Der Gebetsroither Wurfstil

Fliegenwerfen - wie geht das eigentlich? Wie kann ich meine Leine effektiver ausbringen und Fehler ausmerzen? Was hat es mit den AFTMA-Klassen auf sich? Was sind Spezial- und Trickwürfe? Fragen über Fragen! Hier könnt Ihr Euch gegenseitig helfen.

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Der Gebetsroither Wurfstil

Beitragvon Bernd Ziesche » 04.06.2011, 18:29

Hallo allerseits :)
Über kaum einen Wurfstil wurde im deutschsprachigem Raum soviel geschrieben, wie dem Gebetsroitherstil.
Beschrieben wurde der Stil zumeist eher sehr knapp mit den Worten "oben rüber, unten durch".
Die Verwendung dieser vier Worte ist vielleicht die einzige Übereinstimmung, welche ich in sämtlichen Berichten, Videos, DVDs, Wurfdemos und sonstigen Quellen zum Thema wiederfinden konnte.
Interessanter Weise konnten mir bei einer kleinen Recherche eine Reihe renommierter Wurflehrer nicht sagen, worauf genau sich diese Worte denn beziehen.
Kürzlich veröffentlichte Hans R Hebeisen z.B. einen Bericht zum Thema, indem er das "unten durch" auf die Schnur bezog, welche im Rückwurf den Werfer unterhalb der Rutenspitze passiert. Abrollen tut sie (seinem Bericht folgend) hingegen "oben rüber". Das Problem dabei ist, dass die Schnur die Rutenspitze bei diversen anderen Stilen ebenfalls unterhalb der Rutenspitze passiert. Das ist nur eine Frage der Schnurgeschwindigkeit.
Vor gut 15 Jahren zeigte Roman Moser mir (und anderen) den charakteristischen Rückwurf mit den Worten "unten durch" so, dass die Schlaufe vollständig unten durch abrollte. In seiner Wurfdemo blieb damals das "Fliegenbein" der Schlaufe bis zur gestreckten Schnur stets unterhalb des "Rutenbeins". *
Zum Ende jener Wurfdemo allerdings zeigte Roman das Führen einer langen Schnur in der Luft, und dabei rollte das Ende der Fliegenschnur und das Vorfach zunehmend seitlich und zuletzt sogar oben rüber ab.
Aus einigen alten Aufnahmen von Hans Gebetsroither (den ich selber leider nicht kennenlernte), welche Hans R Hebeisen zusammen mit einigen wichtigen zusätzlichen Informationen quasi aus erster Hand prima auf einer seiner DVDs zusammengestellt hat, entnehme ich, dass Hans Gebetsroither mit einer eher nicht besonders langen Schnur in der Luft warf und dafür schnelle und kurze Ruten verwendete. Seine zum Ende der Beschleunigung im Rückwurf steigende Bewegung der Rutenhand und des zugehörigen Ellenbogens führte er über eine Rotationsbewegung in der Schulter aus. Die Rutenspitze stieg somit signifikant zum Ende des Rückwurfes an.
Bei einer Rutenlänge von 2m und weniger und einer schnellen Rute mit nicht so viel Schnur führte dies schnell dazu, dass die Schlaufe im Rückwurf vollständig unten durch abrollte.
Ob Hans Gebetsroither nun für die Bewegung seiner Rutenspitze, für das Abrollen seiner Schlaufe oder gar für keines von beiden sprach, als er "oben rüber und unten durch" sagte, kann ich nicht sagen.
Vielleicht hat er einfach ganz gelassen in seinen ganz eigenen Worten ausgesprochen, was er seinem Gefühl nach tat. :)
Heutzutage werfen wir eher Ruten, die deutlich länger als 2m sind. Und viele von uns möchten durchaus mal eine eher längere Schnur in der Luft halten.
Bei solch Gerät und Schnurlänge entsteht im Rückwurf erheblich mehr Rutenbiegung (als dies bei HG vermutlich zumeist der Fall war). Mehr Biegung bedeutet, dass die Rute beim Stoppen stäker überschwingt. Genau hierbei senkt sich die Rutenspitze bzw. im seitlichen Wurf kommt sie dichter zum Werfer. Dadurch entsteht ein (aus Sicht des Werfers selbst) konvexer Weg der Rutenspitze. Und genau hier beginnt die Schlaufe seitlich oder (je nach Rutenneigung) gar oben rüber abzurollen.
Deshalb komme ich zu dem Schluß sollte man die Worte "oben rüber, unten durch" heute zeitgemäß auf die Bewegung der Rutenspitze und nicht auf das Abrollen selbst beziehen.
Ebenfalls könnte man es auf die Bewegung der Rutenhand beziehen.
Warum ist das überhaupt wichtig?
Weil man mit z.B. einer 9 Fuß Rute, die in ihrer Aktion vllt. noch relativ moderat ist, ein Problem bekommt, sofern man damit eine mittlere Schnurlänge oder mehr versucht, vollständig unten durch abrollen zu lassen.
Genau hierbei öffnet sich zumeist die Schlaufe im Rückwurf zu stark und man verliert die Kontrolle. Genau dies wurde und wird jenem Wurfstil von seinen "Gegnern" gerne angekreidet.
Ich meine hingegen, dass dieser Stil nach wie vor ganz prima funktioniert, und man damit durchaus auch eine längere Schnur in der Luft führen kann. Nur rollt am Ende des Rückwurfes das Ende der Schnur doch oben rüber ab, obwohl die Beschleunigungsbewegung der Rutenhand unten durch (also zum Ende ansteigend) ausgeführt wurde.
Was mich an dieser Stelle sehr interessiert, ist, wie habt Ihr den Gebetsroitherstil gelernt bzw. verstanden? Worauf bezog Hans Gebetsroither das "unten durch" tatsächlich?
Auf die Bewegung der Rutenhand, der Rutenspitze, das Passieren der Schnur zur Rutenspitze oder auf das Abrollen der Schlaufen.
Gerne lasse ich mich hier auch korrigieren 8) und lerne wieder etwas dazu!
Vielen Dank und beste Grüße,
Bernd

