Die ganze Fliegenschnur in der Luft halten

Fliegenwerfen - wie geht das eigentlich? Wie kann ich meine Leine effektiver ausbringen und Fehler ausmerzen? Was hat es mit den AFTMA-Klassen auf sich? Was sind Spezial- und Trickwürfe? Fragen über Fragen! Hier könnt Ihr Euch gegenseitig helfen.

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Die ganze Fliegenschnur in der Luft halten

Beitragvon Bernd Ziesche » 01.07.2011, 19:12

Hallo allen Wurfbegeisterten unter Euch :wink:

Wieviel Schnurlänge kann man eigentlich in der Luft halten?

Eine Frage, die immer einmal wieder gerne auftaucht...

Folgend einige Zitate aus dem Forum zum Thema:

stuart hat geschrieben:Ich habe soeben mit Lasse gesprochen,
... er sagte für ein 40m Wurf hält er etwa (kommt auf den Überhang an) 30m Schnur in der Luft allerdings vom Wurfhand aus gemessen, das entspricht ca 26-27m vom Rutenspitze + Vorfach.


Marcus Sies hat geschrieben:Nein, ich meinte 30m in der Luft halten... ich messe übrigens auch von der Rutenhand aus. Ich bin mir sicher und da wird mir Lasse zustimmen, mit der richtigen Technik und dem richtigen Gerät sind 32-34m drinn... bei optimalen Bedingungen natürlich.


gespliesste hat geschrieben:da bin ich allerdings auch sehr skeptisch. Da sollte man noch mal genau definieren was "in der Luft halten" heisst. Ich verstehe das als mehrere vor und Rückschwünge ohne "aufzusetzen" in der Luft zu halten. 32-34m :-k


Thomas E. hat geschrieben:über 30m in der Luft halten...
Ich habe wirklich viel gesehen, in fast 30 Jahren, aber das noch nie ! :wink:
Schon 23-25m (von der Rutenspitze gemessen) ist extrem und das schaffen nur ganz wenige FF und auch nur, wenn alles stimmt.


Zunächst einmal sollte ich zwei Dinge definieren:

1. "In der Luft halten" bedeutet für mich: Die Schnur mit Leerwürfen kontrolliert in der Luft führen. Dabei dürfen die Fliege und einige Zentimeter Vorfach durchaus in Vor- & Rückwurf den Boden touchieren.

2. Ich messe die Schnurlänge vom Haltepunkt der Schnurhand bis zum Ende der Fliegenschnur.

Ergo geht es nicht darum, dass jemand 30m Schnur in der Luft halten kann, indem er ein 8m langes monofiles Vorfach anknüpft, was es erheblich erleichtern würde, hier auf eine große Länge zu gelangen.
Ebenso geht es nicht darum, dass manch Distanzwerfer EINMALIG im letzten Rückwurf eine extra Schnurmenge schießen läßt und diese EINMALIG nach vorne wirft!

Ich treffe immer wieder einmal Fliegenwerfer, die glauben, sie könnten eine ganze Fliegenschnur in der Luft führen (und dies sogar, ohne dabei mit der Fliege den Boden bei jedem Vor- & Rückwurf zu touchieren). Gerade letzte Woche traf ich zwei Masterinstruktoren der EFFA, welche in letzterem Punkt absolut von Ihrem Können überzeugt waren. Ein kleiner Praxistest bewies allerdings - Thomas seinen (oben zitierten) und meinen Erfahrungen entsprechend - das Gegenteil. Sie touchierten bei jedem Vor- & Rückwurf den Boden.

Ich habe diese Disziplin mit etlichen sehr bekannten Werfern getestet. Bisher konnte niemand auch nur annähernd in die Nähe vom Ende der Fliegenschnur kommen. Ich gehe hier von Schnüren in einer Länge von 27m und mehr aus.

Zuletzt sei noch angemerkt, dass ich von Bedingungen unterhalb von 300m über NN und auf einem ebenen Boden stehend ausgehe.
Ergo fällt die Bergspitze auf 2000m Höhe aus 8) .

