Kriterien der Gewässerwahl

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Kriterien der Gewässerwahl

Beitragvon Salmo.trutta » 25.12.2014, 16:27

Hallo Gemeinde,

nachdem ich folgendes Thema zu dieser Jahreszeit immer wieder mit Kollegen bespreche habe ich mir überlegt einen systematischen Versuch zu unternehmen, also:

Bei der Wahl eines (neuen?) Gewässers für eine Saisonlizenz sollte ja einiges bedacht werden, nicht nur dass man dann (mindestens) ein Jahr lang an dieses Gewässer gebunden ist, auch geht es hier sehr schnell um ganz beträchtliche Summen. Egal ob man nun in einer Gegend mit vielen tollen oder wenigen suboptimalen Möglichkeiten beheimatet ist, eine Entscheidung zwischen den gebotenen Möglichkeiten ist nicht ganz simpel. Im ersten Schritt würde es mich interessieren was aus Eurer Sicht (bzw. für Euch) die wesentlichen Kriterien bei der Auswahl sind? Dabei ist mir klar - es gibt gewisse Limits die sind "naturgegeben". Z.B. gewisse Kosten oder Entfernungen zum Wohnort sind einfach nicht tragbar - also KO-Kriterien. Was mich mehr interessiert sind aber die "variablen" Kriterien welche zur Abwägung zwischen den möglichen Alternativen (also abzüglich dem was durch die KO-Kriterien nicht mehr zur Diskussion steht). Dies könnten sein:

Kosten: pro Jahr oder umgerechnet pro absolviertem Fischtag

Entfernung: km vom Wohnort oder Fahrzeit

Landschaftlicher Reiz: Abgeschiedenheit, Zahl der Fischer, Naturschutzgebiete, Urbanität

Fischbestand: Nach Dichte, Arten oder Größe

Befischbarkeit: Zahl der durchschnittlich fischbaren Tage oder km-befischbare Strecke

Was meint Ihr? Was ist für Euch wichtig? Wie würdet Ihr diese (oder andere Kriterien) definieren? Habt Ihr Euch mit dieser Frage auch schon befasst?

Bin schon sehr gespannt auf Eure Antworten.
LG Tobias
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Re: Kriterien der Gewässerwahl

Beitragvon Lorenz » 25.12.2014, 20:14

Hallo Tobias,
wenn sich jemand für die Fliegenfischerei entscheidet kommt im zweiten Gang die Auswahl eines passenden Gewässers und die Fischart die mit der Fliege
befischt wird.
Kosten für eine Jahreskarte oder einer Vereinszugehörigkeit stehen erstmal an zweiter Stelle.So war es jedenfalls bei mir .Ich wollte erstmal ausgiebig mit der Fliege fischen.

In der ersten Zeit habe ich deshalb an einem gut besetzten Fluß mit Bachforellen gefischt der aber von seiner Struktur begradigt und keine schöne Lage hatte.
Je mehr man sich mit unserer Fischerei beschäftigt um so mehr beobachtet man die Flüsse in der näheren Umgebung.
Wer kann wird diese Gewässer genauer auf die Möglichkeiten einer Fliegenfischerei untersuchen.
Das führt dazu das man einen geübten Blick für die meisten Gewässer bekommt um dann über das Netz weitere Informationen wie Preise,Anfahrt und so weiter
einzuholen
Meine persönliche Einstellung ist das ein Gewässer spätesten nach 45 Minuten Fahrt ereicht sein muß und eine Jahreskarte nicht mehr als 300 ,--€ kosten darf
Ob in einem Verein oder Privatgewässer war für mich erstmal nicht von Bedeutung.
Weiterhin sollte die Lage im nahen Mittelgebirge sein .
Fischbesatz oder ein natürliches Vorkommen von Bachforellen und Äschen also Forellen oderÄschenregion war für mich ein bedeutendes Kriterium bei meiner Auswahl.
Es war schon ein bisschen Arbeit bis ich das passende Gewässer gefunden habe.
Hat aber nach ein paar Jahren suche ,vielen telefonaten und gesprächen mit Privatpächter,Vereinen und Angler die man zufällig vor Ort getroffen hat geklappt.

Hier muß man ein großes Lob an alle Fliegenfischer aussprechen die hier im Forum interessante GewässerInformationen an andere Fliegenfischer weitergeben die für eine Auswahl hilfreich sein können.

Nach diesen Kriterien, habe ich mein Gewässer die Ahr gefunden und werde diese so Gott will noch vieleJahre befischen.

