Das Märchen von der Wurffehler verzeihenden Fliegenrute

Fliegenwerfen - wie geht das eigentlich? Wie kann ich meine Leine effektiver ausbringen und Fehler ausmerzen? Was hat es mit den AFTMA-Klassen auf sich? Was sind Spezial- und Trickwürfe? Fragen über Fragen! Hier könnt Ihr Euch gegenseitig helfen.

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Das Märchen von der Wurffehler verzeihenden Fliegenrute

Beitragvon Hans. » 14.10.2015, 11:43

Liebe Freunde,

es war einmal eine Fliegenrute, die war biegsam und weich. Nahm sie der frisch gebackene Novize in der Kunst des Fliegenfischens mit ans Wasser und tat dort vorsichtig seine ersten Würfe, so war ihm diese Rute eine gute Freundin. Gutmütig begleitete sie ihn viele Wochen. Und als er so allmählich seine Wurfkunst verbesserte, verfeinerte, und etwas mehr als ein Anfänger genannt werden konnte, so war sie es, die den einen oder anderen noch entstehenden kleineren oder größeren Wurffehler verzieh, ihn ausbügelte und fast ungeschehen machte. Nach vielen Monaten sicherer und sicherer werdend traute er sich an eine steifere, weniger biegsame Rute heran. Diese war ihm gegenüber streng und unerbittlich. Böse wartete sie mit Hinterlist auf Wurffehler, verzieh nichts und verdarb die Freude am feinen Spiel. Reumütig kehrte er zu seiner ersten Freundin zurück, bat auf Knien um Verzeihung und siehe, sie blieb ihm treu, verzieh ihm alles und wenn er nicht gestorben ist, so fischt er sie noch heute. Und dieses Märchen ist so schön und lieblich, dass es über Generationen von Fliegenfischer zu Fliegenfischer weitererzählt wurde, ja auch heute noch erzählt wird.

Viele Grüße
Hans
Zuletzt geändert von Hans. am 14.10.2015, 15:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Das Märchen von der Wurffehler verzeihenden Fliegenrute

Beitragvon tea stick » 14.10.2015, 12:36

Hans. hat geschrieben:...so war ihm diese Rute eine gute Freundin... sie blieb ihm treu, verzieh ihm alles...

Gell, Hans, da gibt es schon spürbare Parallelen!
Mit verständnisvollem Gruß
Freimut
TL!
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Re: Das Märchen von der Wurffehler verzeihenden Fliegenrute

Beitragvon Ralph Hertling » 14.10.2015, 14:09

DANKE, Hans!!!!
:)
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Re: Das Märchen von der Wurffehler verzeihenden Fliegenrute

Beitragvon flifiandy » 14.10.2015, 20:54

Hallo Hans,

das hast Du wunderschön geschrieben.
Danke.

Viele Grüße
Andy
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Re: Das Märchen von der Wurffehler verzeihenden Fliegenrute

Beitragvon Michael Römer » 15.10.2015, 07:50

Danke Hans,

Es gibt sie also doch noch - die gute alte Freundin.
Ganz wie im richtigen Leben :)
Sie ist zwar nicht mehr die Jüngste, verzeit einem den einen oder anderen Fehler und es macht Spaß mit ihr zusammen alt zu werden.

LG
Michael
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Re: Das Märchen von der Wurffehler verzeihenden Fliegenrute

Beitragvon troutteaser » 15.10.2015, 10:58

Hallo Hans,

Toller Beitrag mit einem Schuss Ironie, hat mir Freude gemacht beim Lesen.

Nach meinen Erfahrungen ist es in der Tat ein Märchen, das eine "weiche", langsame Rute mehr Fehler verzeiht als eine schnelle. Ich finde, das die weiche, langsame Rute die wahre Herausforderung ist und beim Werfen die Spreu vom Weizen trennt. Jeder, der mal eine wirklich langsame Rute geworfen hat, kann das wohl bestätigen. Es gab schon einmal einen langen Thread dazu mit dem Titel "Wurftraining mit langsamen Ruten", wo das Thema ausführlich und kontrovers diskutiert wurde.

