Schusskopf Technik - wie viel Leine muss raus?

Fliegenwerfen - wie geht das eigentlich? Wie kann ich meine Leine effektiver ausbringen und Fehler ausmerzen? Was hat es mit den AFTMA-Klassen auf sich? Was sind Spezial- und Trickwürfe? Fragen über Fragen! Hier könnt Ihr Euch gegenseitig helfen.

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Schusskopf Technik - wie viel Leine muss raus?

Beitragvon diplom-chiller » 04.04.2014, 14:35

Hallo liebe Forums-Mitglieder,

das ist mein erster Post hier und ich hoffe, keine zu dumme Frage. Bisher hat mir Internet-und Forenrecherche noch keine passende Antwort gebracht, ich bin aber auch dankbar, wenn mir jemand eine passende Seite oder einen Thread zeigen kann, den ich vielleicht übersehen habe.

Zum Hintergrund:
Ich habe bisher mit 5/6er Ausrüstung und 6er WF Schnur im Fluss gefischt und komme da ganz gut zurecht, auch wenn ich kein Profi bin.
Nun habe ich mir eine Ausrüstung mit größerem Kaliber (8/9er Rute, 3m) zugelegt und will mich demnächst dem Hechtfischen an einem kleinen See und den Meerforellen an der Ostseeküste widmen (Ich weiß, 8/9 ist vielleicht etwas schwer für letzteres, aber ich dachte was leichteres kann ich immer noch nachkaufen und bei Windstille vielleicht die Fluss-Ausrüstung probieren).

Zur Frage:
Ich habe eine monofile schwimmende Runningline mit einem Schusskopf von 22g kombiniert (das Gewicht habe ich aus einer Tabelle im Netz für Klasse 9, hab schwimmend und intermediate).
Wenn ich den noch so in der Rute lasse, dass die Hand für den Doppelzug noch gerade am Schusskopf greift, lässt sich das Ganze gut in der Luft halten und bequem werfen, aber die Schlaufenverbindung zwischen Running-Line und Schusskopf (Nylon-Geflechtschaufe am Kopf und Grinner-Knoten an der Running-Line) hakt ziemlich in den Ringen beim Schuss. Dadurch ist die erreichbare Weite nicht besonders berühmt und die Haltbarkeit der Schnurverbindung macht mir auch Sorgen.
Wenn ich den ganzen Schusskopf aus der Rute lasse und an der Running-Line für den Doppelzug greife, ist das einerseits unbequem wegen des geringen Durchmessers, und es ist ein ziemlicher Kraftakt, Schnur und Köder nicht zwischendurch aufschlagen zu lassen.

Ich wäre daher dankbar für einen Rat oder Erfahrungen, wie ihr das handhabt. Ist eine der oben genannten Varianten ("draußen" oder "drinnen") "richtig", oder ist das Geschmackssache? Sollte ich den Schusskopf vielleicht etwas kürzen oder die Verbindung der Schnüre besser Ring-durchgängig (wie?) machen?

Vielen Herzlichen Dank und freundliche Grüße aus Bonn,
Thomas
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Re: Schusskopf Technik - wie viel Leine muss raus?

Beitragvon Thomas E. » 04.04.2014, 14:58

Hallo Thomas,

SK ganz außerhalb der Rute ist richtig für große Weiten !

Wir sprechen da vom "Überhang", der Abstand zwischen SK- Ende und der Rutenspitze.
Zuwenig davon und die Wurfweite ist reduziert, zuviel und das Ganze rollt unsauber ab, da die Running line zuwenig Masse hat.

Dieser "Überhang" ist unterschiedlich, er hängt von vielen Faktoren ab.
Es ist eine Gefühlssache, die sich mit der Zeit entwickelt.
Es können durchaus mehrere Meter sein.

Eine Mono- Runningline ziehe ich direkt in die Seele des Schußkopfes ein und gleiche den Übergang mit Kleber (z.B. Softex, Uhu Kraft) aus.
Wie lang ist Dein SK denn ?
Gruß
Thomas Ellerbrock
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Re: Schusskopf Technik - wie viel Leine muss raus?

Beitragvon diplom-chiller » 06.04.2014, 01:17

Hallo Thomas,

vielen Dank für deine Antwort, das hilft mir auf jeden Fall schonmal weiter. Der SK ist 9 m lang, was ja laut Internet anscheinend eher im unteren Bereich liegt. Ich glaube, dann versuche ich es vielleicht erstmal mit einem kürzeren Vorfach (hatte jetzt 3,5 m dran) und etwas Wurftraining. Vielleicht ist mein Hauptproblem, dass ich die schwere Schnur noch nicht gewöhnt bin.

Das direkten Einziehen der Runningline klingt sinnvoll. Ich war jetzt bei der mitgelieferten Schlaufe geblieben, um nachher je nach Wind und Gewässer zwischen den Köpfen bequem wechseln zu können. Aber so richtig sympathisch war mir die nicht, daher werd ich mal die sauber verklebte Variante ausprobieren.

