Deutsch beim Fliegenfischen - quo vadis?

Was macht FLIEGENFISCHEN aus? Hier darf nach Herzenslust gefachsimpelt werden! Auch Termin- und andere Ankündigungen passen hier herein.
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Deutsch beim Fliegenfischen - quo vadis?

Beitragvon elchvieh » 16.11.2012, 23:22

Ganz bewusst ist diese Headline, (Verzeihung Überschrift), „Deutsch beim Fliegenfischen, wohin gehst du? gewählt. Sowohl als Statement, (Verzeihung, Aussage) wie als auch als Frage.

Heute bin ich zufällig hinter diesem Auto im Stau gestanden und wusste nach dem Blick auf's Nummernschild nicht mehr ob ich lachen oder weinen sollte. Folgte ich da einem ganz neuen Typ Leichenwagen, immerhin heist Body immer noch „Leiche“ oder rumpelte mein Dicker hinter einem wohlhabenden Vertreter für Body-Suits - Ganzkörperanzüge oder gar Rundumtätowierungen her?
Bild
Fast zwangsläufig kam mir da so manches sprachliche Unding in den Sinn, von Out-Door und Off-Road bis Wild-Life und Wildlifemonitoring.

Wenn ich mir unsere Passion auch nur flüchtig ansehe, geht es mir nicht viel besser, eher ganz im Gegenteil. Nehme ich einen Katalog für Fliegenfischer zu Hand – einer deutschen Firma für deutschsprachige Kunden, dann stolpere ich schon auf der ersten Seite über die „Highlights“ die man braucht um „up to date“ zu sein, da wird von einem „Know-How, (das es übrigens im Englischen nicht gibt!)“, von „Masterpieces (welche arme Sau wurde da wohl zerteilt?)“ von „adventures“ und "Guidings"geschrieben, um nur ein par jener Begriffe herauszupicken die wohl leichter und besser in Deutsch auszudrücken gewesen wären.
Dem Verfasser zu Gute haltend, daß er vielleicht etwas zu lange keine Möglichkeit hatte Deutsch zu sprechen, habe ich zu den Ruten weitergeblättert. Immerhin geht das ja mehr um technisches, präzises... Pustekuchen! Ich finde keine Ruten sondern „Rods“ nicht aus besonders hochwertigen, feinsten Serien sondern aus „finesse/professional/ultimate.... Series“. Was ein „figthing Butt“ sein soll, erschloss mir auch nach der Suche in verschiedenen Wörterbüchern nicht: Ein kämpfender Stummel, ein kampfesstarkes, Dickes Ende, wer weiß? Rollen werden anscheinend nicht mehr mit einem Schraubschieber an der Rute befestigt sondern mittels „up-locking“. Dabei sieht das Ding aus wie der seit Ewigkeiten bewährte Schraubschieber... Vielleicht hängt das aber auch vom „finish“ ab, das keine Schlangenringe mehr zuläßt, sondern voll auf „Snakesrings“ und „stylische“ Akzente setzt.

Leicht irritiert blättere ich weiter, voll der Hoffnung, das Englischwörterbuch beiseite legen zu können (das meistens ohne hin nicht viel hilft, da es kein Pidgin enthält) zu den Rollen. Da ist sicher alles einfacher, wunderbare, eindeutige Technik. Also das Inhaltsverzeichnis aufmachen und nachgesehen auf welcher Seite die Rollen beginnen. Rods, …. Zubehör, … bis Dubbing und Yangoo Fliegen. Keine Rollen? Aber ich sie doch schon gesehen, also das Heft durchblättern und tatsächlich finde ich sie ab Seite 7 als …. „Reels“.... und zwar gleich gehörig als ...Prism Cast Large Arbor Reel – das mein Übersetzungsversuch scheiterte dürfte Euch schon klar sein, ist Euch aber auch klar, das niemand wirklich weiß was derlei Wortungetüme zu bedeuten haben? Als einfachem Mensch mit Hauptschulabschluss gibt mit die ...LT Rolle mit „dreifachem Reduncany Radial Pawl Engagement und nahtlosem Drag Engagement (keine Start-Up-friction)“ schlichtweg den Rest und ich blättere so schnell es die zitternden Finger zuläßen zu den Schnüren weiter.