p.s. Sorry, kürzer ging es nicht 8) :shock: .
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Beitragvon Thotty » 04.06.2011, 21:18

erster...

mönsch Bernie, das wird wieder nen dufte thread von dir, freu mich drauf...

grüße
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Beitragvon hshl » 07.06.2011, 12:17

Puh Bernd, langes Intro. Bin mir nicht sicher, ob meine kurz gehaltener Versuch einer Antwort dem gerecht wird.
Ich glaube HRH meint, dass der Rückwurf bei HG keine sich aufwärtsrollende Schlaufe ergibt - so wie es manchmal dargestellt wurde. Das würde ja bedeuten, dass HG eigentlich einen switch-cast mit dem Unterschied warf, dass die Schnur nicht ankert, sondern nach hinten durchzieht. Auf alten Videoaufnahmen meine ich zu erkennen, dass die Schnur hinten - leicht ansteigend - eher in einer horizontal liegenden Schlaufe abrollt -keineswegs jedoch aufwärts...
Und das "unten durch" beim Rückwurf ist meines Wissens total trivial gemeint, nämlich dass die (Ober-)Schnur nvon der Seite aus betrachtet unterhalt der Rutenspitze durchgeht, wenn sie sich in der hinternen Stopposition befindet. Aber das weißt Du ja vermutlich alles... mehr weißt ich auch nicht... Ansonsten müsste HRH mal befragt werden...
Zuletzt geändert von hshl am 07.06.2011, 13:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Theo » 07.06.2011, 12:38

hshl hat geschrieben:Ich glaube HRH meint, dass der Rückwurf bei HG keine sich aufwärtsrollende Schlaufe ergibt - so wie es manchmal dargestellt wurde. ........Und das "unten durch" beim Rückwurf ist meines Wissens total trivial gemeint, nämlich dass die (Ober-)Schnur nvon der Seite aus betrachtet unterhalt der Rutenspitze durchgeht, wenn sie sich in der hinternen Stopposition befindet.


