Maximale Tiefe

Fliegenwerfen - wie geht das eigentlich? Wie kann ich meine Leine effektiver ausbringen und Fehler ausmerzen? Was hat es mit den AFTMA-Klassen auf sich? Was sind Spezial- und Trickwürfe? Fragen über Fragen! Hier könnt Ihr Euch gegenseitig helfen.

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Maximale Tiefe

Beitragvon LenSch » 01.02.2017, 11:03

Guten morgen zusammen!
Ich habe bereits die SuFu gequält, allerdings ohne Erfolg und hoffe, dass ich hier im richtigen Bereich des Forums bin.
Ich fische jetzt seit einem halben Jahr mit der Fliegenrute und möchte mich ab dem 01.05 auch etwas mehr unseren Hechten in den sauerländischen Talsperren widmen.
Am Jahresanfang stehen die Hecht bei uns noch in den flachen Bereichen ( wie an allen anderen Gewässern auch ), aber ab Anfang Juni ziehen die kapitalen Exemplare Richtung Freiwasser wo sie sich dann zwischen 5-10 Meter aufhalten.
Ist es Sinnig diese Hechte im Freiwasser zu befischen bzw. kommt man mit der Fliegenrute überhaupt so tief?
Wie sind da eure Erfahrungen, bis zu welcher Tiefe fischt ihr maximal?

Danke und Gruß

Lennart
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Re: Maximale Tiefe

Beitragvon jpick » 01.02.2017, 18:01

... mit Boot, denke ich? Welche Talsperren sollen es werden?

Grüße
Stefan
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Re: Maximale Tiefe

Beitragvon LenSch » 01.02.2017, 19:10

Oh sorry... Das hatte ich vergessen zu erwähnen.

Genau, es wird vom Boot aus gefischt. Mein Hausgewässer ist Wohnorts bedingt der Möhnesee. Wollte es aber auch mal an der Henne und Bigge versuchen.
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Re: Maximale Tiefe

Beitragvon fly fish one » 01.02.2017, 19:28

Ach Du liebes Bißchen, die Möhneseetalsperre ist riesig! Wenn Du dort keine Erfahrungen hast, ist nicht die Tiefe das Problem, eher die Weite - im Sinne von "Stellen finden". Ich hab an diesem Monstrum mal gestanden (in Zivil und nur Besuch) und mit vorgestellt als ortsfremder Fischer aufzuschlagen - die schiere Größe macht das größte Scheunentorego (meins :shock: ) recht kleinlaut. Flyfishing Europe bietet ein Guiding per Boot und Fischecholot an. Das würde ich mir mal geben und dann danach auf eigene Faust losziehen. Deine genannten Tiefen sind eher nicht das Problem, aber das Abheben und Werfen der entsprechenden Sinkleinen mit grossen Streamern an Einhandruten nicht so easy.

Dein Frank
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Re: Maximale Tiefe

Beitragvon CPE » 01.02.2017, 20:18

Hallo Lennard,

Irgendwie ist das für mich kein ideales Fliegenfischer-Revier. Die Fische stehen im Sommer im Tiefen, d.h. gerne über 10 m. Die schnellsten Sinker (T6) sinken mit ca. 17 cm/s. D.h. Du kommst vom Boot ohne Fahrt in einer Minute auf 10 m runter. Mit Fahrt kann es auch die Hälfte werden. Das hat dann alles mit Fliegenfischen nichts mehr zu tun, weshalb andere Angelmethoden (Gummifisch plus Echolot...) von den lokalen Anglern (Uli Beyer, etc.) sehr effektiv praktiziert werden. Meine Meinung. Im Frühjahr sieht das im Flachen anders aus. Da schleppen viele (hat ebenfalls nicht so viel mit Fliegenfischen zu tun) oder streamern in den Buchten auf Barsch, Hecht und ab Dämmerung auf Zander. Barsch kommt definitiv auch aus 3-4 m zu Dir hoch, wenn Du interessantes anbietest. Da musst Du nicht unbedingt tiefer als 1-2 m (das geht bereits mit einem sinkenden Polyleader und/oder gut bebleiten Streamer), obwohl auch hier sehr erfolgreiche Spinnfischer die Staumauer und die Brückenpfeiler per Dropshot, also vertikal nach Barsch abklappern. Hecht geht so wohl auch, mein Erfolg war in mehreren Jahren allerdings ausbleibend.

