Fischerprüfung, qui bono?

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Fischerprüfung, qui bono?

Beitragvon elchvieh » 05.11.2012, 20:29

Pax tecum!

Ihr werdet mich vielleicht verfluchen, für wahnsinnig erklären oder schlichtweg ignorieren, aber seit einiger Zeit taucht im (vorallem skandinavischem) Freundeskreis immer wieder ein Diskussionspunkt auf an dem sich die Geister scheiden...

...die Fischerprüfung/Fischerlizenz... :twisted:

Dabei geht es uns, die wir die Weite und Offenheit Norwegens gewohnt sind, immer gleich: wir verstehen den Sinn dieser Prüfung und der damit erlangten Lizenz einfach nicht. Wofür ist die tatsächlich gut? Doch nicht um "waidgerechtes Fischen" zu garantieren, oder? Denn dann müßten etwa 4 Mill. Norweger und noch sehr viel mehr Schweden, Finnen, Russen, Amerikaner etc. seit Urzeiten alle nicht "waidgerecht" fischen gehen...

Einfach noch eine Prüfung und ein Zettel um der Reglemtierungswut irgendwelcher Bürokraten genüge zu tun? Oder eine Schranke um der "breiten Öffentlichkeit (vulgo Pöbel)" den Zugang zu erschweren?
Gibt es einen Sinn hinter der Prüfung/Lizenz?

Euer Elchvieh
(das vier Jagdscheine samt Prüfungen gemacht hat - aber keine Fischerprüfung....und es nach jahrzehnten der Fischerei auch nicht mehr tun wird) :shock:
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Re: Fischerprüfung, qui bono?

Beitragvon Frank. » 05.11.2012, 21:05

corpus hippocraticum: experimentum fallaxque iudicium difficile est … Oder: in aller Vorsicht …

Als die Sportfischerprüfung eingeführt wurde - das muss wohl irgendwann in den späten 70ern gewesen sein? - wurde allen denjenigen, die damals seit mindestens zehn Jahren im Besitz eines Jahresfischereischeins waren, die Prüfungspflicht erlassen. Insofern musste ich die Prüfung niemals ablegen. Aber immerhin habe ich viel später meinen Sohn beim Ablegen der Prüfung begleitet (die er freilich bei einem reinen Wurmbaderverein abgelegt hat, wo das Ganze einen relativ lächerlichen Charakter hatte - aber das steht auf einem anderen Blatt).

Ich halte sie für sinnvoll. Ich zum Beispiel bin - und das wird vielen hier so gehen – von meinem Vater seit wirklich jüngster Kindheit an das Fischen herangeführt worden (wie dann später mein Sohn von mir). Da habe ich wirklich so ziemlich alles gelernt, aber das war die "alte Schule", die wiederum mein Vater gelernt hatte: lebende Köderfische hakt man am besten durch die Schwanzwurzel, dann halten sie lange durch. Frösche geben einen hervorragenden Forellenköder ab. Koppen und Gründlinge sind noch besser. Drei Drillinge sind unbedingt notwendig, wenn es auf Hecht geht. Nimm alles mit, was irgend maßig ist.
Dann änderten sich die Paradigmen des Fischens langsam, und heute haben sie sich im Verhältnis zu damals sehr, sehr radikal geändert. Die Sportfischerprüfung sorgt dafür, dass aktuelle Standards gesetzt werden - finde ich gut!

Punkt 2: Wenn ein junger Mensch NICHT durch väterliche Anleitung an die Sache herangeführt wird - was heute in Deutschland immer häufiger der Fall ist - fehlt es schlicht an häuslichen Ausbildungs- und Sozialisationsmöglichkeiten. Das wird dann durch die Vereine übernommen, die ihrerseits dann die Überprüfung ihrer Ausbildung übernehmen: durch die Sportfischerprüfung.
Ich denke, in Norwegen ticken die Uhren da sehr anders als hier bei uns: Das Fischen ist viel weiter verbreitet; die "familiäre" Ausbildung ist die Regel.