Gibt es hier jemand, der auf etliche Topwerfer (die bei 23-25m Schnurlänge lagen) noch 5-7m drauflegen kann?
Das würde ich mir sehr gerne ansehen und was dazu lernen.

Beste Grüße
Bernd

p.s. Schon bei 20m Schnurlänge touchieren nahezu alle Werfer konstant den Boden. Das merkt man, wenn man mal in 10cm hohem Gras wirft :wink: 8) .

@Marcus:
34m - Vorfach von 2,7m (Rutenlänge) = Du hälst die meisten handelsüblichen Schnüre am Ende fest und führst sie komplett in der Luft? 8) :)
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Beitragvon gespliesste » 01.07.2011, 19:54

Hallo Bernd,

interessantes Thema und sehr ansprechend gestartet. :daumen

Eine Anmerkung gleich vorab:

Dabei dürfen die Fliege und einige Zentimeter Vorfach durchaus in Vor- & Rückwurf den Boden touchieren.


Das ist beim Fischen natürlich sofort tödlich, da die Sache im wahrsten Sinne des Wortes einen Haken hat und selbst ein touchieren im Wasser ist bei der Wurflänge ein ungewollter Anker, der die Rute überlädt und den Wurf zusammenbrechen lässt.

Trotzdem ist die Fragestellung interessant, mich würde am Ende aber auch mal interessieren was man als maximal fischbare Distanz, also ohne touchieren und ggf. im Wasser stehend ableiten kann.

Also von meinem Gefühl würde ich auch 25m Wurfschnur als maximale Grenze sehen.

Einige der zitierten Protagonisten sind ja morgen beim Wurftreff, da können wir ja mal einen Test machen, was wir so aus dem Stand schaffen und hier die Ergebnisse posten. Ich denke ich schaffe vielleicht etwas mehr als 20m (immer von der Hand bis zum Ende der Wurfschnur), habe es aber selber lange nicht mehr wirklich gemessen.

LG,

Olaf
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Beitragvon derflow » 01.07.2011, 21:36

Warum 30 m Schnur in der Luft halten? - die Fliege fängt im Wasser und nicht in der Luft :lol: :lol: :lol: (Es sei denn Ihr habts auf Fledermäuse abgesehen)

- Sorry - der mußte jetzt sein

Ne mal ehrlich - versuche ich X m Schnur in der Luft auf einer waagrechten Ebene zu führen ist das doch mehr als logisch, daß die Schwerkraft ihr Übriges tut und jeden Werfer ab einer bestimmten Länge wieder auf den Boden der Tatsachen (oder Wiese :D) zurückholt. Folgt man den Gesetzen der Physik würde ich folgende Faktoren dafür verantwortlich machen wann bzw. ab welcher Länge die Flugschnur den Boden berührt:

1. Schnurgeschwindigtkeit - Massenträgheit
2. Aerodynamik - Luftwiderstand der Schnur
(hab ich was vergessen?)

Durch Tuning am Wurfarm (sowohl körperlich als auch geistig :D), der Schnurschleuder(auch Rute genannt) oder der Schnur selbst halte ich es für durchaus möglich, daß jeder hier 30m und mehr Schnur in der Luft halten kann - ob das Gerät dann noch zum Fischen taugt lasse ich dahingestellt, wo sich die physikalischen Grenzen für einen Menschen in dieser Angelegenheit befinden weiss ich auch nicht - aber bestimmt nicht unter 30m

Um auf Bernds Ausgangsfrage zurückzukommen:

"Wieviel Schnur kann man eigentlich in der Luft halten"

Gegenfrage:

Wie schnell kann ein Tretauto fahren?
Gruß

Florian

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Beitragvon Bernd Ziesche » 01.07.2011, 21:41

