Jäger und Sammler?

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Jäger und Sammler?

Beitragvon webwood » 25.08.2010, 22:10

Hallo,

wie geht es Euch eigentlich so beim Fischen?
Ich denke, keiner hier fischt um sich zu ernähren, ich hab aber schon immer so im Hinterkopf, " Heute hätte ich mich und meine Familie ernähren können, oder eben nicht", wobei es egal ist, ob ich theoretisch einen Fisch, den ich meist release , oder ein Korb voller Schwammerl (Pilze) heimbringe. Es würde mich schon interessieren, ob außer mir noch jemand so archaische Urzeitgedanken hegt, ohne deshalb zwangsläufig auch den Kochtopf vollmachen zu müssen.

TL

Thomas
Angler sterben nie, die riechen nur so.
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Beitragvon Hardy » 26.08.2010, 10:05

moin Thomas

Wenn ich schon mal dazu komme, gehe ich mit dem festen Vorsatz ans Wasser, auch etwas Essbares mit nach Hause zu bringen. Wobei sich das bei mir auf höchstens einen Fisch beschränkt. (Den ich in den meisten Fällen sowieso nicht fange. *sic*)
Insofern scheint dieser archaische Trieb noch rudimentär vorhanden zu sein.

Würde ich allerdings immer dann losfischen, wenn ich Hunger habe, stünde ich nur noch am Wasser.... :roll:

Groetjes
Hardy
Lasst alle Hoffnung hinter euch, ihr, die ihr eintretet!
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Beitragvon derflow » 26.08.2010, 13:19

Moin !


Wenn mich nicht alles täuscht wurden im laufe der Evolution Jäger und Sammler mal zu Ackerbauern und Viehzüchtern. (Nur so am Rande - die Anzahl der Ackerbauern und Viehzüchter ist in den letzten Jahren ja beachtlich geschrumpft - sind wir heutzutage Hersteller und Dienstleister ?)
Rein hypothetisch - wären wir heute noch alle Jäger und Sammler wären bei der jetzigen Bevölkerungsdichte ruckzuck die Flüsse leer und die Wälder ausgeplündert. Hungersnöte und Bevölkerungsrückgang wären die Folge.
Ich für meinen Teil betrachte die Fischerei als Hobby - als seelischen Ausgleich zu meinem Beruf als Dienstleister.
Und ja - aus einer Familie von Fischern und Jägern stammend - würde ich behaupten, daß ich mich zur Not in einem bevölkerungsarmen und tierreichen Landstrich von dem ernähren könnte was mir die Natur bietet - natürlich in Verbindung mit dem Verzicht auf alle Annehmlichkeiten (Haus, Supermarkt, Ärzte .....) der zivilisierten Welt.
Gruß

Florian

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Beitragvon Sabbel » 26.08.2010, 18:52

Hallo zusammen,

also ich muß ganz ehrlich gestehen das ich nicht unbedingt Fisch mag. Klingt komisch ist aber so. Ich kann also nicht einfach so an eine Nordsee-Bude gehen und mir da ein Fischbrötchen holen. Ich muß schon Hunger drauf haben. Und das passiert vielleicht 4 mal im Jahr.

Ich bin bekennender Trophäen-Jäger (Fotos) und kein Kochtopfangler.


Gruß Sebastian
Catch & Release ähnelt ein wenig dem Golfsport, dort muß man ja auch nicht den Ball Essen um Spaß zu haben
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Re: Jäger und Sammler?

Beitragvon Frank. » 26.08.2010, 20:56

webwood hat geschrieben:ohne deshalb zwangsläufig auch den Kochtopf vollmachen zu müssen.


Also ehrlich, lieber Thomas - vielleicht gaanz, gaanz hinten im Unbewussten wüten bei uns die archaischen Urinstinkte. Im Prinzip, möchte ich sagen, hat die Vernunft längst obsiegt.
Mal ganz pragmatisch: Rechnete ich die Mitgliedsbeiträge usw., die ich jedes Jahr berappe, auf den einzelnen wirklich von mir entnommenen Fisch um, dann wäre das Ergebnis für die Haushaltskasse erschütternd ...
Exit Urinstinkt.

Die Familie hat oft genug wenig Verständnis dafür, dass ich breit grinsend nach Hause komme und verkünde: "Heute habe ich richtig gut gefangen!" - und auf die Frage "Und - wo sind die Fische?" antworte: "Die schwimmen. Waren unter meinem persönlichen Schonmaß." Wäre der Ur-Instinkt noch wach, gäbe es solche Dialoge wohl nicht.
Erneut: Exit.

Und: Wäre ich dann Fliegenfischer? Mit dem Hauptziel Salmoniden?
Meine Güte, was für ein Trottel wäre ich dann ... Rein theoretisch wüsste ich schon, wie ich mehr Karpfen, Brassen, Plötzen usw. auf die Flossen legen könnte, als die Familie jemals zu essen imstande wäre (okay - die könnte ich auch mit der Fliege fangen - tue ich aber nicht).
Schon wieder: Exit.