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Re: Maximale Tiefe

Beitragvon gespliesste » 01.02.2017, 20:33

Hallo Lennart,

große tiefe Seen sind nach meiner Erfahrung nur bedingt zum Fliegenfischen geeignet. Zu bestimmten Zeiten an bestimmten Stellen geht bestimmt mal was. Es gibt da ja auch mal Stiege oder Zeiten, wo die Fische ins flache Wasser ziehen. Aber alles über 4-5 Meter Fischtiefe ergibt für die Fliege nicht mehr wirklich Sinn. Da sind andere Methoden deutlich effektiver. Wie Frank schon geschrieben hat, benötigt man auch einiges an Erfahrung und Ortskenntnis. Hab die letzten Jahre am Bodensee gewohnt und gefischt, der ist fast 5 mal so groß wie der Möhnesee ...

LG,

Olaf
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Re: Maximale Tiefe

Beitragvon Trockenfliege » 01.02.2017, 20:45

Ein früher sehr bekannter, inzwischen verstorbener deutscher Fliegenfischer hat mal in einem Beitrag für eine Fachzeitschrift beschrieben, wie er mit der Fliegenrute vom Boot aus auf Köhler geangelt hat. Leider ist mir sein Name gerade entfallen, er hat auch paar Bücher geschrieben.
Soweit ich mich erinnern kann, bestand sein Setup aus einer Fliegenschnur mit schnellsinkender Spitze oder einem schweren Schusskopf, die er dann SENKRECHT!! über die Bordwand bis in 30m :shock: Tiefe abgeseilt haben wollte ( geht nur bei null Drift) und damit seine Köhler fing.

Da sind doch die 5 -10m Pipifax :mrgreen:

LGruß
Reinhard
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Re: Maximale Tiefe

Beitragvon CPE » 01.02.2017, 20:59

Trockenfliege hat geschrieben:SENKRECHT!! über die Bordwand bis in 30m :shock: Tiefe abgeseilt


Hallo Reinhard,

Das ist ja genau das, was ich meine: Du kannst nicht werfen, sondern nur fallen lassen. Du hast auf diese senkrechte Distanz überhaupt keinen Kontakt mehr zur Fliege, weil der Widerstand der Schnur zu deftig ist. Du kannst noch nicht einmal die Tiefe korrekt abschätzen, weil Du nicht mitbekommst, wenn der Streamer auf dem Boden ankommt. Beim 10-20-gr-Bleikopf mit Gummifisch an dünner Geflechtschnur bekommst Du einen schlammigen Grund in 10 m genauso deutlich mit wie selbst kleinere Nachläufer und Zupfer...

Was ich im "richtigen" Fliegenfischen dort trotzdem noch öfters machen möchte ist Loch-Style-Fishing im Frühjahr auf Seeforelle (das ist aber ein 6er/7er Floating-Setup mit sinkender Nymphe, Naßfliege und Trockenfliege - mehrere Fliegen hat Herr Kühlmann mir telefonisch mal als zulässig geschildert...).

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Re: Maximale Tiefe

Beitragvon jpick » 01.02.2017, 21:23

Danke für die Infos. Ich denke (aus eigener, recht positiver Erfahrung heraus), im frühen Jahr kann man es sehr gut mit der Fliegenrute probieren, wenn man die flachen Bereiche abfischt (vorausgesetzt, der Wasserstand stimmt). Das geht mit Boot sehr gut von der Seeseite aus Richtung Ufer. Auch kapitale Hechte stehen dann mitunter im äußerst flachen Wasser. Ich habe meinen lifetime-Rekordhecht mit einer Art Lametta-Streamer mitten in einer Aussparung von Wasserknöterich erwischt. Im Sommer, wenn die Fische ins Freiwasser ziehen, stelle ich es mir schwieriger vor, habe ich auch schon erfolglos in der Tiefe probiert. Da hängt die Leine wirklich nach unten. Aber vielleicht geht da auch was, und man muss es nur die richtigen Ideen haben. Jedenfalls kommen auch die Freiwasserhechte morgens und abends auch ganz nahe an die Oberfläche, ich habe auf dem Edersee zumindest schon Zander mit Fliegenrute im Freiwasser an der Oberfläche erwischt.

Good Luck!
Stefan
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Re: Maximale Tiefe

Beitragvon derflow » 01.02.2017, 22:16

Moin,

will Euch ja nicht den Spaß an irgendwelchen Tiefenexperimenten verderben...... aaaaaber wenn man schon die Möglichkeit hat vom Boot zu fischen würde ich mehr Energie darauf setzen Futterfische zu suchen und flach zu fischen. Habe in den letzten Jahren viel Zeit an bis zu 30m tiefen Baggerseen verbracht und kann Die Beobachtungen meines Vorschreibers nur bestätigen. 50% meiner Hechte fing ich direkt an der ersten Abbruchkante am Ufer, die andere Hälfte in 1-2 Meter Wassertiefe bei den Futterfischen über dem absoluten Nichts ;) . Selbst Kumpels die mit Gummifischen und Big Baits (so heißen große Gummifische heutzutage :D ) unterwegs waren fingen Ihre Fische mitten im See im Oberflächenwasser. Schaut man sich einen durchschnittlichen See an auch vollkommen logisch - was soll ein Hecht in 20Meter und mehr bei Temparaturen knapp über 0Grad Celsius im Schlick rumliegen wenn sich das Futter im warmen, hellen Oberflächenwasser tummelt?
Gruß

