MeFo-fischen - bei stärkerem Wind eine Schnurklasse hoch?

Fliegenwerfen - wie geht das eigentlich? Wie kann ich meine Leine effektiver ausbringen und Fehler ausmerzen? Was hat es mit den AFTMA-Klassen auf sich? Was sind Spezial- und Trickwürfe? Fragen über Fragen! Hier könnt Ihr Euch gegenseitig helfen.

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MeFo-fischen - bei stärkerem Wind eine Schnurklasse hoch?

Beitragvon strongbow » 12.01.2016, 19:49

Gemeinde,

eine schnelle theoretische Frage in die Runde:

Wie ist die heute mit einem Kollegen beim Mittagstisch kontrovers diskutierte Frage zu beantworten - ist es zielführend, bei mehr Beaufort eine oder zwei Schnurklassen hoch zu gehen und eine entsprechende "Starkwindfliegenrute" als Back up mitzuführen?

Ich hätte diese Frage jahrelang mit "ja" beantwortet, habe aber mittlerweile meine Zweifel.

Sind bei "krachtigem" Wind nicht eher Schnurgeschwindigkeit (hoch) und Schlaufenform (eng) und evtl. noch das Profil der Leine (möglichst schlank) entscheidend? Kann ich mit einer straffen #6 und entsprechender Wurftechnik sowie einer Sinkschnur (wg. des Profils) nicht besser dem Wind trotzen als wenn ich mit einem Lämmerschwanz von einer #8 große "englische" Loops mit einer Schwimmschnur werfe? Heute meine ich: ja - die Aspekte Schnurgeschwindigkeit, Bogen/Loop und Leinenprofil sind wichtiger als die Schnur- und Rutenklasse.

Absolut unsinnig - um das noch als Girlande anzuflechten - finde ich aber den zwischenzeitlichen dänischen Trend, stärkerem Wind mit kürzeren Rutenlänge zu begegnen. Als Segler weiss ich zwar sehr genau, dass die Windgeschwindigkeit mit der Höhe über dem Wasser zunimmt. 30 oder 45 cm mehr oder weniger machen hier aber Zero Unterschied. Da hilft es deutlich mehr, die Wurfebene seitlich zu verlagern.

Was meint ihr?

Toby
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Re: MeFo-fischen - bei stärkerem Wind eine Schnurklasse hoch

Beitragvon franc555 » 12.01.2016, 20:48

Moin Toby,

ich fische in der Regel mit einer schnellen sechser Rute mit 16/17-Gramm-Schussköpfen auf Mefo. Wenn es richtig bläst, steige ich auf eine Achter und 19/20-Gramm-Köpfe um. Das fischt sich (für mich) dann definitiv besser als mit der Sechser. Die Schnur wird nicht so leicht "verblasen" und ich komme insgesamt besser zurecht.
Übrigens ist die Idee mit den kürzeren Ruten gar nicht so abwegig, gerade bei Wind merkt man einen deutlichen Unterschied zwischen langer und kurzer Rute. Trotzdem sind meine Ruten 9' (#8) oder 9'6'' (#6) lang.

Gruß
Frank
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Re: MeFo-fischen - bei stärkerem Wind eine Schnurklasse hoch

Beitragvon Achim Stahl » 13.01.2016, 11:45

Moin,

strongbow hat geschrieben:Absolut unsinnig - um das noch als Girlande anzuflechten - finde ich aber den zwischenzeitlichen dänischen Trend, stärkerem Wind mit kürzeren Rutenlänge zu begegnen. Als Segler weiss ich zwar sehr genau, dass die Windgeschwindigkeit mit der Höhe über dem Wasser zunimmt. 30 oder 45 cm mehr oder weniger machen hier aber Zero Unterschied. Da hilft es deutlich mehr, die Wurfebene seitlich zu verlagern.


Da muss ich dir ganz deutlich widersprechen. Mit einer kurzen straffen Rute ist es viel einfacher und weniger anstrengend, eine enge Schlaufe zu werfen und eine hohe Schnurgeschwindigkeit zu generieren.

