Wertigkeit von Fängen - nicht Fische!

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Re: Wertigkeit von Fängen - nicht Fische!

Beitragvon Michl » 29.03.2020, 19:04

Hallo,
mein erster Fisch auf Fliege war eine 15er Bachforelle die ich gefangen habe als ich beim Rückschwung mit der Rutenspitze an einem Ast hängen geblieben bin, die Leine stromab gertrieben ist und die Trockene abgesoffen in einer Rausche auf der Stelle trieb.
Beim rausfummeln der Rute zog es dann plötzlich an der Schnur.
Nicht gerade ein Ruhmesblatt.
Aber im Nachhinein sicher, zumindest was das Fliegenfischen angeht, mein wertvollster Fisch.
Initialzündung sozusagen.
Im Unterschied dazu: Überaus befriedigende Fänge resultieren aus dem Präsentieren richtigen Fliege mit dem richtigen Wurf an die richtige Stelle.
Das gelingt häufiger wenn der Fischer weiss was er tut und es auch noch kann, Erfahrung ist da wohl der richtige Ausdruck, das kommt halt mit der Zeit.
Oder auch nicht. 8)

Und, Heiko, es wird immer fangentscheidende Zufälle beim Fischen geben, so wie es bei allen Dingen entscheidende Zufälle gibt.
Da wo ich fische ist es übrigens so, das Du dich abends am Feuer auch über einen(!) Ausnahmefang freust, und das weiß Gott auch nicht jeden Tag......

Gruß Michl
Die Beute ist unwesentlich, entscheidend ist nur das Gefühl.
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Re: Wertigkeit von Fängen - nicht Fische!

Beitragvon Magellan » 29.03.2020, 20:01

Michl hat geschrieben:Und, Heiko, es wird immer fangentscheidende Zufälle beim Fischen geben,



Hallo Michel

Möglicherweise habe ich meine Definition von Zufall und dem Fang eines Fisches etwas flapsig formuliert ...

Zufall für mich ist, wenn für ein einzelnes Ereignis oder das Zusammentreffen mehrerer Ereignisse keine kausale Erklärung gefunden werden kann.

Ich hole mal aus: die Schwalbe die ein Fischpartner von mir kürzlich Zufällig fing (ist nicht erfunden!) Zufall? Nein! Verursacht durch einem Insektenschlupf waren auch die Vögel auf Jagd und haben die Trockene genommen!

Die beachtliche Bachforelle die den Aufsteiger beim abheben aus dem Wasser im Sprung genommen hat... Zufall? Nein! Anscheinend alles richtig gemacht beim führen der Fliege und dem Zeitlupen Gleichen herausnehmen der Fliege.

Es gibt keine Zufälle. Was anderes ist das „ den wollte ich doch gar nicht so fangen“ Argument und dann aus der „interessant wie kam es dazu ?“ Frage, im nachhinein Strategien zu entwickeln, die einen dann letztendlich zu den abendlichen Lagerfeuer "Revue passieren" Aphorismen leiten... :wink:

Gruss
Heiko
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Re: Wertigkeit von Fängen - nicht Fische!

Beitragvon Dominikk85 » 30.03.2020, 01:31

Echten Zufall gibt es ja eh nicht, ein würfelwurf ist auch physikalisch berechenbar (drehimpuls, fallhöhe, startposition...), allerdings ohne extremen Einsatz von Technologie nicht wirklich beeinflussbar und daher wird das Ergebnis im Endeffekt relativ normalverteilt sein.

Die Frage hier sollte weniger lauten Zufall oder nicht, sondern sauber reproduzierbar, oder einfach ein zufälliges Ergebnis was du so nicht reproduzieren kannst.

Wenn ein schlechter caster beim Zielwurf einmal von 10 Würfen den Ring trifft war das im Endeffekt auch kein Zufall, sondern die Physik hat bei dem Wurf das richtige Ergebnis produziert, aber er hat halt nicht die Fähigkeit diese physikalischen Faktoren so zu kontrollieren das er dieses Ergebnis mit einem besseren Prozentsatz reproduzieren kann.

