Hallo Alle Forumaner,
Quote: Der Anhieb soll beim Huchen nicht nur extrem stark erfolgen, sondern sogar mehrmals, deshalb mit aller Kraft. Nachdem mir Fliegenruten bereits beim Werfen brachen, traue ich mich momentan nicht, mit einer Fliegenrute auf Huchen zu fischen, weil ich Angst habe, bei einem Anhieb die Rute zu brechen. Ich glaube, wir haben hier ein generelles Missverständnis bezüglich des „Anhiebs“. Beim, nennen wir es „Forellenfischen“, erfolgt das Hakensetzen oft, und aus durchaus funktionellen Gründen, per Hebelbewegung der Rute. Fischt man aber mit „Unterwasserfliegen“ auf größere Fische, mit „Härteren“ Mäulern, bringt ein „Forellenanhieb nicht mehr viel, weil in den meisten Fällen die Rute den Druck nicht durchbringt und die Kraft an der Rute verpufft, auch wenn man „voll anhaut! Man geht nun hin und benutzt beim Biss einen (langen) Strip mit der Schnurhand um den Druck zu erhöhen, in dem meisten Fällen (wenn er schön scharf ist) wird der Haken fassen, man kann dann noch kurz mit dem Handteil der Rute nachfassen. Dieser „Strip-Strike“ bleibt die beste Methode, die Fische sicher zu Haken. Das solide Handteil der Rute bringt die Kraft über die (teils elastische) Fliegenschnur und das Vorfach zur Fliege durch. In einigen Fällen ist es aber schwierig, zu „Strip-Striken“ weil es nicht genug Schur zwischen Fisch und Rutenspitze gibt. Dann ist es normal, eher per Hebelbewegung Zug auf den Haken zu bekommen.
Quote: Die Rute die mir sofort nach der Reparatur wieder brach, beim Werfen, war eine Winston Boron II MX, Klasse 9, die wird als hardcore Salzwasserrute bezeichnet. D.h. sie soll in der Lage sein, einen großen Tarpon an Land zu ziehen, hielt in meinem Fall aber nicht mal einen Hecht mit kaum mehr als 18 Kilo aus. Und das, obwohl tropische Salzwasserfische viel aggressiver kämpfen als Süßwasserfische. Eine 9er Fliegenrute und insbesonders die oben genannte Winston, (obwohl nicht die klassische Tarponrute, da ist man mit einer Rute ab Schnurklasse 10 etwas besser beraten) ist durchaus in der Lage einen Tarpon oder sonst ein Fisch bis etwa 50 Pfund zu haken und zu drillen, wenn man sie richtig einsetzt, von einem Hecht (in jeder Grösse) ganz zu schweigen.
Beispiel, und nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen: Guide, Florida Keys: 7er Rute, 140-Pfund Tarpon in weniger als 30 Minuten am Boot und abgehakt. Es ist zwar ein Extremfall, zeigt aber, was mit Know-How und etwas Glück möglich ist.
Zur weiteren Illustration (ich wünschte ich könnte das Bildmaterial von Andy Mills Bucket Demo online finden und den Link hier posten)
http://www.floridasportsman.com/2011/10 ... g_0501108/Andy hat sich eine Rollenvorrichtung gebaut, die er an eine Tischplatte festschraubt und durch die er grobes Monofilmaterial durchfädelt. An das untere Ende knotet er einen Eimer, den er mit etwa 5 bis 6 Kilo Sand oder Erde gefüllt, das andere Ende knotet er an sein Vorfach oder seine Fliegenschnur und er versucht nun, den Eimer per Ruten anzuheben.
http://twitpic.com/3srg3sNatürlich habe ich mir auch so ein Rollenteil zugelegt es am Gartentisch befestigt und fleißig experimentiert.
Was habe ich so gelernt??
1) Eine Fliegenrute ist viel solider, als man glaubt, eine Fliegenrute ist demnach auch viel schwächer, als man glaubt.
2) Die Hebelkräfte, die auf die Hand wirken, sind meilenweit vom Ausmaß der Zugkraft am Vorfachende entfernt
3) Es sind die Arbeitswinkel, die entscheidend sind, wie viel Druck ich auf einen Fisch ausüben kann: ein flacher Winkel um 10 bis 30 Grad erlaubt es, den stärktsten Druck auf den Eimer/Fisch auszuüben, über 45 Grad ist die Rute zwar extrem belastet, nicht aber das Vorfach ( siehe „Fliege aus dem Ast befreien“!)
4) Vorfachmaterialien sind extrem solide!!
5) Im Umkehrschluss wird dann auch die „Anhiebstheorie“ oben bestätigt
Die so gewonnenen Erkenntnisse setze ich seit einiger Zeit konsequent um und mein Material hält länger, AUCH beim Forellenfischen, wo die Denkweise ans Material und an die zu fangenden Fische angepasst wird.
Zwar werden Angelruten immer wieder brechen (auch beim Werfen) , aber ein angepasster Umgang lässt sie länger leben.