Warum ich Fliegenfischer wurde?!

Was macht FLIEGENFISCHEN aus? Hier darf nach Herzenslust gefachsimpelt werden! Auch Termin- und andere Ankündigungen passen hier herein.
(Bitte prüfe zuerst, ob nicht eine der nachfolgenden Rubriken geeigneter für Deinen Beitrag ist).

Moderatoren: Maggov, webwood, Forstie, Matthias M., Michael., Olaf Kurth

Warum ich Fliegenfischer wurde?!

Beitragvon trutta1 » 06.02.2015, 21:55

Liebe Fliegenfischer,

wohl keiner kann von sich behaupten als Fliegenfischer geboren worden zu sein. Ich denke, wir alle haben uns dorthin entwickelt. Einige bereits in jungen Jahren, andere brauchten ein paar Jahre länger. Wobei man in den letzten Jahren immer mehr junge Gleichgesinnte trifft.
Unsere Fliegenfischergemeinde wächst beständig und das ist auch gut so.

Auch ich habe als 5 jähriger mit der Stippangel am Dorfteich meine ersten Karauschen gefangen :oops: . Als ich 8 war, wurde ich Mitglied in unserem örtlichen Angelverein und Schleien hatten es mir besonders angetan.
Fliegenfischer gab es unter ca.200 Mitgliedern keinen einzigen und den Begriff Fliegenfischen kannte ich nur aus meinem ersten Angelbuch.
Da es keinen Forellenbach in näherer Umgebung gab, galt mein Interesse den Friedfischen der Teiche und Seen. Mit fortschreitendem Alter und erstem fahrbaren Untersatz konnte ich dann meinen Aktionsradius deutlich vergrößern. Nach bestandener Salmonidenprüfung (gab es damals), konnte ich meine ersten Bachforellen an einem Niederungsbach fangen. (Allerdings mit der Spinnangel) :oops:
Meine ersten Versuche mit der Fliegenrute würden heute sicher alle unter der Kategorie "Trickwürfe" zu finden sein. :badgrin:
Einige lebensmüde Äschen und Forellen hatten dann wohl Mitleid mit mir und so nach und nach konnte ich meine Wurftechnik verbessern.
Zugewachsene Bäche befischte ich aus Unvermögen aber immer noch mit der Spinnrute. :oops:

2 entscheidende Erlebnisse haben mich dann doch zum Fliegenfischer werden lassen.

Als 15 jähriger stand ich in Treseburg an der Bode und beobachtete einen Angler beim Fliegenfischen. Ob er nach meinem heutigem Verständnis alle wurftechnischen Abläufe perfekt umsetzte, kann ich heute nicht mehr sagen. Aber für mich gab er das perfekte Bild eines Anglers ab.
So und nicht anders wollte ich meine Fische fangen.

Jahre später wollte ich es als gestandener Fliegenfischer das erste Mal auf Lachs versuchen. Leider hatten wir 3 Wochen tropische Temperaturen und der Lachsfluss glich eher einem Rinnsal. An Lachsfischen war also nicht zu denken und so ließ ich mich von einem Bekannten zu einer Ausfahrt aufs Meer überreden.
Was dann passierte sollte mich für immer zum reinen Fliegenfischer machen.
Das hatte nach meinen Vorstellungen von waidgerechtem Fischen nichts aber auch gar nichts zu tun. Nachdem ich in kürzester Zeit mehrere Dorsche
aus ca. 90m Tiefe hochgepumpt hatte, gab ich meinem Bekannten die geliehene Hochseerute zurück.
Ich hatte zum Glück meine 8# Fliegenrute dabei und die Makrelen ließen sich nicht lange bitten.
Seit diesem Tag fische ich nur noch mit der Fliegenrute.

Auf die Ausgangsfrage: "Warum ich Fliegenfischer wurde?" gibt es eine klare Antwort. FLIEGENFISCHEN MACHT MICH GLÜCKLICH!!!
Es ist für mich die komplexeste aller Angelarten. Hier werde ich zum Entomologen, Fliegenbinder, Rutenbauer, verwandele mich zum Indianer, bin mein eigener sehr kritischer Wurflehrer und behandele meine Fänge immer so schonend wie möglich.
Mich macht es glücklich an einem natürlichen Bachlauf mit meinen eigenen Kreationen die eine oder andere wilde Bachforelle zu überlisten.
Dafür haben wir jahrelange Aufbauarbeit an und in den Bächen geleistet.
Und ich esse gern Fisch, nur möchte und werde ich auch weiterhin selbst entscheiden welchen Fisch ich entnehme.
Das ist für mich eine wichtige Voraussetzung für eine nachhaltige Entnahme.

Vielleicht haben einige gleiche Erfahrungen gemacht, oder gibt es doch den geborenen Fliegenfischer?

Lieben Gruß, Frank
Zuletzt geändert von trutta1 am 08.02.2015, 12:19, insgesamt 2-mal geändert.
Der Äschenflüsterer ( Leider hören nur noch wenige zu!)
Benutzeravatar
trutta1
 
Beiträge: 132
Registriert: 14.11.2009, 21:37
Wohnort: Datteln - Flaeming
"Danke" gegeben: 71 mal
"Danke" bekommen: 51 mal

Re: Warum ich Fliegenfischer wurde?!

