Fliegenrute mit parabolischer Aktion

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Re: Fliegenrute mit parabolischer Aktion

Beitragvon hshl » 19.06.2018, 09:27

Hallo Heiko,
Magellan hat geschrieben:Wäre es nicht zielführender sich mit seinen, den entsprechenden Ruten für die entsprechende Situation vertraut zu machen?

Ob spritzig superschnell, halb, voll parabolisch, ob mit Gespließter oder Glasfaser, jede dieser Rutenaktionen verlangt ihr spezifisches “Händchen“. Und darüber hinaus bei wechselnden Bedingungen am Fischwasser, wie Wind oder das Wechseln zu einer für den Moment passenden Schnur, wiederum eine andere Technik.

Aus meiner Sicht vollkommen richtig. Letztendlich soll die Fliege dorthin fliegen, wohin der Fischer sie haben will und die Situation am Fischwasser muss beherrscht werden. Auch ich fische gerne Fliegenruten mit schnellerer (Bauch-) Aktion, weil sie die größten Einsatzmöglichkeiten bieten. Allerdings hat die schnelle Aktion für mich auch eine Obergrenze, denn ultraschnelle Fliegenruten fische ich ungern. Insbesondere bei längeren Würfen ermüde ich schneller und die Wurfweite liegt nur bei einzelnen Würfen über der mit einer "langsameren" als ultraschnellen Aktion.

Magellan hat geschrieben:Ich meine (aus selbst gemachter Erfahrung mit Gästen) das es widersinnig ist mit Rutenaktionen die aus dem Kontext des täglichen Gebrauchs fallen seine Technik optimieren zu wollen/ können.

Mehr noch: es wird zu Frust am Fischwasser wenn es darauf ankommt...

Aus der Praxis heraus absolut nachvollziehbar. Für mich ebenso nachvollziehbar ist aber auch der Anspruch von z.B. Küstenfischern, über den Fischertag hindurch eine konstante hohe Weite mit möglichst wenig Aufwand werfen zu wollen. Häufig sehe ich Küstenfischer, welche die Weite "erarbeiten" und nach kürzerer Zeit eine Pause einlegen (müssen). Das ist oft der Frust des Küstenfischers ! Wenn ich dann gefragt werde, was aus meiner Sicht an ihrem Wurf verbessert werden könnte, rate ich in den überwiegenden Fällen die Rotation / das "Abkippen" (noch) weiter zu verzögern - und erhalte dann häufig erstaunte Reaktionen, weil viele denken, dass sie bereits "so spät wie möglich" rotieren, es aber eben nicht so ist.

Genau hier kann das Training mit sehr weichen Fliegenruten einem die Augen öffnen (so wie es bei mir der Fall war): wer die weichen Ruten weiter werfen will, der MUSS den Wurf langsamer beginnen und sehr spät rotieren ! Und genau dieses späte rotieren hilft dann auch bei schnelleren Fliegenruten eine größere Weite mit weniger Aufwand zu werfen. Als Anhaltspunkt für eine späte Rotation schaue ich, ob die Rutenhand die Körperachse vor dem Einsetzen der Rotation passiert / gekreuzt hat. Dafür gibt es meiner Überzeugung nach eine gute Übung bezogen auf den Rückwurf (Link - leider nur auf englisch):


Insgesamt betrachtet hat sich meine Einschätzung von 2011 nicht geändert, sondern weiter bestätigt: "langsam zu schnell geht immer, schnell zu langsam nimmer ..." :wink:

Natürlich gibt es viele Situationen, bei denen das sehr späte Rotieren nicht erforderlich ist. Diese in solchen Situationen "zu fordern" ist unsinnig.

TL, Tobias
Energieübertragung Griff -> Spitze = Rotation ("Hebelbewegung") + Translation ("Parallelbewegung") + Zwischenspeicherung ("Rutenladung") + Umverteilung ("Drehimpuls/Massenträgheit")
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Re: Fliegenrute mit parabolischer Aktion

Beitragvon piggy » 19.06.2018, 10:24

Hallo Heiko, hallo Tobias,

vielen Dank für Eure Hinweise und Anregungen! Ich werde in nächster Zeit mal ernsthaft mit einer langsameren Fliegenrute üben/ werfen und dann von dem Effekt beziehungsweise von meinen Erfahrungen berichten.

In der Situation am Wasser werden doch sicherlich viele Fliegenfischer eine Fliegenrute präferieren, die nicht sehr sensitiv auf Timing-Fehler oder Abweichungen vom Straight Line Path reagiert. Beim Üben auf der Wiese sehe ich das aber anders. Hier erwarte bzw. erhoffe ich, dass die langsameren Ruten sensibler bzgl. ebendieser Fehler reagieren und somit auch besser potentielle Schwächen des Wurfablaufes identifizieren.

