Bewegung der rolle im wurf

Fliegenwerfen - wie geht das eigentlich? Wie kann ich meine Leine effektiver ausbringen und Fehler ausmerzen? Was hat es mit den AFTMA-Klassen auf sich? Was sind Spezial- und Trickwürfe? Fragen über Fragen! Hier könnt Ihr Euch gegenseitig helfen.

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Bewegung der rolle im wurf

Beitragvon kevin » 09.08.2011, 20:56

Hi leute und sportfreunde,

Mir ist in den letzten tagen beim fischen auf mein saisonfavorit lachs folgendes aufgefallen. Egal ob doubble spey, single spey oder snap-t. Ich bin der meinung das sich beim wurf meine rolle von selbst aufrollt. Das heisst nach ein paar casts ist mehr shooting line zurueck auf der rolle als ich vorher abgezogen habe. Ich weiss nicht wie oder bei welcher phase es passiert. Sicher ist es auch ne frage der rolle. Scierra D-lite hat keinen einkurbelwiederstand. Dreht sehr leicht!! Bei einer vossler oder hardy waere das vielleicht nicht so.
Waere cool wenn da jemand ne idee hat oder selber sowas beobachtet.
@bernd: du weisst hoffe ich was ich meine :D hilf mir!!!!!!!!!!!!


Gruesse aus tromsø

Kevin
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Re: Bewegung der rolle im wurf

Beitragvon Thotty » 10.08.2011, 09:40

hey Kevin,

hab das phänomen auch bei meinen Battenkill LA von ORVIS.
ist extrem nervig...

grüße
Thotty
zuletzt geändert von Thotty am 11.7.2011 um 21.13, insgesamt 153- mal geändert
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Re: Bewegung der rolle im wurf

Beitragvon laverda » 10.08.2011, 21:26

Hi Kevin,
die Spule samt Schnur und Backing hat einiges an Gewicht bzw Masse und ist sehr leicht drehend gelagert. Wenn du nun die Rolle beim Wurf (annähernd) als Drehpunkt hast, sorgt die Massenträgheit der Spule für ein "Stillstehen" der Spule und somit dreht sich das "Rollen-Gehäuse" durch die Wurfrotation um die Spule und die Schnur kann sich langsam aber sicher bei jedem Wurf ein Stückchen aufrollen.

Wie du bei deiner Rolle Abhilfe schaffen kannst.............keine Ahnung. Ich ziehe ab und an an der Running Line, an die ich fürs Wurftraining eh ein paar Markierungen angebracht habe, um konstante Länge zu halten.
Allerdings ist mir auch aufgefallen, dass ich beim Fischen hin und wieder insbesondere beim Strippen die Kurbel touchiere und dabei ebenfalls die Schnur verkürze.

Gruß vom platten Niederrhein
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Re: Bewegung der rolle im wurf

Beitragvon kevin » 10.08.2011, 22:21

hi,

danke euch beiden erstmal. also doch die rolle als ausloeser. dachte ich es mir doch. hab leider kein die nen klick in dieser richtung hat um das zu vermeiden.
@laverda: ich finde du hast das sehr gut erklaert. macht sinn fuer mich. muss wohl damit leben in der zukunft.

danke nochmal.

kevin :D
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Re: Bewegung der rolle im wurf

Beitragvon piscator » 11.08.2011, 07:43

Moin Kevin, das gibts bei einer Reihe von Billigrollen -- Shimano, Scierra, EOS etc. die denken, das hemmungsfreies Einspulen ein Qualitätsmerkmal ist. Kann man aber in Kauf nehmen oder ne High End Rolle kaufen. J.
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Re: Bewegung der rolle im wurf

Beitragvon derflow » 11.08.2011, 09:26

Moin !