Beitragvon trout68 » 07.02.2015, 00:18

Hallo Frank,

Dein interessanter Bericht hat mich sofort zum Nachdenken angeregt, warum ich eigentlich Fliegenfischer wurde. Genau wie Du und sicher viele andere hier hab ich meine ersten Fische im kleinen Dorfteich gefangen, und dadurch ist natürlich der Funke übergesprungen. Das Angeln wurde zur Leidenschaft und über zwei Jahrzehnte lang stellte ich den Fischen mit allen nur erdenklichen Methoden nach, die zweifelsohne alle ihren besonderen Reiz hatten. Allerdings war mir der aktive Aufenthalt in der Natur immer wichtiger als der gefangene Fisch. Ein schöner Sonnenaufgang am Wasser konnte mich mehr begeistern als ein voller Setzkescher. Natürlich habe ich auch Fische entnommen und tue es immer noch, aber genau wie Du möchte ich gerne selbst bestimmen welchen Fisch ich zum Abendessen einlade.
Und als ich dann in die Jahre kam wo man anfängt langsam weise zu werden, habe ich mir überlegt wie man diese Einstellung zum Fischfang vervollkommnen könnte.
Durch Gespräche mit Fliegenfischern äußerst neugierig geworden habe ich mir spontan eine preiswerte Ausrüstung besorgt, mir eine abgelegene Stelle am Fluß gesucht und angefangen mit der Fliege zu wedeln. Nur gut, das mich damals niemand gesehen hat.
Als ich nach einiger Zeit des Übens die Schnur halbwegs publikumstauglich aufs Wasser brachte, und das mußte ich, denn die Fly only Strecke war mitten in der Stadt, kam dann das Erlebnis welches mich dann entgültig zum Fliegenfischer werden ließ. Ich hatte mir auf Anregung eines Fliegenfischers ein paar einfache Fliegen gebunden und habe im Fluß jede Menge Äschen stehen sehn, und obwohl ich noch ziemlich skeptisch war, habe ich einfach mal eine Nymphe treiben lassen. Ich werde den Moment niemals vergessen als plötzlich eine Äsche aufstieg und meine Nymphe nahm. Und plötzlich wußte ich einfach, das ist es.
Ich glaube nicht, das es den geborenen Fliegenfischer gibt, ich glaube auch das man sich dazu entwickeln muß.

Herzliche Grüsse

Andreas
trout68
 
Beiträge: 10
Registriert: 01.02.2015, 11:51
"Danke" gegeben: 1 mal
"Danke" bekommen: 5 mal

Re: Warum ich Fliegenfischer wurde?!

Beitragvon Lutz/H » 07.02.2015, 00:31

Weil es mir am meisten Spaß machte
Gib jedem Tag die Chance, die schönste deines Lebens zu sen ; Mark Twain
Benutzeravatar
Lutz/H
 
Beiträge: 771
Registriert: 26.10.2006, 20:21
Wohnort: Nähe Hannover
"Danke" gegeben: 40 mal
"Danke" bekommen: 64 mal

Re: Warum ich Fliegenfischer wurde?!

Beitragvon HaBe » 07.02.2015, 10:33

Ich wollte König sein :wink: :mrgreen: :mrgreen: (Spässle!)

Natürlich war das nicht der Grund. Zumal mir gar nicht bewusst war, dass Fliegenfischen einen solchen Status inne hat. Allerdings kann ich auch nicht mit so romantischen Geschichten dienen wie manch andere hier. Ich war nie Schwarzfischer , habe überhaupt habe ich erst im fortgeschrittenen Alter mit dem Fischen begonnen und das auch nur deshalb, weil meine damals bester Kumpel nicht allein in den Vorbereitungskurs sitzen wollte. Begonnen haben wir unsere Anglerkarriere allerdings als Sixpack-Angler. Also Köder ins Wasser und erst mal ne Hopfenkaltschale genossen. So ging das einige Jahre, bis ich am Ende nur noch allein am Wasser war. Irgendwann, als ich mal wieder beim Tackledealer war, sah ich am schwarzen Brett einen Anschlag über sein Kursangebot. Nebst anderen Geschichten, war auch ein Flifi-Kurs für Einsteiger geboten. Da es preislich im Rahmen lag und ich gerne auch mal was Neues ausprobiere, habe ich mich gleich angemeldet. Der Kurs fand an geeigneter Lokation statt, so dass auch gleich zum Abschluss die ersten Fische gefangen wurden. Damit war's dann auch geschehen. Damals hatte ich nicht den Hauch ein Ahnung, welche Dimensionen das Ganze annimmt. Denn mittlerweile ist neben dem Fischen auch das Fliegenbinden und der Rutenaufbau (kein Gras) dazu gekommen. Der Rahmen von Hobby ist schon längst gesprengt - es gehört zum Leben. Seit dem Flifi-Kurs war ich übrigens nie mehr Ansitzen und die Tage mit der Spinnrute kann ich an einer Hand abzählen. Aufgrund der meist etwas weiteren Anfahrten ist natürlich auch nix mehr mit Sixpack - aber man wird ja auch älter.
Zuletzt geändert von HaBe am 09.02.2015, 07:22, insgesamt 4-mal geändert.
Grüße Hilmar
HaBe
 
Beiträge: 248
Registriert: 03.07.2014, 14:41
"Danke" gegeben: 155 mal
"Danke" bekommen: 118 mal

Re: Warum ich Fliegenfischer wurde?!

