Irrtum!,
liebe Fliegenfischer,
ich habe nicht vor, hier eine Spezialvorlesung "Soziopsychologie im Rahmen einer Stammtischgründung und deren Ausprägung" zu halten - könnte ich auch garnicht mangels Grundausbildung.
Aber mir scheint ein enger Bezug zwischen der Reaktion etlicher Fliegenfischer auf einen Stammtischaufruf und der Lebenseinstellung von Fliegenfischern zu bestehen; anders kann man das plötzliche Schweigen jener, die einen Kontaktbedarf am lautesten zum Ausdruck gebracht haben, auf einen konkreten Aufruf nicht erklären - sofern es nicht nur Unhöflichkeit ist...
Warum erscheint es so schwer, einen Fliegenfischer zum Anheben seines Gesäßes zu bewegen?
- Fliegenfischer sind alles andere als immobil; denken wir an die Technik des Angelns, das Waten und Pirschen in unwegsamem Gelände und Gewässer, das an Masochismus oder Selbstkasteiung grenzt.
- Fliegenfischer sind Individualisten, teilweise bis zur Eigenbrötelei. Sie fischen vorzugsweise, bis auf seltene Ausnahmen, allein; von einem "Hegefischen" habe ich bei Fliegenfischern noch nie etwas gehört.
- Fliegenfischer sind gleichwohl kommunikativ. Das beste Beispiel hierfür ist dieses Forum (u.a.). Da wird das bescheidenste Thema tüchtig ausgewalkt und z.T. mit Leidenschaft diskutiert.
- Fliegenfischer sind stolz auf jeden ihrer Lernfortschritte und lassen andere gerne an diesem Stolz teilhaben. Methodenverbesserungen werden ausführlich, z.T. mit naturwissenschaftlichen Untermauerungen, erwogen, propagiert oder verworfen.
Warum kriegt man sie dann so schwer an einen Stammtisch, wo diskutiert, gelernt oder gelehrt, gelabert, getrunken und...und... wird?
Einige von Euch - viel zu wenige! - haben sicher mein Bemühen um die Gründung eines rheinland-pfälzischen Stammtisches verfolgt, der sehr ruckelnd ins Laufen kam. Überlaufen ist er jetzt immer noch nicht - "et dröppelt nur, äwer et kütt!". Ich habe schon mal ketzerisch daran gedacht, eine Aufnahmegebühr von 200 € zu erheben, aber ich fürchte die lange Warteschlange, mit der ich dann konfrontiert werde...
Jetzt verfolge ich Thomas' Aufrufe zu einem Stammtisch im Münsterland und gewinne nicht nur ein "déja-vu"-Erlebnis, sondern auch die Erkenntnis, daß er trotz Anregungen von außen nunmehr im Regen stehen gelassen wird. Dabei will er doch nix verkaufen, sondern nur eine gebündelte Kontaktmöglichkeit anbieten! Und die organisatorischen Belange einer solchen Gründung schreien nicht nur nach Arbeit, sondern auch nach Gedankenschmalz. Für wen denn? Ist es da zuviel verlangt, eine kurze Nachricht einer Nichtteilnahme, notfalls mit der Begründung: "...weil mir Dein Gesicht nicht gefällt..." abzusetzen - portofrei und ohne Gang zum Briefkasten. Na ja, man kann es auch anders begründen, ich wollte nur zeigen, daß irgendeine Reaktion besser ist als gar keine. Auch grundlegende Änderungsvorschläge werden gerne entgegengenommen. So jedenfalls muß er sich vera... vorkommen! Ach, wie gut kenne ich das - und nicht nur von Fliegenfischern.
Ist das jetzt wirklich mit "Fliegenfischen - eine Lebenseinstellung" zu erklären? Ich hoffe nicht!
Sehr nachdenklich
der Freimut










