henkiboy hat geschrieben:Dennoch packen die Tiere das im Regelfall.
Lieber Detlef,
das ist zugebenermaßen eine schwierige Problematik, bei der es kaum möglich sein wird, Konsens herzustellen. Aber ein paar Sachen weiß ich leider aus Erfahrung sehr genau:
Auch mir ist es schon passiert (das letzte Mal ist noch gar nicht lange her), dass ich eilig im Wasser hinter einem Fisch herlaufen musste, den ich gerade ganz vorsichtig und mit nassen Händen von der widerhakenlosen Fliege abgeködert hatte - und der sich nach dem Entlassen in die Freiheit schnell mit dem Bauch nach oben drehte. Das Wasser war sehr warm; das Kraut hat den Drill trotz eines relativ massiven Vorfachs ein bisschen zu sehr in die Länge gezogen: das war's dann.
Umgekehrt habe ich am gleichen Tag eine Forelle gefangen, der jemand ganz kurz zuvor auf einer Seite den halben Unterkiefer abgerissen hatte. Die Wunde war noch blutig - und dennoch hat der Fisch einfach weiter gefressen, als wenn nichts gewesen wäre!
Aber leider ist es eine schon sehr oft gemachte Erfahrung, dass ich im Laufe eines Angeltages drei, vier, fünf Äschen oder Forellen tot im Uferbereich finde - und die sind ganz gewiss nicht an Altersschwäche gestorben.
Übrigens vermute ich, dass frisch besetzte Forellen (mit denen wir es leider immer öfter zu tun haben) erheblich weniger stressresistent als "wilde" Fische sind, aber das ist eine subjektive Einschätzung. Und eine Meerforelle oder ein Lachs geben auch nach einem langen Drill noch derart Gummi (in diesem Kontext eine schräge Formulierung, ich weiß), dass ich an ihren Überlebenschancen nicht im Mindesten zweifele.
Aber Äschen? Und Bachforellen im Hochsommer?
Langer Rede kurzer Sinn: Ich fotografiere nur Fische, die ich anschließend essen werde.
Aber das ist überhaupt nicht missionarisch gemeint.
Bei mir ganz persönlich ist es nur so: Im Laufe der Jahre bin ich immer behutsamer gegenüber den Fischen geworden - erst habe ich den Wurm an den Nagel gehängt (auch schräg formuliert), dann den Drilling, schließlich den Widerhaken.
Dabei bin ich aber durchaus ein Raubtier, das sehr gerne Fisch isst: In der Regel gehen meine Angeltage für zwei Forellen nicht gut aus.
Allen anderen Fischen hingegen mache ich die Begegnung mit mir so kurz und so wenig unangenehm wie möglich. Deshalb habe ich in den letzten Jahren immer mehr Schwierigkeiten, zum Beispiel Einladungen an reinen "C&R"-Gewässern anzunehmen.
Auch in diesem Fall halte ich es aber mit meinem Lieblingszitat von Franz Kafka:
Franz Kafka hat geschrieben:Das sind deine Beobachtungen, mein Lieber. Andere haben andere Beobachtungen gemacht.
Dein Frank