Beitragvon Joerg Giersbach » 07.02.2015, 17:43

Hallo!
Vor ca. 30 Jahren kam ein Freund und Vereinskamerad zu mir nach Hause und erzählte, er hätte sich das Fliegenfischen angefangen, und würde seit dem viel mehr und besser Fangen!
Was, mit dem "menschliches Verdauungsprodukt", war meine Antwort!
Einige Tage später beobachte ich ihn beim Wedeln, und er fing wirklich seine Fische damit!
Also, am nächsten Tag ab ins nächste Angelgeschäft und mir eine sehr Preisgünstige Erstausstattung zum Fliegenfischen zugelegt.
Silstar Rute und Rolle, eine Schnur im Sonderabverkauf und sonstiges was ich zum Fliegenfischen brauchte!
Für den Verkäufer war ich ein gefundenes Fressen (hat mir Zeugs Verkauft, was kein Mensch braucht).
Aber ich meinte es gebrauchen zu müssen.
Am nächsten Tag am Wasser fing ich beim (Ehrlich) ersten Wurf,oder wie man das auch immer nennen wollte, mit Trockenfliege eine Äsche!!!
Da war es passiert!!!!!
Seit dem Fische ich ausnahmslos nur mit der Fliegenrute!!!

Gruß Jörg
-Das Leben ist zu kurz um nicht mit Bambus zu fischen-
Benutzeravatar
Joerg Giersbach
 
Beiträge: 1017
Registriert: 28.09.2006, 11:41
Wohnort: Am Wasser
"Danke" gegeben: 53 mal
"Danke" bekommen: 30 mal

Re: Warum ich Fliegenfischer wurde?!

Beitragvon webwood » 07.02.2015, 20:28

Bei mir war es so,
ich bin an einem See aufgewachsen und Schwarzfischen war das normalste der Welt für uns Kinder.
Später habe ich (fast) gar nicht mehr schwarz gefischt, dafür immer im Urlaub am Meer.
In der Firma, in der ich damals war, erzählte ich einem angelndem Kollegen, das ich dieses Jahr erstmalig nach Norwegen fahren werde und dort natürlich fischen will.
Am nächsten Tag schenkte er mir eine Fliegenrute nebst Rolle, Schnur und Fliegen. Darauf hin kaufte ich mir das Gebetsroither-Buch und übte ein, zwei Stunden lang im Garten. Schon konnte ich werfen.
In Norge habe ich dann meine allererste Forelle beim Rückschwung gehakt. Seither habe ich wurftechnisch wohl ein klein wenig dazugelernt, doch angefixt hat mich tatsächlich diese "Rückschwungforelle".
Seitdem bin ich Fliegenfischer. Ich bin dem Arbeitskollegen, der mir eine Basis-Ausrüstung einfach geschenkt hat und natürlich der Forelle, die sich meiner erbarmt hat, sehr, sehr dankbar.

Tight lines

Thomas
Angler sterben nie, die riechen nur so.
Benutzeravatar
webwood
Moderator
 
Beiträge: 2693
Registriert: 04.10.2006, 16:53
Wohnort: Pfaffenwinkel
"Danke" gegeben: 139 mal
"Danke" bekommen: 346 mal

Re: Warum ich Fliegenfischer wurde?!

Beitragvon greypanther » 07.02.2015, 22:59

Bei mir fing alles Anfang der Siebziger in Irland an (und wird möglicherweise auch dort enden). Aber eine einfache Geburt war es nicht. Denn, eigentlich war ich zu der Zeit ein eingefleischter Hechtangler. Und als solcher zog es mich irgendwann auch auf die Insel, um dort der sagenhaften Hechtfischerei zu frönen.
So ging das zwei oder drei Jahre. Dann kam die entscheidende Begegnung in einem irischen Pub (wo sonst in Irland?). Durch Zufall traf ich eines abends beim Guinness einen kleinen, bescheidenen Mann. Wie sich später heraus stellte, der Präsident der irischen Fliegenfischer-Vereinigung.
Das Gespräch drehte sich natürlich um die Fischerei, und, als er merkte, welcher Sorte Angler ich angehörte, lud er mich spontan zu einer Tour auf dem nahe gelegenen Forellensee ein, zwecks Konvertierung zu einem "richtigen" Fischer.
Schon der nächste Tag sah uns gemeinsam in einem Boot, sanft driftend vor dem Wind. Ich, absolut keine Ahnung habend, beobachtete den Meister wie er Fisch auf Fisch an der Fliegenrute fing. Das hatte mich natürlich sehr beeindruckt. Da ich aber keinerlei Flifi-Ausrüstung besaß, war ich zur Rolle des bewundernden Zuschauers verurteilt.
Zurück in der Heimat ließ mich dieses Erlebnis nicht mehr los. Nächstes Jahr sollte alles anders werden. Und, tatsächlich, zu meinem Geburtstag im kommenden Frühjahr bekam ich eine Ruten-Kombi geschenkt (wenn ich heute daran denke ...), eine acht Fuß DAM Fliegenrute plus Rolle von der gleichen Firma.Tja, und mit dieser völlig inkompetenten Kombi zog ich nach intensivem Wurftraining los, um irische Lough-Forellen zu fangen. Und, was soll ich sagen, irgendwann hing sich eine sich erbarmende Forelle an meiner Fliege auf. Wenige Meter vor dem Boot sah ich einen Schatten, der sich langsam auf meine Fliege zu bewegte und schließlich mit lautem Platsch den Köder annahm. Welch eine Sensation! Das war das Schlüsselerlebnis. Von da an war ich verzaubert und der Fliegenfischerei verfallen.
Zuletzt geändert von greypanther am 08.02.2015, 11:37, insgesamt 1-mal geändert.
Gruß
Klaus


"Man kann nicht zweimal in den selben Fluss steigen"
Platon (panta rhei)
Benutzeravatar
greypanther
 
Beiträge: 1111
Registriert: 01.10.2007, 18:52
Wohnort: Märchenstadt
"Danke" gegeben: 11 mal
"Danke" bekommen: 96 mal

Re: Warum ich Fliegenfischer wurde?!