Knotest du die Runningline fest oder wird das anders gemacht? Ich hätte jetzt die RL etwa 3 cm durch das SK-ende mit einer Nähnadel gezogen und am Austritt mit einem Nagelknoten (http://skarlovnik.de/Nagelknoten_gs.gif) fixiert, und dann das Ganze mit Kleber versiegelt. Wäre das soweit richtig?

So mach ich zumindest meine Vorfächer fest, wenn ich nicht in Eile bin.

Viele Grüße,
Thomas
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Re: Schusskopf Technik - wie viel Leine muss raus?

Beitragvon Thomas E. » 06.04.2014, 01:53

Deinen SK von 9 m noch zu kürzen, macht keinen Sinn.
Allenfalls ist er für die Rute zu schwer.

Ich glaube aber, das Dein Problem überwiegend technisch bedingt ist.
Bei entsprechender Technik sollten 20- 25m Running line leicht nachschießen.

Ein Vorfach verjüngt und 3,5 m, ist für die ersten Wurf- Versuche schon geeignet.
Je nach Bedingungen, Fliegengröße kann es kürzer oder auch noch länger sein.

Der eingezogene Nagelknoten ist die Methode, die ich auch verwende. :wink:

Wenn ich Schlaufen will, spleiße ich sie aus der Seele der Schnüre.
Einen Überzug aus Softex oder Uhu Kraft gleicht Unebenheiten aus und alles flutscht problemlos durch die Ringe.
Gruß
Thomas Ellerbrock
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Re: Schusskopf Technik - wie viel Leine muss raus?

Beitragvon laverda » 06.04.2014, 09:53

Thomas E. hat geschrieben:Deinen SK von 9 m noch zu kürzen, macht keinen Sinn.
Allenfalls ist er für die Rute zu schwer.

Ich glaube aber, das Dein Problem überwiegend technisch bedingt ist.
Bei entsprechender Technik sollten 20- 25m Running line leicht nachschießen.


Hi
Schusskopf 9m+ Überhang2-3m + Vorfach3m+ Rutenlänge3m + 20-25m Nachschießen und wir sind bei ~ 40m Wurfdistanz.
20-25m Nachschießen ist auch für einen 22gr Schusskopf eine echte Hausnummer. Wenn die Hälfte dieser Länge sauber nachschießt und der Kopf samt Vorfach halbwegs gestreckt landen, befinden wir uns bereits bei 25-30m Wurfdistanz und das ist vollkommen im grünen Bereich.
Sorry, aber wenn wg genereller Wurfprobleme nachfragt wird, sollte man m.E. nicht unbedingt mit Weiten kokettieren, die eine sehr ausgefeilte Wurftechnik voraussetzen und für´s Fischen vollkommen unrealistisch sind.

Gruß vom platten Niederrhein

PS: Bitte jetzt keine Diskussion über maximale Wurfweiten lostreten, ich wollte dem Fragesteller nur andeuten, dass es keinen Sinn hat, sich an 40m Distanzwürfen zu messen.
Ruten werfen Masse.........nicht Klasse
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Re: Schusskopf Technik - wie viel Leine muss raus?

Beitragvon kevin » 06.04.2014, 13:13

hei.

eigentlich ist alle von laverda und Thomas gesagt. ich halte im grunde nix von mono runninglines ausser bei casting comp.! das problem ist meist einen schönen und sinnvolle schlaufenverbindung herzustellen die man in den ringen nicht oder kaum merkt. zweitens hat es viel mit der massenverteilung im Wurf zu tun. die mono line füttert einfach zuviel nach und meist kommt es zum Zusammenfall des Kopfes am ende des Wurfes. ich benutzte eigentlich nur schusskopfsysteme!
22gramm kopf zum mefo fischen finde ich allerdings schon ne Hausnummer. :shock: das ist die Gewichtsklasse die ich im Sommer auf Lachs an der 2hand fische. 16 Gramm reicht eigentlich aus meiner Meinung nach.
bedenke noch das es nicht auf weite ankommt. lieber ne saubere Technik dann kommt die weite von allein. training training training! :D :D :D :D

beste Grüße aus oldervik

kevin
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Re: Schusskopf Technik - wie viel Leine muss raus?

Beitragvon Maifliege » 06.04.2014, 13:45

@ Kevin

"1. das problem ist meist einen schönen und sinnvolle schlaufenverbindung herzustellen die man in den ringen nicht oder kaum merkt.
zweitens hat es viel mit der massenverteilung im Wurf zu tun. die mono line füttert einfach zuviel nach und meist kommt es zum Zusammenfall des Kopfes am ende des Wurfes"

Zu 1. einfach einen loop on junction drauf und mit Sekundenkleber fixieren. Dann ist der Übergang nicht oder kaum zu merken. Aus Geflechtschauch mach die selbst.

Zu 2. einfach die ersten drei bis vier langen Stripes neben den Schusskorb ins Wasser strippen. Am Wurfende zieht der Kopf dann diese Klänge aus dem Wasser und wird dadurch wunderbar sanft "eingebremst" und der Kopf und das Vorfach liegen sauber gestreckt vor Dir auf dem Wasser.