Bei "Billigrollen" (- wobei in meinen Augen eine Rolle der 100-200€Klasse keine Billgrolle ist - denke da kann man schon ein gewisses Maß an Funktionalität und Qualität erwarten!) habe ich die Erfahrung gemacht, daß diese wenn man die Bremse zudreht nicht mehr so extrem leichtgängig sind und die Schnur beim Werfen nicht mehr von selber aufwickeln. Ob das bei Deiner Scierra klappt weiss ich nicht. Bei meiner B&P Puron und Loop Multi konnte ich damit diesem Effekt ein wenig Einhalt gebieten - zumindest gefühlt :D
Gruß

Florian

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Re: Bewegung der rolle im wurf

Beitragvon Bernd Ziesche » 11.08.2011, 10:03

Guten Morgen Kevin :)
Um zu verstehen, was passiert, benötigen wir meiner Ansicht nach:

Das erste newtonsche Gesetz ("Trägheitsgesetz"): Ein Objekt im Ruhezustand bleibt in diesem Zustand, und ein Objekt in Bewegung bleibt in Bewegung (gleiche Geschwindigkeit und gleiche Richtung), solange bis eine von außen einwirkende Kraft dies verändert.
Um dieses Gesetz im Alltag anwenden zu können, muß man u.a. verstehen, dass z.B. mit der Erdanziehung stets eine Kraft vorhanden ist. Daraus ergibt sich:
Wenn die Summe aller wirkenden Kräfte gleich Null ist, bleibt das Objekt in seinem Zustand, also entweder in seiner Bewegung oder im Ruhezustand.

Hieraus ergibt sich, dass Deine Rolle gewissermaßen im Ruhezustand bleiben möchte. Wenn Du sie nun rotierend beschleunigst (also erst einmal deutlich Kraft zuführst), so "möchte" die Rolle am Ende dieser Bewegung in dieser Bewegung bleiben. Allerdings möchtest Du dies nicht und führst erneut Kraft zu, um sie abzubremsen. Da Du das Handteil Deiner Rute vermutlich fest im Griff hast (hierzu später mehr) und das Gehäuse fest (starr) mit Deinem Handteil verbunden ist, bleibt das Gehäuse (syncron zu Deinen Händen) abrupt stehen. Hingegen der innere Kern (also die innerhalb der Rolle drehbare Spule) bleibt nicht ganz so abrupt stehen und dreht noch etwas weiter. Ich bezeichne dies als Schlupf.
Dies kann sowohl zum Ende des Vorwurfes als auch zum Ende des Rückwurfes passieren. Zum Ende des Rückwurfes passiert es aber eher nicht, da Du hoffentlich Deine Bremse präventiv im Hinblick auf Dein Primärziel einigermaßen fest eingestellt hast. Hier ist der Schlupf also nicht so leicht zu erzeugen, weil der Reibungswiderstand (Bremskraft basierend) größer ist. Zum Ende des Vorwurfes hingegen ist der Reibungswiderstand des Kerns zum Gehäuse erheblich geringer, (Jürgen hat es schön beschrieben - bei manchen Rollen sehr gering), denn die Spule soll ja leicht zu drehen sein.
Während der Beschleunigung im Wurf dreht sich die Spule normalerweise nicht (nennenswert), hat also (fast) keinen Schlupf.

Ich behaupte jetzt nicht, dass Laverda (der letzteres ja annahm) grundsätzlich falsch lag. Hierfür bräuchte ich eine Slowmotionaufnahme :mrgreen: 8) .
Allerdings, wenn Du die Rolle in die Hand nimmst und sie (ganz entscheidend: nach vorne ausgerichtet!) rotierend nach vorne beschleuniegst, dreht sie nach dem Stopp deutlich weiter. Man hört dies deutlich am klackern (sofern eine Ratsche wie bei meiner Abel vorhanden ist).
Es ist gut möglich, dass auch während der Beschleunigung eine Art Mikroschlupf stattfindet.

Wir halten also fest: Der (wesentliche) Schlupf, welcher zum Aufspulen führt, passiert hauptsächlich nach dem Stopp im Vorwurf.

Was kannst Du nun tun?

Wie bereits beschrieben, ist das Lösen Deiner Bremse, wodurch sich diese Schlupfeffekte vorne und hinten fast negieren würden, keine Lösung.
Auch der Kauf einer teuren Rolle ist keine Lösung, denn meine (vergleichsweise sehr hochpreisigen) Abelrollen (und längst nicht nur diese) haben diesen Schlupf ebenfalls. Diese Lösung würde Dein Problem eher etwas reduzieren, nicht aber vermeiden.