Auch net besser.... keine schwimmende Schnur – nur eine „Floating“ und die Sinkschnur mußte der „Sinking“ weichen, die Oberflächenbehandlung dem „Coating“ und der Anzeiger dem „indicator“... Die Oberflächen werden anscheinend nicht mehr imprägniert oder behandelt, sie bekommen vielmehr ein „coating“ und aus den Spitzenschlaufen sind „Loops“ geworden. Auf der nächsten Seite haben die Forellen ihre Nationalität gwechselt, sie sind nun „Trout“ und „Light Trout“ und verlangen natürlich nach „Clear floating, clear Hover, Clear/slow/fast/super fast sinking“ im „Sweetwater/Saltwater“

Mir reichts! Wenn ich einen englischen Katalog lesen wollte, dann les ich einen englischen. Aber das was da vor mir liegt, ist schlichtweg ein grauenhaftes Exudat aus denglischen Unworten und Gedankenlosigkeit. So verständlich es ist, daß ein Händler oder Hersteller seine Produkte modern und im Geist der Zeit vorstellen will, so unverständlich ist mir genau dieser Geist der Zeit.

Das jemand als modern, als „auf der Höhe der Zeit“ gelten will ist natürlich – wer will schon als altmodisch und verklemmt gelten. Aber braucht man dazu dieses entsetzliche, sinnentleerte und teilweise absolut dumme „Denglisch“? Das sich n.b. auch durch die F.fischerliteratur wie ein roter Faden zieht.
Manch einer mag nun einwenden, das Englische im Fliegenfischen sei gute alte Tradition. Dem sei ins Stammbuch Folgendes geschrieben: „...fängt mit seiner Federangel Ärschen und Forellen, während Königstochter Sigune die ihn begleitet...“ Wolfram v. Eschenbach Parcival um 1200 (da haben die englischen Normannen noch gaaaaanz anderes im Sinn gehabt).
Wenn man etwa genauer hinsieht, wird man leicht feststellen dass sich für fast alle in unserem „Latein“ gebrauchten englischen Vokabeln leicht bessere, präzisere deutsche Worte finden lassen und auch schon gefunden wurden. Nur.... sie sind nicht up to date.

Auch auf die Gefahr hin als deutschtümelnder Halbidiot mit rechter Schlagseite (wer mich kennt weiß es besser) abgestempelt zu werden möchte ich – als Zweisprachiger, der deutschen Sprache nicht unbedingt eine Lanze brechen aber zu einer Diskussion über Sinn und Unsinn der Anglizismen in „unsrer“ Sprache auffordern.

Lässt es uns wirklich weltmännischer erscheinen wenn wir von einer „line“ sprechen als von der Schnur, vom Loop als der Schlaufe? Warum werfen wir uns einer pseudoenglischen Sprache – die vornehmlich aus den USA kommt kritiklos um den Hals? Selbst „ein Wandler zwischen den Welten“ kenne ich einige Menschen die in mehr als einer Sprache wirklich zu Hause sind und interessanterweise lieben diese alle ihre Muttersprache in ihrer reinsten Form. Ich zitiere Albert Junker: „ Die Sprache ist unser höchstes Kulturgut, sie verdient unsere Loyalität, und wir sollten sie nicht mit sprachlichen Flittchen wie Highlights betrügen, wenn wir selbst ein Glanzlicht haben...“ oder (der von mir gehasste Goethe): „Die Gewalt einer Sprache ist nicht, daß sie das Fremde abweist, sondern daß sie es verschlingt. Ich verfluche allein negativen Purismus, daß man ein Wort nicht gebrauchen soll, in welchem eine andere Sprache vieles und Zartes gefasst hat.“

