Schnurgeschwindigkeit im Fliegenwurf

Fliegenwerfen - wie geht das eigentlich? Wie kann ich meine Leine effektiver ausbringen und Fehler ausmerzen? Was hat es mit den AFTMA-Klassen auf sich? Was sind Spezial- und Trickwürfe? Fragen über Fragen! Hier könnt Ihr Euch gegenseitig helfen.

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Schnurgeschwindigkeit im Fliegenwurf

Beitragvon Bernd Ziesche » 12.07.2011, 15:03

Hallo allen "Wurf-VERRÜCKTEN" (wie Thotty, Laverda, Tobias, Thomas, Marcus, Olaf, mir selbst und so einigen anderen hier),
hier mal ein kleines (sicherlich sehr komplexes) Schaublid zum Thema:
"Wie erzeuge ich als Werfer eigentlich die passende Schnurgeschwindigkeit in meinem Wurf."
Für diese Darstellung erhebe ich keinerlei Anspruch auf Richtigkeit, glaube aber, dass sie sehr viel detaillierter ist, als nahezu alle mir bekannten Darstellungen zum Thema. Und zumindest haben einige Experten, die aus dem Bereich der Physik kommen, wie z.B. Dr. (phys.) Grunde Lövoll von der Uni Oslo diese als sehr hilfreich bewertet.

Vereinfacht dargestellt:
Wir beschleunigen die Rutenspitze über das Nutzen der Rute als einen "flexiblen Hebel", den wir a) kippen und den wir dabei b) spannen. Das Kippen oder Rotieren des Hebels bringt die meiste Geschwindigkeit. Das folgende zusätzliche Entspannen dieses flexiblen Hebels (Zurückspringen) bringt noch einmal zusätzliche Geschwindigkeit.
Darüber hinaus können wir per Schnurhand die Schnur zusätzlich durch die Ringe ziehen (Zugunterstüzung per Schnurhand in Vor & Rückwurf = Doppelzug).
Die resultierende Schnurgeschwindigkeit ergibt sich hierbei aber zum größeren Teil durch die Geschwindigkeit des untersten Ringes, den wir zugleich von der Schnurhand weg bewegen. Man muß hier verstehen, dass man die Hand nicht viel schneller als 20 Km/h bewegen kann. In der Rutenhand allerdings nutzt man auf dem Weg zum untersten Ring wieder einen "kleinen Hebel" (die Rute bzw. deren Unterteil), welcher den Wirkungsgrad hier erhöht.

Mehr Detaills siehe Anhang.

Thotty,
gerne Einspruch ;).

Beste Grüße
Bernd

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Zuletzt geändert von Bernd Ziesche am 12.07.2011, 21:35, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Schnurgeschwindigkeit im Fliegenwurf

Beitragvon HeldvomFeld » 12.07.2011, 15:43

wow!
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Re: Schnurgeschwindigkeit im Fliegenwurf

Beitragvon Thotty » 12.07.2011, 15:47

Bööörnie,

wie geil bist du denn.... sauber. =D>

hmmm, und ja kurz aus dem stehgreif, weil ich gleich weg muss:

die schnurgeschwindigkeit ist (wie schon mal geschrieben) eine addition von mehreren geschwindigkeit:
rutenspitze, schnurhand und körperverlagerung...
wenn man diese dinge gleichzeitig einsetzt erhält man die größtmögliche geschwindigkeit in der leine.

bei einer sache würde ich mal vorsichtig wiedersprechen, ich muss da noch ein wenig hirnen und mir
noch mal ein paar slowmo wurfclips ansehen:
Das folgende zusätzliche Entspannen dieses flexiblen Hebels (Zurückspringen) bringt noch einmal zusätzliche Geschwindigkeit.


ich würde mal sagen, dass man, wenn man es castingmäßig grad richtig krachen lässt, den doppelzug bis
zum vorderen stoppunkt durchpowert. aber eben nicht weiter.. :wink:
daher hat dann das anschließende re-flexen der rutenspitze zwar unbestritten eine energie, aber keine geschwindigkeits addition, da es ein langsamerer entspannungsprozess ist und wir eine max geschwindigkeit in der leine vorher schon per doppelzug erreicht hatten.

und ob sich die rute nach erreichen der max geschwindigkeit bereits zurückflext wage ich zu bezweifeln. der flex wird geringer, schon klar... aber frag mal trick- werfer wie Matthias Winterberg: die rotieren die rute im gegensatz zur LBR technik sehr früh, damit sie anschließend die trick- schnick- oder sonstige spezialbewegung in ruhe ausführen können und sie nicht mit dem rotieren kombinieren müssen...