Hallo

visuell betrachtet gibt ggf. dieses Compendium von HRH auf pdf-Seite 10-12 Aufschluss: http://www.hebeisen.ch/pdf/wurfstile.pdf

Grüsse
Theo
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Hallo Bernd !

Beitragvon Royal Coachman » 07.06.2011, 12:58

Hallo Bernd !

Mir hat Hans damals gesagt, daß die Schnur unterhalb der Rutenspitze seitlich am Werfer vorbei fliegen und hinten ansteigen soll.

Dies wurde mit einer pleuelartigen Bewegung von Ober- und Unterarm bewerkstelligt. Die horizontal in der Luft liegende Schlaufe entsteht, wenn der Werfer gleichzeitig den Oberköper ausdreht (um z.B. die Schnur zu beobachten!).

Man muß beim Gebetsroither immer bedenken, daß es zu dieser Zeit weder Glasfiber noch Kohlefaser gab und diese kurzen, schnellen Ruten eine totale Neuerung waren, die aber bei normalem Wurfstil und Einwaten im Wasser durch ihre Länge Wurfprobleme bereiteten.

Ebenso waren mit den langen 9-10' "Engländern" keine hohen Wurfgeschwindigkeiten möglich und das Ganze artete duch das hohe Gewicht in "Arbeit" aus.

Ritz hat fast zur gleichen Zeit bei Pezon & Michel die "Parabolic's" entwickelt, die schon "high line high speed" ermöglichten, nur mußte man hier ebenfalls, wie in seinem Buch empfohlen, die Armmuskulatur durch Training mit Weinflaschen stärken, sonst fiel einem spätestens nach 2 Stunden der Arm ab.
Wie die Schlaufe sich hinten entrollt, war nie von Bedeutung und wurde in keiner Weise erwähnt.

tight lines
RC
Der immer auf Seiten der Fische steht!
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Beitragvon Bernd Ziesche » 07.06.2011, 14:52

Royal Coachman hat geschrieben:Hallo Bernd !

Mir hat Hans damals gesagt, daß die Schnur unterhalb der Rutenspitze seitlich am Werfer vorbei fliegen und hinten ansteigen soll.

tight lines
RC


Hallo Gebhard,
vielen Dank! Das war genau die Info, welche ich suchte.

Diesen Anstieg der Schnur finde ich sehr charakteristisch im Vergleich zu anderen Wurfstilen. Genau hier liegt für mich ein erkennbarer/fühlbarer (deutlicher) Unterschied.

Ich habe gestern mal etwas mit unterschiedlichen Ruten- und Schnurlängen getestet.
Bei kurzer Schnur und kurzer, schneller Rute ist es gut möglich, die Schlaufe vollständig unten durch abrollen zu lassen. Die Schnur zieht hierbei in der letzten Phase der Streckung deutlich fühlbar nach oben weg.
Nehme ich hingegen eine längere und eher langsamere Rute mit mittlerer Schnurlänge, so wird es schwierig, die Schlaufe unten durch abrollen zu lassen. Rollt sie oben rüber ab, geht das Gefühl der aufsteigenden Schnur zunehmend verloren. Ich werfe die Schnur in letzterem Fall instinktiv eher sehr geradlinig nach hinten (bevor sie durch das nach unten abrollen unmittelbar zu sinken beginnt).

Ich meine, diese "aufsteigende Schnur" erreicht man bei kurzer Schnurlänge und eher größerer Schlaufe (unten durch oder seitlich abrollend*) sehr gut. Bei großer Schnurmenge wird dies schwierig. Hier modifiziere ich die Bewegung etwas und werfe eine eher enge Schlaufe, welche am Ende oben rüber und entsprechend (leicht) nach unten abrollt.

Man könnte also festhalten:

"Oben rüber, unten durch und im Rückwurf steigt die Schnur zum Ende hin an."