In diesem Sinne geht es mir nicht darum einem Deutsch um jeden Preis das Wort zu reden, sondern ein Nachdenken anzuregen, wo macht es Sinn, englische Vokabeln zu gebrauchen und in welcher Form? Anstatt einfach dumm nachzuplappern was ein meist Unbekannter vorgemacht hat.
Würden wir wirklich an Würde und Wert verlieren, wenn eine Forelle wieder eine Forelle und keine „Trout“ mehr ist und wir einem Wurfstil anhängen und keinem Casting-style, wenn aus einem „Parachute“ wieder ein Fallschirmwurf etc. würde? Wären wir auf einen Schlag alle Deutschnationalisten (ich bin [auch]Norweger, :) ....) und Ultrarechte wenn wir uns die Freiheit nähmen deutsch am Wasser zu sprechen und auf dieses unsägliche Pidgin zu verzichten?

Oder würden auf einmal sinnlose Superlative, und überzogene Versprechen der Zulieferindustrie einiges an Bedeutung verlieren? Würde die ultimative – nicht zu überbietendende Rolle/Rute/Schnur auf ein sehr menschliches Maß schrumpfen.....?

N.b. Ich habe mit mal den Spaß erlaubt einen Anbieter von F.fischereizubehör anzuschreiben mit der Bitte, dass er mir doch bitte den Werbetext zu einer (höchstpreisigen) Fliegendose bitte ins Deutsche übersetzten solle – da ich der englischen Sprache nicht mächtig sei. Zurück kam eine kurze Mail: „Die Dose ist aus PVC unterteilt in 12 Fächer. Der durchsichtige Deckel lässt sich mittels Patentverschluss schließen.“ Da brauchs wohl keinen Kommentar mehr, oder??


mit der Bitte um eure Komentare

euer Elchvieh
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Re: Deutsch beim Fliegenfischen - quo vadis?

Beitragvon der Johann » 17.11.2012, 00:50

Wow....... nein, (echt Klasse)das ist echt mal zum nachdenken geiler Threat... ( nein, natürlich guter Beitrag).Ich finde auch das mann sich am Duden anlehnen sollte bei der Wortwahl und nicht an jeder anderen Sprache ausser das sie in der Sprache erfunden worden sind.
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Re: Deutsch beim Fliegenfischen - quo vadis?

Beitragvon CPE » 17.11.2012, 00:54

elchvieh hat geschrieben:Heute bin ich zufällig hinter diesem Auto im Stau gestanden


Cher Ami,

Obiges Zitat-Fragment erinnert mich an eine Story aus meiner Studentenzeit, als es von einem Native Speaker (will sagen: Deutschen) auch exakt so verwendet wurde und genau deshalb prompt von einem Studenten aus Aserbaidschan mit dem Satz "Verben der Bewegung mit 'sein', alles andere mit 'haben'" kommentiert wurde - sein Deutsch-Kolleg war demnach noch sehr frisch. Nolens volens mußt Du zugeben: Stehen ist keine Form der Bewegung.

TL, Norbert
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Re: Deutsch beim Fliegenfischen - quo vadis?

Beitragvon salat » 17.11.2012, 01:19

Mon cher Norbert,

könnte da nicht eine gewisse Verwechslung zugrunde liegen ?

stehen = bin gestanden / gestehen = habe gestanden

Wir wollen doch unserem Elchvieh nicht das Wort im Mund verdrehen, oder aus (s)einem Bericht ein Geständnis machen :lol:

.. Aber ich als Bewohner des Hochalemannischen Sprachraumes möchte ich mich gar nicht als Kenner der Germanischen Grammatik aufspielen, da fehlt mir die Kompetenz :oops:

Ich habe fertig .. oder bin ? Wie auch immer :wink:

Gruess
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Re: Deutsch beim Fliegenfischen - quo vadis?

Beitragvon MuddlerMinow » 17.11.2012, 01:58

Nun, warum benutzen die Amerikaner das Wort Kindergarten, Schadenfreude, Gedankenexperiment, Heiligenschein, kaput? Sind die jetzt Deutschophil (und brechen eine Diskussion über Deutschissmen vom Zaun)?