Viele Leute können mit mittelschnellen und schnellen Ruten ganz passabel werfen, mit langsamen nicht. Auch muss man bedenken, dass es eine "alle Fehler verzeihende Rute" nicht gibt, jeder Wurffehler wird mehr oder weniger deutlich sichtbar.

Nichtsdestotrotz macht es mir Spaß, mit verschiedenen Aktionstypen zu werfen. Wie ist das bei Dir?

Beste Grüße,
Emil
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Re: Das Märchen von der Wurffehler verzeihenden Fliegenrute

Beitragvon Hans. » 15.10.2015, 22:11

Hallo Emil,

genau das wollte ich rüberbringen: Es gibt keine Rute, die Wurffehler verzeiht. Im Märchen ja, in der Realität nicht. Warum das gerade immer wieder von weichen Ruten behauptet wird ist mir gänzlich unverständlich.

Z.Zt. bin ich auf dem weichen Trip. Der Doppelzug braucht wesentlich mehr Fingerspitzengefühl als bei einer nicht so weichen Rute, der Unterschied ist sehr deutlich spürbar. Aber jetzt erstmal ist die weiche Rute der Favorit :D

Viele Grüße,
Hans
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Re: Das Märchen von der Wurffehler verzeihenden Fliegenrute

Beitragvon troutteaser » 16.10.2015, 19:33

Hallo Hans!

Ich denke, da machst Du bestimmt keinen Fehler. Ich werfe und fische gerne mit medium-fast Gerten, vor allem hier in Oberbayern. Ich lege mich da aber nicht fest, genieße auch den Wechsel zwischen verschiedenen Aktionstypen.

Beste Grüße,
Emil
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Re: Das Märchen von der Wurffehler verzeihenden Fliegenrute

Beitragvon Martin 1960 » 18.10.2015, 13:48

Ein freundliches Hallo in die Runde.

Ich "glaube" fest daran, das weichere Ruten eher Fehler verzeihen.

Beispiel Sage DS2, eine "DS" war schon immer himmlisch weich und verzeit so einiges,
ausser, zu geringe Aufmerksamkeit und mangelde Pflege, .-) .

Kleiner Nachtrag:
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Freundlicher Gruss, Martin

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Re: Das Märchen von der Wurffehler verzeihenden Fliegenrute

Beitragvon Hans. » 18.10.2015, 21:21

Hallo Martin,

ich fände es interessant wenn Du beschreiben könntest, welcher Wurffehler bei einer weichen Rute durchgeht, bei einer härteren eher nicht.

Gruß,
Hans
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Re: Das Märchen von der Wurffehler verzeihenden Fliegenrute

Beitragvon CPE » 18.10.2015, 22:03

Hallo Hans,

Ich traue mich mal an eine Erklärung: Vergleicht man einen ideal starren Stab mit einer sehr weichen Rute, würde jede noch so kleine Abweichung vom Straight Line Path beim Stab zu 100% Auswirkung auf die Schnur und damit des Wurfergebnisses führen. Bei der weichen Rute würden kleine Fehler dagegen im Blank gedämpft und damit nur in geringerem Maße an der Spitze ankommen, ergo stimmt der Satz "Weiche Ruten kompensieren Wurffehler eher" der Physik nach sehr wohl. Aus der Praxis heraus hätte ich trotzdem meine Zweifel an der Aussagekraft.

Gruß, Norbert
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Re: Das Märchen von der Wurffehler verzeihenden Fliegenrute

Beitragvon Martin 1960 » 19.10.2015, 07:12

Hallo, einen guten Morgen wünsche ich Euch.

@Hans
Mein Post war schon etwas augenzwinkert gemeint.
Lieber Ofen wärme mich, dann gebe ich Dir auch Holz.
Hier wohl eher:
Willst Du sauber/schön werfen,
dann ist Aufmerksamkeit bei der Ausführung von Nöten.