Im Moment kündigt sich übrigens wieder ein solcher Paradigmenwechsel an: Ich bin mir ziemlich sicher, dass Widerhaken in den nächsten Jahren irgendwann generell verboten werden. Die "Alte-Schule-Angler" werden ihren Kindern das Warum und Wieso kaum vermitteln. Aber die Vereine und die Prüfung wird dafür sorgen, dass …

Nun würde ich zwar ungern vom "Pöbel" sprechen, aber in der Sache ist das zweifellos richtig: Es ist in der Tat notwendig, das absolut anarchische Fischen an unseren Gewässern strikt zu unterbinden. Ich kenne Länder, in denen der Bestand jeder Pfütze erbarmungslos ausgerottet wird - weil das Angeln eben überhaupt nicht reglementiert ist.

Doch: Hinter der Prüfungspflicht steht der Gedanke, ein halbwegs waidgerechtes Fischen zu garantieren. Und ich denke, dass das auch gut ist - besonders dann, wenn die Elterngeneration nicht in der Lage oder willens ist, die Ausbildung am Wasser zu übernehmen.

Dein Frank
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Re: Fischerprüfung, qui bono?

Beitragvon CPE » 05.11.2012, 23:00

Frank. hat geschrieben:Da habe ich wirklich so ziemlich alles gelernt, aber das war die "alte Schule", die wiederum mein Vater gelernt hatte: lebende Köderfische hakt man am besten durch die Schwanzwurzel, dann halten sie lange durch. Frösche geben einen hervorragenden Forellenköder ab. Koppen und Gründlinge sind noch besser. Drei Drillinge sind unbedingt notwendig, wenn es auf Hecht geht. Nimm alles mit, was irgend maßig ist.


Lieber Frank,

Wir haben einen föderalen Fischereischein eingeführt. D.h. ich darf die NRW-Prüfung nur ablegen, wenn ich auch in NRW wohne, dann gilt der Schein in Deutschland. Wenn ich ihn als NRW-Bürger in Hessen ablege gilt er aber nicht in Brandenburg, wenn ich aber Ausländer bin und nach NRW ziehe, bekomme ich ihn unter der Voraussetzung, daß ich den Nachweis führe, daß ich "etwas kann" auch so. Nee. Ist klar.

Jemand der das von Dir "damals" geübte Verhalten an der Tag legen möchte, legt es trotz Fischereiprüfung auch heute noch an den Tag. Das kann Dir jeder Angler sagen, der mal am Rhein bei Königswinter/Bonn war. Ich habe diesen Sommer den heißen Tip bekommen, von der Ukelei die Flossen abzuschneiden, dann würden sie nicht in die Steinpackungen abhauen können... Der Typ sah so finster aus, daß er als Dank von mir einen Bleikopf mit nagelneuem Gummifisch geschenkt bekam. That's what I would call feeding a REAL troll. Und dort wird regelmäßig auf Fischerei- und Rheinschein kontrolliert.

Ich halte deshalb den Fischereischein für bürokratischen Regulierungswahn ohne Sinn und Zweck. Obwohl er mir wahrscheinlich nicht geschadet hat, weil ich keinen fischenden Vater hatte...

Beste Grüße,

Norbert

PS: Wir Deutsche errichten im Golf eine Hürde, indem wir die Platzreife erfinden. Das führt dazu, daß bei uns völlig überforderte Rolexuhrträger zwischen Frührentenalter und Rentenalter glauben, sich sportlich zu betätigen, indem sie mit einem Elektroauto Bälle suchen fahren.
Zuletzt geändert von CPE am 05.11.2012, 23:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Fischerprüfung, qui bono?

Beitragvon felix » 05.11.2012, 23:03

Ich sehe den Sinn auch nicht unbedingt, aber ich anerkenne auch ein paar Argumente dafür.
Für mich liegt der Grund in der jeweiligen Mentalität eines Landes bzw. dessen Einwohner. Manche Länder verzichten darauf alles und jedes zu reglementieren und manche zeichnen sich gerade dadurch aus - so hat dann alles seine Ordnung.
Ich bin beispielsweise auch Bootsfahrer - auch dort ist Deutschland und Österreich ganz stark bei den verschiedensten Prüfungen vertreten während andere Länder entweder gänzlich oder grossteils auf Prüfungen und Scheine verzichten. In Deutschland gibts im maritimen Bereich sogar das Paradoxum, dass man eine Prüfung ablegen muss, wenn man Notsignalmittel abschiessen will - im Ernstfall ist sogar beim Kampfnum Leben und Tod eine Prüfung für etwas nötig ;-)
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Re: Fischerprüfung, qui bono?