Hallo Tobias,
* "seitlich abrollend" ...
HRH beschrieb den Arbeitswinkel von HG als sehr groß. Dies führt schnell zum seitlichen Abrollen. Denn aus der Vogelperspektive betrachtet, zieht man hierbei hinten die Rutenspitze zumeist aus der Hauptbeschleunigungsbahn heraus. In den Videoaufnahmen sieht es für mich so aus, als ob HGs Rückschlaufe vielfach seitlich und teils auch unten durch abrollte. Die ansteigende Schnur insgesamt bekomme ich mit seitlich abrollender Schlaufe bei kurzer Schnur sehr gut hin.

Möchte ich die Schnur unten durch abrollen lassen, hilft ein eher kleiner Arbeitswinkel und eine Translations(Zug)bewegung der Rutenhand, die deutlich ansteigend ist.

Gruß
Bernd
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Beitragvon Thomas E. » 07.06.2011, 16:42

Hallo Bernd,

es gab ja auch mal den "Alter- Stil" von Hermann Alter. :wink:
Kennen wohl die wenigsten noch...lange ist es her.

Hans Gebetsroither umgekehrt :
nach hinten oben rüber, nach vorn unten durch !

Für mich mehr eine Anbietetechnik (die auch heute viel genutzt wird), als ein "Stil".
Wurde damals aber so verkauft. :lol:
Gruß
Thomas E.
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Beitragvon piscator » 07.06.2011, 17:13

Hi Thomas, war das (Alter Stil) nicht so ein Wurf, mit dem man unter die Bäume schleichen kann? Ich weis nicht mehr so genau, das Alter :? , Jürgen
ride the snake (JM)
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Beitragvon Thotty » 07.06.2011, 18:05

ach mensch Börnie,

ich hielt ja deine thread frage für eine rethorische, um einen feinen thread ins leben zu rufen,
aber du kennst die theorie vom gebetsroither ja echt nicht.. :smt104

Diesen Anstieg der Schnur finde ich sehr charakteristisch im Vergleich zu anderen Wurfstilen.
Genau hier liegt für mich ein erkennbarer/fühlbarer (deutlicher) Unterschied.


Bernie, auch bei anderen wurfstilen steigt die schnur im rückwurf an.


wer den film "aus der mitte entspringt ein fluss" kennt, weiss, dass der vater seinen söhnen dort
den (engl. ) wurfstil mit hilfe eines metronoms beigebracht hat. und bei dieser auf dem kopf
stehenden 11uhr / 1uhr pendelbewegung ist die arbeitsebene im vor- und rückschwung gleich.

die pfiffige idee von gebesroither war ein entkoppeln der wurfebenen von vor und rückschwung.
und nicht, wie im vergleich zum traditionellen englischen wurfstil ein werfen mit dem gesangbuch
unter den ellenbogen (des wurfarms) geklemmt.

dadurch kann der ganze oberkörper nun eine torsionsbewegung ausführen
(das ist das, was fälschlicherweise als "pleuel-bewegung" der schulter verkauft wird:
klar geht die schulter vor und zurück, denn schließlich bewegt sich ja der rumpf) :wink:

und niemand würde ernsthaft einem schwimmer der krault seine technik als eine
pleuelartige bewegung von unter und oberarm verkaufen wollen. dessen bewegung ist
ganz ähnlich zum gebetsroither wurfstil, es ist eine bewegung vom rumpf + der schulter.

und jetzt machen bitte mal alle leser an ihrem rechner eine kraulschwimmer bewegung so,
als währen sie contergan geschädigte (lassen das strecken und durchziehen des arms weg
und machen damit also nur die schulterrotation..) voilà: gebetsroither :daumen

und da bei dieser bewegung im gegensatz zum englischen wurfstil der ganze oberkörper
kraft in die rute hineinbringen kann, kommt da am ende auch mehr bums bei raus, als bei
den adligen engländern mit ihrer ohnehin dürftigen ernährung aus tee und toast, die
als echte gentleman natürlich niemals körperliche arbeit verrichtet hatten.

man sollte nicht vergessen zu erwähnen, das Gebetsroither selbige gentleman den ganzen
tag auf dem fluss herumgerudert hat. der hatte per se schon mehr muckies..

und in der tat ist der gebetsroither wurfstil in der optik seines rückschwungs wie ein
ungewasserter switchcast, der ja ebenfalls nicht senkrecht angeschleppt wird.