Weil es deutsche "Erfindungen" sind. Und warum reden wir im Fliegenfischen so viel englisch? Weil es (nach meinem Wissen) etwa einen Fliegenrutenhersteller (RST), einen Rollenhersteller (Vosseler), Null Hakenhersteller (meines Wissens), Null Schnurhersteller und unzählige andere Nullen gibt.

Der gute Parzifal mag mit der Fliege gefischt haben, von mir aus auch vor den Engländern. Tatsache ist aber, dass alle ihr Brot/Maisbrot/Reis - will sagen Grundnahrungsmittel - haben. Und alle haben seit Menschengedenken gefischt, das Feuer gefunden usw. Oder wer hat den Whisk(e)y erfunden? Die Iren? Die Schotten? Probiert doch mal Japanischen Whiskey!

Ich denke, wenn Anglizismen irgendwo halbwegs angebracht sind, dann in unserem Feld. Desweiteren ist der Deutsche in aller Regel sehr beflissen darin zu betonen, wie präzise unsere Sprache ist.
Als Viel englisch redender muss ich aber sagen, dass es im englischen Wörter gibt, die man mit keiner Wortkomposition, und sei sie noch so genial, im deutschen richtig wiedergeben kann. (Jedenfalls ich nicht)

"Excited" kennt der Deutsche nicht. Der ist dann gleich uffgeregt, nervös oder gar erregt (Hilfe).. Aber das "freudige fröhlich sein vor einer Aktivität" ist dem deutschen Schwermüter viel zu mäßig.
Umgekehrt kennt der Anglosachse die Schadenfreude nicht, zumindest offiziell als Wort nicht :badgrin: das kommt aus Deutschland..

So nun hoffe ich, dass ihr mir alle widersprecht und proste auf die schöne Heimat und unsere wunderbare Sprache.

P.S. Ich mag sogar Goethe :lol:

PP.S. Da ist übrigens die Erklärung für DoBody:
http://www.techrepublic.com/article/an- ... w=fullonce
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Re: Deutsch beim Fliegenfischen - quo vadis?

Beitragvon OLDBOY » 17.11.2012, 02:14

Flyfishing ist in the USA und Canada deutlich populärer als hierzulande, was wiederum nach sich zieht, dass sich dahinten, im englischsprachigen Raum eine ganze Industrie entwickelt hat. Dies wiederum führt zwangsläufig zu englischen Titulierung derartiger Produkte. Ganz Easy wie Underhandcast ;)
The beauty of fly fishing and our sport has very little to do with the size of the fish we catch. Instead, this attraction is found in the places that fishing takes us - those that are close to home and others that are halfway around the world.
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Re: Deutsch beim Fliegenfischen - quo vadis?

Beitragvon salat » 17.11.2012, 02:39

MuddlerMinow hat geschrieben:Umgekehrt kennt der Anglosachse die Schadenfreude nicht, zumindest offiziell als Wort nicht

Schadenfreude = gloating (ein Wort mit keiner weiteren Bedeutung als genau der)
oder malicious joy (weil die Angelsachsen weniger zusammengesetzte Wörter benutzen sind es halt zwei, aber ein eindeutiger Ausdruck)
sonst gibt es noch mischievousness, spitefulness, welche aber nicht exklusiv und eindeutig sind ... ja.

Also sogar noch mehr "Schadenfreude" als in Deutschland ? :wink:

Gruess
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Re: Deutsch beim Fliegenfischen - quo vadis?

Beitragvon MuddlerMinow » 17.11.2012, 03:34

Cedi, cooles Wort! =D> Kannte ich noch nicht (gloating), hat aber einen deutschen Wortstamm :?

Kannst Du hier nachlesen..http://en.wiktionary.org/wiki/gloat

Die anderen sind wie Du scon sagst nicht wirklich passend, gehen aber natürlich in die Richtung..