Wenn eine weichere Rute denn doch Fehler verzeiht,
dann nur in horizontaler Richtung,
auf keinen Fall in vertikaler Richtung.

Eine ungewollte Bewegung nach rechts oder links kann (in Maßen) kompensiert werden,
hingegen, wenn denn dann der berühmte Arbeitswinkel/die Stopps nicht genau eingehalten werden,
kann das nicht kompensiert werden.
Freundlicher Gruss, Martin

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Re: Das Märchen von der Wurffehler verzeihenden Fliegenrute

Beitragvon flo staeuble » 19.10.2015, 07:39

musste beim lesen des wortes "fehlerverzeihung" gerade laut schmunzeln und erlaube mir, eine parallele aus meinem zweiten hobby zu erwähnen:
noch schwieriger das perfekte werfen einer fliegenrute ist die durchfürung eines einigermassen ansehnlichen golfschwungs. ehrlich gesagt: wer nicht in kindertagen damit angefangen hat, wird hierbei sein leben lang durch den nebel tappen und nie die sonne sehen.
nun stehen die hersteller von golfschlägern vor demselbem dilemma wie die von fliegenruten: sie müssen jedes jahr neue modelle auf den markt werfen, schließlich tut die konkurrenz dasselbe.
die parallelen in den die verbesserten eigenschaften des neuen modells beschreibenden werbeanzeigen sind entzückend. generell werden zwei haupteigenschaften der neuen schläger gerühmt:
1. NOCH MEHR LÄNGE - eine falle, in die insbesondere die herren gerne tappen.
2. NOCH MEHR FEHLERVERZEIHUNG - knapp formuliert wird hier behauptet: "obwohl du überhaupt nicht in der lage bist, den ball ordentlich zu treffen, fliegt er märchenhaft gerade".
beides ist eine illusion, führt aber dazu, dass arme hanswurste jahr für jahr mit funkelnden neuen schlägern auf dem platz auftauchen - um erneut kläglich zu scheitern.
echte NEUERUNGEN gibt es nur alle 10-20 jahre (so wie beim fischen die umstellung auf carbonruten).
insofern bleibt auch hier nur eine alternative: "lerns gscheid, sonst gehts ned".

grüße vom flo
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Re: Das Märchen von der Wurffehler verzeihenden Fliegenrute

Beitragvon Thomas E. » 19.10.2015, 09:53

Hallo allerseits,

leider ist es so, das sich jeder Wurffehler abzeichnet, egal welche Rute verwendet wird. :badgrin:
An der sich entwickelnden Schnur kann man den/die entscheidenen Wurffehler aber schnell erkennen.

Mittlere ( wie auch die Sage DS2) bis eher straffe Aktionen sind am leichtesten zu werfen, während sehr weiche Ruten mit durchgehender Aktion sehr viel Gefühl erfordern !

Wer es nicht glaubt...auf den baldigen "Hamburger Wurftagen" ist von "super schnell bis extrem langsam" alles vorhanden, kann es im direkten Vergleich gerne selbst ausprobieren. :lol:


@flo
Guter Beitrag. :wink:
Das Golf technisch anspruchsvoller ist, als perfektes Fliegenwerfen, glaube ich aber so nicht.
Gruß
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Re: Das Märchen von der Wurffehler verzeihenden Fliegenrute

Beitragvon flo staeuble » 19.10.2015, 11:13

Thomas E. hat geschrieben:
@flo
Guter Beitrag. :wink:
Das Golf technisch anspruchsvoller ist, als perfektes Fliegenwerfen, glaube ich aber so nicht.


selbst golfer? wenn nicht: believe me! Gegen die Verzweiflung über die eigene Unfähigkeit beim Golfen ist das gelegentliche Versagen beim FF ein Kindergeburtstag. Oder hast du schonmal erlebt, dass dir der Fang einer Forelle misslang, weil du beim Werften statt der erforderlichen 11 Meter nur nen halben geschafft hast?:-)))
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