Tageskarten Horror; Isar, Loisach, Leitzach, Mangfall

Wie der Name schon sagt: Vor der Haustür fischt es sich fast immer am besten. In Deutschland gibt es eine Vielzahl großartiger "Fliegenwasser". Habt Ihr Fragen oder wollt Ihr eine Empfehlung aussprechen?

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Re: Tageskarten Horror; Isar, Loisach, Leitzach, Mangfall

Beitragvon CPE » 04.07.2016, 21:11

Hallo Wolfgang,

Das ist ein sehr feiner Text.

Danke, Norbert
La pêche on sèche est la pêche en nymphe, ce qu'est l'amour courtois est à la copulation.
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Re: Tageskarten Horror; Isar, Loisach, Leitzach, Mangfall

Beitragvon Hickey » 05.07.2016, 10:18

Ich bin bei dem Thema schon ein bisschen hin und her gerissen... Einerseits bin ich ein Freund der freien Marktwirtschaft und ein noch größerer Freund von Privateigentum und dessen verfassungsrechtlichen Schutz. Das bedeutet natürlich in letzter Konsequenz auch, dass jeder mit seinem Eigentum weitestgehend machen kann, was er will, und dass bei etwaigen Veräußerungen oder Verpachtungen die Nachfrage den Preis bestimmt. Ein grundsätzlich durch und durch faires System, auch wenn es bedeutet, dass ich als Bayer nicht überall ohne weiteres (oder ohne größeren monetären Aufwand) dort fischen kann, wo ich es gerne täte. Andererseits bin ich auch ein großer Freund von Heimat und finde grundsätzlich Modelle gut, bei denen Einheimische erstmal bevorzugt an die natürlichen Ressourcen ihrer Heimat heran gelassen werden. Ich habe sowas beispielsweise mal am Chiemsee erlebt, wo Leute mit Traunsteiner oder Rosenheimer Kennzeichen eine Ermäßigung bei der Schifffahrt erhalten haben. Ein anderes Beispiel, das ich persönlich sehr anregend finde, ist das Jagdrecht in Südtirol. Gut, ich bin hier kein Experte, aber soweit ich weiß, ist das Jagdrecht dort an die entsprechende Gemeinde gebunden, und jeder Jäger, der in einer Gemeinde lebt, kann dort auch jagdlich aktiv werden. Häufig dann nicht vom ersten Tage an mit Vollgas - man muss sich erst mal seine Sporen verdienen -, aber zumindest ist es möglich in der traumhaften, heimischen Natur zu jagen, ohne das z.B. deutsche Großindustrielle die Gamsreviere wegpachten.

Letztendlich glaube ich, dass man unterscheiden muss: Wenn Naturressourcen dem Staat (oder einem Landkreis oder eine Kommune, jedenfalls der öffentlichen Hand) gehören, dann wäre eine Bevorzugung von Einheimischen durchaus sinnvoll in meinen Augen. Wenn es sich aber um private Ländereien handelt, sehe ich keine Bevormundung des jeweiligen Eigentümers angezeigt.

Grüße
Michael
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Re: Tageskarten Horror; Isar, Loisach, Leitzach, Mangfall

Beitragvon Parachuter77 » 05.07.2016, 12:40

Ich stimme meinem Vorredner Michael zu,

wenn des Gewässer den Kommunen, Stadt oder Gemeinde gehört, dann sollte es an lokale Vereine verpachtet werden. Wobei ich in meinem Umfeld überall so praktiziert wird. Das heißt aber auch nicht, dass man dadurch gleich an die Gewässer kommt.

Ich bin inzwischen in drei Vereinen in meiner Gegend. Beim letzten habe ich über 4 Jahre auf eine Mitgliedschaft gewartet, bis es Anfang des Jahres geklappt hat. Bei ersten ist die Karte für das Fließgewässer auch mit der Integration in den Verein verbunden. Bring man die 20 Arbeitsstunden oder mehr? Kommt man zu Veranstaltungen des Verein, beteiligt man sich aktiv!? Das finde ich auch gut, so denn auf diese Weise bewegt sich sehr viel positives.

Ich habe auch Vereine in der Nähe, die nur Mitglieder aus dem Ort aufnehmen. Jegliche "Auswärtige" haben da keine Chance auf Mitgliedschaft. Doch wenn man sich engagiert, dann macht sich so manche Tür auf. Man lernt andere Fliegenfischer kennen und schätzen und kommt so an das eine oder andere Gewässer im "tausch".

Aber natürlich gibt es eben auch viele private Besitzer, die eher nach Marktwirtschaftlichen Aspekten vorgehen. Ich wohne in der Nähe von Ulm. Wir haben hier ein Stück Fluss, das ein Unternehmer aus Heidenberg gepachtet hat. Er kommt dann zwei mal im Jahr mit seinen Enkeln im Hubschrauber angeflogen, um fischen zu gehen. Da haben wir Normalos nie das nötige Kleingeld, um an so ein Gewässer zu kommen. Das finde ich aber nicht schlimm.

Wenn man Geduld hat und sich integriert, dann gehen immer Türen auf. Und je größer ein eigenes Netzwerk wird, desto mehr Möglichkeiten gibt es auch. Ich will diese ganzen Kontakte definitiv nicht missen, die ich auch hier durch das Forum kennen gelernt habe.

Viele Grüße
Jürgen
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Re: Tageskarten Horror; Isar, Loisach, Leitzach, Mangfall

Beitragvon Fear No Fish » 06.07.2016, 07:06

Das Problem ist sicherlich nicht nur auf Bayern zu begrenzen.
Es ist mittlerweile so gut wie überall üblich die Tageskarten mit einer Übernachtung zu koppeln.