Beitragvon orkdaling » 08.02.2015, 09:15

Hallo,
ich denke das hængt auch davon ab wo man gross wird, bei mir war es jedenfalls so.
Bereits mit 6Jahren zog ich mit dem Grossvater los, schaute neidisch auf die "Grossen" die nach der Schule los zogen.
Damals war Barsch mit Wurm, Hecht mit Køderfisch angesagt und im Sommer Forelle, Døbel mit Fliegen.
Fliegen!? Von den Grossen hørte ich oft wie schwer es doch sei eine Forelle unter einem Busch zu fangen, die Fliege ist wichtig usw.
Ich dachte mir das die mich verar--- oder nur angeben. Das war doch so einfach, Grashuepfer dran und untern Busch treiben lassen.
So vergingen die Jahre bis ich zu den Grossen gehørte, mich mit 14Jahren im ørtlichen Verein anmeldete und da wurde nicht nur ueber Barsch und Hecht gesprochen, da gings auch um Dorschangeln, das der Bach vertieft werden muss weil er versandet ist und es gab eine kleine Gruppe Fliegenfischer. Das hat mich interessiert weil die Forellen fingen und ich hatte jahreszetlich bedingt keine Grashuepfer. Also schloss ich mich praktischer weise dieser Gruppe an.
Heute lebe ich wie ihr ja schon bemerkt habt in einer Gegend wo die Fliegenrute weit verbreitet ist bzw. das Fliegenfischen schon traditionell betrieben wird, so wie die Jagd auf Hirsch und Elch. Viele meiner Koll. betreiben beides, wir sind alle Mitglieder in Norges Jeger og Fiskerforbund (muss man nicht uebersetzen).
Die letzten Jahre hab ich festgestellt dass wir immer mehr werden die mit der Fliegenrute los ziehen, man sieht kaum noch Blinkerfischer am Lachsfluss.
Unser juengstes Mitglied zog Sommer 2014 mit seinem Grossvater los und fing seinen ersten Lachs mit 10 Jahren , natuerlich mit Fliege.
Das war sogar einer Meldung in der Lokalpresse (Sør Trøndelag Avisa) wert. Ist schøn zu høren das sich die Steppkes Gedanken ueber Wurftechnik und Fliegen machen.
Gruss
Hendrik
orkdaling
 
Beiträge: 1249
Registriert: 17.11.2013, 14:03
Wohnort: Orkanger, Norwegen
"Danke" gegeben: 109 mal
"Danke" bekommen: 229 mal

Re: Warum ich Fliegenfischer wurde?!

Beitragvon FlyMike » 08.02.2015, 11:25

Das ist aber ein schönes Thema hier....
also meine Metamorphose zum Fliegenfischen hat leider etwas länger gedauert. Ich habe meine Anglerkarriere in jungen Jahren an den Gewässern der Ostfriesischen Weite und am Hessischen Main mit einer Bambusrute (leider keine Gespliesste :cry: ) und Grundruten begonnen. In der Jugendzeit habe ich die Angelei sehr intensiv betrieben, ich war fast jede freie Zeit am Wasser und habe den Schuppenträgern nachgestellt. Da ich in keiner fliegenfischereilichen Hochburg groß geworden bin, hatte ich auch keinen Kontakt mit dieser Art der Fischerei. Das sollte sich aber ändern als uns eines Tages ein Fliegenfischer am Main begegnete. Wir schenkten dem Sonderling keine Beachtung bzw. wir machten uns heimlich sogar lustig über ihn (man möge uns damals Unwissenden bitte verzeihen :oops: ). Mir hat das aber irgendwie gefallen, das habe ich meinen Freunden aber natürlich nicht gesagt.