übrigens:
In der Rutenhand allerdings nutzt man auf dem Weg zum untersten Ring wieder einen "kleinen Hebel"

:-k

noch ein hebel zwischen rutenhand, der schnur und dem erstem leitring.. ?? #-o

die rutenhand hebelt aber doch grade schon den spitzenring fast durch die schallmauer.. :smt079

meinste nicht, dass der unterste leitring, wie sein name schon sagt: die kraft der schnurhand in rutenrichtung einfach bloß umleitet??
aber du hast schon recht: schlauft man zum werfen nur durch den leitring, so benutzt man "einen kleinen hebel" und fädelt man hoch bis zum spitzenring, so verwendet man einen "längeren hebel" :smt017 ...

das kleine hebelchen ist bei mir mein daumen der schnurhand, über den ich die schnur ziehe..
und der macht in der tat auch so eine kleine hebelnde "late thumb rotation"

grüßung
Thotty
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Re: Schnurgeschwindigkeit im Fliegenwurf

Beitragvon henkiboy » 12.07.2011, 16:17

Hallo Bernd,
Man muß hier verstehen, dass man die Hand nicht viel schneller als 20 Km/h bewegen kann.
:shock:
Kennst Du die Sportart Handball? Also wenn Du dabei mal 'nen Ball voll vor den Dassel bekommen hast dann denkst Du über die 20 Kilometer noch mal ganz scharf nach.
Aber die Liste ließe sich auch elendig lang weiterführen. Ein Tennisschläger den Du mit 20 Kilometern bewegst wird wohl kaum 'nen Ball derart beschleunigen können das er über 200 Stundenkilometer erreicht (246 ist Weltrekord).
Aber bleiben wir mal beim Fliegenfischen. Bei einem mißglückten Wurf durchbricht das Vorfach während der Umkehrphase schon mal gerne laut und deutlich vernehmbar die Schallmauer. Resultiert das aus 20 Stundenkilometern? Für mich kaum vorstellbar.
Wie schnell die Schnur wirklich ist kann man doch ganz einfach mit einer Stoppuhr ermitteln! Stell dich auf die Wiese und lass die Frau Gemahlin die Zeit stoppen, die die Schnur für eine bestimmte Wegstrecke braucht.

liebe Grüße
Detlef
Es gibt Tage, da beissen die Fische wie bekloppt und es gibt Tage da gehen Bekloppte fischen und beissen sich durch. An letzteren weiß der Angler im vorraus das er nur Spot und Hohn fängt!
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Re: Schnurgeschwindigkeit im Fliegenwurf

Beitragvon derflow » 12.07.2011, 16:56

Schönes Ding Bernd :D . Nur leider fehlen (mir zumindest) irgendwie die in der Wurfpraxis üblichen Störfaktoren wie Wind, Luftdruck, Schwerkraft und nicht zuletzt Dinge wie Gerätezusammenstellung, -Beschaffenheit die maßgeblich die Schnurgeschwindigkeit beeinflussen. Diese ausser Acht zu lassen und zu sagen die maximale Schnurgeschwindigkeit resultiert allein aus der Kraft (durch Ziehen, Rotieren, Drücken, Schieben was auch immer) die man auf das Gerät ausübt finde ich ein wenig oberflächlich :D .
Gruß

Florian

zwei Hände sind besser als eine :-)
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Re: Schnurgeschwindigkeit im Fliegenwurf

Beitragvon laverda » 12.07.2011, 17:14

Bernd Ziesche hat geschrieben:Hallo allen "Wurf-VERRÜCKTEN" (wie Thotty, Laverda, Tobias, Thomas, Marcus, Olaf, mir selbst und so einigen anderen hier),
hier mal ein kleines (sicherlich sehr komplexes) Schaublid zum Thema:

Die resultierende Schnurgeschwindigkeit ergibt sich hierbei aber zum größeren Teil durch die Geschwindigkeit des untersten Ringes, den wir zugleich von der Schnurhand weg bewegen. Man muß hier verstehen, dass man die Hand nicht viel schneller als 20 Km/h bewegen kann. In der Rutenhand allerdings nutzt man auf dem Weg zum untersten Ring wieder einen "kleinen Hebel" (die Rute bzw. deren Unterteil), welcher den Wirkungsgrad hier erhöht.