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Re: Wertigkeit von Fängen - nicht Fische!

Beitragvon Henning60 » 30.03.2020, 10:52

Hallo Dominik,
du scheinst ja die Statistik zu mögen, daher mal ein nettes Gedicht von Eugen Roth dazu :lol:

Ein Mensch, der von Statistik hört,
denkt dabei nur an Mittelwert.
Er glaubt nicht dran und ist dagegen,
ein Beispiel soll es gleich belegen:

Ein Jäger auf der Entenjagd
hat einen ersten Schuß gewagt.
Der Schuß, zu hastig aus dem Rohr,
lag eine gute Handbreit vor.

Der zweite Schuß mit lautem Krach
lag eine gute Handbreit nach.
Der Jäger spricht ganz unbeschwert
voll Glauben an den Mittelwert:
Statistisch ist die Ente tot.

Doch wär er klug und nähme Schrot
- dies sei gesagt, ihn zu bekehren -
er würde seine Chancen mehren:
Der Schuß geht ab, die Ente stürzt,
weil Streuung ihr das Leben kürzt.

Die Erkenntniss daraus kann man auch sehr gut auf die Fliegenfischerei übertragen :mrgreen:
Sorry...wollte den Thread nicht kapern :oops:

Stolz bin ich über einen Fang eigentlich nicht... eher tief zufrieden wenn meine Taktik erfolgreich war.
Wenn ich beim Fliegentüddeln die vermaledeiten Flügel gerade eingebunden habe bin ich vielleicht stolz.. :roll:

TL, Henning
Bevor ihr euch streitet klärt die Begriffe......(Konfuzius)
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Re: Wertigkeit von Fängen - nicht Fische!

Beitragvon Gollom » 30.03.2020, 11:32

Dominikk85 hat geschrieben:Echten Zufall gibt es ja eh nicht, ein würfelwurf ist auch physikalisch berechenbar (drehimpuls, fallhöhe, startposition...), allerdings ohne extremen Einsatz von Technologie nicht wirklich beeinflussbar und daher wird das Ergebnis im Endeffekt relativ normalverteilt sein.

Die Frage hier sollte weniger lauten Zufall oder nicht, sondern sauber reproduzierbar, oder einfach ein zufälliges Ergebnis was du so nicht reproduzieren kannst.

Wenn ein schlechter caster beim Zielwurf einmal von 10 Würfen den Ring trifft war das im Endeffekt auch kein Zufall, sondern die Physik hat bei dem Wurf das richtige Ergebnis produziert, aber er hat halt nicht die Fähigkeit diese physikalischen Faktoren so zu kontrollieren das er dieses Ergebnis mit einem besseren Prozentsatz reproduzieren kann.

Dominik


Der Zusammenhang zwischen diesem Post und der Wertigkeit von Fängen entzieht sich mir in Gänze.

Wertigkeit von Fängen möchte ich nicht weiter kommentieren, da das Fliegenfischen an sich bei mir im Vordergrund steht. Fange ich etwas ist es gut, fange ich nichts ist es auch gut. Die Zeit beim Fischen gibt mir so viel Entspannung so, dass der Wert unschätzbar ist.

Gruß Thomas
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Re: Wertigkeit von Fängen - nicht Fische!

Beitragvon Dominikk85 » 30.03.2020, 13:29

Wollte das nur mal anmerken wegen dem Exkurs in Richtung Zufall. Im Endeffekt wird beim angeln immer auch Zufall bzw Dinge die man nicht voraussehen kann involviert sein und wenn dem nicht so wäre wäre es auch langweilig.

Die besten Spiele sind immer die die eine Kombination aus Skill und Zufall haben (wie zum Beispiel Poker). Reine Skill Games wie Schach können schnell langweilig werden weil immer der gleiche gewinnt wenn sie Skills nicht extrem ähnlich sind. Und reine Glücksspiele sind auch nicht wirklich befriedigend

Das ist halt eine der Sachen am angeln die es toll machen, Skills und Bedingungen sind sehr wichtig, aber du weißt nie genau was passieren wird, prinzipiell kannst du jeden Tag schneider sein oder die 60er Forelle fangen.