Sorry für die Besserwisserei :roll:

P.S. Häufiges Zeitzonenwechseln führt zu Insomnia..
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Re: Deutsch beim Fliegenfischen - quo vadis?

Beitragvon elchvieh » 17.11.2012, 09:09

"P.S. Häufiges Zeitzonenwechseln führt zu Insomnia.."
vollstes Verständnis - hier herrscht senile Bettflucht... :)


Guten Morgen!

Sein/haben/werden... ich bin bekenne, ich bin ertappt! Jenes Deutsch das ich lernte, ist natürlich ein alemannisch/österreichisches Deutsch und kein Hochdeutsch. Alemannen sind schlichtweg unfähig korrektes, modernes Hochdeutsch zu sprechen oder zu schreiben. Dies liegt wohl daran das sie die zweite Lautverschiebung nicht mitgemacht haben und ihre Grammatik noch weitgehend auf dem Mittelhochdeutschen fußt bzw. verblieben ist. Was unter anderem dazu führt, das man sie selbst wenn sie seit 20 Jahren ausschließlich Englisch sprechen immer noch an den Zwischentönen erkennt... In dem Sinne MEA CULPA MEA CULPA MEA MAXIMA CULPA!

Nicht desto trotz: Das Schindluder das nicht nur in dem von mir beschriebenen Katalog - der nicht einmal ein besonders krasses Beispiel ist, sondern genauso in unserer Fachliteratur getrieben wird, ist nicht nur ein Schindluder, sondern vielmehr ein Schandfleck. Man vergebe mir das Wortspiel.

In keiner anderen mir bekannten Sprache werden dermaßen kritik- und hemmungslos Fremdwörter "geschluckt" wie wir es im Deutschen tun. Mangelt es dem Deutschsprachigen (!) nach 50 Jahren Coca-cola-culture sosehr an Selbstbewusstsein, daß er sich nur noch in englischen Vokabeln wiederfindet? Oder sind ihm Tausend Jahre Kulturgeschichte - die untrennbar mit der Sprache zusammenhängen, so bedeutungslos geworden das er sich nur dann ernst und wichtig nehmen kann, wenn Pidgin spricht? Müssen wir um "cool" zu sein (soll heißen als wichtig/bedeutend erkannt zu werden), solche Sätze von uns geben: "Ey mann, voll geil wie du das Tippet mit dem Surgeonsknot an den Taper machst!" oder in Ehrfurcht erschauern vor der schon erwähnten Rolle mit „dreifachem Redundancy Radial Pawl Engagement und nahtlosem Drag Engagement (keine Start-Up-friction)“. Ich für meinen Teil erlaube mir derlei für schlichtweg lächerlich zu halten ...


Natürlich werden viele Dinge im angloamerikanischen Sprachraum produziert, aber das ist bitteschön kein Grund für die sprachliche Entgleisung derer man sich allenthalben befleißigt. Es gab und gibt natürlich wunderbare und bewundernswerte F.fischer aus dem englischsprachigen Raum und England hat eine diesbezügliche Traditionr sich zweifelsohne zu würdigen ist. Aber die hat das F.fischen auch im im deutschen Sprachgebiet und nur weil unsere Väter und Großväter seit 1914 weniger Zeit zum Fischen hatten und sich vielleicht ein bisschen mehr ums Überleben kümmern mussten, als so mancher Lachslord, sehe ich keinen Grund in kritikloser Anbetung zu versinken.

Ich denke da wären unter anderem auch die Redakteure und Herausgeber unserer Literatur in der Pflicht, in bisschen nachzudenken was sie veröffentlichen und was vielleicht doch noch mal von einem deutschkundigen Lektor korrigiert werden sollte. Möglicherweise haben sie ganz vergessen das sie ebenfalls zu den Kulturschaffenden gehören?
Aha, wird der aufmerksame Leser nun aufmerken, jetzt schiebt er die Schuld den Medien zu! Nein, tue ich nicht, die Schuld tragen wir alle - die mit Deutsch so umgehen als wäre es Klopapier. Damit schließt sich für mich der Kreis zu einem früheren Thema und ich schreibe bewusst noch einmal "Wir, als die Elite unter den Fischern können diesem schlechten Beispiel sehr wohl entgegensteuern!" Ich behaupte sogar frech, daß wir dazu die Pflicht haben!