Gruß

Peter
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Re: Kriterien der Gewässerwahl

Beitragvon Peter S. » 26.12.2014, 00:29

Hallo Tobias,
Du hast im Umkreis von ca. 100 km viele, gute Gewässer, die allerdings in
Österreich auch ihren Preis haben. Bei einer Anreise von nicht mehr als
1,5 Stunden würde ich der Reihe nach folgende Prioritäten setzen:

geringer Befischungsdruck
schöne Landschaft
naturbelassenes Gewässer
guter, natürlicher Fischbestand
vernünftige Bewirtschaftung

Da ich immer einen ganzen Tag investiere, um mal Fischen zu gehen, habe ich bei
Erfüllung dieser Kriterien auch den gewünschten Erholungseffekt.

Viele Grüße
Peter S.
Sei auf der Hut bei schönen Frauen und allem was Chinesen bauen. ;-)
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Re: Kriterien der Gewässerwahl

Beitragvon henkiboy » 27.12.2014, 14:29

Hallo Tobias,
auch ich möchte mich diesen schwierigen Fragen einmal stellen!
Kosten: Ist sicher nicht einfach diese Frage pauschalisiert zu beantworten! Dafür sind die Einkommensverhältnisse einfach zu unterschiedlich. Während 300.- € für den einen ein "Klacks" sind und der sogar über eine 150.- € Tageskarte nur ein müdes Lächeln übrig haben würde, so sind die besagten 300 Tacken (im Jahr!) für dich vielleicht schon viel zuviel. Ist also gemeinhin ein sehr subjektives, aber dennoch entscheidendes Kriterium!
Entfernung: Das solltest Du nicht außer Acht lassen, denn bei einem zu langen Anreiseweg, wirst Du schnell die Freude verlieren (Och nöööö.....nicht schon wieder 200 Kilometer runterrasseln). Desweiteren belastest Du auch die Umwelt und verminderst stetig den Wert des betreffenden Fahrzeugs. Wenn Du nicht täglich fischen gehen willst, sondern nur an ausgewählten Tagen, dann sollten 100 Kilometer die absolute Grenze sein. Bei häufigen Fischzügen sollte das Gewässer eher in der nahen Umgebung sein.
Geschmack und Bewirtschaftung: Ein sehr wichtiges Kriterium. Du solltest dich schon an deinem neuen Revier wohl fühlen. Die Bewirtschaftung und auch die Durchsetzung des Bestandes sollte deinen Vorlieben und Interessen entsprechen. Aber auch Optik und landschaftliche Lage sollten entsprechend stimmig sein. Wenn dann noch ein netter Landgasthof eine gute Brotzeit am Mittag ermöglicht........einfach perfekt!!!
Befischbarkeit: Gut......irgendwann spielt das auch eine Rolle! Wer ist schon gerne an einem Wasser unterwegs, wo er nur an einer handvoll von Tagen sinnvoll fischen kann? Andererseits - Wer fischt schon gerne an einem begradigten Kanal, der alle paar hundert Meter eine Querverbauung aufweist? Vielleicht gut befischbar, weil reguliert. Dennoch würde ich eine abwechslungsreiche und natürliche Struktur bevorzugen, selbst wenn mir der ein, oder andere Fischzug dadurch verhindert werden würde.
Letztendlich zählen auch Argumente wie "Klasse oder Masse" - "Qualität oder Quantität"! Wenn ich ein paar Forellen für die Tiefkühltruhe fangen möchte, dann weiß ich genau wo ich hinfahren werde. Wenn ich auf eine unbeschwerte Fischerei in toller Natur, mit dem ungeschriebenen Gesetz von C&R aus bin, dann zieht es mich halt woanders hin. Da bringe ich aber auch noch ein weiteres Argument ins Spiel: "Vielfältigkeit" Bei einer festen Bindung an ein Gewässer verlierst Du diese womöglich. Ich investier daher lieber etwas mehr Geld in "Tageskarten" und limitiere mein Budget für "Jahreskarten" stärker. Ein, bislang, erfolgreiches Modell!

liebe Grüße und einen guten Übergang in ein erfolgreiches Jahr 2015
Detlef
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Re: Kriterien der Gewässerwahl

Beitragvon Salmo.trutta » 27.12.2014, 16:49

Liebe Leute!

Vielen Dank für Eure Antworten soweit! =D>
Um Misverständnissen vorzubeugen möchte ich anmerken, dass ich nicht auf der Suche Jahreskartengewässer bin. Mich interessiert welches die am häufigsten genannten Kriterien sind welche Ihr bei der Wahl eines Gewässers ansetzt? Dabei interessieren mich gleichermaßen KO-Kriterien (z.B. nicht mehr als 300 Euro) wie auch die variablen Krieterien (z.B. möglichst in der Nähe, naturbelassen, mit gutem Salmonidenbestand).

Die bisherigen Antworten zusammengefasst:
- Kosten und Entfernung sind scheinbar gesetzt. Werden in der Regel aber als KO-Kriterien formuliert.