Florian

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Re: Maximale Tiefe

Beitragvon CPE » 01.02.2017, 22:35

Hallo Florian,

Dein Baggersee hatte vielleicht keine Maränen, der Möhnesee hat sie, und die stehen nachweislich da unten, weshalb es, unabhängig vom sehr anziehend wirkenden höheren Sauerstoffgehalt kühleren Wassers, mehrere Gründe für Räuber gibt, da unten zu bleiben.

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Re: Maximale Tiefe

Beitragvon Thomas E. » 01.02.2017, 22:41

fly fish one hat geschrieben:Deine genannten Tiefen sind eher nicht das Problem, aber das Abheben und Werfen der entsprechenden Sinkleinen mit grossen Streamern an Einhandruten nicht so easy.


Hi Frank,

eine Sinkschnur wird nicht aus dem Wasser "gezerrt", sondern stets ausgefischt !

Das Werfen von Sinkleinen ist problemlos, weil durch die höhere Dichte diese schneller, damit sogar weiter fliegen und weit weniger windanfällig sind.
(Darum werden sie ja auch für den Castingsport verwendet.)

Ich befische manchmal einen See vom Ufer aus, der gleich schnell abfällt.
10 m Tiefe zu erreichen, ist leicht, nur die Fische zu finden die Herausforderung. :p
Gruß
Thomas Ellerbrock
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Re: Maximale Tiefe

Beitragvon dreampike » 01.02.2017, 22:50

Hi,
das Problem ist nicht auf Tiefe kommen, das würde man mit entsprechenden Sinkschnüren schon hinbekommen, sondern das Fischen in der Tiefe. Als guter Werfer pfeffert man eine 650 S9 mit Fliege vielleicht 25 m weit. Dann sinken Schnur und Fliege aber nicht ganz senkrecht runter, sie müssen ja noch die (Schwimm-) Schnur von oben mitnehmen. Dadurch befindet sich die Fliege weniger als 25 m weit weg, wenn man mit dem Einstrippen beginnt. Und Einstrippen heißt in diesem Fall die Fliege nach oben ziehen. Also fischt man nur sehr kurz in der relevanten Tiefe, zieht die Fliege nur hoch und das irgendwo im See... nicht gerade aussichtsreich. Dann funktioniert es schon eher die Fliege an sehr langer Leine langsam zu schleppen. Das mache ich immer, wenn ich mit dem Belly Boat weitere Strecken paddeln muss, da habe ich in Irland schon sehr schöne Hechte im Freiwasser gefangen.

Allerdings stellt sich vom normalen Boot aus die Frage, warum so umständlich mit Fliege fischen, wenn andere Schleppköder an der Spinnrute wesentlich effektiver sind...

Bei uns an den Voralpenseen stehen die Hechte bei sehr warmen Temperaturen meist auf der Höhe der Sprungschicht, je nach See dann zwischen 3 und 5 Metern. Ich kenne einige Hechtfischer, die werden ganz nervös, wenn das Thermometer über 30 Grad klettert und mittags die Sonne vom Himmel brennt. Da sind dann Großhechte angesagt... Allerdings weniger mit der Fliege, wie ich nach einigen schweißtreibenden Versuchen vom Belly Boat aus erfahren musste. Ich habe dann zwar auch "gemetert", zwar nicht im Freiwasser, sondern an den Kanten oder über Krautfeldern.

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Re: Maximale Tiefe

Beitragvon Thomas E. » 01.02.2017, 23:02

Hi Wolfgang,

"Schwimmschnur" ?

Ich fische WF- Schnüre, sinkend auf ganzer Länge.
Oder SK mit dünner Mono.
Gruß
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Re: Maximale Tiefe

Beitragvon gespliesste » 02.02.2017, 01:40

Hallo,

machen kann man viel. Aber irgendwann frage ich mich, warum sollte man da noch zur Fliegenrute greifen?
Ich sehe bei diesen Tiefen keinen einzigen Vorteil mehr die Fliege zu nehmen gegenüber einer Spinnrute.

Das einzige was wirklich gut mit Fliege funktioniert hat, waren Lauben (Ukelei) auf #22 Trockenfliege im Hafen :wink:

Jeder große See hat ja auch Zu- und Abflüsse und da spielt die Fliegenfischerei ihre Stärken aus. Hab lange Jahre die Möhne ober- und unterhalb des Möhnesee befischt. Ein Traum mit der Fliegenrute.

LG,

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