Du solltest das mal ausprobieren. Ich war am Anfang auch skeptisch, aber ein Praxistest überzeugt die meisten Zweifler ziemlich schnell.

Ansonsten bin ich deiner Meinung. Natürlich sollte das Outfit nicht zu leicht sein. 16 bis 18 Gramm Kopfgewicht und eine Rute, die damit nicht überlastet ist, sind meine Wahl.


Viele Grüße!


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Re: MeFo-fischen - bei stärkerem Wind eine Schnurklasse hoch

Beitragvon Harald aus LEV » 13.01.2016, 14:29

Hallo Toby,

in meinen Augen vergleichst Du hier Äpfel mit Birnen.
Du vergleichst eine knackige 6er, schnellem Wurfrhythmus und enge Loops mit einem 8er Lämmerschwanz, langsamem Rhythmus und große Schlaufen.
Wie wäre es, wenn Du die genannte 6er mit einer knackigen 8er, schnellem Rhythmus und engen Schlaufen vergleichen würdest?
Nur so kannst Du beurteilen, ob die 6er oder die 8er besser gegen den Wind arbeitet.

Gruß
Harald
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Re: MeFo-fischen - bei stärkerem Wind eine Schnurklasse hoch

Beitragvon piscator » 13.01.2016, 14:32

Moin, bei viel Wind und auflandiger Welle wird eine Schwimmschnur leicht mit den brechenden Wellen mitgerissen und fischt dadurch sehr schnell aber ohne dass man fühlt wie die Fliege fischt. Das kann man stark verbessern indem man eine SInkschnur fischt, die durch die Oberfläche durchsinkt und für permanenten Kontakt sorgt. Damit fischt auch die sehr schnelle Fliege vernünftig und das Werfen wird deutlich einfacher.
Kurze Ruten sind beim Fischen in der Brandung die Pest, da die Schnurführung schlechter ist als mit der längeren Rute.
Mein Tip ist: 9ft Rute #8 mit Sink2 Schnur und gutes Schnurmanagement ohne Schnurkorb (Schnurkorb bei Brandung geht nicht).
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Re: MeFo-fischen - bei stärkerem Wind eine Schnurklasse hoch

Beitragvon cdc » 13.01.2016, 15:41

Hallo zusammen,

#8 Lämmerschwanz ist eher meine Wahl in 9,6ft und ich muss sagen das ich auch nichts anderes fischen möchte... Es gibt garantiert Ruten mit vorteilhafteren Eigenschaften...
Für mich war es immer ein Thema die Ursachen in erster Linie bei mir zu suchen um mit den in diesem Fall "Wind" klar zukommen... Ich versuche auch nicht jeden Trend zu folgen weder den der schnellen Ruten noch den der kurzen oder den der speziell dafür gefertigten Leinen....
Wer kurz und hart fischt muss im gegen Satz lange und sensibel drillen bei dementsprechenden Vorfachstärken... Ein ausschlitzen ist vorprogrammiert...
Meerforellenfischen ist absolut keine Brechstangen Fischerei...
Eine Leine mit Sinktip in 2 könnte ich mir allerdings sehr gut vorstellen...

Gruß Jürgen
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Re: MeFo-fischen - bei stärkerem Wind eine Schnurklasse hoch

Beitragvon Maggov » 13.01.2016, 15:54

Hallo Toby,

ich kann mich nur auf das Fischen in den Flats beziehen und nicht auf MeFo, dort war es aber so dass der Wind bei einer 8-er Rute bereits ein echtes Problem darstellen konnte. Wenn ich da eine Schnelle 6-er gehabt hätte ware es sicherlich auch nicht mit der engsten Schlaufe besser geworden. Im Drill von Bonefish, Snapper und Co. sowie von der Fliegengröße / dem dem Fliegengewicht her hätte eine 6-er vollkommen gereicht. Im Gegenzug war der Wind beim Tarpon-Fischen mit der 12-er kaum ein Thema.