Beste Grüße
Christian
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Re: Fliegenrute mit parabolischer Aktion

Beitragvon piggy » 19.06.2018, 16:21

Hallo zusammen,

heute kam eine 9' Hardy Jet (Fibreglass) in #6 --- das nenne ich mal parabolische Aktion.... Ich werde berichten und nochmals vielen Dank für die Hinweise!

Beste Grüße
Christian
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Re: Fliegenrute mit parabolischer Aktion

Beitragvon Gammarus roeseli » 19.06.2018, 23:53

Hallo.

Viele Fliegenruten bei den alten Glasruten sind eher sehr dick im Blankdurchmesser :roll: bis in die Rutenspitze…. :roll: ( :-k Bis in die Rutenspitze, um damit schwere Nymphen und Streamer möglichst weit durch die Luft transportieren zu können ….!?) Das dicke Aussehen bis in die Rutenspitze bei solchen Glass Fliegenruten schaut nach meinem Empfinden nicht nur sehr unschön aus, sondern wirft sich auch so (eher unschön) ….. Das Wurfverhalten einer solchen Rute würde ich so beschreiben, wie man sich das Wurfverhalten in etwa vorstellen kann, wenn man bei einer modernen Fliegenrute die Rutenspitze einkürzt …. :-X
Meiner bisherigen Erfahrung nach, kann man die alten Glasruten auch nicht mit den modernen (Fiberglas) Fliegenruten vergleichen, die modernen Glasruten haben im Vergleich zu früher einen angenehm schlanken Blank :D und sind gemacht um bevorzugt Trockenfliegen zu transportieren ….. :smt003 (Wenn man denn werfen kann, kann man auch mit einer Fiberglasrute die Fliege mühelos sehr weit werfen…)
Auf der EWF konnte mit der Hardy Sirrus Glass Sintrix :biggrin: probegeworfen werden ….. Die Rute hatte eine wundervolle- vollparabolische Aktion, bot ein hervorragendes Wurfverhalten und war wie gemacht für das Fischen mit der Trockenfliege. (Die Echo Glass ist eine günstigere Alternative….)

Grüße Christian

PS: Um das Potential einer modernen Glasrute überhaupt wertschätzen (!!) zu können, sollte man immer am Wasser werfen, auch unbedingt mal einen größeren bis großen Fisch am Band haben (!!) und niemals auf der Wiese werfen ….
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Re: Fliegenrute mit parabolischer Aktion

Beitragvon piggy » 20.06.2018, 08:06

Hallo Christian,

vielen Dank für Deine kritischen Anmerkungen, auf die ich im Folgenden kurz eingehen möchte:

Gammarus roeseli hat geschrieben:Viele Fliegenruten bei den alten Glasruten sind eher sehr dick im Blankdurchmesser :roll: bis in die Rutenspitze…. :roll: ( :-k Bis in die Rutenspitze, um damit schwere Nymphen und Streamer möglichst weit durch die Luft transportieren zu können ….!?) Das dicke Aussehen bis in die Rutenspitze bei solchen Glass Fliegenruten schaut nach meinem Empfinden nicht nur sehr unschön aus, sondern wirft sich auch so (eher unschön) ….. Das Wurfverhalten einer solchen Rute würde ich so beschreiben, wie man sich das Wurfverhalten in etwa vorstellen kann, wenn man bei einer modernen Fliegenrute die Rutenspitze einkürzt …. :-X Meiner bisherigen Erfahrung nach, kann man die alten Glasruten auch nicht mit den modernen (Fiberglas) Fliegenruten vergleichen, die modernen Glasruten haben im Vergleich zu früher einen angenehm schlanken Blank :D und sind gemacht um bevorzugt Trockenfliegen zu transportieren ….. :smt003


Das kann ich nur schwer beurteilen, da ich noch nicht mit einer eingekürzten Fliegenrute geworfen habe. Ich kann aber die alte Hardy Jet mit der (modernen?) Echo Glass #5 vergleichen. Die Echo Glass ist nach meinem Gefühl viel dichter an einem Lämmerschwanz als die historische Hardy. Gerade im unteren Bereich arbeitet bei der Echo sehr wenig, so dass (für mich) eine ausgeprägt Kopflastigkeit entsteht. Die Hardy hat eine wirklich durchgehende Aktion. Ich kann mich der Einschätzung von Reinhard nur anschließen:

Trockenfliege hat geschrieben:Die längeren Modelle waren eher kräftig und recht schnell, ich würde sagen, keine reinen Glasruten, sondern mit Kohle gemicht(untere Lage).