grüße
Thorsten
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Beitragvon laverda » 07.06.2011, 20:36

Hi ihr Stilisten,
lassen wir doch den Meister selbst zu Wort kommen:

"Im Rückschwung bewegt sich die Schnur auf einer von vorn nach hinten ansteigenden Geraden. Die Bewegungesebene liegt unterhalb der Gertenspitze. Die Schnur wird also am oberen Gertendrittel außen vorbeigezogen, wobei sie nach hinten ansteigt.
Nach Streckung der Schnur hinten oben wird sie über die Gertenspitze nach vorn gezogen und gedrückt. Die Bewegunsebene des Vorschwungs liegt damit über der des Rückschwungs.
Die Schnur beschreibt somit eine nach hinten ansteigende, flache Ellipse. Auf gleich geneigten Ebenen bewegen sich folgerichtig sowohl die Wurfhand wie auch Unterarm und Ellenbogen. Aktionszentrum ist das Schultergelenk."

Stoll, Gebethsroiter; Hohe Schule auf Äschen; S. 56-57; Albert Müller Verlag, Zürich 1972

Weiterhin empfiehlt er: Zeigefingerhaltung, linker Fuss leicht vorne, Gewicht liegt auf dem rechten Bein, Blickkontrolle der sich nach hinten streckenden Schnur.

Vielleicht bringt dies ein wenig Klärung in den "Gebethsroiter Stil"

Einen recht interessanten Aspekt hinsichtlich des "Wurfstils" findet man auf S. 73

".....Mit größeren Weiten wachsen die Schwierigkeiten. Sie zu bewältigen, ist eine Frage der Übung und nicht zuletzt des persönlichen Wufstils.
.....

Gruß vom platten Niederrhein
Ruten werfen Masse.........nicht Klasse
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Beitragvon Bernd Ziesche » 08.06.2011, 00:20

Hallo Laverda,
Danke, guter Tip. Das Buch steht in meinem Regal :). Und vor Ewigkeiten hatte ich das auch mal gelesen :)

Hallo Thomas,
ich erinnere mich auch noch, dass Henrik Wiegand eine Weile daran übte, vorne UND hinten "unten durch" zu werfen. Ist eine interessante Übung - nicht ganz einfach! Je besser die Schnur wirklich unten durch abrollt, desto besser kommt man unter die Bäume.
Ich glaube ja, dass wenn lt. HRH der Gebetsroitherrückwurf die Perfektion schlecht hin darstellt, man Henrik in seiner Übung folgen sollte :)
Vor- und Rückwurf sind ja nicht weniger wichtig.

Gruß
Bernd

p.s. Für mich gibts allerdings weder den perfekten Wurf, noch den perfekten Stil!
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Beitragvon Bernd Ziesche » 08.06.2011, 00:30

Thotty hat geschrieben:
Bernie, auch bei anderen wurfstilen steigt die schnur im rückwurf an.

grüße
Thorsten


Hallo Thotty,
das ist eine sehr pauschale Aussage finde ich...

Für viele andere Wurfstile gilt:
Vor- und Rückwurf sollten auf einer Geraden liegen.

Beim HG sollte da eher eine flache Ellipse anvisiert werden.
Natürlich kann man auch durch eine flache Ellypse mittig eine Gerade ziehen... Ich würde in einer zeichnerischen Darstellung dennoch differenzieren.
LG
Bernd

p.s. Mensch Jürgen, Du hast noch sooo viele Fische vor Dir! :wink:
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Beitragvon Thotty » 08.06.2011, 07:42

Börnie, du schlingel...

ja, natürlich ist das eine generelle aussage, was aber nichts daran ändert, dass sie richtig ist.
ich erklär dir das mal, vielleicht kommst du dann von selbst drauf..