Deshalb würde ich auch eher zur höheren Schnurklasse tendieren denn zu einem schnelleren Stecke in einer niedrigeren Schnurklasse. Dass enge Schlaufen und ein geringer Schnurdurchmesser grundsätzlich immer vorteilhaft ist möchte ich gar nicht anzweifeln. Nur was hinder dich daran dies mit einer höheren Schnurklasse zu werfen?

LG

Markus
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Re: MeFo-fischen - bei stärkerem Wind eine Schnurklasse hoch

Beitragvon orkdaling » 13.01.2016, 19:12

Hallo,
ich schliess mich gleich noch Markus an.
Obwohl ich sehr gern so leicht wie møglich unterwegs bin mit 5/6 oder 6/7 Ruten ziehe ich bei Wind eine 8 medium fast vor.
Es ist auch zu beachten was du werfen willst, eine kleine Frede oder einen grossen Streamer.
Na und dann ist auch noch der Schnurtyp zu beachten, eine "voluminøse" Schwimmschnur wirft sich nicht so gut bei starken Wind im Gegensatz zu einer eher duennen interm. Schnur.Auch kurze oder lange Keule die dir bei Seitenwind vielleicht verweht wird ist zu beachten. Also kann man nicht sagen bei Wind eine Klasse hoch, du mussst das alles im Zusammenhang sehen und dein Geræt dahingehend abstimmen.
Gruss
Hendrik
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Re: MeFo-fischen - bei stärkerem Wind eine Schnurklasse hoch

Beitragvon cdc » 14.01.2016, 13:34

Hallo Hendrik,
Du hast absolut recht, viel Faktoren sind zu beachten, auch das man immer mit einen Ausnahme Fisch an der offenen Küste der Ostsee rechnen kann...

An einen Nachmittag im August nahe Hörte (S) machte ich ca. 15 Fische in unmittelbarer Strandnähe zwischen den Steinen aus...
Die waren so um die 1 bis 2 Kilo... Ich nahm eine #6 mit 0,18 Vorfach und einen oliven Zonker auf 10 Haken...
Fataler Fehler, den gleich der erste Fisch entpuppte sich als eine ca. 3,5 kg Meerforelle in absolut bester Kondition und sprengte nicht nur meine Träume...

Gruß Jürgen
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Re: MeFo-fischen - bei stärkerem Wind eine Schnurklasse hoch

Beitragvon Olaf Kurth » 14.01.2016, 15:46

cdc hat geschrieben:An einen Nachmittag im August nahe Hörte (S) machte ich ca. 15 Fische in unmittelbarer Strandnähe zwischen den Steinen aus...
Die waren so um die 1 bis 2 Kilo... Ich nahm eine #6 mit 0,18 Vorfach und einen oliven Zonker auf 10 Haken...
Fataler Fehler, den gleich der erste Fisch entpuppte sich als eine ca. 3,5 kg Meerforelle in absolut bester Kondition und sprengte nicht nur meine Träume...



Deshalb schwöre ich auf Stroft GTM, lieber Jürgen

damit hättest Du auch bei 0,18mm Schnurstärke keine Probleme gehabt, die haben (laut Angaben) eine Tragkraft von 3,6 Kilo, immerhin 100g Reserve. 8)

An der Küste würde ich keine Rute über 9 Fuß fischen wollen. Wie Achim schon sagt, bei mächtig Gegenwind helfen wirklich kürzere Ruten und enge Schlaufen. Ich habe gelernt, den Wind einfach zu "unterlaufen" (notfalls mit horizontalen Würfen) und das klappt meistens. Selbstverständlich muss man mit härteren Ruten sensibler fischen, doch dafür habe ich den perfekten Dämpfer - meine Wurfarm (der die Rute führt und der sehr sensibel reagieren kann).

