Über kaum einen Wurfstil wurde im deutschsprachigem Raum soviel geschrieben, wie dem Gebetsroitherstil.
Beschrieben wurde der Stil zumeist eher sehr knapp mit den Worten "oben rüber, unten durch".
Die Verwendung dieser vier Worte ist vielleicht die einzige Übereinstimmung, welche ich in sämtlichen Berichten, Videos, DVDs, Wurfdemos und sonstigen Quellen zum Thema wiederfinden konnte.
Interessanter Weise konnten mir bei einer kleinen Recherche eine Reihe renommierter Wurflehrer nicht sagen, worauf genau sich diese Worte denn beziehen.
Kürzlich veröffentlichte Hans R Hebeisen z.B. einen Bericht zum Thema, indem er das "unten durch" auf die Schnur bezog, welche im Rückwurf den Werfer unterhalb der Rutenspitze passiert. Abrollen tut sie (seinem Bericht folgend) hingegen "oben rüber". Das Problem dabei ist, dass die Schnur die Rutenspitze bei diversen anderen Stilen ebenfalls unterhalb der Rutenspitze passiert. Das ist nur eine Frage der Schnurgeschwindigkeit.
Vor gut 15 Jahren zeigte Roman Moser mir (und anderen) den charakteristischen Rückwurf mit den Worten "unten durch" so, dass die Schlaufe vollständig unten durch abrollte. In seiner Wurfdemo blieb damals das "Fliegenbein" der Schlaufe bis zur gestreckten Schnur stets unterhalb des "Rutenbeins". *
Zum Ende jener Wurfdemo allerdings zeigte Roman das Führen einer langen Schnur in der Luft, und dabei rollte das Ende der Fliegenschnur und das Vorfach zunehmend seitlich und zuletzt sogar oben rüber ab.
Aus einigen alten Aufnahmen von Hans Gebetsroither (den ich selber leider nicht kennenlernte), welche Hans R Hebeisen zusammen mit einigen wichtigen zusätzlichen Informationen quasi aus erster Hand prima auf einer seiner DVDs zusammengestellt hat, entnehme ich, dass Hans Gebetsroither mit einer eher nicht besonders langen Schnur in der Luft warf und dafür schnelle und kurze Ruten verwendete. Seine zum Ende der Beschleunigung im Rückwurf steigende Bewegung der Rutenhand und des zugehörigen Ellenbogens führte er über eine Rotationsbewegung in der Schulter aus. Die Rutenspitze stieg somit signifikant zum Ende des Rückwurfes an.
Bei einer Rutenlänge von 2m und weniger und einer schnellen Rute mit nicht so viel Schnur führte dies schnell dazu, dass die Schlaufe im Rückwurf vollständig unten durch abrollte.
Ob Hans Gebetsroither nun für die Bewegung seiner Rutenspitze, für das Abrollen seiner Schlaufe oder gar für keines von beiden sprach, als er "oben rüber und unten durch" sagte, kann ich nicht sagen.
Vielleicht hat er einfach ganz gelassen in seinen ganz eigenen Worten ausgesprochen, was er seinem Gefühl nach tat.
Heutzutage werfen wir eher Ruten, die deutlich länger als 2m sind. Und viele von uns möchten durchaus mal eine eher längere Schnur in der Luft halten.
Bei solch Gerät und Schnurlänge entsteht im Rückwurf erheblich mehr Rutenbiegung (als dies bei HG vermutlich zumeist der Fall war). Mehr Biegung bedeutet, dass die Rute beim Stoppen stäker überschwingt. Genau hierbei senkt sich die Rutenspitze bzw. im seitlichen Wurf kommt sie dichter zum Werfer. Dadurch entsteht ein (aus Sicht des Werfers selbst) konvexer Weg der Rutenspitze. Und genau hier beginnt die Schlaufe seitlich oder (je nach Rutenneigung) gar oben rüber abzurollen.
Deshalb komme ich zu dem Schluß sollte man die Worte "oben rüber, unten durch" heute zeitgemäß auf die Bewegung der Rutenspitze und nicht auf das Abrollen selbst beziehen.
Ebenfalls könnte man es auf die Bewegung der Rutenhand beziehen.
Warum ist das überhaupt wichtig?
Weil man mit z.B. einer 9 Fuß Rute, die in ihrer Aktion vllt. noch relativ moderat ist, ein Problem bekommt, sofern man damit eine mittlere Schnurlänge oder mehr versucht, vollständig unten durch abrollen zu lassen.
Genau hierbei öffnet sich zumeist die Schlaufe im Rückwurf zu stark und man verliert die Kontrolle. Genau dies wurde und wird jenem Wurfstil von seinen "Gegnern" gerne angekreidet.
Ich meine hingegen, dass dieser Stil nach wie vor ganz prima funktioniert, und man damit durchaus auch eine längere Schnur in der Luft führen kann. Nur rollt am Ende des Rückwurfes das Ende der Schnur doch oben rüber ab, obwohl die Beschleunigungsbewegung der Rutenhand unten durch (also zum Ende ansteigend) ausgeführt wurde.
Was mich an dieser Stelle sehr interessiert, ist, wie habt Ihr den Gebetsroitherstil gelernt bzw. verstanden? Worauf bezog Hans Gebetsroither das "unten durch" tatsächlich?
Auf die Bewegung der Rutenhand, der Rutenspitze, das Passieren der Schnur zur Rutenspitze oder auf das Abrollen der Schlaufen.
Gerne lasse ich mich hier auch korrigieren
Vielen Dank und beste Grüße,
Bernd
p.s. Sorry, kürzer ging es nicht