Hallo Olaf,
slow motion Aufnahmen zeigen, dass ein sehr leichtes Touchieren der Fliege auf der Wasseroberfläche keineswegs unbedingt den ganzen Wurf aus der Bahn wirft.
Wenn man mal am Castingpool steht und die Schnur parallel über dem Wasser wirft, könnte man ab einer gewissen Länge eine sehr interessante Beobachtung machen, wenn man die Wasseroberfläche einmal ganz genau beobachtet.
Im Fluß würde solch verräterische Spur auf der Oberfläche UNBEMERKT untergehen.
Es ist ein Irrglaube, das ein Touchieren auf der Wasseroberfläche den Wurf zerstört.
Es verhält sich ähnlich wie mit Gift. Es ist immer eine Frage der Dosis.
Gruß
Bernd
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Beitragvon Bernd Ziesche » 01.07.2011, 21:54

derflow hat geschrieben:1. Schnurgeschwindigtkeit - Massenträgheit
2. Aerodynamik - Luftwiderstand der Schnur
(hab ich was vergessen?)


Hallo Flow,
es gibt noch reichlich andere Faktoren (wie z.B. der Dichte der Schnur), welche eine Rolle spielen.
Auf Sexyloops.com wurden und werden solche Faktoren im Detail diskutiert. Dies würde hier den Rahmen deutlich sprengen.
Dr. Noel Perkins (Universität Michigan) hat ein klasse Skript zum Thema "Free fall of a fly line" verfasst, welches sehr detaillierte Einsichten (aus Sicht des Physikers) enthält.
Du findest es ggf. auf sexyloops :wink: .
Gruß
Bernd
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EWF

Beitragvon Royal Coachman » 01.07.2011, 22:00

Hallo !

Rajeff hat auf der EWF seine Weitwürfe alle beim finalen Vorschwung durchs Gras gezogen. Ich bin extra nach hinten gegangen um mir das genau an zu sehen, da ich es zuerst nicht glauben wollte und deswegen bin und bleibe ich der Meinung, daß der ganze Weitwurfkäse hoffnungslos überbewertet wird, da völlig praxisfern.

RC

PS: Bernd, das Aufsetzen der Fliege hinten kann man bei Lefty Kreh nachlesen.
Zuletzt geändert von Royal Coachman am 01.07.2011, 22:21, insgesamt 3-mal geändert.
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Beitragvon derflow » 01.07.2011, 22:01

Naja - die Dichte der Schnur ist ja mal wieder ein Fall für die Massenträgheit.

Danke für den Tip mit Sexyloops.com - Das wird was für den nächsten Schonzeitkoller :lol:
Gruß

Florian

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Beitragvon Maggov » 01.07.2011, 22:30

Hallo zusammen,

ich denke es gibt beim Fischen oft mehr Gründe die ein Halten der Schnur von diesen Längen riskant werden lassen - es gibt aber auch eine Technik genannt: Water Haul; die man z.B. vom Belly Boot aus ausführen kann und die ein gezieltes Aufsetzen der gestreckten Schnur nach hinten für eine optimale Rutenaufladung vorsieht (ähnlich wie das Ankern beim Switch).

Zu Lesen z.B. bei Lefty Kreh - mit netter Abbildung :) ...

Ich habe bei der EWF auch einige wirklich gute Werfer gesehen die allerdings bei derartigen Weitwürfen hinten nicht immer ohne Grundberührung ausgekommen sind.

Trotzdem immer wieder beeindruckend.

LG

Markus
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Beitragvon gespliesste » 02.07.2011, 00:50

Hallo,

Es ist ein Irrglaube, das ein Touchieren auf der Wasseroberfläche den Wurf zerstört.
Es verhält sich ähnlich wie mit Gift. Es ist immer eine Frage der Dosis.


beim Fischen kann man nach meiner Erfahrung das "touchieren" nicht in die Strategie mit einbeziehen und mit jeder Fliege die eine Gewisse Masse/Volumen mit sich bringt, ist die giftige Dosis im Extrembereich sehr schnell überschritten.

