vom flo
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Beitragvon Lutz/H » 04.07.2011, 10:54

Hallo Markus

Vielen Dank für deinen Beitrag der zeigt das du dir viel Gedanken gemacht hast und durchaus selbstkritische Reflektion zu diesem
durchaus speziellen Thema gemacht hast. Nun sind ja seit Mr.Halford ca. 120 Jahre ins Land gegangen.
Dein Beitrag hat mich dazu inspiriert am vergangenen verregneten Wochenende mal wieder in mein Regal zu greifen und in einem Buch zu schmökern, welches ich vor vielen Jahren mal gelesen hatte. Es handelt sich dabei um "A modern dryfly code" von Vince Mariano. Dieses Buch ist erschienen 1950 und liegt damit zeitlich aber auch von der Entwicklung der Fliegenfischerei, so meine ich, auf halber Strecke zwischen Halford und heute. Mariano arbeitet in diesen Buch Erfahrungen aus den 30/40er Jahren auf und versucht bewußt mit den britischen Klassikern(Mariano ist Amerikaner) zu brechen.
In dem Vorwort meiner Ausgabe, ein Reprint von 1995 schreibt ein Herr Datus Proper:
....Vince returned to orginal sources,natural and human.He collected lcal stream insects, had them identifed ba entologists, and rethought the artifical fly from head to tail. Earlier American writers were to little help in this work because none had understood the limestone spring creeks. Mariano referred to predecessors"like Hewitt and Branche and Gill" as "legendary".In British books, however,Vince what he needed-not on specific inseckts but on methods.He opened the Code with a quation from Col.E:W. Harding, then drew from Skues,Halford,Mottram,Dunne,Ronalds and more. Finding the right sources must have taken research,for an American in the 1940s.......
Nun muß man erwähnen das der Code keine Angelbuch über Anbietetechniken im allgemeinen ist sondern über Fliegenmuster und den Zeitpunkt wann sie am besten einzusetzen seien,in den 1930/40er Jahren waren in den USA noch viele Ideen der britischen Klassiker das Maß aller Dinge,Mariano bemüht sich in seinem Werk um eine Erneuerung.Trotzdem kommt auch er nicht ganz ohne Strategien natürlich aus.

Sehr interessant ist hier Kapitel 2 "Fishing the dry fly on quiet waters".

Ein Zitat : On the other hand, a sussessful angler is rewarded handsomely in the event of a proper approch,position and cast. It could be otherwise in a stream where trout grow to such noble propottions in a short time and rise freely to the smallest of dry flies,and where the rises themselves are of such a charcter as to startle the most phlegmatic of natures.....
Bei meiner gestrigen Querlesung dieses Kapitels konnte ich keinen Hinweis auf downstream Anbitetechniken finden,etwas anders als upstream oder crossover zu fischen beschreibt Herr Mariano nicht,dieses, so denke ich,liegt an der genauen Beobachtung des zu erwartenden Fisches, er teilt das in verschiedene Phasen auf:

The matter of presentation calls to mind another culiarty of Letort(M. sein Heimatfluß) trout, in particular, with reference to the manner of taking the dry fly;and must be diveded into two distinct phases.(1) the observation post,and (2) the taking position.In the vast majority of cases, these trout do not lie close to the surface at feeding time but occupy a position very deep in the channels,as noted bfore,When the fly ist pitched-note carefully-in front of the observatin post-nit the takingposition- the first movement is a gentle swaying motion rearward,utterly graceful and continuing low in a channel for a distance of some two or four feet;the there ia a sharp lift of the body upward and the fly is intercepted at the taking position.

In Folge diese Ausführung beschreibt M. diverse Situationen und baut noch aus: observation post-Trout begins to rise-simple rise-compound rise-delay and inspections-complex rise.

Am Ende dieses Kapitels kommt Herr Mariano zu einem Fazit, welches garnicht so weit von deinem,lieber Markus, entfernt ist:

It is the natural consequense of adherence to the principle of following the hatch,sytematically pursued from date to date in accordance with the tabuleted emergence periods of the importend insects.It means mor than fishing to all of the hatches oa a single stream,good and poor,for the entire season.It means, rather, a constant pilgrimage from stream to stream at the appointed time when the heaviest hatch of fly for a each of them is in progress or about to begin.I do not know how much this principle is followed elsewhere,if at at all,butfor these anglers of the limestone streams it is more than a habit, is a religon. Little wonder,then, that the artifical has become an object of special concern,suffering as it does the eternal competition of the naturals for the attention of the discerning trout.
These competition has caused the dry fly anglers of these waters to look hard and long,now at the artifical,now at the natural,bringing into sharp focus sometimes the merit,sometimes the deficieny of the dainty confections that we call dry flies.


Lieber Markus,ich hoffe ich konnte deinen schönen Beitrag etwas ergänzen und vielleicht Aspekte oder Sichtweisen aufzuzeigen.