Liebe Grüße,

Olaf
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Re: MeFo-fischen - bei stärkerem Wind eine Schnurklasse hoch

Beitragvon strongbow » 14.01.2016, 16:20

Harald aus LEV hat geschrieben:Hallo Toby,

in meinen Augen vergleichst Du hier Äpfel mit Birnen.
Du vergleichst eine knackige 6er ....mit einem 8er Lämmerschwanz. ...Wie wäre es, wenn Du die genannte 6er mit einer knackigen 8er, schnellem Rhythmus und engen Schlaufen vergleichen würdest?...

Gruß
Harald


Also Harald, ich denke hier hast Du einen Punkt. :wink:

Die Überlegung kam mir auch, als ich mein Posting mit einem Abstand von einer Stunde nochmal gelesen habe.

Andererseits ging es mir in erster Linie darum zu diskutieren, ob Schnurklasse allein schon ein wesentlicher Faktor ist.

Und noch zu dem Phänomen kurze Küstenruten: Ich bin wirklich der Meinung, dass die Argumentation, man könne mit einer 8` langen Rute den Wind gewissermaßen "unterwerfen", neben der Sache liegt. Ich stimme da schon eher Achim zu, der schreibt, man könne mit kurzen Ruten grundsätzlich leichter enge Schlaufen werfen.
Wirklich relevant für die Wahl einer kurzen Rute bei viel Wind könnte allerdings sein, dass der Wind natürlich auch an der Oberfläche der Rute angreift. Eine 10` lange Rute fühlt sich dann an wie ein ziemlich großes Segel, ein 8` langer Stock im Vergleich dazu eher wie ein kleines Starkwindsegel. Ich finde aber, dass kurze Ruten beim Watfischen - sei es auf dem Flat oder in der Ostsee - mehr Nachteile als Vorteile haben. Über eine 8` würde ich dagegen nachdenken, wenn ich in der sehr privilegierte Lage wäre, in der Garage ein kleines Flatsskiff und einen F 150 zu haben und am WE darüber nachzudenken, welche Ecke der Glades oder des Golf ich denn fischen mag. Denn eines sind kurze Ruten mE wirklich: präziser als lange. Was beim Sichtfischen unbestreitbar Vorteile hat, die aber in den USA noch nicht so richtig angekommen zu sein scheinen, denn dort ist 9 Fuss immer noch das in Stein gemeißelte Maß für Salzwasserruten. (Außer für Blue Water und Big Game).

Cheers

Toby
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Re: MeFo-fischen - bei stärkerem Wind eine Schnurklasse hoch

Beitragvon cdc » 14.01.2016, 16:21

Ja lieber Olaf, heute bin ich etwas schlauer...
Ab und zu schätzt man auch mal eine Situation
falsch ein oder ist nachlässig...
9'6 ist allerdings auch die Obergrenze und
irgendwann gebe ich mich den Wind geschlagen...

Gruss Jürgen
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Re: MeFo-fischen - bei stärkerem Wind eine Schnurklasse hoch

Beitragvon Maggov » 14.01.2016, 16:48

strongbow hat geschrieben:Ich finde aber, dass kurze Ruten beim Watfischen - sei es auf dem Flat oder in der Ostsee - mehr Nachteile als Vorteile haben.


Hallo Toby,

welche Nachteile siehst Du bei Flat/Salzwasserfischen? Am Fluss mit der Nymphe finde ich längere Ruten für bzgl. der Schnurkontrolle / Mendings als vorteilhaft. Fische dort aber auch zumeist unter 8 Fuss da ich primär Trocken fische und die fehlenden 30 cm mit meinen Armen ganz gut kompensieren kann. Bei der Trockenen arbeite ich gerne mit Reach Cast und Co, dann geht das auch problemlos mit der kurzen Rute.

Beim Streamerfischen wüsste ich jetzt nicht warum ich nicht eine kürzere Rute nehmen könnte - deshalb die Nachfrage.

