Die Gretchenfrage! Eine Posse in 1 ½ Akten

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Die Gretchenfrage! Eine Posse in 1 ½ Akten

Beitragvon elchvieh » 21.12.2012, 00:29

*Verzeiht uns o all ihr edlen Freunde, das wirs wagen
auf dieses unwürdige Gerüst zu bringen, eine Vorwurf solcher Größe....
Laßt mich für dieses Schauspiel das nun beginnen wird, erklärend Euer Begleiter sein.
Ich bitte Euch, nachdem Ihr den Prolog gelesen, seid uns geneigt mit Wohlwollen
beurteilt gütig unser Stück und richtet unser Spiel mit Huld
und mit Geduld!


Erster Akt, 1.Szene:
Ort und Personen: Mitglieder der Prüfungskommission zur Erlangung der Fischerkarte und ein Prüfling – irgendwo in Tarokanien.

P(rüfer): Letzte Frage: Wie begrüßen und verabschieden Sie sich von Fischerkollegen?
A(dept/Prüfling): mit „guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“.
(bedenkliches Kopfschütteln der Kommission)
P: Kennen Sie den Fischergruß denn nicht?
A: Doch natürlich
P: Ja und warum verwenden Sie diesen nicht?
A: aus persönlichen Gründen.
(irritierte, verwirrte Gesichter bei der Kommission)
P (väterlich freundlich): Ja so geht das hier nicht, da müssen Sie schon Farbe bekennen, Sie können doch......
Der Vorsitzende unterbricht: Sie haben also etwas gegen unsere Traditionen?
A: Nein, ich habe keineswegs etwas gegen alle Ihre Traditionen!
P (leicht verärgert): Sie können doch nicht erwarten das wir Ihnen die Fischerkarte ausstellen, wenn Sie einfach unsere Traditionen ablehnen!
(zustimmendes Gemurmel in der Kommission)
A: Nein meine Herren, Sie missverstehen mich. Ich lehne nur diesen Gruß ab.
Vorsitzender (heftig): Ja aber wieso denn in Gottes Namen, das ist doch eine wunderbare alte Tradition und die Jäger haben ja auch ihren Gruß!
A: Selbstverständlich weiß ich das, ich bin seit Jahren Jäger. Wir Jäger grüßen uns aber mit Waidmannsheil und Waidmannsdank. Nicht mit Hubertusheil und Hubertusdank!
Vorsitzender (sichtlich erregt): Soll das heißen Sie lehnen unsere Christlichen Werte und Traditionen ab?
A: Herr Vorsitzender, ich möchte weder Sie noch sonst jemanden beleidigen, sondern lediglich auf die Verwendung dieser Grußformel verzichten
(das Gemurmel in der Kommission verstummt und die Gesichter versteinern)
P: Also so geht das nicht. Entweder Sie respektieren unsere Bräuche oder sie sind hier an der falschen Stelle!
A: ich muss mich wiederholen. Ich achte durchaus ihre Sitten und Gebräuche nur möchte ich diesen Gruß nicht verwenden.
Vorsitzender (laut werdend): Das müssen Sie schon begründen, immerhin gibt es unsere Bräuche seit Jahrhunderten und bisher kam noch jeder Fischer damit zurecht.
A (deutlich akzentuiert): Es tut mir sehr leid, Herr Vorsitzender, aber zum einen gewinne ich immer mehr den Eindruck hier der heiligen Inquisition gegenüberzusitzen...
(empörtes Murren der Kommission,)
wofür ich keinerlei Verständnis habe und zum anderen irren Sie sich beträchtlich. Dieser Gruß wurde im Zuge der Gegenreformation durch die Jesuiten etabliert. Davor ist kein einheitlicher Gruß dokumentiert...
Vorsitzender unterbricht: Das ist eine Frechheit, das müssen wir uns nicht bieten lassen!
(Stimme aus der Kommission: Der Prüfling hat mit der historischen Verortung aber durchaus recht)
A: Meine Herren! Auch auf die Gefahr hin endgültig Ihr Missfallen zu erregen: „Wieso sollte ich als bekennender Nichtchrist, Propaganda für einen katholischen Heiligen machen, der mich nicht im mindesten interessiert? Niemand von Ihnen würde doch erwarten das ein katholischer Bergwanderer beim Erreichen des Gipfels seine Wanderfreunde mit „Allah u akbar“ begrüßt, oder?
(Fassungsloses Schweigen der Kommission)
etwa 2,3 Minuten (vollkommener Stille) später:
Vorsitzender: So hat das keinen Sinn, ich breche hier ab. (Er wirft! Die Unterlagen zu Boden und verlässt, gefolgt von der Kommission den Raum.)


½ Akt:
Dem Prüfling wurde die F.karte wegen mangelnder Sachkenntnis tatsächlich verwehrt. Auf einen Rekurs hat der Prüfling verzichtet und fischt heute international – ohne Fischerprüfung und Karte.

**„nun urteilt selbst ihr Lieben, wer da im Rechte und wer unrecht war. Wessen Anspruch legitim und wessen freche Ursupation...“

In dem Sinne bitte ich Euch um Eure Meinung.

Ergebenst das Elchvieh

*W. Shakespeare. Henry V. Prolog
** unbek. Dichter des 16 Jhts. „De gestibus tempore“
Vita brevis, ars longa, occasio praeceps, experntia fallax, iudicium difficile....
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Re: Die Gretchenfrage! Eine Posse in 1 ½ Akten

Beitragvon CPE » 21.12.2012, 08:37

Liebes Elchvieh,

Die "Fischerkarte" verweist ja auf das (DAS) "kotelettförmige Land". Da ist vielleicht so manches anders. FPÖ, Opernball, Erbhöfe, niemand spricht Deutsch. Aber sogar Thomas Bernhard, Tex Rubinowitz und die Jelinek haben es ausgehalten. Vielfalt also auch dort.

Übrigens: Wenn der Probant auch "international" lebt, ist ja alles gut, ohne Auto in Obertauern kommt man aber wohl seltener zum Fisch. Wäre mir persönlich zu doof.

Gruß, Norbert
CPE
 

Re: Die Gretchenfrage! Eine Posse in 1 ½ Akten

Beitragvon Da Beppe » 24.12.2012, 00:45

tja - wenn dem Probanden jetzt wohler ist :wink:

is doch seine freie Entscheidung die Fischerkarte nicht zu bekommen - so what :?:
. . . so vui schee, unser boarisch Hoamadl . . .
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