euer Elchvieh


das sich freut, wenn Ihr Euch eigene Gedanken macht und Wikipedia für ein Sammelsurium von Halbwahrheiten hält :smt002

Verzeiht die nachtträglliche Korrektur. Normalerweise schreibe ich die Texte erst mit einer Textverarbeitung und füge sie dann hier ein (Da kann ich die Schrift besser lesen), heute hatte ich es etwas zu eilig dafür... Entschuldigung!
Zuletzt geändert von elchvieh am 17.11.2012, 13:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Deutsch beim Fliegenfischen - quo vadis?

Beitragvon MuddlerMinow » 17.11.2012, 09:51

Guten Morgen Elchvieh,

Es ist schon verrückt, das muss ich zugeben. Aber englisch Hin oder her: die Kataloge sind
an sich verrückt, die Materialschlacht ist wirklich nicht mehr normal..ob nun mit Disc Drag oder Scheibenbremse..

Später mehr, muss los!
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Re: Deutsch beim Fliegenfischen - quo vadis?

Beitragvon flo staeuble » 17.11.2012, 10:03

guten morgen,

möchte nur zu bedenken geben, dass sprache schon immer etwas lebendiges war und gott sei dank heute noch ist. wenn man sich die deutsche sprachgeschichte anschaut, wird man feststellen, dass beileibe nicht alle wörter im heutigen duden dem germanischen entlehnt sind. ohne lateinische, französische, italienische, britische (geht endlos weiter, hier fadeout) einflüsse wäre unsere sprache überraschend arm. insofern ist auch meine paranoia vor dem viel gescholtenen "denglisch" eher übersichtlich.
ich denke, federführend ist hier oft eine gewisse modernisierungsangst. wenn 100 jahre vergehen, wird die neuerung (die dann keine mehr ist) als charmant empfunden. die "floating line" treibt den erbosten traditionalisten aufs parkett - genau dieser möchte aber sicher weiterhin übers trottoir flanieren:-)

schönes wochenende wünscht der
flo
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Re: Deutsch beim Fliegenfischen - quo vadis?

Beitragvon HansAnona » 17.11.2012, 11:17

salat hat geschrieben:Mon cher Norbert,

könnte da nicht eine gewisse Verwechslung zugrunde liegen ?

stehen = bin gestanden / gestehen = habe gestanden

Wir wollen doch unserem Elchvieh nicht das Wort im Mund verdrehen, oder aus (s)einem Bericht ein Geständnis machen :lol:

.. Aber ich als Bewohner des Hochalemannischen Sprachraumes möchte ich mich gar nicht als Kenner der Germanischen Grammatik aufspielen, da fehlt mir die Kompetenz :oops:

Ich habe fertig .. oder bin ? Wie auch immer :wink:

Gruess
Cedi


Trabatoni hat das aus dem Italienischen rübergebracht. Dort ist dieser Ausdruck richtig.

Gruß Alf
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Re: Deutsch beim Fliegenfischen - quo vadis?

Beitragvon Harald aus LEV » 17.11.2012, 13:18

Wow, ein echter Schonzeitthread.
Ich hol schon mal beer and chips. :smt030

Gruß
Harald
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***Forever trust in who you are ***
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Re: Deutsch beim Fliegenfischen - quo vadis?

Beitragvon FlySlave » 17.11.2012, 14:23

Harald aus LEV hat geschrieben:Wow, ein echter Schonzeitthread.
Ich hol schon mal beer and chips. :smt030

Gruß
Harald


/sign ... das war mir echt ein "Danke" wert.
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Re: Deutsch beim Fliegenfischen - quo vadis?

Beitragvon Frank. » 17.11.2012, 15:06

Danke für die wunderbare Steilvorlage zu einem längeren Geplänkel, my very dear Moose!