Hi Bernd,
da hast du dir aber ne Menge Gedanken gemacht, weil du aber ausdrücklich um "Einspruch" gebeten hast.......
Physik und ein wenig Geometrie allein reichen nicht........die Übertragung auf technische Systeme und die Defrinition der Randbedingungen sind nicht minder komplex.

Es ist (wurf)mechanisch nicht zulässig, die Rute willkürlich zu teilen (1.Ring, kurzer/langer Hebel) und dann sogar noch für diesen Punkt die Geschwindigkeitsanteile zu entkoppeln, da die Beschreibung der Reaktionskräfte am Teilungspunkt absolut unbekannt und nicht beschreibbar sind (bereits aus statischer Sicht unbestimmt). Am Bockring wirken weiterhin bereits Rotation und Translation, deren Beschreibung aufgrund von Überlagerung durch irgendwelche einfachen Additionen bereits im Ansatz falsch ist. (vgl. Gebethsroiter-Trööt)

Es gibt für die Rute und die Wurfanalyse einige sogar recht einfach messtechnisch erfassbare Größen, die als Grundlage geeignet sind:

1. Übertragungsfunktion der Rute
2. Geometrie der Rute
3. geradlinige translatorische Bewegung
4. Rotatotorische Bewegung
5. Überlagerte Bewegung durch Zugunterstützung
6. Schnur-/Rutenmasse


Über eine Energiebetrachtung der verschiedenen Bewegungsanteile und den Verlauf der Spannenergie bei Biegung der Rute ließe sich eine Gesamtbetrachtung über den Energieerhaltungssatz erledigen und auch quantifizieren. Dieser Ansatz ist bei allen dynamisch belasteten Bauteilen insbesondere Feder-/Dämpfungssystemen Stand der Technik.

Dies alles hatten wir aber bereits mehrfach.

Gruß vom platten Niederrhein
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Re: Schnurgeschwindigkeit im Fliegenwurf

Beitragvon Bernd Ziesche » 12.07.2011, 20:57

Thotty hat geschrieben:ich würde mal sagen, dass man, wenn man es castingmäßig grad richtig krachen lässt, den doppelzug bis
zum vorderen stoppunkt durchpowert. aber eben nicht weiter.. :wink:
daher hat dann das anschließende re-flexen der rutenspitze zwar unbestritten eine energie, aber keine geschwindigkeits addition, da es ein langsamerer entspannungsprozess ist und wir eine max geschwindigkeit in der leine vorher schon per doppelzug erreicht hatten.
und ob sich die rute nach erreichen der max geschwindigkeit bereits zurückflext wage ich zu bezweifeln. grüßung
Thotty


Hallo Thotty,
zum Wurfablauf:
Wir beschleunigen die Rute über Translation (gemeint ist hier das Ziehen bei konstanter Uhrzeit, also ohne zu kippen) und Rotation (gemeint ist hier das kippen der Rute von z.B 14 Uhr auf 10 Uhr). Tatsächlich passiert beides fast immer gleichzeitig. Der bessere Werfer versteht das Rotieren zunehmend zu verzögern = LBR = "delayed rotation". Sobald der Werfer die Stoppsequenz einleitet (diese beginnt im Kopf), ist die Maxrotationsgeschwindigkeit des Unterteils (Rutengriff) erreicht. Zur Rutenspitze hin liegt allerdings eine zeitliche Verzögerung diesen Prozeßes vor! Das Griffteil beschreitet nun den Bremsweg, während sich die Rute zu entspannen beginnt. Das bedeutet unten wird längst gestoppt (ein Prozeß), während oben die Rutenspitze während des sich Entspannens der Rute in der Tat noch an Geschwindigkeit gewinnt! Beinahe exakt bei wieder gerade gestellter Rute hat die Rutenspitze die höchste Geschwindigkeit. Genaugenommen liegt der Maximalpunkt gaaaaanz kurz vor der geraden Position der Rute. Im Moment der höchsten Geschwindigkeit beginnt die Entstehung der Schlaufe!

Dieser Prozeß ist von Jason Borger und Grunde Lövoll extrem detailliert anhand von Slowmotionaufnahmen von Matthias Lilleheim untersucht, berechnet und beschrieben worden. Einen entsprechenden Bericht findest Du bei Sexyloops im Berichtsarchiv.