Bzw. ist es so das man als Ortsansässiger ohne Mitgliedschaft im Verein keine Tageskarte bekommt. Das mag für Dich im ersten Augenblick unverständlich klingen, aber dann gebe ich Dir den Tip geh in
einen Verein und mach Arbeit am Gewässer bzw. Arbeit im Ausschuss oder Vorstand.
Ich für meinen Teil hätte kein Verständnis dafür das ich als Vereinsmitglied, das sich entweder durch meinen Beitrag (Mitgliedsbeitrag) oder durch meine Arbeit im Verein...Arbeitsstunden oder Position
im Verein beteiligt...dann durch Tagestouristen um den Lohn gebracht werde...dabei geht es nicht um die KG Fisch die ich entnehme...das ist wenn überhaupt nur eine Forelle im Jahr für die Pfanne.

Es ist ja nicht so das Du als Mitglied im Verein nichts für die Tageskarte/Jahreskarte zahlst nur weil Du Mitglied in diesem Verein bist. Wenn es überall Tageskarten für Ortsansässige gebe
dann gäbe es in kürzester Zeit keine Vereine mehr die sich um die Gewässer kümmern sondern es würde aussehen wie in manchen anderen Ländern wo es einfach kein Schwein juckt was mit dem
Gewässer passiert.

Das was Du möchtest ist irrational...wie schon beschrieben. Unberührte Natur mit tollen Fischen und am besten nur um es zu nutzen...
Das was Du suchst gibt es tatsächlich, fahr nach Alaska oder nach Sibirien...wenn Du das Geld dann ins Verhältnis setzt wirst Du dich freuen das es Vereine gibt die sich drum kümmern.

Wenn man in einen Verein reinkommen möchte, dann ist es meist einfacher als man denkt oder aber wenn man die Leute mal kennen lernt ist es meist auch kein Problem dort mal
von jemand mitgenommen zu werden an dem Gewässer.

Geh in das Vereinsheim an den Stammtisch, spreche mit den Leuten und du wirst sehen in den wenigsten Fällen wirst Du abgelehnt wenn Du bereit bist auch was dafür zu tun.
tight lines
Gruss Volker
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Re: Tageskarten Horror; Isar, Loisach, Leitzach, Mangfall

Beitragvon orkdaling » 06.07.2016, 07:53

Moin moin,
stimme Wolfgang voll zu. Martwirtschaftlich kann man nichts zu den Koppelgeschæften sagen solange es sich um Privateigentum handelt.
Bei Gewæssern die der Kommune gehøren sehe ich es aber etwas anders bzw sollten Einheimische dort auch fischen duerfen denn die bezahlen in ihrer Kommune Steuern.
Hab keine Ahnung wie das "steuerlich" in Bayern læuft, bei uns gehen 50% in die Kommunekasse und 50% fliessen an den Staat und da ja alle in der Kommune Ansæssigen Einkommenssteuern bezahlen kommt da ordentlich was fuer die Kommune zusammen. Ebenfalls zahlen alle Haus/grunstueckseigentuemer eine Kommunale Abgabe. Diese Mittel werden nicht nur fuer Strassenbau oder Abwasser eingesetzt sondern auch fuer Bruecken, Wege, Ufersicherung entlang der Fluesse.
Da ist, sagen wir mal, geben und nehmen gerechtfertigt.
Gruss Hendrik
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Re: Tageskarten Horror; Isar, Loisach, Leitzach, Mangfall

Beitragvon Maggov » 06.07.2016, 08:33

Hallo Hendrik,

in Bayern läuft das nach meinem Verständnis so:

Gewässer die in "öffentlicher" Hand sind (und das sind eine ganze Menge) werden über den Verband mittels Ausschreibungen verpachtet. Dort kann sich jeder beteiligen aber Vereine und Berufsfischer bekommen den Vorzug. Ich denke auch deshalb weil der Verband über die Beiträge nicht komplett von den Pachteinnahmen abhängig ist.

Ein gemeinnütziger Verein kann meines Wissens nach keine Mitgliedschaft verweigern - theoretisch kann man sich einklagen. Aber das heißt dann weder dass man dort willkommen ware noch dass man dann einen Anspruch auf eine Lizenz hat. Diese werden entweder über den Pachtvertrag direkt oder im Rahmen des Hegekonzeptes limitiert. Ist das Kontigent azusgeschöpft gibt es eben Wartelisten.

Die Tatsache dass diese Wartelisten existieren ist im Einzugsgebiet von einer Millionenstadt wie München nachvollziehbar. Wie diese verwaltet werden / welche Position Du auf der Warteliste bekommst obliegt dem Verein. Warum sollte dieser nicht engagierte Mitglieder entsprechend bevorzugen? Das liegt doch nur im Sinne des Vereins. Ich finde es richtig und gut dass Touristen an diese Strecken dürfen. Es gibt auch Strecken wo Mitglieder mit müssen und selbst dort stößt man oft auf offene Ohren und Türen... wenn man entsprechend freundlich den Kontakt sucht.

Ich habe als Münchner auch lange gebraucht um meinen Verein / meine Strecken zu finden. Oft dachte ich "jetzt bist Du angekommen" und habe dann trotzdem nochmal gewechselt. Die Vielfalt ist überwältigend ich werde wohl kaum in meiner Lebenszeit alle fischereilichen Möglichkeiten in meiner Region wahrnehmen können. Aber das heißt noch nicht dass einem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen...

LG

Markus
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