Das war es dann aber wieder für eine lange Zeit mit dem Thema Fliegenfischen es folgten mit Unterbrechungen Phasen als Stipper, Spinnfischer, Gummiköderangler und Carp Hunter. Den nächsten Kontakt mit Fliegenfischen hatte ich als ich mit meiner Frau den Film "Aus der Mitte entspringt ein Fluss" angesehen habe. Ich fand und finde den Film immer noch toll, aber nicht wegen dem Brett Pitt sondern wegen der FliFi Szenen. Der Film eignet sich ja hervorragend um die weibliche Spezies für das Thema Fliegenfischen zu sensibilisieren, aber bei mir hat er auch nachhaltig gewirkt. Nach dem meine Frau meinte das dies aber eine schöne Art der Angelei sei, dachte ich mir insgeheim " Frau du hast wie meistens Recht und wenn der Pitt das kann kannst du das schon lange" Also habe ich mir dann eine Fliegenrute mit Rolle und Schnur beschafft, mich heimlich mit Watstiefeln in Vereinssee gestellt und gewedelt. Nach ein paar erfolglosen, heimlichen Übungseinheiten merkte ich das es doch nicht so einfach war die Schnur elegant durch die Luft gleiten zu lassen und habe ich die Rute dann frustriert in den Keller gestellt. Damit war die Metamorphose war erst einmal unterbrochen. :cry:
Ich habe mir aber ab und zu ein FliFI Magazin zum Lesen gekauft und in so einem hat meine Frau im Anzeigenteil einen FliFi Kurs in unserer Nähe entdeckt . Diesen hat sie mir dann zum 40. Geb. geschenkt um meinem Leiden zu beenden, dafür bin ich ihr heute noch dankbar. In diesem Kurs merkte ich das es mit der richtigen Anleitung doch nicht so schwer ist mit der Fliege zu fischen, nachdem ich während dem Kurs auch noch eine Forelle gefangen habe war es dann um mich geschehen. Der Virus hat mich voll erwischt. :D
Entsprechend habe ich dann alles andere Angelgelumps verkauft und in die FliFi Ausrüstung investiert, denn ich hatte den Entschluss gefasst in Zukunft nur noch mit der Fliege zu fischen. Zu der Zeit habe ich hier im Forum noch heimlich mitgelesen, da mir schön immer die kleinen Kunstwerke der Binder im Bindethread sehr gefallen haben musste ich zwangsläufig, wie ihr bestimmt schon gemerkt habt, auch noch mit dem Binden anfangen. :wink:

Ich liebe es mit der minimalistischer Ausrüstung an natürlichen Gewässern auf die Pirsch zu gehen und die geschuppten Freunden davon zu überzeugen meine selbst gebundene Fliege dem natürlichen Nahrungsangebot vorzuziehen. Das funktioniert nicht immer, was aber auch nicht weiter schlimm ist. Und wenn es mal klappt darf auch mal eine Forelle mit zu Abendessen nach Hause kommen, aber da ich etwas ungeschickt bin können die sich meistens schon vorher vom Barbless Haken befreien.

So das war meine Metamorphose zum glücklichen Fliegenfischer

Euer Michel
Zuletzt geändert von FlyMike am 08.02.2015, 13:08, insgesamt 1-mal geändert.
.......... tie or die ........
Benutzeravatar
FlyMike
 
Beiträge: 1348
Registriert: 11.01.2013, 21:58
Wohnort: Rhein Main Gebiet
"Danke" gegeben: 917 mal
"Danke" bekommen: 900 mal

Re: Warum ich Fliegenfischer wurde?!

Beitragvon Harald aus LEV » 08.02.2015, 12:37

Bei mir gestaltete es sich zu Beginn etwas schwierig. Ich wuchs in einer Gegend auf, in der Kies gebaggert wurde, um den Haus- und Straßenbau in den 60er-70er Jahren zu beliefern. Das Resultat waren mehrere Gruben, die mit Grundwasser gefüllt waren. Kahl wie Mondlandschaften und richtig tief bis zu 20 und mehr Metern. Seichte Ufer gab es nicht. Durch das effektive Baggern fiel das Ufer sofort steil ab. Mit den Jahren verbreitete sich etwas Vegetation und auch im Wasser entwickelte sich Leben.
Mit 10-12 Jahren gingen wir Jungs häufig an die Kiesgruben zum schwarzangeln mit einfachstem Gerät. Richtige Angeln waren zu teuer. Außerdem musste man damit rechnen, dass man sie abgenommen bekam, oder bei der Flucht zu Fuß und mit dem Fahrrad zurücklassen musste, fall man erwischt wurde. Als bei mir der Wunsch zu Angeln stärker wurde, habe ich mit 13 Jahren die Fischerprüfung abgelegt und bin in einen Verein eingetreten. Ab nun durfte ich offiziell angeln - im Beisein eines Erwachsenen. Wenige Jahre später ließ die Angelleidenschaft spontan nach und die Hormonstöße ließen mich anderen Interessen nachgehen.
Anfang 20 kehrte ich zum Angeln zurück. Anfangs angelte ich mit Kartoffeln an den Baggerseen auf Karpfen. Aber irgendwie wurde mir das auf die Dauer zu eintönig.
Dann erwachte die Szene. Es kamen Boilies und diverse Hakmethoden und Riggs auf den Markt. Das Ganze wurde mir zu technisch und spezialisiert. Ich hatte in den frühen Jahren immer mit dem Fliegenfischen geliebäugelt, aber Fliegengerät war damals für mein Taschengeldbudget unerschwinglich. Und Gebrauchtgerät gab es in unserer Gegend nicht. Es fischte auch niemand mit der fliege, von dem ich etwas hätte abschauen können. Aber jetzt dachte ich mir, wenn ich auch beim Karpfenangeln komplett umstellen und umlernen musste, könne ich mich genauso gut dem Fliegenfischen zuwenden.
Ich kaufte mir eine Ausrüstung und das Buch "Fliegenfischen für Anfänger" von Hans Steinfort (Fliegenfischerkurse und Internet gabs damals noch nicht) und ging los an den Baggersee. Unsere Flüsse waren damals noch zu sehr durch Abwässer verschmutzt. Ich wusste, dass ich keine Aussichten auf Erfolg hatte, aber ich wollte erst einmal halbwegs werfen lernen. Die anderen Kollegen habe mich zwar verspottet, dass ich mit der Fliege am Baggersee aufschlage, aber das war mir egal. In der ersten Zeit war ich zwar immer noch mit Grund- und auch Spinngerät unterwegs, aber die Entwicklung zum Fliegenfischer nahm ihren Lauf. Mit der Zeit wurde ich immer besser und habe dann später meinen ersten Kurs bei Helmut Hermann besucht. Weitere Kurse folgten, und ich fischte fast ausschließlich nur noch mit der Fliege. Jahre später beschloss ich dann, selbst Kurse anzubieten und einige derjenigen, die mich früher verspottet haben, lernten es bei mir. Da unsere Fließgewässer durch umfangreiche Umweltmaßnahmen sauberer geworden waren, wurden sie von den Kollegen wieder entdeckt und durch den beginnenden Boom des Fliegenfischens ließen sie sich dazu inspirieren. Heute kann ich sagen, dass ich froh bin, diesen Weg eingeschlagen zu haben und das das Fischen mit der Fliege für mich weit mehr als ein Hobby ist.
Es ist eine Lebenseinstellung geworden, die Natur zu nutzen und verantwortungsbewusst mit ihr umzugehen.