Laverda hat geschrieben:Am Bockring wirken weiterhin bereits Rotation und Translation, deren Beschreibung aufgrund von Überlagerung durch irgendwelche einfachen Additionen bereits im Ansatz falsch ist.


Hallo Laverda,
das ist ein guter Punkt insofern, als dass man für das Ermitteln der Schnurgeschwindigkeit durch die Ringe nicht die Gesamtgeschwindigkeit des untersten Ringes heranziehen kann, sondern die der Schnurhand entgegengesetzten Geschindigkeit verwenden muß. Dies habe ich in der englischen Version des Sheets auch so drin, allerdings hatte ich die deutsche Version nicht mehr nachkorrigiert. Sorry ;).

Warum sollte es nicht zulässig sein, um die Entstehung "der Schnurgeschwindigkeit von der Fliegenschnur durch die Ringe" verstehen zu lernen, die Rute bis zum ersten Ring zu betrachten? Dies hilft, um zu verstehen, dass man die Schnurgeschwindigkeit von der Schnur durch die Ringe NICHT primär mit der Schnurhand, sondern mit der Rutenhand erzeugt!
Ich wollte gar keine quantitative Berechnung anstellen, als viel mehr verstehen, was machen wir a) mit der Schnurhand und b) mit der Rutenhand und c) welche Auswirkungen hat das jeweils.

Deswegen sind andere "fast immer" inkonstante Größen wie Wind etc. auch nicht berücksichtigt worden, Flo.
Jene Größen spielen auch mehr eine Rolle, wenn man die tatsächliche Schnurgeschwindigkeit errechnen wollte. Nicht aber, wenn man darstellen möchte, wie wir die Schnurgeschwindigkeit erzeugen, meine ich.

@Detlef:
Ich habe fast 10 Jahre Handball gespielt, und weiß, dass man den Ball besser nicht durch die Hände rutschen läßt 8). Ein Ziegelstein würde Dir bereits mit nur 5 Km/h sehr weh tun :wink: . Solche Vergleiche besagen hier sehr wenig und funktionieren so nicht.
Für Dich ist es nicht vorstellbar, dass die Überschallgeschwindigkeit aus 20Km/h der Rutenhand stammt? Was denkst Du denn wie schnell Du Deine Hand bewegst, mit Überschall? Dann würde ich Angst vor Dir bekommen (wenn Du das könntest) 8).
Spass beiseite, ich erzeuge die Überschallgeschwindigkeit mit einem Wurf aus einer kurzen Handgelenksbewegung, wobei die Rutenhand hierbei kaum ihre Position ändert, also weit unter 20 Km/h an Geschwindigkeit hat. Auf den ersten Blick sicher schwer vorstellbar.
Über die Physik des Peitschenschlags findet man im Internet reichlich Abhandlungen. Sehr interessant, aber wie ich finde auch extrem komplex!

Wenn Du einen Tennisschläger mit nur 5 Km/h bewegst, der Tennisball aber mit 200 Km/h dem entgegen rast, bin ich sicher, dass der Tennisball ziemlich schnell werden wird. Die Geschwindigkeit entsteht durch z.B. einen ähnlichen Effekt wie beim Flummi. Denk mal wie schnell der wird, obwohl Du ihn nur fallen lässt.
Aber wie geschrieben, sind solche Vergleiche nicht 1 zu 1 übertragbar.
Beste Grüße
Bernd
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Re: Schnurgeschwindigkeit im Fliegenwurf

Beitragvon hshl » 12.07.2011, 21:46

Hi Bernd,
Puh, das ist ja ganz schön abgefahren... mit dem Ding muss man echt in Klausur gehen.... :!: :?:
Grüße, Tobias
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Re: Schnurgeschwindigkeit im Fliegenwurf

Beitragvon Bernd Ziesche » 12.07.2011, 22:11

Hallo Tobias,
verständlich... Ich habe mir selbst auch seit Jahren die Nächte um die Ohren geschlagen, um den Experten des technischen Forums auf Sexyloops im Detail folgen zu können. Und immernoch brauche ich dort für manch posting Tage, um es vllt. dreiviertel zu verstehen! Leider haben wir im deutschspracheigen Raum nichts annähernd vergleichbares. Alle Darstellungen in deutscher Sprache sind vergleichsweise zumeist eher veraltet und nicht mehr auf dem neusten Stand.
Deswegen ist nicht alles falsch, aber vieles wird heute international doch detaillierter betrachtet, als es z.B. Mel Krieger einst in seinem Buch verewigte.
Trotzdem ist sein Buch immernoch das Beste in deutscher Sprache, meine ich!
LG
Bernd
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Re: Schnurgeschwindigkeit im Fliegenwurf