Für viele andere Wurfstile gilt:
Vor- und Rückwurf sollten auf einer Geraden liegen.

richtig Bernie, 100 punkte...
und die nächste rein didaktische preisfrage an dich ist:

ist diese gerade von vor- und rückwurf denn zwangsläufig
auch immer waagerecht?


na Bernie, macht`s schon klick ? :smt102

die richtige antwort auf die frage ist: nein, natürlich nicht... [-X

denn wenn ich einen fisch anwerfe, der 16,3m vor mir ist, dann ist meine
sogenannte wurfebene nach vorne geneigt und somit auch nach hinten erhöht.
denn sonst wäre es ja keine gerade.. :smt115

schließlich kommt ja die fliege bei 1,70 körpergröße und 2,70 rutenlänge abzüglich
rutenbiegung bei uns überm kopf dann aus fast 4m höhe. irgendwie logisch,
dass wir beim werfen die wurfebene zur wasseroberfläche neigen müssen.. :smt045

das dürfte wohl jedem einleuchten. und jetzt erzähl mir nicht, dass DU als wurflehrer
deinen schülern beibringst, sie müssten immer waagerecht werfen und dabei dann
jedesmal die fliege parachutieren. #-o

deshalb Bernie mein guter, :arrow: steigt auch bei fast allen wurfstilen die leine im rückwurf an..

das selbstredent die leine beim rückschwung des unterhandwurfs
nicht hinten ansteigt, dürfte dann auch jedem klar sein, denn sie liegt dabei ja noch
nicht mal auf einer geraden sondern in einem D :wink:

als umfassende lektüre für den gebetsroither wurfstil empfehle ich dir:
Heinz Lorenz, der österreichische wurfstil für fliegenfischer

Bernie, you made my day :smt044
Thorsten
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Beitragvon Bernd Ziesche » 08.06.2011, 10:51

Guten Morgen Thotty :smt039
da unterlagen wir beide einem kleinen Mißverständnis.
Stichwort: "Vorne tief & hinten hoch" = Die Gerade zwischen Vor- & Rückwurf liegt nicht mehr horizontal, sondern (wie Du richtig beschreibst) nach vorne hin abgesenkt. Ergo "steigt" die Schnur hinten an, wenn man das so beschreiben möchte.
Dieses "180°-Prinzip" gilt für alle Wurfstile, und die Ausrichtung der Geraden liegt einzig in der Entscheidung des Werfers. Auch ein Hans Gebetsroither konnte mit seinem Stil "vorne hoch und hinten tief" werfen. Hier sind wir auf einem Nenner.

Ich meinte mit der ansteigenden Schnur allerdings etwas anderes. Dafür muß ich etwas weiter ausholen.
Ich lese und höre im Zusammenhang mit dem Gebetsroitherstil immer wieder einmal von DER Geraden auf der sich die Rutenspitze im Rückwurf bewegt. Dies ist pures Wunschdenken! Unsere Rutenspitze bewegt sich auf keiner Geraden. Diese ist nur ein theoretisches Ideal und nicht mehr (das ist Dir klar, ich weiß :wink: ).
Bei den meisten Wurfstilen wird die Rutenspitze auf einer (vom Werfer aus betrachtet) "leicht" konvexen Bahn beschleunigt. Am Ende der Beschleunigung überschwingt die Rutenspitze und der konvexe Weg wird dadurch noch verstärkt. Die Schnur rollt somit oben rüber ab. Je nach Schnurgeschwindigkeit, Schnurlänge und Neigungswinkel der Rute (Sidecasting) fliegt die Schnur hierbei längst nicht immer mit ihrer gesamten Länge über die Rutenspitze (die Erdanziehung...). Zumindest aber beginnt die Schnur die Rutenspitze oberhalb dieser zu passieren.