Gruß
Harald
RFFS-
Rheinischer Fliegenfischer Stammtisch

***Open mind for a different view ***
***Forever trust in who you are ***
(Metallica)
Benutzeravatar
Harald aus LEV
 
Beiträge: 2602
Registriert: 28.09.2006, 10:08
Wohnort: Leverkusen
"Danke" gegeben: 4 mal
"Danke" bekommen: 128 mal

Re: Warum ich Fliegenfischer wurde?!

Beitragvon trutta1 » 08.02.2015, 12:54

Liebe Fliegenfischer,

es ist sehr befriedigend zu lesen, dass wir fast alle die gleiche Entwicklung zum Fliegenfischer durchlaufen haben. Selbst unsere Moderatoren (Altwaisen :wink: ) wurden nicht
als Fliegenfischer-Gurus geboren, was mein Selbstwertgefühl erheblich steigert. :biggrin:
Danke nochmals für euer ehrliches outing.
Da es in der heutigen Zeit viel einfacher geworden ist direkt mit dem Fliegenfischen einzusteigen, hätte ich auch von der jüngeren Generation ein paar Zeilen erwartet.
Damit will ich natürlich die Vorposter nicht als "alte Säcke" betiteln. :wink:

Lieben Gruß, Frank
Der Äschenflüsterer ( Leider hören nur noch wenige zu!)
Benutzeravatar
trutta1
 
Beiträge: 132
Registriert: 14.11.2009, 21:37
Wohnort: Datteln - Flaeming
"Danke" gegeben: 71 mal
"Danke" bekommen: 51 mal

Re: Warum ich Fliegenfischer wurde?!

Beitragvon Frank. » 08.02.2015, 13:28

Liebe Freunde,

das, was hier folgt, habe ich bereits im Jahre 2007 für's Forum aufgeschrieben.
Eigentlich geht es dabei eher darum, wie ich nicht zum Fliegenfischer wurde – aber: Lest selbst, wie es dem alten Sack von Moderator ergangen ist:


Ich war damals erst ein kleiner Tunichtgut von vielleicht sechs, sieben Jahren, hatte aber meine ersten Plötzen, Brassen und wohl auch kleinen Karpfen längst gefangen, weil mein Vater mir die Angel in die Hand gedrückt hatte, kaum daß ich laufen konnte.

Dann gab es einen schönen Frühlingstag des Jahres 1964 oder 1965, an dem die ganze Familie an einen kleinen Fluß im Vorharz fuhr, um dort einen langen Angeltag zu verbringen. Alles wurde eingepackt: Spinner- und Fliegenruten, auch kräftige Grundangeln, um am Abend und in der Nacht vielleicht noch auf Aal zu gehen. Denn auch ein Zelt war dabei; damals haben wir die Nächte auf den Sonntag oft am Wasser verbracht.

Am Flussufer wurde das Lager aufgeschlagen; Mutter zog sich – wie immer bei solchen Gelegenheiten – mit einer Illustrierten und Strickzeug auf eine Gartenliege am schattigen Ort zurück, Vater schnappte sich die Spinnrute und verschwand stromaufwärts.
Ich hockte eine Zeitlang mit Schwimmer, Wurm und kurzer Rute am Ufer, in der Nähe meiner meist in der Sonne dösenden Mutter.

Es biss nichts, und schnell hatte ich Unsinn im Kopf.

Überhaupt hatte ich an diesem Tag keine rechte Lust zum Fischen und ließ bald die Rute Rute sein; mir stand der Sinn nach echten Abenteuern. Also machte ich mich ans Wegschleichen aus dem Einflussbereich meiner Mutter, auf eine Erkundung der Gegend, um möglichst ein wildes Tier zu erlegen. Bald hatte ich einen Feldhasen gesichtet – aber es fehlte mir an der Waffe, ihn zu erbeuten.

Dazu brauchte ich, das wußte ich aus den vielen Indianerbüchern, die mir vorgelesen worden waren, ganz genau: unbedingt Pfeil und Bogen. Und so machte ich mich stillvergnügt, konzentriert und kreativ ans Basteln dieser Jagdwaffe.