Beitragvon laverda » 12.07.2011, 22:59

Hi Bernd,
glaubst du, dass man einen Gegenstand 20m in die Höhe werfen kann?
Dafür brauchst du eine Abwurfgeschwindigkeit von min 51km/h (senkrechter Wurf, Luftwiderstand = 0) !!!!!
Ein Flummi hat übirgens nach dem Aufprall stets eine Geschwindigkeit, die kleiner ist als die vor dem Aufprall. (Energieerhaltungssatz, Nicht-Existenz des Perpetuum Mobile)

Gruß vom platten Niederrhein
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Re: Schnurgeschwindigkeit im Fliegenwurf

Beitragvon Bernd Ziesche » 13.07.2011, 12:46

Hallo Laverda,
stimmt (guter Einwand)! Solch vergleichende Beispiele sind oft unpassend.
Was denkst Du, wie schnell Du Deine Hand bei der Zugunterstützung beschleunigen kannst?
Ich schätze bei mir ca. 20 Km/h.
Gruß
Bernd
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Re: Schnurgeschwindigkeit im Fliegenwurf

Beitragvon laverda » 13.07.2011, 20:54

Hi Bernd,
natürlich ist eine Wurfbewegung physiognomisch anders einzuschätzen, als der Schnurzug.
Ich gehe davon aus, dass die von dir genannten 20km/h (5,6m/s) für die Schnurhand durchaus realistisch sind.

Beim Wurf geht es ja auch weniger um die max Geschwindigkeit als um die zum Gesamtablauf passende.
Wir haben es schließlich mit einem System Schnur/Rute/"Wurfextremitäten" zu tun, bei dem
eine kontinuierliche Energieumwandlung stattfindet. Aufgrund der Übertragungsfunktion der Rute können die aber nicht beliebig (in beliebiger Höhe und Geschwindigkeit) ineinander umgewandelt werden.

Energieformen mit sehr sehr!!!!! stark vereinfachter funktionaler Beschreibung für die resultierende geradlinige Schnurgeschwindigkeit (für die korrekte Darstellung fehlt hier ein wissenschaftlicher Formeleditor):
1. Geschwindigkeitsenergie E= 1/2 m x v²
2. Spannenergie E= F x s
3. Beschleunigungsenergie E= m x a

Die Darstellung der Energieanteile über die Rotation lasse ich aus o.g. Grund ebenfalls außen vor.
Die Energieumwandlung findet stets in den Grenzen der Rutenkennlinie (Übertragungsfunktion) statt!!!!
Bei dem Gesamtsystem handelt es sich um ein massebehaftetes Feder-Dämpfer System mit proportionalen und integralen Anteilen. (PI-System)
Wenn wir dies verstanden haben, können wir darangehen und die einzelnen Glieder in ihren Eigenschaften sinnvoll zu vereinfachen, Randbedingungen zu definieren, zu quantifizieren und anschließend erhalten wir aus der Überlagerung der Einzelbetrachtungen das Resultat.

Alles andere wird einer halbwegs exakten und/oder technisch physikalisch zutreffenden Beschreibung des Gesamtablaufes nicht gerecht.

Gruß vom platten Niederrhein

Vielleicht finde ich ja im Winter etwas Zeit, dies den Interessierten auch etwas genauer und mit ein paar Bildchen unterfüttert halbwegs verständlich an Beispielen zu erklären.
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Re: Schnurgeschwindigkeit im Fliegenwurf

Beitragvon Bernd Ziesche » 14.07.2011, 09:13

Hallo Laverda,
ich bin bestimmt an solch Darstellung interessiert - ganz unabhängig der Jahreszeit. 8)

Wenn ich also mal einen durchschnittlichen Wurf mit Zugunterstützung abschätze, sieht das wie folgt aus:

Mit vergleichsweise wenig Krafteinsatz über die Rutenhand erreiche ich:
100Km/h auf der Rutenspitze (Translation, Rotation und Entspannung der Rute inbegriffen) & 20Km/h* der Schnurhand entgegengesetzter Geschwindigkeit des Leitringes.