Bzgl. Salzwasser in US: Ich kann mich gut erinnern dass vor 10 Jahren so gut wie das komplette SAGE Sortiment aus 9 Fuß Ruten bestand. Damals hätte ich Dir recht gegeben. Wenn ich aber die Filmchen auf den Videokanälen zum Tarponfischen schaue dann habe ich den Eindruck dass heute auch in den USA durchaus kürzere Ruten zu finden sind. Wird Zeit das Ganze vor Ort zu recherchieren :mrgreen:

LG

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Re: MeFo-fischen - bei stärkerem Wind eine Schnurklasse hoch

Beitragvon Harald aus LEV » 14.01.2016, 18:14

Hallo Toby,

die längste Rute, die ich im starken Wind an der Ostsee gefischt habe, war 9'6". Darüber würde ich auch nicht gehen wollen.
Kürzere Ruten mögen beim Wurf im starken Wind besser sein, aber spätestens wenn's um den Drill eines größeren Fisches geht, sind
9-Füßer in meinen Augen im Vorteil, wenn es darum geht, eine Fluchtrichtung beeinflussen zu wollen.
Zum Werfen kann man, wie Olaf schon schrieb, die Wurfebene von Überkopf auf 45 Grad seitwärts oder komplett seitwärts verändern, oder
bei seitlich auf die Wurfhand drückendem Wind, den Körper um 180 Grad drehen und mit dem Rückschwung nach hinten auswerfen (Beachcast).

Es gibt also viele Punkte zu beachten und jeder muss das für sich passende Gerät finden.
Hier kommt es sicherlich auch auf die individuellen Unterschiede und Vorlieben an und auf persönliche Konstitution, Kondition, Wurfvermögen und -technik.
Für den Einen mag das eine 6er, für den Anderen eine 8er sein. Für mich ist es die 7er Salty, egal ob Ententeich oder stark windig. :)

Gruß
Harald
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Re: MeFo-fischen - bei stärkerem Wind eine Schnurklasse hoch

Beitragvon Ralf » 14.01.2016, 21:24

Moin zusammen,

tja, diese Frage kommt immer wieder auf, auch bei mir und im Freundeskreis.

Als "Eingeborener" mit vielen Freunden, die ebenfalls mit der Fliege an der Küste unterwegs sind, habe ich in den letzten Jahren eine Entwicklung beobachtet: wir alle sind mit der Klasse bei den Ruten und Schnüren runter gegangen. Vor mehr als 10 Jahren waren es eher 7er und 8er Ruten mit entsprechenden Schnüren, mittlerweile fischen wir fast alle bei Normalbedingungen bis zu kräftigem Wind mit 5er und 6er Ruten. Nur wenn es richtig kachelt gehen auch wir höher auf 7er oder 8er Ruten, das kommt aber nur noch selten vor.

Was bei dieser Diskussion schnell vergessen wird: Macht es denn wirklich noch Spaß, sich mit der Fliege direkt gegen richtig hartes Wetter durch zu kämpfen, selbst wenn man eine 8er Rute fischt? Meine schwerste Rute, die ich heute selbst bei fiesen Bedingungen fische ist eine schnelle 6/7er Rute mit einer 6er Coastal, dabei wähle ich dann aber lieber Plätze (die Auswahl hier ist zum Glück enorm), an denen der Wind nicht frontal, sondern wenigstens schräg auflandig oder seitwärts kommt. Da ist immer noch reichlich Bewegung im Wasser und meist genauso viel Fisch dicht unter Land unterwegs, wie an direkt auflandigen Stellen.

Soll es denn unbedingt auflandig sein, dann fischt, sprich wirft, es sich insbesondere mit einer Fast-Intermediate oder Sinkschnur einfach entspannter, die dünneren Schnüre schneiden besser durch den Wind und sind nicht so anfällig für die Wellen.

Die Ruten sind heute so schnell geworden, da ist eine 8er schon harter Tobak.

Aber jedem das Seine und wie er es mag.

Grüße

Ralf

PS:
Wenn man denn unbedingt gegen heftigen Wind fischen will, ist eine etwas kürzere Rute in 8 oder 8,6 Fuss weniger kräftezehrend, da gebe ich Achim und co. absolut recht.
Angeln ist weit mehr als ein Hobby, es ist eine Lebensart.
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