Wie das genau ablief, weiß ich nicht mehr; das Ergebnis – wie seine Vor- und Nachgeschichte – hat mir mein Vater aber später so oft erzählt, daß das Geschehen sich sehr genau rekonstruieren läßt (übrigens dürfte Freund Ulli aus meines Vaters Mund diese Geschichte auch oft genug gehört haben – deshalb mag er hier als Zeuge dafür dienen, daß das Ganze wirklich nicht erfunden ist).

Was auch immer genau ich warum, mit welchem Endziel und unter dem Einfluß welchen Teufels tat: In jedem Fall war es ein schwerer Fehler, meinen Bogen aus einem Stück 35er Aalschnur und dem Mittelstück einer dreiteiligen DAM-Fliegenrute zu basteln, an dessen Enden die Sehne festgebunden wurde.

Als Pfeil die Rutenspitze zu verwenden: Das war Fehler Nummer zwei.

Denn die Waffe war schon dem dritten oder vierten Schußversuch nicht mehr gewachsen. Die Schnur hielt. Das Mittelstück der Rute nicht. Auch der Pfeil hatte schweren Schaden erlitten, weil ein großer Stein als Zielscheibe für die ersten Probeschüsse gedient hatte.
Zum Glück für den Hasen – die Jagdwaffe war erstens untauglich und zweitens schon vor dem ersten Halali kaputt. Und zwar endgültig.

Wie und mit welchen Worten mein Vater das damals kommentiert hat – darüber möge der Mantel des Schweigens gebreitet bleiben; er war jedenfalls den Tränen nahe, und das habe ich bei ihm sehr, sehr selten erlebt.
Wenn später mein Sohn eine meiner heißgeliebten Ruten zu Zahnstochern verarbeitet hätte, wäre es auch mit meiner Gelassenheit am Ende gewesen. Zur Sicherheit habe ich deshalb Flitzebögen immer gemeinsam mit ihm gebastelt, aus Eschenzweigen. Niemals aus Angelruten.

Mein Vater nun beschloss, anstatt mich streng zu bestrafen und für alle Zukunft von den kostbaren Fliegenruten fernzuhalten (wofür ich durchaus Verständnis hätte haben müssen), mich einer pädagogischen Radikalkur zu unterziehen.
Noch am gleichen Tage begann er, mir das Fliegenfischen beizubringen, wohl auch, damit ich die Achtung vor dem Material lernte.

Diese Tage, an denen ich unter seiner Aufsicht die ersten Wurfübungen machte, habe ich nie vergessen; besonders in mein akustisches Gedächtnis haben sie sich tief eingegraben. Es waren immer wieder dieselben Worte, die ich in der tiefen, sonoren Stimme meines Vaters hörte, der eine wahre Engelsgeduld hatte:
»Zehn Uhr … … Ein Uhr …… Zehn Uhr … Nicht peitschen! … Ein Uhr … Und jetzt schießen lassen! Neun Uhr! … Aber nicht peitschen!!!«
»Zehn Uhr … … Ein Uhr …… Zehn Uhr … Nicht peitschen! … Ein Uhr … Schießen lassen! Neun Uhr! … NICHT peitschen, habe ich gesagt!!!«

Diese Worte habe ich an diesem Tag und der kommenden Zeit so oft gehört, als sei mein Vater ein buddhistischer Mönch, der mich sein Mantra lehrte.

Den ersten Fisch habe ich an der Fliege erst später gefangen. Aber das Werfen: das habe ich damals gelernt, habe es lernen müssen, meinen kurzen Ärmchen zum Trotze.

Nein, zum Fliegenfischer bin ich damals durchaus nicht geworden. Ich habe das wirklich als Strafe empfunden, nicht als die mir gewährte Gnade, die es tatsächlich gewesen ist. Freilich habe ich meine kriminelle Energie in der Zukunft niemals mehr an einer Angelrute erprobt.

Tatsächlich habe ich seither keine einzige Rute zerbrochen. Keine einzige.

Euer Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
Franz Kafka
Benutzeravatar
Frank.
Ehren-Moderator
 
Beiträge: 5846
Registriert: 28.09.2006, 10:35
Wohnort: Niedersachsen
"Danke" gegeben: 434 mal
"Danke" bekommen: 594 mal

Re: Warum ich Fliegenfischer wurde?!

Beitragvon trutta1 » 08.02.2015, 14:55

Lieber Frank,

was für eine schöne Geschichte =D>

Liebe Grüße vom Namensvetter.
Der Äschenflüsterer ( Leider hören nur noch wenige zu!)
Benutzeravatar
trutta1
 
Beiträge: 132
Registriert: 14.11.2009, 21:37
Wohnort: Datteln - Flaeming
"Danke" gegeben: 71 mal
"Danke" bekommen: 51 mal

Re: Warum ich Fliegenfischer wurde?!

Beitragvon matthias z. » 09.02.2015, 14:30

Hallo,

das sind wirklich alles tolle Geschichten.

Ich bin nie zum Fliegenfischer bzw. zum Puristen geworden.

Angefangen hat es bei mir, wie bei vielen. Interesse an der Kreatur Fisch, die ich zunächst mit einem Schmetterlingskescher, dann mit einem Stück Nylon mit Haken (mit Glück hatte ich auch ein paar Bleischrote dabei), und schliesslich mit einer Glasfaser Rute mit Stationärrolle fing.