Mit vergleichsweise höherem Krafteinsatz über die Schnurhand erreiche ich:
15Km/h an dem Leitring entgegengesetzter Geschwindigkeit.

Somit hätten wir 135Km/h an Schnurgeschwindigkeit beim Abwurf auf Position der Rutenspitze.

Fazit: Mit wenig Kraft über die Rutenhand erzeugen wir viel Geschwindigkeit, und mit viel Kraft über die Schnurhand erzeugen wir noch einmal etwas zusätzliche Geschwindigkeit.

*100Km/h RS = ca.80% über die reine Rotation + Translation = 80Km/h : 3 (1/3 Rutenlänge zum Leitring**) = 27Km/h. Annahme von 20Km/h, welche davon der Schnurhand wirklich entgegengesetzt sind.
**Die 20% zusätzliche Geschwindigkeit durch Entspannen hat hier noch kaum Einfluß...

Anmerkung: Natürlich sind dies nur grobe Schätzungen, die mit jedem Wurf sehr variabel gestaltbar sind. Die 80/20% für die Rute stammen von konkreten Untersuchungen von Dr. Lövoll (Uni Oslo).

Gruß
Bernd
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Re: Schnurgeschwindigkeit im Fliegenwurf

Beitragvon laverda » 14.07.2011, 16:51

Hi Bernd,
den Winter nannte ich, weil ich im Sommer lieber ans Wasser gehe als stundenlange Recherchen und Überlegungen für Randbedingungen und Systemzerlegung zu betreiben obwohl auch dies ein sinnvolles Training (für´s Hirn) ist.

Deine Definition und Zuordnung der Geschwindigkeitsanteile decken sich so nicht mit einer technischen Analyse. Auch die 80/20% hängen sehr vom Bewegungsablauf und der Zuordnung der Rutenbewegungsanteile zu dem Verlauf der eingeleiteten Kräfte und den resultierenden Reaktionen ab.

Es wird immer von Geschwindigkeitsanteilen (Wirkung) geredet und darum herum analysiert und abgeschätzt aber die grundlegenden Betrachtungen zur Entstehung (Ursache) und Verlaufsänderung (Umwandlung) sträflich vernachlässigt.

Ich möchte nicht behaupten, dass um die 100km/h nicht richtig sein könnten aber dies ist in etwa genau so einzuordnen wie als Antwort auf die Frage: "Wie schnell fährst du mit dem Auto?" 100 Km/h wäre auch hier nicht falsch, jedoch als Antwort vollkommen unzureichend.

Für eine durchschnittliche Wurfweite z.B. für´s Mefo-Fischen/leichtes Streamern (~16gr Keule, ~11m Länge) 20m "echte" Wurflänge gemessen von Rutenspitze bis Schnurende ohne Vorfach) würde ich die 100km/h als ganz deutlich zu hoch eingeschätzt bezeichnen. Selbst bei 25m spricht eine Überschlagsbetrachtung der übertragbaren Energieanteile noch eindeutig dagegen und dies wären mit Rutenlänge und Vorfach bereits rund 30 m Distanz vom Wurfstandpunkt und stellt zumindest für mich und mein Gerät die Grenze der "Praxisweite" dar.
Alles darüber erfordert Konzentration und Körpereinsatz in einem Maße, das dem entspannten Fischen nicht mehr zuträglich ist.

Ich denke, dass wir in dieser Diskussion auf alle Fälle bei handelsüblichem Gerät (Rute,Schnur) und normalen fischbaren Bedingungen (Abstimmungen) bleiben sollten, die für das Fischen tatsächlich Relevanz haben und nicht in die Casting-Extreme abdriften. Ich persönlich finde Weiten, bei denen z.B. das Vorfach trotz "fehlerfreier" Schnurführung selbst auf der Wiese den Boden berührt als grenzwertig für echte Praxisrelevanz.

Gruß vom platten Niederrhein
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Re: Schnurgeschwindigkeit im Fliegenwurf

Beitragvon Edgar » 14.07.2011, 17:37

Hallo,

sehr großes Kino hier...............

vergesst bitte nicht:

Die Luftwiderstandskraft nimmt quadratisch mit der relativen Geschwindigkeit durch die umgebende Luft zu

Grüße
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