Bestimmte Fischarten (in meinen Revieren) genießen grundsätzlich Artenschutz: Äschen zum Beispiel. Ur-Instinkt? Pustekuchen!

Bei Pilzen hingegen bin ich gnadenlos. Kein Steinpilz, kein Pfifferling überlebt meine Anwesenheit. Ist vielleicht etwas anderes.

Eingestandenermaßen: Ich fische zum Vergnügen.

Aber ich will noch rasch etwas anderes erzählen: Als ich eine Zeitlang in England gelebt habe, hatte ich da ein sehr merkwürdiges Erlebnis (Klaus - Du kennst das sicher auch?). Ein sehr produktiver Lachsfluss war randvoll mit Brutfischen - vielleicht zehn, zwölf Zentimeter lang. Diese Winz-Lachse sind unglaublich verfressen: Du kannst einen gleichlangen Streamer ins Wasser patschen - die beißen trotzdem. Alles, aber auch wirklich alles wird von denen attackiert.
Abends im Pub habe ich mit ein paar einheimischen, äußerst bodenständigen Anglern zusammen an der Theke gehockt und erzählt, dass ich keine Fliege ins Wasser bekam, die nicht sofort von einem Zwerg-Lachs geschnappt worden wäre - ich hätte deshalb das Fischen eingestellt.

Man lachte mich aus.

Salmon parr (Lachsbrut) sei doch das Köstlichste von der Welt. Die pflückte man vom Haken ab, um sie dann roh zu verspeisen: "Absolutly delicious! And it makes your strong for your wife!"

Wiederum haben meine Ur-Instinkte versagt.

Nein, ich muss den Kochtopf nicht füllen. Die Ur-Instinkte mögen vorhanden sein, aber ich habe sie im Griff.

Um es auf den Punkt zu bringen: Ich fische meine Ur-Instinkte ohne Widerhaken ...

Dein Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
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Beitragvon greypanther » 26.08.2010, 21:35

Hallo lieber Frank,
Frank hat geschrieben:Also ehrlich, lieber Thomas - vielleicht gaanz, gaanz hinten im Unbewussten wüten bei uns die archaischen Urinstinkte. Im Prinzip, möchte ich sagen, hat die Vernunft längst obsiegt.
Mal ganz pragmatisch: Rechnete ich die Mitgliedsbeiträge usw., die ich jedes Jahr berappe, auf den einzelnen wirklich von mir entnommenen Fisch um, dann wäre das Ergebnis für die Haushaltskasse erschütternd ...
Exit Urinstinkt.

Die Familie hat oft genug wenig Verständnis dafür, dass ich breit grinsend nach Hause komme und verkünde: "Heute habe ich richtig gut gefangen!" - und auf die Frage "Und - wo sind die Fische?" antworte: "Die schwimmen. Waren unter meinem persönlichen Schonmaß." Wäre der Ur-Instinkt noch wach, gäbe es solche Dialoge wohl nicht.
Erneut: Exit.

Verzeihe wenn ich Dir da milde widersprechen muss (Du kennst ja meine Fakultät). Unsere (Ur)Instinkte haben größeren Einfluss auf unser Verhalten als sich das unser aufklärerisch-idealistisches Weltbild träumen lässt. Wir sind immer noch fest im Griff der in unserer Frühentwicklung entstandenen Instinkte. Wer es nicht glaubt, braucht nur ein paar Kilometer auf einer Autobahn zu fahren.
Also, dass wir fischen gehen, beruht sicherlich auf unseren archaischen Instinkten. Die Regeln und eine gewisse Moral welche wir uns dabei auferlegt haben, sind eine kulturelle Leistung der letzten zehntausend Jahre, oder so, verursacht durch eine Hypertrophierung unseres Großhirns.

Ja, das mit den Parr habe ich unzählige Male erlebt. Und, unsere westlichen Nachbarn schätzen Parr-Fleisch über die Maßen! Oft habe ich ganze Horden frankophoner Angler über einen Lachsfluss herfallen sehen, mit Wurm und zig Fliegen an der Wasserkugel. Das war dann ein Schlachtfest. Deprimierend!
Gruß
Klaus


"Man kann nicht zweimal in den selben Fluss steigen"
Platon (panta rhei)
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Beitragvon Frank. » 26.08.2010, 22:06

greypanther hat geschrieben: Wir sind immer noch fest im Griff der in unserer Frühentwicklung entstandenen Instinkte.


Wahrscheinlich hast Du Recht.
Aber ich werde dennoch keinen Parr verspeisen ...

Dein Frank
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Beitragvon Hans. » 01.09.2010, 16:26

Liebe Freunde,

als ich mal mit einigen ansehnlichen Forellen nach Hause kam, sagte meine Frau und zweifache Mutter unserer Kinder: "Na, mit Dir verhungern wir nicht!"

Da war ich schon ein bißchen stolz.

Und meine Schwiegermutter, eine recht nüchtern und praktisch denkende Frau, hat hohe Anerkennung für meine Fischerei, weil eben ab und zu was Nützliches, Verwertbares bei herauskommt.

Eine interessante Frage ist somit auch: wie sehen Andere unsere Beute?