Der Blank der Hardy ist wirklich signifikant dicker als bei der Echo, aber im Gegensatz zu vielen anderen Fliegenfischern unserer Zeit ist mir die Ästhetik (auf der Wiese und am Wasser) nicht ganz so wichtig.... Ich möchte auch nochmals betonen, dass ich mit der alten Glasrute nicht ans Wasser möchte. Niemand wird mit Gewichtsmanschetten einen Marathon laufen, aber dennoch gibt es Leute, die im Training zusätzliche Gewichte aufnehmen....

Gammarus roeseli hat geschrieben:PS: Um das Potential einer modernen Glasrute überhaupt wertschätzen (!!) zu können, sollte man immer am Wasser werfen, auch unbedingt mal einen größeren bis großen Fisch am Band haben (!!) und niemals auf der Wiese werfen ….


Das ist natürlich eine sehr pauschale Aussage, die ich so nicht wirklich nachvollziehen kann. Selbstverständlich hätte jeder Fliegenfischer gerne einen größeren bis großen Fisch am Band, aber aktuell sehe ich am Wasser sehr viele Fliegenfischer, die, egal mit was für einer Rute, auch unbedingt mal auf der Wiese werfen sollten.....

Beste Grüße
Christian
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Re: Fliegenrute mit parabolischer Aktion

Beitragvon Maggov » 20.06.2018, 08:35

piggy hat geschrieben:Hallo zusammen,

heute kam eine 9' Hardy Jet (Fibreglass) in #6 --- das nenne ich mal parabolische Aktion.... Ich werde berichten und nochmals vielen Dank für die Hinweise!

Beste Grüße
Christian


Hallo Christian,

freut mich dass Du eine gefunden hast.

LG
Markus
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Re: Fliegenrute mit parabolischer Aktion

Beitragvon Gammarus roeseli » 21.06.2018, 09:51

piggy hat geschrieben: Ich kann aber die alte Hardy Jet mit der (modernen?) Echo Glass #5 vergleichen. Die Echo Glass ist nach meinem Gefühl viel dichter an einem Lämmerschwanz als die historische Hardy.


Genau wie ich bereits angedeutet habe, die alten Ruten sind gemacht um auch mal schwere Nymphen und Streamer zu werfen, die modernen Glasruten sind gemacht um bevorzugt (!) Trockenfliegen zu transportieren …..

Hallo Christian,

hast Du die lange Variante (8,6 ft) der Echo Glass in #5?
Ich fische in der Maifliegenzeit sehr gern mit der Echo Glass #4 – 7,4 ft und einer Kurzkeulenschnur der VISION Vibe 65 in #4-5 bei einer Keulenlänge von (nur) 6,5m und 10g. (Kurze Rute = kurze Keule… :daumen ) Eine mehr als gelungene Verheiratung wie sich am Wasser immer und immer wieder aufs Neue zeigt…. :D Man braucht auch keine Angst vor großen Fischen zu haben, :smt003 meine Echo Glass ist hervorragend mit BF von bis zu 60cm zurechtgekommen…. :daumen

LG Christian
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Re: Fliegenrute mit parabolischer Aktion

Beitragvon piggy » 21.06.2018, 10:29

Hallo Christian,

Gammarus roeseli hat geschrieben:Hallo Christian,

hast Du die lange Variante (8,6 ft) der Echo Glass in #5?

Ich fische in der Maifliegenzeit sehr gern mit der Echo Glass #4 – 7,4 ft und einer Kurzkeulenschnur der VISION Vibe 65 in #4-5 bei einer Keulenlänge von (nur) 6,5m und 10g. (Kurze Rute = kurze Keule… :daumen )


genau diese Rute hatte ich. Ich habe gerade nachgeschaut und gesehen, dass Echo diese als "Big Water" Glass spezifiziert. Deine (7'4" in #4) wird als "Small Water" Glass spezifiziert. Höchstwahrscheinlich hat Deine Rute eher eine klassische "Glass-Aktion" als die #5er.

Auf jeden Fall macht es mir sehr viel Freude, auch mal ältere Ruten zu werfen. Parallel zu dieser Hardy Jet Glass habe ich noch eine ältere Orvis Chalkstream (Graphite) erworben. Natürlich hat diese Rute keine parabolische Aktion, aber das Werfen mit dieser Rute macht einfach nur Spaß.

Beste Grüße
Christian
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