LG,

Olaf
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Beitragvon Bernd Ziesche » 02.07.2011, 11:15

Hallo Olaf,
da bringst Du einen interessanten Aspekt ins Spiel. Bei kleinen Fliegen wie den typischen Trockenfliegen stört ein sehr leichtes Aufsetzen kaum. Man nimmt das zumeist nicht einmal wahr!
Ich komme gerade vom Fischen an der Glomma (dem längsten Fluß Norwegens) zurück. Und konnte dort reichlich dieser unbemerkten "Aufsetzer" beobachten.
Wenn eine gewichtigere Fliege aufsetzt (da bin ich ganz Deiner Meinung), führt dies schnell zu einem signifikanten Problem, sprich die Kontrolle schwindet.
Ich ahne allerdings, dass die Schnur mit der gewichtigeren Fliege nicht so schnell sinkt. Man stelle sich dazu vor, jemand hält hinten das Vorfach kurz fest, wenn man den Vorwurf startet. Die Schnur bleibt somit besser auf Spannung. Ich werde das bei Gelegenheit mal testen, filmen und berichten.
Ein kürzeres Vorfach begünstigt das Aufsetzen ebenfalls, weil die Schnur deutlicher nach unten schlägt beim Abrollen.

@Gebhard: Steve Rajeff hatte auch einmal einen klasse Artikel zum Thema "ticking" verfasst. Nicht grundlos steht er gerne auf einem Podest beim "Best of West" Weitwurfturnier!

Offensichtlich ist ja eigentlich, dass wenn ein Wurf trotz deutlichen Touchierens des Rasens gut funktioniert, das am Wasser unwesentlich anders sein sollte?!

Gruß
Bernd
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Hallo Bernd !

Beitragvon Royal Coachman » 02.07.2011, 11:34

Hallo Bernd!


Das ist am Wasser ganz anders, da hier ein starker, kurzfristiger Bremseffekt einsetzt, der zu einer ruckartigen, zusätzlichen Aufladung der Rute führt, was meist in einem Wurfproblem in Richtung Tailing Loop mündet.

Die Wiese bremst gleichmäßig, das Wasser hält zurück und läßt dann los.

freundlichst
RC
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Beitragvon Bernd Ziesche » 02.07.2011, 11:58

http://www.youtube.com/watch?v=4Tf7px_BbDY

Minute 1:15-1:20 ist interessant zu beobachten. Noch interessanter wird's ab Minute 3:20. Extrem wird's ab Minute 5:15.

Gruß
Bernd

p.s. Und Carl ist zweifelsohne ein sehr guter Werfer! Die Kamera ist einfach nur "the machine of truth"!
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Unglaublich

Beitragvon Royal Coachman » 02.07.2011, 12:53

Hallo Bernd !

Es ist einfach unglaublich, was hier für ein Schwachsinn als professionelles Werfen gezeigt wird. Ab Minute 5 könnte man das Ganze mit dem Untertitel "wie werfe ich den perfekten Tailing Loop" versehen.

Konstante Birnen, zusammenbrechende Würfe, der Tanz am Wasser, wahrscheinlich als Unterhaltungsprogramm für die dortigen Fische gedacht.

RC
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Beitragvon piscator » 02.07.2011, 14:20

Moin, der Profi sollte sich echt mal 'n paar Nachhilfestunden zukommen lassen. Auch die Wasserkontaktwürfe wässern wirklich :( beeindruckend.
Bernd, wo haste das denn ausgebuddelt. Jürgen
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Beitragvon Bernd Ziesche » 02.07.2011, 15:32

Hallo Ihr beiden :)
Drehen wir das Ganze doch einmal herum: 8)
Wieviel Schnurlänge haltet Ihr (im Wasser stehend) in der Luft, ohne die Wasseroberfläche zu touchieren.
Das Video zeigt zumindest, dass der Wurf nicht zusammen bricht, obwohl der Werfer teils deutlich die Wasseroberfläche touchiert.


http://www.youtube.com/watch?v=Q_YTQZP_ ... re=related
0:15-0:20 Man beachte den Rückwurf.

Gruß
Bernd

p.s. Ich habe für mich die Erfahrung gesammelt, dass man auf Videos Dinge sieht, welche unser Auge in der Realität nicht zu erfassen im Stande ist. Wie sagte Bruce Richards so treffend: "I never saw any fly casting instructor without having a few tailing loops inbetween, yet." Dem schließe ich mich an.
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