Ich sehe drei Möglichkeiten:

1. Die alten Loop 3W Rollen (nein, ich werde meine 4 niemals verkaufen!) wurden entweder gehasst oder geliebt. Bei diesen Rollen wirkt die Bremse in beide Drehrichtungen gleich. Und genau deswegen entsteht jener Schlupf nicht! (Ich seh schon die Preise auf Ebay steigen :mrgreen: 8) .)
Den erhöhten Widerstand beim Kurbeln muss man ebenso in Kauf nehmen, wie eine gewisse Bremskraft, die man bei dieser Rolle nicht überschreiten kann. Letzteres ist mir am Lax egal, denn den Lax stoppt man eh nicht über die Rollenbremse!

2. Du drehst Deine Rolle im Wurf konstant auf die Seite. Damit wirkt die Rotationsbeschleunigung zunehmend in die Richtung des Spulenkerns, in welche er nicht frei drehbar ist. (ups schon wieder ein Argument pro verdrehter Rolle 8) )

3. Und dies ist meine Lösung: Ich lockere meine Griffhaltung (oben und unten) insgesamt deutlich. Somit dreht die Rolle im Wurf "wie von selbst" (der Rotationskraft folgend) nach außen und am Ende wieder mehr nach innen Richtung Wurf. Hierbei entsteht kein nennenswerter Schlupf.

Richtig interessant wird es, wenn Du uns jetzt verräst, Du hast eine der "Zpey" Ruten mit jenem "Gewehrgriff" in Deinem Besitz. Dann ist das Thema mit dem Verdrehen der Rolle ein ganz anderes, weil dadurch andere negative Effekte entstehen würden. In diesem Fall würde ich die Rolle nicht verdrehen und sie konstant in Wurfrichtung ausgerichtet lassen!
Gebhard folgend sollte dies auch für die Anwendung von gespließten Ruten gelten, da sich ansonsten (seiner Erfahrung folgend) langfristig Verdrehungen im Blank abspeichern.

Jener Effekt tritt auch beim Einhandwerfen auf. Wer beim Distanzwurf im Stopp vorne einmal "lauscht", kann seine Rolle möglicherweise etwas singen hören.

In diesem Sinne möge Deine Rolle SINGEN.
Denn, wenn der Lax beißt, ist Alles egal!

Skitt fiske! :wink:

Beste Grüße
Bernd

p.s. Hallo Laverda,
sollte ich falsch liegen, bitte ich um Korrektur/Einwände und lerne mit Deiner Hilfe sehr gerne wieder etwas dazu!
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Re: Bewegung der rolle im wurf

Beitragvon laverda » 11.08.2011, 10:39

Hi Bernd,
tatsächlich rollt die Spule etwas nach und das seitliche Verdrehen beim Wurf schafft Abhilfe, ist mir persönlich aber zu umständlich. Man kann dies sehr gut beobachten, wenn man mal nur das Handteil der Rute mit Rolle zur Hand nimmt und die rotiernde Wurfbewegung ausführt.

Dies ist eben ein Effekt bei sehr leicht drehenden Rollen (in Aufrollrichtung) und nimmt mit zunehmender Spulenmasse zu.
Wie bereits erwähnt, einfach hin und wieder etwas Runningline nachziehen und gut ist.

Gruß vom platten Niederrhein
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Re: Bewegung der rolle im wurf

Beitragvon Bernd Ziesche » 11.08.2011, 11:49

Der Punkt Spulenmasse ist ein sehr guter Punkt!
Da liegen meine Abelrollen (die alten) deutlich vorn. :)
Gruß
Bernd
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Re: Bewegung der rolle im wurf

Beitragvon kevin » 13.08.2011, 00:00

hi,

danke euch fuer die ausserordentlich guten erklaerungen. muss ich da wohl mit leben oder ne alte hardy mit click mal ersteigern :shock: .

danke auch dir bernd fuer die ausfuerliche erklaerung auf der seite der physik. musste ich zwar paar mal lesen :oops: . leuchtet mir aber ein.

gruesse aus tromsø

kevin :D
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