Thotty hat geschrieben:ich würde mal sagen, dass man, wenn man es castingmäßig grad richtig krachen lässt, den doppelzug bis
zum vorderen stoppunkt durchpowert. aber eben nicht weiter..
daher hat dann das anschließende re-flexen der rutenspitze zwar unbestritten eine energie, aber keine geschwindigkeits addition, da es ein langsamerer entspannungsprozess ist und wir eine max geschwindigkeit in der leine vorher schon per doppelzug erreicht hatten.
und ob sich die rute nach erreichen der max geschwindigkeit bereits zurückflext wage ich zu bezweifeln. grüßung
Thotty
Hallo Thotty,
zum Wurfablauf:
Wir beschleunigen die Rute über Translation (gemeint ist hier das Ziehen bei konstanter Uhrzeit, also ohne zu kippen) und Rotation (gemeint ist hier das kippen der Rute von z.B 14 Uhr auf 10 Uhr). Tatsächlich passiert beides fast immer gleichzeitig. Der bessere Werfer versteht das Rotieren zunehmend zu verzögern = LBR = "delayed rotation". Sobald der Werfer die Stoppsequenz einleitet (diese beginnt im Kopf), ist die Maxrotationsgeschwindigkeit des Unterteils (Rutengriff) erreicht. Zur Rutenspitze hin liegt allerdings eine zeitliche Verzögerung diesen Prozeßes vor! Das Griffteil beschreitet nun den Bremsweg, während sich die Rute zu entspannen beginnt. Das bedeutet unten wird längst gestoppt (ein Prozeß), während oben die Rutenspitze während des sich Entspannens der Rute in der Tat noch an Geschwindigkeit gewinnt! Beinahe exakt bei wieder gerade gestellter Rute hat die Rutenspitze die höchste Geschwindigkeit. Genaugenommen liegt der Maximalpunkt gaaaaanz kurz vor der geraden Position der Rute. Im Moment der höchsten Geschwindigkeit beginnt die Entstehung der Schlaufe!
Dieser Prozeß ist von Jason Borger und Grunde Lövoll extrem detailliert anhand von Slowmotionaufnahmen von Matthias Lilleheim untersucht, berechnet und beschrieben worden. Einen entsprechenden Bericht findest Du bei Sexyloops im Berichtsarchiv.
Laverda hat geschrieben:Am Bockring wirken weiterhin bereits Rotation und Translation, deren Beschreibung aufgrund von Überlagerung durch irgendwelche einfachen Additionen bereits im Ansatz falsch ist.
Hallo Laverda,
das ist ein guter Punkt insofern, als dass man für das Ermitteln der Schnurgeschwindigkeit durch die Ringe nicht die Gesamtgeschwindigkeit des untersten Ringes heranziehen kann, sondern die der Schnurhand entgegengesetzten Geschindigkeit verwenden muß. Dies habe ich in der englischen Version des Sheets auch so drin, allerdings hatte ich die deutsche Version nicht mehr nachkorrigiert. Sorry

.
Warum sollte es nicht zulässig sein, um die Entstehung "der Schnurgeschwindigkeit von der Fliegenschnur durch die Ringe" verstehen zu lernen, die Rute bis zum ersten Ring zu betrachten? Dies hilft, um zu verstehen, dass man die Schnurgeschwindigkeit von der Schnur durch die Ringe NICHT primär mit der Schnurhand, sondern mit der Rutenhand erzeugt!
Ich wollte gar keine quantitative Berechnung anstellen, als viel mehr verstehen, was machen wir a) mit der Schnurhand und b) mit der Rutenhand und c) welche Auswirkungen hat das jeweils.
Deswegen sind andere "fast immer" inkonstante Größen wie Wind etc. auch nicht berücksichtigt worden, Flo.
Jene Größen spielen auch mehr eine Rolle, wenn man die tatsächliche Schnurgeschwindigkeit errechnen wollte. Nicht aber, wenn man darstellen möchte, wie wir die Schnurgeschwindigkeit erzeugen, meine ich.
@Detlef:
Ich habe fast 10 Jahre Handball gespielt, und weiß, dass man den Ball besser nicht durch die Hände rutschen läßt

. Ein Ziegelstein würde Dir bereits mit nur 5 Km/h sehr weh tun

. Solche Vergleiche besagen hier sehr wenig und funktionieren so nicht.
Für Dich ist es nicht vorstellbar, dass die Überschallgeschwindigkeit aus 20Km/h der Rutenhand stammt? Was denkst Du denn wie schnell Du Deine Hand bewegst, mit Überschall? Dann würde ich Angst vor Dir bekommen (wenn Du das könntest)

.
Spass beiseite, ich erzeuge die Überschallgeschwindigkeit mit einem Wurf aus einer kurzen Handgelenksbewegung, wobei die Rutenhand hierbei kaum ihre Position ändert, also weit unter 20 Km/h an Geschwindigkeit hat. Auf den ersten Blick sicher schwer vorstellbar.
Über die Physik des Peitschenschlags findet man im Internet reichlich Abhandlungen. Sehr interessant, aber wie ich finde auch extrem komplex!
Wenn Du einen Tennisschläger mit nur 5 Km/h bewegst, der Tennisball aber mit 200 Km/h dem entgegen rast, bin ich sicher, dass der Tennisball ziemlich schnell werden wird. Die Geschwindigkeit entsteht durch z.B. einen ähnlichen Effekt wie beim Flummi. Denk mal wie schnell der wird, obwohl Du ihn nur fallen lässt.
Aber wie geschrieben, sind solche Vergleiche nicht 1 zu 1 übertragbar.
Beste Grüße
Bernd