Besonders über das "dreifache [warum nicht "triple"? Versager!] Reduncany Radial Pawl Engagement und nahtlose Drag Engagement (keine Start-Up-friction)“ habe ich herzlich gelacht (rätsele aber noch immer, was - oder wer? - das sein mag). Göttlich!

In die Rubrik "definitiv sehr ärgerlich" würde ich gerne noch das Deppen-Apostroph einfügen, das aus dem angelsächsischen Raum über uns hinweggebrochen ist, wobei freilich hinzuzufügen ist, dass es auf der Insel mittlerweile auch beinahe öfter falsch als richtig verwendet wird: Da werden überall "Car's" verkauft und "Drink's" serviert ... Das ist auch nicht besser als die Schilder bei uns, die auf "Video's" hinweisen. Von "Red Tag's" und "Steelhead's" gar nicht zu reden. Und so weiter. Es gibt dazu eine herrliche Online-Sammlung.

Wer seinen Spaß mit Sprachpuristen haben will, möge den großen Philipp von Zesen (1619-1698) und einige seiner Vorschläge studieren:
Blitzfeuererregung (für Elektrizität)
Dörrleiche (Mumie)
Entgliederer (Anatom)
Jungfernzwinger (Kloster)
Krautbeschreiber (Botaniker)
Lotterbett (Sofa)
Lusthöhle (Grotte)
Meuchelpuffer (Pistole).

Da ist es doch nicht weit zum "Naturglaubengottheitswurf", oder?

Eines ist aber klar: Gegen fremdsprachige Einflüsse angehen zu wollen, ist so erfolgversprechend (und sinnvoll) wie eine Kerzendemonstration gegen Starkwinde. Und es ist eine ganz einfache Konsequenz von Globalisierung und Internet, dass es immer mehr und mehr wird, was auf uns eindringt (auch in grammatischer Hinsicht): Fast jeder von uns hat in den letzten Tagen etwas "gedownloaded" oder "upgedated". Viele unserer Kinder "roflen". So what? Das hat nichts, aber auch gar nichts mit einem Mangel an sprachlichem Selbstbewusstsein zu tun. Wir alle sind "online".

Wir müssen und werden damit leben. Ich sehe das höchst gelassen.

Über Goethe müssten wir mal reden, aber vielleicht nicht hier. Ich wette, lieber Elch, dass deine Abneigung eigentlich nicht Goethe gilt, sondern vielmehr dem, was nationalistische Kreise aus ihm bzw. seinen Texten gemacht haben. Steht aber auf seinem sehr anderen Blatt. In unserem Zusammenhang wäre die Übersetzungsszene aus dem Faust I interessant, aber ich halte mich mal zurück …

Man muss ja nicht jeden Mist mitmachen.

Übrigens, eine Kleinigkeit noch: Den Ruf nach dem Lektor unterstütze ich laut und innig! Aber leider ist der Berufszweig akut, sehr akut vom Aussterben bedroht. Selbst viele auch sehr große Verlage haben ihre entsprechenden Abteilungen längst aufgelöst oder drastisch reduziert. Die Druckfehlerquote in auch sehr teuren Büchern steigt beständig an - von derjenigen in Zeitschriften gar nicht zu reden. Manchmal kommt atemberaubender Unsinn in Texte hinein, weil es kein Lektorat mehr gibt. Erst kürzlich stieß ich in einem aus dem Englischen übersetzen Roman darauf, dass jemand einen anderen als "Uriashaufen" beschimpfte.
Überlegen. Nachschlagen. Nichts finden.
Dann die furchtbare Ahnung, die sich beim Blick ins Original bestätigte: gemeint war Uriah Heep, einer der Protagonisten aus Charles Dickens' David Copperfield. Lektorat?

Ja, ich weiß. Das Genitiv-s im Deutschen ist eigentlich eine Abürzung. "Franks Meinung" müsste ausgeschrieben eigentlich Frank seine Meinung heißen ...

Habt ein schönes Wochenende!

Euer Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
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