Nochmal Danke

Liebe Grüße Lutz
Zuletzt geändert von Lutz/H am 04.07.2011, 11:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Hallo Markus !

Beitragvon Royal Coachman » 04.07.2011, 11:12

Hallo Markus !

Leider komme ich erst jetzt dazu, Deinen Artikel genauer zu lesen und ich darf Dir gratulieren, hervorragend recherchiert und treffend formuliert.

Ergänzend möchte ich dazu bemerken, daß Halford diese Thesen für die damals hoffnungslos überfischten Chalkstreams aufgestellt hat, die Zeit war reif für etwas Neues. Er bezieht sich in seinem Buch aber nicht auf Sawyer, den gab es damals noch nicht, sondern auf Skues, der mit seinem Buch "Minor Tactic on a Chalk Stream" im Jahre 1910 in Gegensatz zu Halford getreten ist. Skues erzählt dabei ausführlich, wie er durch Beobachutung an div. Flüssen zur Erkenntnis gekommen ist, daß die Forellen zu verschieden Zeiten beim Steigen es anderes nehmen als Duns und Spinner.
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Beitragvon Maggov » 04.07.2011, 12:21

Hallo zusammen,

tolle Beiträge kommen da - vielen Dank!

Den von Lutz muss ich mir mit etwas Zeit zu Gemüte führen und nicht während der Mittagspause.

@Flo: absolut 100% richtig verstanden. Die "Generalkritik" (auch in diesem Forum m.M. nach) ist eben nicht auf die Effektivität selbst gerichtet sondern warum und wie extrem man eine Methode einsetzen muss/soll. Gerade hier finde ich den Gedankenansatz Halfords angesichts seiner Situation ein überfischtes Wasser auch anderen "nutzbar" zu machen sehr interessant.

Dein Fazit entspricht meinem Verständnis nach genau dem Halfords in dem von mir beschriebenen Buchabschnitt.

LG

Markus

P.s.: Und das alles weil mir beim Jig die Öse abgebrochen ist ;)
Maggov
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Beitragvon gespliesste » 04.07.2011, 15:42

Hallo Markus,

auch ich bin erst jetzt dazu gekommen den Artikel in Ruhe zu lesen und kann mich meinen Vorschreibern nur anschliessen, ganz grosse Klasse :daumen Sehr interessant, vieles davon wusste ich so auch noch nicht.

- ich benutze nur zu 90-95% Trockenfliegen an unseren Salmonidengewässern

- meine Trockenfliegen sind nicht konform mit Hallford's Definition denn ich fische auch Emerger, Parachtutes, Terrestrials und No-Hackle Fliegen deren alle eine Eigenschaft gemeinsam ist: der Körper liegt im Film

- ich Fische nicht ausschließlich auf gesichtete Fische sondern werfe auch Stellen auf Verdacht an

- ich verwende Gruppen- und Reizmuster, betreibe somit kein „Matching the Hatch“

- ich fische nicht kategorisch in der dead drift, es gibt auch Situationen in denen ich die Trockenfliege aktiv an der Obverfläche bewege


Markus!! :shock: Shame on you! :wink:
Dazu ist mir aufgefallen das deine Krawatte beim letzten gemeinsamen Fischen nicht ordentlich gebunden war. [-(

Ich denke selbst mit diesen kleinen Abweichungen zu den Regeln von damals, würde ich dich auf die heutige Zeit bezogen noch als absoluten Trockenfliegen-Puristen einstufen.

Ich sehe das Thema "Dry-Fly upstream" und "Match-the-hatch" immer auch sehr eng in Verbindung mit den Flüssen an denen diese Regeln entstanden sind.

Kreideflüsse (und oft auch Spring-Creeks), wie der Test und Itchen in Südengland, als auch der Letort in den USA haben eine Komponente die an anderen Flüssen selten so ausgeprägt vorzufinden ist: Das Weed.

Wenn dann die Krautfahnen bis zur Oberfläche stehen und nur noch Kanäle verbleiben in denen die Fische steigen ist wohl kaum eine Methode geeigneter als Dry-Fly upstream.

Kraut bedeutet viel zusätzliche Struktur und Oberfläche im Wasser und das bedeutet sehr viel Futter. Massenschlüpfe und viele verschiedene Insekten, da nehmen es die Forellen sehr genau und das ist meiner Meinung nach ein Grund für die Selektivität der Forellen und der damit verbundenen Regel "match-the-hatch".

Gruppen- und Reizmuster sind nach meiner Meinung eher eine Domäne der Gebirgs- oder Vorgebirgsflüsse. Also in der Alpenregion, den Rocky Mountains oder in Neuseeland erste Wahl. Viele der berühmten Gruppenmuster wurden ja auch in diesen Gegenden entwickelt.

LG,

Olaf
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