Beitragvon Frank. » 05.11.2012, 23:11

Carl Phillip Emanuel hat geschrieben:Ich habe diesen Sommer den heißen Tip bekommen, von der Ukelei die Flossen abzuschneiden, dann würden sie nicht in die Steinpackungen abhauen können... Der Typ sah so finster aus


Ja, ich weiß. Ist bei uns auch nicht anders. Mir kam im letzten Jahr ein FISCHEREIAUFSEHER auf dem Weg am See entgegen, der einen lebendigen Hecht am Vorfach "bei Fuß" führte - er müsse zu seinem Kumpel rüber, um nachzumessen, ob er den mitnehmen könne. Meinen Wutanfall hat er ziemlich kommentarlos weggesteckt, und auch später hatte das keinerlei Folgen. Meine Beschwerde ist schlicht versandet. Und das war keinesfalls das erste einschlägige Erlebnis, das ich hatte.

Nee, mit derlei Typen werden wir wohl niemals fertig werden.

Dein Frank
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Re: Fischerprüfung, qui bono?

Beitragvon CPE » 05.11.2012, 23:11

felix hat geschrieben:im Ernstfall ist sogar beim Kampf um Leben und Tod eine Prüfung für etwas nötig ;-)

Der "Pyrostempel" eben.
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Re: Fischerprüfung, qui bono?

Beitragvon CPE » 05.11.2012, 23:21

Frank. hat geschrieben:Nee, mit derlei Typen werden wir wohl niemals fertig werden.


Und so glaube ich letztlich viel eher an das Kooperative. D.h. letztlich: Solche Foren bringen vielleicht den einen oder anderen Vollhonk (Ugs.) dazu, seinen Catch ohne minutenlange Erstickungsmarter mit Bogagrip-Piercing zu releasen. Oder einen wackeren Mitangler in Petri dazu, eine Frage nach Barbless Hooks zu stellen...

Beste Grüße

Norbert
CPE
 

Re: Fischerprüfung, qui bono?

Beitragvon elchvieh » 05.11.2012, 23:38

mit anderen Worten:

Die ganze Geschichte ist ausschließlch dazu da um Vereins- und Amtskassen zu füllen und unbedeutende Wichte sich großartig fühlen zu lassen. Erbärmlich...

Ich habe mir heute die Unterlagen und das notwendige Handbuch besorgt um in Vorarlberg/Österreich diese Prüfung ablegen zu können. 300 vollkommen idiotische Fragen, die sich kein Fischer je im Leben stellen würde. Aber natürlich eine satte Prüfungsgebühr nebst notwendigen "Kurs" über 10 Abende (auch nicht eben umsonst...).

Als Kriegsbeutekind hatte ich keinen Vater der mich das Fischen lehrte, aber einen großen Bruder - der fischte um nicht zu verhungern. Anstand und Respekt vor der Beute hab ich von ihm gelernt. Und von vielen norwegischen Freuden- die heimgehen wenn sie ihr Abendessen beieinander haben. "Tyske fiskeri" (zusammenraffen was nur an den Haken geht) ist dort immer noch - oder schon wieder ein Schimpfwort. Dabei haben diese Tysker meist die ominöse Prüfung...

ich bin enttäuscht...
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Re: Fischerprüfung, qui bono?

Beitragvon felix » 05.11.2012, 23:42

elchvieh hat geschrieben:
Ich habe mir heute die Unterlagen und das notwendige Handbuch besorgt um in Vorarlberg/Österreich diese Prüfung ablegen zu können. 300 vollkommen idiotische Fragen, die sich kein Fischer je im Leben stellen würde. Aber natürlich eine satte Prüfungsgebühr nebst notwendigen "Kurs" über 10 Abende (auch nicht eben umsonst...).

Aber bitte glaub nicht Fisch ist Fisch - jedes österreichische Bundesland hat andere Prüfungen und andere Fragen. In Wien zum Beispiel braucht man gar keine Prüfung :wink:
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Re: Fischerprüfung, qui bono?

Beitragvon Zweihandwedler » 06.11.2012, 01:22

Meine Prüfung war recht lustig , anno 1984 viele Fragen sind an der Realität vorbei, aber man hat bis heute gute Kontakte mit etlichen Kursteilnehmern.
MFG
Jürgen
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Re: Fischerprüfung, qui bono?