Zum Fliegenfischen bin ich quasi gezwungen worden. Ich war als 16-Jähriger mehrere Monate in England (Norfolk) und in der Nähe gab es eigentlich nur zwei sinnvolle Angelmöglichkeiten und zwar die Nordsee und einen Forellenteich. In England ist es nun so, dass an 99,5% der Forellenseen nur mit der Fliege gefischt werden darf. Meine Eltern verhalfen mir dort zu einem Fliegenfischerset für Einsteiger und ich brachte mir auf einer Wiese selbst (nicht) bei, wie man die Leine auf das Wasser bekommen könnte. Fakt ist, dass ich bei diesem England Aufenthalt meine ersten Regenbogenforellen mit der Fliege fing. Richtig heiss auf Fliegenfischen war ich danach aber noch nicht.

Wieder in Hamburg stand die Fliegenausrüstung dann wieder einige Jahre in der Ecke und Aale, Karpfen und Dorsche, die ich mit Naturködern oder Pilkern fing, waren mir wieder wichtiger.

Relativ zeitgleich durfte ich die ersten Male zum Lachsfischen nach Norwegen fahren und das Lachsfieber erwischte mich total. Meine ersten Versuche auf Lachs waren mit dem Blinker. Leider wurde der Fluß, an dem wir angelten, nach der Saison 1996 aufgrund eines Gyradactylus Befalls gesperrt. 1999 ergab sich dann die Möglichkeit an einer Fly only Strecke in Norwegen auf Lachs zu fischen. Obwohl ich völlig inkompetent war bzw. bin, habe ich es in dieser Woche geschafft einen oder zwei Fische zu fangen. Seit diesem Aufenthalt bin ich ein großer Fan der Fliegenfischerei. Warum ist schwierig zu sagen. Ich fing damals (heute im übrigen auch noch) gerne Fische. Wie, sofern die Methode erlaubt war, war mir eigentlich egal. Klar, ich mag das Werfen mit der Fliegenrute.......es sei denn es ist windig und ich komme damit nicht zurecht. Mich fasziniert, wie Lachse relativ weit schwimmen, um sich teilweise sehr kleine Fliegen zu schnappen. Zu sehen, wie eine Forelle nach der Trockenfliege steigt und sie dann entweder nimmt oder auch nicht, ist definitiv ein besonderes Erlebnis. Ganz klar darüber, warum ich heute lieber mit der Fliege als mit anderen Methoden fische, bin ich mir nach wie vor nicht.

Heute fische ich in 80% der Zeit mit der Fliege.......die anderen 20% bin ich entweder mit der Spinnrute an der Ostsee oder ich stelle mit meinem Sohn Hechten an einem Regenwasser Teich in unserer Nähe nach. Mein Sohn erlebt gerade, was ich vor über dreißig Jahren erlebt habe. Auch diese Zeitreise, ohne Fliegenrute, ist für mich etwas ganz Besonderes.

Viele Grüße

Matthias
matthias z.
 
Beiträge: 240
Registriert: 29.05.2013, 09:35
Wohnort: Hamburg
"Danke" gegeben: 112 mal
"Danke" bekommen: 38 mal

Re: Warum ich Fliegenfischer wurde?!

Beitragvon illerfischer » 09.02.2015, 21:51

Hallo zusammen,
also irgendwie lief es bei mir anders (komisch, meine ganzen Freunde und Bekannten sind schon immer der Meinung gewesen dass ich "anders" bin :roll: ) und zwar so:

Angefangen mit fischen habe ich wohl, wie einige Fangfotos beweisen, so ungefähr vor 34 - 35 Jahren im Alter von 3 - 4.
Das erste mal mit der Fliegenrute muss so mit 6 - 7 gewesen sein.
Ich bin da vermutlich sehr stark erblich vorbelastet. Mein Urgroßvater, Großvater, Onkels sind bzw. waren alle Fliegenfischer.
Mein Großvater hatte zu dieser Zeit einen kleinen Forellenbach in der Nähe gepachtet an dem wir die Trutten meistens mit Nassfliegen und Streamer gefangen haben.
Mit zum jährlichen Familien-Fliegenfischerurlaub an die Gmundener Traun durfte ich damals, angeblich aus Altersgründen, nie.
:evil:
Ich bin immer noch der Meinung dass die nur Angst hatten das ich mehr und größere fange und nicht das ich absaufen könnte.

An das damalige Wurftraining kann ich mich auch noch sehr gut erinnern. War mit so nem weichen, schwabbeligen, zuerst zerschnittenen und dann wieder zusammengeleimten Bambusstecken der Fa. Stork/Mch. den ich heut noch besitze, aber nie und nimmer mehr werfen möchte.

Ich bevorzuge heute Kohlefaser und Trockenfliege.

Meine Fliegen damals musste ich auch selber binden da Opa der Meinung war dass meine Wurfkünste in die Bäume auf Dauer sonst zu teuer gekommen wären.

Ich hatte also wirklich eine sehr schwere Kindheit und Jugend. :D

Ich bin meinem Großvater bis heute noch bei jedem Augenblick den ich mit dieser Passion verbringen darf zu tiefst dankbar und werde der ganzen Lebenseinstellung immer treu bleiben.

TL und einen baldigen schönen Saisonstart!

Markus
TL
illerfischer
 
Beiträge: 21
Registriert: 23.01.2011, 14:00
Wohnort: Waltenhofen
"Danke" gegeben: 0 mal
"Danke" bekommen: 2 mal

Nächste

Zurück zu Fliegenfischen - eine Lebenseinstellung!

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Yahoo [Bot] und 3 Gäste