Wäre es dagegen total voraussehbar und du wüsstest ich fange jedes mal genau 3 Fische im Abstand von x Minuten wäre es doch recht langweilig.

Dominik
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Re: Wertigkeit von Fängen - nicht Fische!

Beitragvon Phoresis » 30.03.2020, 15:00

Hallo zusammen, interessantes Thema.
Für mich persönlich spielt die Wertigkeit von Fängen eine sehr große Rolle. An erster Stelle stehen da, nennen wir es mal so, "besondere" Fänge. Also Fische die entweder ungewöhnlich groß, selten, schön usw. sind. Dann kommt es noch drauf an, wie der Fisch gefangen wurde. Dabei geht es, wie hier schon mehrfach erwähnt, darum, ob man einen tatsächlichen Plan verfolgt hat oder ob man einfach aus Versehen das Richtige gemacht hat. Den Hopper absichtlich aufs Ufer werfen, von dort aus ins Wasser fallen lassen und beim Aufschlag einen Döbel haken? Geil! Den Wurf mies versauen und dabei das gleiche Ergebnis erzielen? Unrühmlich, aber zumindest beim 1. Mal greift dann wenigstens noch die Wertigkeit der "besonderen" Fänge :p. Zu guter letzt spielt dann natürlich noch das Setting eine Rolle. Fische, die man sich unter widrigsten Bedingungen erkämpft hat, zählen einfach mehr als solche, die sich einfach ohne besondere Anstrengung abräumen lassen haben. Gleiches gilt für Fische, die im Rahmen eines besonders spaßigen Trips, Urlaubs etc. gefangen wurden.
Und warum das Alles? Ganz einfach; weil es genau diese Faktoren sind, die besondere Erinnerungen definieren. Erinnerungen, von denen man lange zehrt und die den Stoff für spannende Erzählungen liefern. Niemand erinnert sich nach Jahren noch an die 36. mittlere Forelle der Saison, die bei einem Kurztrip ans Hausgewässer auf Nymphe gefangen wurde. Die lumpige, fette Brasse, die die Nymphe kurz darauf weggerüsselt hat, brennt sich aber ins Hirn wie ihr Geruch ins Keschernetz :wink:
Zuletzt geändert von Phoresis am 31.03.2020, 11:03, insgesamt 1-mal geändert.
Mit freundlichen Grüßen
Björn
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Re: Wertigkeit von Fängen - nicht Fische!

Beitragvon Gollom » 30.03.2020, 17:34

Dominikk85 hat geschrieben:Wollte das nur mal anmerken wegen dem Exkurs in Richtung Zufall. Im Endeffekt wird beim angeln immer auch Zufall bzw Dinge die man nicht voraussehen kann involviert sein und wenn dem nicht so wäre wäre es auch langweilig.

Die besten Spiele sind immer die die eine Kombination aus Skill und Zufall haben (wie zum Beispiel Poker). Reine Skill Games wie Schach können schnell langweilig werden weil immer der gleiche gewinnt wenn sie Skills nicht extrem ähnlich sind. Und reine Glücksspiele sind auch nicht wirklich befriedigend

Das ist halt eine der Sachen am angeln die es toll machen, Skills und Bedingungen sind sehr wichtig, aber du weißt nie genau was passieren wird, prinzipiell kannst du jeden Tag schneider sein oder die 60er Forelle fangen.

Wäre es dagegen total voraussehbar und du wüsstest ich fange jedes mal genau 3 Fische im Abstand von x Minuten wäre es doch recht langweilig.

