Guten Morgen Kevin
Um zu verstehen, was passiert, benötigen wir meiner Ansicht nach:
Das erste newtonsche Gesetz ("Trägheitsgesetz"): Ein Objekt im Ruhezustand bleibt in diesem Zustand, und ein Objekt in Bewegung bleibt in Bewegung (gleiche Geschwindigkeit und gleiche Richtung), solange bis eine von außen einwirkende Kraft dies verändert.
Um dieses Gesetz im Alltag anwenden zu können, muß man u.a. verstehen, dass z.B. mit der Erdanziehung stets eine Kraft vorhanden ist. Daraus ergibt sich:
Wenn die Summe aller wirkenden Kräfte gleich Null ist, bleibt das Objekt in seinem Zustand, also entweder in seiner Bewegung oder im Ruhezustand.
Hieraus ergibt sich, dass Deine Rolle gewissermaßen im Ruhezustand bleiben möchte. Wenn Du sie nun rotierend beschleunigst (also erst einmal deutlich Kraft zuführst), so "möchte" die Rolle am Ende dieser Bewegung in dieser Bewegung bleiben. Allerdings möchtest Du dies nicht und führst erneut Kraft zu, um sie abzubremsen. Da Du das Handteil Deiner Rute vermutlich fest im Griff hast (hierzu später mehr) und das Gehäuse fest (starr) mit Deinem Handteil verbunden ist, bleibt das Gehäuse (syncron zu Deinen Händen) abrupt stehen. Hingegen der innere Kern (also die innerhalb der Rolle drehbare Spule) bleibt nicht ganz so abrupt stehen und dreht noch etwas weiter. Ich bezeichne dies als Schlupf.
Dies kann sowohl zum Ende des Vorwurfes als auch zum Ende des Rückwurfes passieren. Zum Ende des Rückwurfes passiert es aber eher nicht, da Du hoffentlich Deine Bremse präventiv im Hinblick auf Dein Primärziel einigermaßen fest eingestellt hast. Hier ist der Schlupf also nicht so leicht zu erzeugen, weil der Reibungswiderstand (Bremskraft basierend) größer ist. Zum Ende des Vorwurfes hingegen ist der Reibungswiderstand des Kerns zum Gehäuse erheblich geringer, (Jürgen hat es schön beschrieben - bei manchen Rollen sehr gering), denn die Spule soll ja leicht zu drehen sein.
Während der Beschleunigung im Wurf dreht sich die Spule normalerweise nicht (nennenswert), hat also (fast) keinen Schlupf.
Ich behaupte jetzt nicht, dass Laverda (der letzteres ja annahm) grundsätzlich falsch lag. Hierfür bräuchte ich eine Slowmotionaufnahme

.
Allerdings, wenn Du die Rolle in die Hand nimmst und sie (ganz entscheidend: nach vorne ausgerichtet!) rotierend nach vorne beschleuniegst, dreht sie nach dem Stopp deutlich weiter. Man hört dies deutlich am klackern (sofern eine Ratsche wie bei meiner Abel vorhanden ist).
Es ist gut möglich, dass auch während der Beschleunigung eine Art Mikroschlupf stattfindet.
Wir halten also fest: Der (wesentliche) Schlupf, welcher zum Aufspulen führt, passiert hauptsächlich nach dem Stopp im Vorwurf.
Was kannst Du nun tun?
Wie bereits beschrieben, ist das Lösen Deiner Bremse, wodurch sich diese Schlupfeffekte vorne und hinten fast negieren würden, keine Lösung.
Auch der Kauf einer teuren Rolle ist keine Lösung, denn meine (vergleichsweise sehr hochpreisigen) Abelrollen (und längst nicht nur diese) haben diesen Schlupf ebenfalls. Diese Lösung würde Dein Problem eher etwas reduzieren, nicht aber vermeiden.
Ich sehe drei Möglichkeiten:
1. Die alten Loop 3W Rollen (nein, ich werde meine 4 niemals verkaufen!) wurden entweder gehasst oder geliebt. Bei diesen Rollen wirkt die Bremse in beide Drehrichtungen gleich. Und genau deswegen entsteht jener Schlupf nicht! (Ich seh schon die Preise auf Ebay steigen

.)
Den erhöhten Widerstand beim Kurbeln muss man ebenso in Kauf nehmen, wie eine gewisse Bremskraft, die man bei dieser Rolle nicht überschreiten kann. Letzteres ist mir am Lax egal, denn den Lax stoppt man eh nicht über die Rollenbremse!
2. Du drehst Deine Rolle im Wurf konstant auf die Seite. Damit wirkt die Rotationsbeschleunigung zunehmend in die Richtung des Spulenkerns, in welche er nicht frei drehbar ist. (ups schon wieder ein Argument pro verdrehter Rolle

)
3. Und dies ist meine Lösung: Ich lockere meine Griffhaltung (oben und unten) insgesamt deutlich. Somit dreht die Rolle im Wurf "wie von selbst" (der Rotationskraft folgend) nach außen und am Ende wieder mehr nach innen Richtung Wurf. Hierbei entsteht kein nennenswerter Schlupf.
Richtig interessant wird es, wenn Du uns jetzt verräst, Du hast eine der "Zpey" Ruten mit jenem "Gewehrgriff" in Deinem Besitz. Dann ist das Thema mit dem Verdrehen der Rolle ein ganz anderes, weil dadurch andere negative Effekte entstehen würden. In diesem Fall würde ich die Rolle nicht verdrehen und sie konstant in Wurfrichtung ausgerichtet lassen!
Gebhard folgend sollte dies auch für die Anwendung von gespließten Ruten gelten, da sich ansonsten (seiner Erfahrung folgend) langfristig Verdrehungen im Blank abspeichern.
Jener Effekt tritt auch beim Einhandwerfen auf. Wer beim Distanzwurf im Stopp vorne einmal "lauscht", kann seine Rolle möglicherweise etwas singen hören.
In diesem Sinne möge Deine Rolle SINGEN.
Denn, wenn der Lax beißt, ist Alles egal!
Skitt fiske!
Beste Grüße
Bernd
p.s. Hallo Laverda,
sollte ich falsch liegen, bitte ich um Korrektur/Einwände und lerne mit Deiner Hilfe sehr gerne wieder etwas dazu!