Beitragvon AlexX!! » 06.11.2012, 02:21

hi, zusammen,

ich bin in jeder Hinsicht pro Prüfung, ganz einfach schon deshalb, damit eine Basis vermittelt wird, ja einen Wert, man geht hin einem Wesen das Leben zu nehmen. Dies soll man nicht einfach so machen, dabei soll man schon bescheidwissen wie und warum.

mir graut es immer wenn ich manche US Angelvideos sehe, die mit den Tiere umgehen... naja
mir fehlen die oft die Worte... Bowfishing mit Catch&Release..etc.

da bin ich froh das man bei uns einen Schein mit Prüfung braucht, da kommt so Blödsinn bei uns kaum vor, klar, deppen gibts immer. Immer nur auf die Vernunft der Menschen zu hoffen führt nicht zum Ziel... im Gegenteil

Grüße
Alex
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Re: Fischerprüfung, qui bono?

Beitragvon Seeadler » 06.11.2012, 03:59

Hallo,

bin alles andere als ein Regulierungsfetischist, aber ich denke, und da schließe ich mich meinem Vorredner an, die Fischerprüfung ist unter anderem dazu da, um sowas zu verhindern:

http://www.youtube.com/watch?v=2TQAupcJVgw :evil:

Allein der Aufwand an Geld und Zeit für die Prüfung stellt schon mal sicher, dass nur Leute sie machen, denen es wirklich ernst damit ist. Die Qualität der Fragen und des Gelernten spielt da nicht mal die entscheidende Rolle; ich denke der Aufwand allein scheidet schon ein wenig die Spreu vom Weizen...

Grüße,
Daniel
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Re: Fischerprüfung, qui bono?

Beitragvon Frank. » 06.11.2012, 10:21

elchvieh hat geschrieben:mit anderen Worten: Die ganze Geschichte ist ausschließlch dazu da um Vereins- und Amtskassen zu füllen und unbedeutende Wichte sich großartig fühlen zu lassen. Erbärmlich...


Nein, das würde ich in jeder Hinsicht und rundheraus abstreiten.
Natürlich führt die Prüfung nicht automatisch dazu, dass alle schwarzen Schafe vom Wasser ferngehalten werden. Aber sie hilft doch ungemein. Und von einigen Vereinen weiß ich, dass sie sich eine ungeheure Mühe bei der Ausbildung von Junganglern geben, die weit über die Prüfungsanforderungen hinausgeht.

Viel anders als beim Führerschein ist das auch nicht. Du findest allerorten Vollpfosten, die mit 80 Km/h und 1,9 Promille am Haupteingang des Kindergartens vorbeibrettern.

Würde man deshalb auf die Idee kommen, die Führerscheinprüfung abzuschaffen oder für sinnlos zu erklären?

Dein Frank
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Re: Fischerprüfung, qui bono?

Beitragvon Achim Stahl » 06.11.2012, 11:12

Moin,


ich wundere mich etwas.

Waidgerechtes Verhalten erreicht man doch nicht durch irgendwelche mehr oder weniger praxisferne Prüfungen. Waidgerechtes Verhalten erreicht man durch Überzeugung und, bei den Beratungsresistenten, dadurch, dass nicht-waidgerechtes Verhalten massive negative Konsequenzen hat. Ein Fahrradfahrer hält sich in der Regel auch an die StVO, auch wenn er keinen Führerschein hat. Tut er es nicht und wird er erwischt, wird er bestraft. So handhaben es fast alle Länder mit dem Angeln.

Der Erfolg der Fischereischeinprüfung ist messbar:

Vergleichen wir Deutschland und die Nachbarländer vor der Fischereischeinprüfungspflicht:

Die deutschen Angler sind nicht besser und nicht schlechter als die in den Nachbarländern ohne Prüfung...


40 Jahre später:

Die deutschen Angler sind nicht besser und nicht schlechter als die in den Nachbarländern ohne Prüfung.

Erfolg: Gleich Null.

Ein ständiges freiwilliges (Weiter-) Bildungsangebot mit Seminaren und Workshops zu den verschiedensten Themen, die uns Angler betreffen, wäre etwa Sinnvolles, aber doch nicht eine Prüfung, für die wir ein Mal im Leben etwas auswendig lernen.

Ich seh es wie das Elchvieh, Geldmacherei, weiter nichts.


Viele Grüße!


Achim
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Re: Fischerprüfung, qui bono?