Dominik



Aber den Faktor Zufall kann man jedoch extrem minimieren, sodenn das Fangergebnis im Vordergrund steht. Durch die Praxis erlangtes Wissen, Revierkenntnis, Wissen um das Fressverhalten, Reaktionen auf Luftdruckveränderungen, Beutespektrum, Standortbestimmung, Strömungen erkennen sprich Wasser lesen können, Köderführung, ....usw. usw., führen schlussendlich dazu, dass es kein Zufall ist einen Fisch zu fangen.
Glaube mir, als ehemaliger und recht erfolgreicher Wettkampfangler weiß ich genau wovon ich rede :wink:
In meinem ersten Fliegenfischerleben war ich oft zum Mefofischen mit einer Erfolgslosigkeitsrate von 99,9%, weil ich mich einfach nicht genug mit der Materie beschäftigt habe, habe ich gezielt am Fisch vorbeigeangelt. Heute sieht die Sache völlig anders aus. Nach unzähligen Stunden am Wasser und zig Gesprächen mit Leuten, Die wirklich einen Plan haben hat sich mir eine völlig neue Welt eröffnet und ich ( wir ) brauchen nicht mehr den ganzen Tag den Fussel durch die Gegend feuern.
So war ich seinerzeit auch viele male an der Glomma auf der Jagd nach großen Äschen. Nach zwei Urlauben dort wollte ich eigentlich nicht mehr hinfahren, da ich nur kleinere Fische gefangen habe. Ich bin dennoch noch einmal dort hingefahren, zum Glück. Denn ab da habe ich den Fluss verstanden und erlebte fortan eine absolut spektakuläre Fischerei.

Gruß Thomas

Ps es gibt doch einen Fisch, der für mich eine sehr hohe Wertigkeit hat. Es war der Fisch, der mich dazu führte, Fliegenfischer zu werden.
Grundsätzlich erhält jeder Fisch den gleichen Respekt und die gleiche Wertschätzung.
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Re: Wertigkeit von Fängen - nicht Fische!

Beitragvon FlyandHunt » 31.03.2020, 11:06

Hallo Thomas,

du beschreibst es meines Erachtens sehr gut. Man lernt einfach nicht aus im Leben.
Ich gehe seit jüngsten Jahre Fliegenfischen. Am heimischen Bach oder auch im Urlaub (über Jahre immer am gleichen Fluss) konnte ich jeden Fisch beangeln und auch an Land ziehen.
In neuen Gewässern sah dies allerdings ganz anders aus.

Das Erlernte von meinem Vater konnte man einfach nicht auf jedes Gewässer umsetzen. 2018 war ich in Neuseeland und habe auch 2 Guides und über eine Woche lang mit einem Norweger gefischt.
Glaube ich habe in der Zeit so viel über das Fliegenfischen gelernt wie nie zuvor.
Danach habe ich zu Hause Bücher gelesen, Zeitschriften durchgeblättert und unzähliche Youtube Videos geschaut. Auch so kann man sich meines Erachtens fortentwickeln und besser werden.

Im letzten Jahr konnte ich dann einen Angelfreund in meinem Gewässer bis dato größten Forelle führen.
Auch das war ein besonders wertiger Fisch. Ich habe ihn selbst nicht gefangen, konnte aber alles anwenden und mit der richtigen Fliege und den Anweisungen meinem Freund zum Angelglück verhelfen.
sieht doch gar nicht so schlecht aus?:
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Grüße
Ferdinand
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Re: Wertigkeit von Fängen - nicht Fische!

Beitragvon Magellan » 31.03.2020, 15:13

Hallo

Wirklich wertfrei:

Es ist interessant zu lesen wie die “Wertigkeit von Fängen nicht Fische” so Nicos Eingangsthema sich entwickelt... vom Glücksspiel über Yoztube videos und das der Zufall am Ende doch wieder entscheidend sei...

... Ferdinand, du möchtest doch nicht wirklich das wir diesen Fisch hier bewerten? :roll:

Gruss
Heiko
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Re: Wertigkeit von Fängen - nicht Fische!

Beitragvon FlyandHunt » 31.03.2020, 17:16

Ich weiß bei dir da unten ist diese Forelle wahrscheinlich auch nichts wert.

Nein eine Bewertung wollte ich nicht!
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