Danach wird es scheinbar schwieriger, aber nicht weniger wichtig:
- Bewirtschaftung und Bestand scheint eine gemeinsame Kategorie zu sein.
- Befischungsdruck ist eine Mischung aus der Weitläufigkeit bzw. Erreichbarkeit des Reviers und der Zahl der Fischer.
- Befischbarkeit - primär als Folge des Wasserstands - kann eine Rolle spielen, allerdings nur dort wo mit häufigen Einschränkungen zu rechnen ist.
- Landschaft und Naturbelassenheit des Gewässers könnte man wohl aufgrund von Wechselwirkungen ebenfalls Zusammenfassen.
- Vielfälltgkeit - kann sich auf verschiedene Fischarten (Forellen, Äschen, Hecht), Gewässerabschnitte (Still und Fließwasser), Methoden (Trockenfischerei?) etc. beziehen
...

Ein wichtiger Punkt bei der Gewichtung dieser Kriterien scheint mit den individuellen Gewohnheiten zusammenhängen. Jemand der immer für einen ganzen Tag zum Fischen geht, verkraftet mehr Anfahrt, braucht aber auch mehr Strecke, weniger Befischungsdruck als jemand der oft auch nur für 2-3 Stunden ans Wasser fahren möchte.

Mein Interesse an diesen Fragen ist aus zahlreichen Gesprächen mit Freunden entstanden. Mit den hier erhaltenen Antworten versuche herauszufinden ob sich dieses Thema für eine wissenschaftliche Arbeit (z.B. Diplomarbeit) zum Thema Entscheidungsfindung eignet. Deswegen bitte ich Euch noch um weiteres Feedback! Vielen Dank!
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Re: Kriterien der Gewässerwahl

Beitragvon xAlex » 31.12.2014, 00:02

Servus Salmo.trutta,

damit hast du ein sehr intressates Thema aufgeschlagen!
Habe die Fragen mal beantrwortet.

Kosten: pro Jahr oder umgerechnet pro absolviertem Fischtag


Ganz ehrlich, wenn mich ein Gewässer interessiert sind die Kosten sekundär. Ich bezahle auch auch
75 Euro pro Tag für die Krimmler Ache...
Eher würde ich am Gerät, als am Gewässer sparen.
Was mich bei hohen Kosten ärgert, obwohl ich sie bezahle: Wenn dieser für unnützen Besatz ausgegeben wird oder nur die
Taschen der Betreiber füllt. Ich bevorzuge eine Poolösung mit höheren kosten wie z.B. in Ostdeutschland wo die Einnahmen
dann in Lobbyarbeit gegen Peta oder für Renaturierung verwendet würde.

Entfernung: km vom Wohnort oder Fahrzeit


Für Jahreskartengewässer will ich nicht mehr wie 45 Minuten fahren. Sonnst kaufe ich TK.

Landschaftlicher Reiz: Abgeschiedenheit, Zahl der Fischer, Naturschutzgebiete, Urbanität

Abgeschiedenheit sehe ich als Vorteil, da weniger Fischer vor Ort sind. Wobei ich die Anzahl der Fischer nur als minderes
Kriterium sehe. Auch bei hohem Angeldruck kitzele ich die Fische raus.
Schön finde ich auch einen gewissen Nährstoffeintrag, damit die Fische abwachsen. Das Gewässer darf auch als schwierig gelten
und begradigt sein. Intressant wie reproduktionsfähig solche Gewässer teilweise sind!
Urbanität hat den meiner Meinung auch sehr starke Vorteile wie geringerer Kormorandruck.

Fischbestand: Nach Dichte, Arten oder Größe


Am liebsten sind mir Gewässer wo viel C&R betrieben wird oder gar Pflicht ist, insbesondere wenn
ein reproduzierender Bestand da ist.
Starker Kochtopfbesatz wiedert mich an.

Befischbarkeit: Zahl der durchschnittlich fischbaren Tage oder km-befischbare Strecke

Mir nicht wichtig. Die Qualitität zählt da eher.

-Landschaft und Naturbelassenheit des Gewässers könnte man wohl aufgrund von Wechselwirkungen ebenfalls Zusammenfassen.

Naturbelassenheit sehe ich immer positiv, ist aber meiner Meinung nicht entscheidend. Gerne angele ich an einem naturbelassenen Gebirgsfluss
der nährstoffarm ist. Meistens aber bevorzugt aber eher nährstoffreichere Gewässer wo Fische wirklich abwachsen.

- Vielfälltgkeit - kann sich auf verschiedene Fischarten (Forellen, Äschen, Hecht), Gewässerabschnitte (Still und Fließwasser), Methoden (Trockenfischerei?) etc. beziehen

Meine Fliegenfischerei beschränkt sich auf auf die Forellen und Äschenregion. Im Stillwasser oder Barbenregion gehe ich modern auf Karpfen, Zupfe auf Renken oder Stippe auf Friedfische....


Grüße

Alexander
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