Beitragvon elchvieh » 06.11.2012, 11:19

Guten Morgen und vielen herzlichen Dank für die kontroversiellen Rückmeldung!

vorweg möchte ich mich entschuldigen, das mit diesem Reizthema dem Einen oder Anderen auf die Füße getreten bin - es geschieht ohne böse Absicht.

Ich möchte ganz frech zwei Vergleiche heranziehen bzw.aufgreifen:
Den Führerschein (Danke Frank!) einerseits und den Jagdschein andererseits. Bei beiden stütze ich mich auf das was ich am Wasser sehe, erlebe und auf die Gespräche mit alten und jungen Kollegen.
In der Tat ist es so, daß es einzelne Vereine gibt, die viel für den Nachwuchs und eine gute Ausbildung tun. Diese Vereine sind aber durch den Andrang an potentiellen Mitgliedern absolut am Limit und müssen Zugangsbeschränkungen einführen. Daneben gibt es Vereine, die vor die Mitgliedschaft die Prüfung gestellt haben. Also erst mit der Lizenz ist eine Aufnahme möglich. Diese Gruppen sind ungleich größer und prominenter vertreten (u.a. weil die Mitgliedsbeiträge sehr bedeutend sind....) Auf deren Einfluß ist es wohl zurückzuführen das in Vorarlberg der "unabhängige" Kurs an der Landwirtschaftsschule durchgeführt wird und die Kandidaten sich auch selbst zu Prüfung anmelden.

Wenn ich mir aber das Prüfungsniveau ansehen (ich werde sobald ich die Tage Zeit habe einige Seiten des Fragenkataloges einscannen und auf meiner Seite - aus rechtlichen Gründen nur für die angemeldeten Mitgl. - publizieren) dann komme ich auf das Niveau eines "Mopedführerscheins" den man schnell mal beim ÖAMTC/ADAC/FALKEN macht - aber gleichzeitig erlangt man die Lizenz zur Fischwaid. Wird durchaus zu einem Herren über Leben und Tod.
Drehe ich den Stiel um und sage fundierte Ausbildung tut not und ist segensreich (was ich durchaus tue) dann würde ich das Niveau auch irgendwo zwischen österr. und deutschem Jagdschein ansiedeln. D.h. wirklich gründliche Kenntnis nicht nur der Angeltechniken, der Gewässerbiologie, der Biologie und Antomie der Fische und der ökölogischen Zusammenhänge,sondern eben auch ethische Grundsätze, geschichtliche Hintergründe (die zu einem ganz anderen Selbsterleben führen) und kulturelle Aspekte. Das dies nicht in 10 Abenden und 300 Fragen zu machen ist - dürfte wohl jedem Klar sein. Genau so klar aber auch das dies dann eine wirkliche Grenze zieht zwischen Gelegenheitswurmbader aus Langeweile, Fischtotprügler - weils ja so geil ist... und echten Fischern andererseits zieht.

Was die Scheußlichkeiten auf Youtube anbetrifft, so sehe ich dort zwei Seiten eines Phänomens. Zum einen je primitiver, würdeloser, jemand ist desto größer scheint sein Verlangen zu sein, sich in exhibitionistischer Weie möglichst vielen "Interessenten" zu präsentieren. Dafür ist Youtube eine ideale Plattform. Das viel in diesem Gruselpanotikum aus den USA kommt, verwundert mich in keinster Weise. Es gibt dort wunderbare Jäger und Fischer aber auch eine unüberblickbare Masse von ungebildeten, unzivilisierten und kulturlosen Menschen. (An denen es uns auch nicht eben mangelt...).

In einem gebe ich Euch recht. Es scheint so das die natürliche Ausbildung durch die Generation vor uns weitgehend ausgeblieben ist bzw. zunehmend ausbleibt. Das liegt aber nicht nur an unserer- der alten Generation sondern auch an der Nachfolgenden. So sind etwa nur mein Schwiegersohn und mein Neffe (beide schon jenseits der 30) noch tatsächlich an Jagd und Fischerei interessiert und jagen, fischen mit meinem Bruder und mir und wollen auch von uns lernen. Sohn und Tochter hocken lieber vor der Röhre...

euer nachdenkliches Elchvieh



Ps. Wenn ich darf werd ich noch ab und zu mal ein so heikles Thema aufgreifen. :shock:
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