Genau hier sehe ich den Unterschied zum Gebetsroitherstil. Ich habe das Buch der "hohen Schule" von HG jetzt nochmal studiert. Seine Schnur passierte die Rutenspitze nach dem Stopp nahezu komplett unterhalb der Rutenspitze. Dies erreicht man nicht, wenn man die Rutenspitze auf einer Geraden beschleunigt, denn beim Überschwingen kommt die Rutenspitze immer nach unten (bzw. dichter zum Werfer). Vielmehr wird die Rutenspitze schon während der Beschleunigung auf einer (horizontal betrachtet) konkaven Bahn beschleunigt. Dies zeigen auch folgende Aufnahmen:

http://www.youtube.com/watch?v=zJ5Cr4TA ... re=related (prima Video vom HRH :daumen )

Der Anstieg erfolgt hauptsächlich zum Ende (aber noch während) der Beschleunigung. Dadurch verläuft der Hauptbeschleunigungsimpuls (horizontal betrachtet) unterhalb der Rutenspitze. Die Schnur folgt diesem Weg, und die Erdanziehung verstärkt diesen Effekt noch.
Wenn man diese konkave Beschleunigungslinie "deutlich betont", steigt die Schnur während des Abrollens hinten zum Ende hin zunehmend an! Dieses Ansteigen meinte ich. :wink: Bei anderen Wurfstilen verläuft diese Flugbahn genau umgekehrt (syncron der Flugbahn beim Speerwurf = zum Ende nach unten).
Hans Gebetsroither schrieb hierzu: "Die Schnur beschreibt somit eine nach hinten ansteigende, flache Ellipse."

Interessant ist, dass er seinen Arbeitswinkel als "streng einzuhalten" und mit "11/13Uhr" beschreibt. Den Videoaufnahmen nach denke ich stand die 11 vorne nicht immer so konsequent, was den Anstieg im Rückwurf auch etwas begünstigt.

Ein Fehler, welcher bei der Betrachtung von Beschleunigungswegen für die Rutenspitze oftmals begangen wird, ist die zweidimensionale Betrachtung. Tatsächlich kann man den Weg nur dreidimensional vollständig verstehen. Letzeres ist natürlich erheblich komplexer zu verstehen und auch darzustellen.
Betrachtet man den typischen Beschleunigungsweg der Rutenspitze des GB Stiles, so komme ich zu folgendem Schluß:
Horizontal betrachtet verläuft er auf einer flachen Ellipse (Rückwurf konkav, Vorwurf konvex). Der Anstieg im RW erfolgt hauptsächlich im letzten Drittel. Aus der Vogelperspektive hingegen verläuft er in Vor- & Rückwurf konvex. Genau deshalb rollt die Schlaufe oft seitlich oder bei längerer Schnur oben rüber aus.
Insgesamt hat HG in seinem Buch etliche tolle Tipps für das Wurftraining gegeben. So zum Beispiel die seitlich offene Fußstellung und das (nicht permanente) Beobachten des Rückwurfes.

Hier noch einmal einige Stichpunkte aus seiner Feder zu seinem Wurfstil:

- Arbeitswinkel 11/13 Uhr, Rute leicht nach außen geneigt

- Zeigefingerhaltung und gesperrtes/steifes Handgelenk, Unterarm = Verlängerung der Gerte

- Die Kraft kommt aus dem Oberarm. Dieser wird im Rückwurf angehoben. Das Bewegungszentrum ist die Schulter. Die Bewegung kommt aus der Schulter und dem Ellenbogen.

- Der Ellenbogen wird vorne auf einer entspannt tiefen Position geführt und nach hinten leicht angehoben.

Von "oben rüber, unten durch" schrieb HG in jenem Buch nichts. 8)

Gruß
Bernd
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Beitragvon Thotty » 08.06.2011, 12:52

huhu Bööörnie,

und nein, "WIR" unterlagen da mit sicherheit keinem mißverständniss,

es ist halt nur leider so, dass du recht oft waschechten unfug schreibst.
zum beispiel grad mal wieder:
Dieses "180°-Prinzip" gilt für alle Wurfstile

ich hatte dir doch grad einen post vorher geschrieben, dass das 180° prinzip
der leine im vor- und rückschwung für den unterhand wurfstil grade nicht gilt.. :?

#-o #-o #-o #-o #-o #-o #-o #-o #-o #-o #-o #-o #-o#-o#-o#-o#-o

Börnie, mein lieblingsschlingel.. du bist mir schon so einer, du wurflehrer...

grüße
Thorsten
zuletzt geändert von Thotty am 11.7.2011 um 21.13, insgesamt 153- mal geändert
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