TL
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Re: Schusskopf Technik - wie viel Leine muss raus?

Beitragvon diplom-chiller » 06.04.2014, 19:53

Vielen Dank an alle für die hilfreichen Anregungen. Werde jetzt erstmal ein bisschen Werfen üben und ggfs. ein paar Gramm runtergehen mit dem Gewicht.

@Kevin
Die 22gr waren für Hechtstreamer gedacht, für Meerforelle wollte ich erstmal mit 19 gr rangehen. 16 gr sind ja eher für Klasse 7 gedacht, dafür ist die Rute mit 8/9 vielleicht etwas zu schwer.

Aber mal sehen, nächste Woche geht es an die Ostsee, dann werde ich hoffentlich ein bisschen Praxiserfahrung sammeln. Und die Hechtschonzeit ist ja auch bald vorbei :-)

Viele Grüße,
Thomas
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Re: Schusskopf Technik - wie viel Leine muss raus?

Beitragvon laverda » 07.04.2014, 17:56

Hi Thomas,
mit ein und derselben 8/9er Rute einerseits mit 22gr zzgl King Size Fussel auf Hecht und andererseits mit 19gr und Kleinstreamer auf Meerforelle? :shock:

Gruß vom platten Niederrhein
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Re: Schusskopf Technik - wie viel Leine muss raus?

Beitragvon Joosti » 09.04.2014, 17:16

Hallo Thomas,

ich befürchte, wenn ich dein Posting lese, dass es da noch einige Unklarheiten gibt.

22gr auf der einen Seite und 16gr auf der anderen sind ein Riesiger unterschied, vorallem bei einer Einhand. Ich schätze mal so locker 2-3 Rutenklassen (aber dieser Begriff hat eh ausgedient).

Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, du hast eine Rute der Klasse 8/9 und die benötigt 22gr Wurfgewicht um zu laden. Zumindest habe ich das so verstanden.

Wenn du mit dieser Rute auf Mefo fischen willst, dann brauchst du einen Schusskopf mit 22gr Gewicht ! Denn dieser muss deine Rute laden, mit 16gr wird da nix passieren. Nur sollte der Kopf fürs Mefo fischen an der Küste eine andere Form (Taper + Länge) haben, als der 22gr Kopf den du fürs Hechtfischen nimmst.

Mefo : Längerer Kopf, sagen wir 10,5m, slow intermediate/Hover und relativ dünn auslaufendes Fronttaper. Davor 4m Vorfach und Mefo Streamer. Ein typischer Mefo Kopf ist Bspw. der GL - Costal (http://fliegenfischer-forum.de/guidcos2.html)

Hecht: Habe ich sehr wenig Erfahrung, aber ich würde einen etwas kürzeren Kopf nehmen, so um die 9m, den aber mit etwas dicker auslaufendem Fronttaper und eventeull mit Sikspitze, damit er eben auch größere Fliegen und ggf. schnellsinkende Polyleader wirft. Das hat etwas mit der Kraftübertragung zu tun.

Die 22gr Wurftgewicht werden dir aber von deiner Rute vorgegeben. Um die kommst du nicht drum herum. Sehr ausführliche Beschreibnungen dazu findest du hier: http://www.troutcontrol.de/epages/61653 ... USSKOPF%22 (Sehr lesenswert, und super erklärt)

Für die fischerei auf Mefos würde ich an deiner Stelle in Erwägung ziehen, die 6er zu nutzen.

Deine Fragen zum Overhang wurde denke ich recht ausführlich besprochen. Ich hoffe ich habe dich nicht verunsichert, will doch nur helfen.

TL Joosti
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Re: Schusskopf Technik - wie viel Leine muss raus?

Beitragvon Trockenfliege » 18.02.2015, 21:25

Letzten Sommer war ich bei dem Meerforellen- Happening in Aalbo.
Dort hat Lasse Karlson mit einer 8er Echo Rute und Schußkopf mit monofiler Runningline eine Vorführung gemacht.
Nach seinem Vortrag habe ich mit der Kombi einige Würfe gemacht.
Ich bin kein geübter Schusskopfwerfer, aber es hat ganz gut geklappt, die Rute fühlte sich aber mit dem Schusskopf gut ausgelastet an.
Auf meine Frage nach dem Gewicht sagte er 27gr!!
Danach hat er dann einen 21gr. Kopf montiert, das fühlte sich eigentlich auch gut an, trotz der 6gr Unterschied! ( ich nehme mal an, seine Angaben bez. der Kopfgewichte stimmten)

Zum Strecken der Schußkopfspitze hatte er auch einen guten Tip, der zumindest bei Mono-Runningline gut funktioniert: Er taucht die Spitze der Fliegenrute nach dem Abschießen einfach leicht ins Wasser, dadurch wird die Mono leicht gebremst und der Schußkopf kommt schön gestreckt an.

Ich arbeite in solchen Situationen mit dem 3. Zug, bzw. Abbremsen der rausschießenden Schnur, auch beim normalen Fischen, wenn die Schnur durch den Wurf allein nicht gestreckt wird.

lieber Gruß

Reinhard
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