Grüße
Hans
Gefühlsmäßig ist der Unterschied zwischem einem Fisch und keinem Fisch eine der weitesten Entfernungen im Universum. David Profumo
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Jäger und Sammler

Beitragvon Bäschwatz » 02.09.2010, 23:08

Hallo
Immer höher, weiter, mehr, schneller oder sonstwas, ist sicher menschlich.
Wenn's nicht so wäre , würden wir im Fellkostüm immer noch irgentwo am Bach stehen und vor Hunger Fische mit der Keule zu Plattfischen machen, um sie nach erfindung des Feuers gegart zu essen.
Die Erfindung des Feuers wird allgemein dafür verantwortlich gemacht, das menschliche Gehirne schnell größer wurden, was ihre Leistungsfähigkeit enorm verbesserte.
Zum Verdauen wird weniger Energie verbraucht und somit bleibt mehr übrig für andere Körperfunktionen. Die Intelligenz stieg allgemein an.
In Phoenix gab es schon einige sehr interessante Sendungen zu dem Thema.

Da es lange Zeit als ein sportlicher Wettkampf galt, möglichst viel Fische die eh keiner will ,in kurzer Zeit zu fangen, lebend in viel zu kleinen Keschern zu hältern, und nur eines Stück Blechs wegen zu gequälen, haben kluge Leute das "Hessische Fischereigetz " erfunden.
Keine Verordnung mehr , sondern ein Gesetz!
Keine Ordnungswiedrigkeit, sondern bei Übertretung eine Straftat!
Und in dem Gesetz steht... Der einzige Grund einem Tier nachzustellen, es zu fangen und zu töten , ist es essen zu wollen.
Und mit diesem Gesetz bin ich voll einverstanden.
Auch wenn es in manchen Vereinen Leute gibt die mich deswegen in ein schwarzes Loch am Ende der Galaxy wünschen.

Das ist meine Einstellung.
Wie andere das machen ist deren Sache.
Aber immer, wenn welche es zu sehr übertreiben, wird irgentwann zum Nachteil aller, ein gestzlicher Riegel vorgeschoben

Gruß Thilo
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Beitragvon Hogy » 03.09.2010, 18:35

Ich lebe zum groessten Teil vegetarisch. Fleisch und/oder Fisch gibts nur ein paar mal pro Monat.

Ich habe ausserdem das Glueck, in einer Gegend zu leben, wo das Jagen und Fischen voellig normal ist und entsprechend unkompliziert.

Der industriellen Tierhaltung stehe ich sehr skeptisch gegenueber und will sie auf keinen Fall mit meinen $$$ unterstuetzen.

Ich habe also ueberhaupt keine Probleme damit, den Spass mit der Ernaehrung zu verbinden. Man mag es archaisch nennen, aber fuer mich spielt die Idee, mich selbst versorgen zu koennen, schon eine Rolle. Es macht mich zufrieden, einen selbstgejagten Hasen zu essen, oder einen frischgeangelten Fisch. Das es viel besser schmeckt als vom Supermarkt ist ja sowieso klar.


Gruss, Hogy
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Beitragvon Kai S. » 24.09.2010, 10:20

Ich wohne mit meiner Freundin zusammen wir haben eine schöne große Dachgeschosswohnung und einen herlichen Südbalkon auf dem es sich herlich grillen und verweilen lässt in den sommermonaten.

Ich komme mal auf die Sache mit dem Urinstinkt zurück, es muss sich anbieten angenommen samstag flifi gehen dabei einen schönen Fisch zufangen der auch verwertbar ist dann landet der gemäß je nachdem auf dem Grill dabei nen klienen Salat oder beilagen herlich da meine Freundin auch gerne Fisch ist und es frischer nicht geht warum nicht.

Wenn man nichts fängt bzw. kleinere wie desöfteren mal, ist das auch nicht schlimm, wenn ich mit leeren Händen nach Hause komme.
Aber dafür entspannt und ganz lescher bin ich dann wieder zuhause wie ausgewechselt!

MFG Kai
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Beitragvon macyog » 27.09.2010, 09:49

Moin liebe Kollegen und Kolleginnen,

interessant, dachte ich gestern über ähnliches nach. So wurde erst kürzlich im vereinseigenem Forum über C& R diskutiert und es sei dazu gesagt, dass ich an den Seen weit weniger gern einen Fisch zurücksetzen würde als gestern meine 30er Äsche.
Wir hatten ein traumhaftes Bilderbuch-Herbstwetter, und wie durch Zufall stellte sich diese wunderschöne, männliche Äsche in den Weg meines Gewissens.
Wir haben viel zu wenige bei uns, keinen Frage, dass ich mich verpflichtet fühle den Bestand zu erhalten.
Doch, ich kämpfe öfter mal mit mir, denn ich gehe auch Fischen um mal einen Fisch mit nach Hause zu bringen und halte es für völlig legitim.
Dennoch fühle ich mich an so einem Tag richtig fei, die Natur so schön erleben zu dürfen, meiner "Jagd" nachgehen zu können und dann mich doch für die Freiheit entscheiden zu können.
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