Das Märchen von der schreckhaften Mefo

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Das Märchen von der schreckhaften Mefo

Beitragvon hubi » 21.03.2016, 11:04

Man liest ja ständig, dass die Meerforelle an sich menschlicher Gesellschaft eher abgeneigt ist und sich gerne verkrümelt, wenn man ihr zu nahe tritt. Halt ich seit Samstag für ein Gerücht. Warum? Ich steh an besagtem Tag auf einem Holmen, den man leicht watend erreichen kann. Die Unterwasserflora ist dort am Fels recht üppig ausgeprägt und man sieht massenhaft Beutetiere rumschwimmen. Ich steh also dort, strippe die Schnur von der Rolle und bin gerade dabei, diese im Korb zu verstauen, als ich aus dem Augenwinkel sehe, wie ein silberner Blitz angeschossen kommt und die direkt vor meinen Füssen ins Wasser hängende Fliege schnappt. Öhhh, was war das jetzt????? Ach so, Anhieb! Hab sie dann auch gelandet, eine knallfette Mefo mit 41 cm, den Bauch randvoll mit Wattwürmern. Ha am nächsten Tag an der selben Stelle auch noch einen gemütlich zu meinen Füssen rumschwimmenden Schellfisch gesehen, hatte leider die Schnur gerade erst ausgeworfen, bis ich sie drin hatte, war er schon weiter, allerdings ohne Anzeichen von Hektik. Muss dazu sagen, dass ich mich beide Male nicht bewusst leise verhalten habe, stand deutlich sichtbar am Wasser. Kennt das sonst noch jemand?
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Re: Das Märchen von der schreckhaften Mefo

Beitragvon cdc » 22.03.2016, 10:51

Hallo Hubi,
Ich denke es kommt immer mal vor das sie in Sichtweite kommen meist eher als "Nachläufer"...
In der Regel muss ich aber dem Märchen zustimmen...

Gruß Jürgen
"Ein 12m-Wurf auf den Punkt macht mehr Sinn als ein 22m-Wurf in die Botanik."
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Re: Das Märchen von der schreckhaften Mefo

Beitragvon orkdaling » 22.03.2016, 17:47

Hallo Hubi,
schwærmt bei euch schon der Watti? Hier ist endlich das Eis aus der Bucht. Bei uns schwærmt es im April und da kommen auch die grossen fetten Mefo dicht unter Land bis ins knietiefe Wasser. Morgens, abends, truebes Wetter - latscht du da durchs Wasser sind sie weg.
Ebenso im Sommer wenn sie auch Fliegen von der Oberflæche schluerfen. Obwohl fast dunkel, eine hektische Bewegung und du siehst eine Bugwelle am Blasentang.
Lauf mal ueber steinigen Strand, da musst du eine halbe Stunde warten oder fængst nur Kleinkram.
Ausnahmen gibt's natuerlich, besonders wenn sie schnell tiefes Wasser erreichen kønnen.
Gruss Hendrik
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Re: Das Märchen von der schreckhaften Mefo

Beitragvon hubi » 22.03.2016, 21:02

Schwärmen sah ich sie noch nicht, aber die eine war randvoll gefuttert mit Wattwürmern (meine Frau hat die Küche fluchtartig verlassen, als ich die Forelle ausgenommen habe :badgrin: ). Hab leider gerade recht wenig Zeit zum Angeln, hab gerade recht viel um die Ohren, auf das ich gerne verzichten würde. Vielleicht rück ich heute nacht nochmal aus, mal sehen.
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Re: Das Märchen von der schreckhaften Mefo

Beitragvon orkdaling » 22.03.2016, 21:31

Bei uns ist das Wasser richtig trueb, man sieht nichts weil nun Unmengen Schmelzwasser in den Fjord fliessen.
Im Tal nur noch Regen ,seit Tagen, 5 min mit dem Auto und es schneit. Ab 400m kannste Pfingsten noch Schlitten fahren.
Ich hoffe das es mal ein paar sonnige Tage gibt damit sich die flachen Bereiche erwærmen, dann weiss man wenigstens wo es los geht.
Andererseits ist das truebe Wasser nicht schlecht weil du keine Mefo verschrecken kannst.
War Samstag trotz Schneeregen in meiner Hausbucht, eine auf rosa Reke und eine auf rabenschwarz mit Edding eingefærbte.
Gruss Hendrik
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Re: Das Märchen von der schreckhaften Mefo

Beitragvon hubi » 22.03.2016, 22:55

Hier ist schon seit mehr als einer Woche alles eisfrei. Das wasser ist klar, man kann die Kiesel am Grund zählen, zumindest im Tysværvågen. Im Grindafjord ist das Wasser nicht so klar, da drückt der stetige Nordwind rein, das trübt etwas. Was hier gerade richtig gut geht, sind schwarze Woolies (besonders bei Nacht) und Hololoppas mit einem Körper aus Kupfer und Golddubbing. Auffällig ist, dass die Fische zur Zeit eher klein sind, Grössen um die 30-35 cm sind die Regel und dass sehr oft sehr spitz genommen wird, etwa ein Zehntel aller Bisse nur ist verwertbar, alles andere sind zwar harte Bisse, aber keiner wird gehakt.
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Re: Das Märchen von der schreckhaften Mefo

Beitragvon orkdaling » 22.03.2016, 23:48

Hallo Hubi,
was machst du nachts am Wasser? Da treib ich mich im Sommer rum, wenn man das als Nacht bezeichnen kann denn dunkel wird's ja nicht. Aber die Dæmmerung reicht aus und es ist auch kuehler so dass die Dicken in Wurfweite kommen. Im April und Mai bin ich in flachen Buchten mit sandigen Grund unterwegs wo du bei Ebbe Wuermer buddeln kannst. Da nehme ich auch braune und schwarze Wollys oder Streamer mit einer schønen langen schwarzen Schwinge und Sandaale. Gerade in dieser Zeit fange ich die grøssten Mefos. Wenns warm wird sind die weit draussen und ziehen den Jungheringen hinterher. Abends ist der Hering im Brackwasser direkt bis in die Orklamuendung und das weis auch der grosse Sei. Die sind da so im Fressrausch das sie sogar beim ausheben der Fliege drauf knallen.

Gruss Hendrik
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Re: Das Märchen von der schreckhaften Mefo

Beitragvon hubi » 22.03.2016, 23:54

Nachts am Wasser? Angeln natürlich, was denn sonst. Hab zur Zeit recht viel um die Ohren, drum komm ich oft erst im Dunkeln dazu, mir die Zeit zu vertreiben. Wollte, das wäre anders, aber ist halt leider so. Tagsüber hat aber auch seine schönen Seiten, wenn man denn dazu kommt. Besondere Momente sind die, in denen der Seeadler unterwegs ist und im Tiefflug übers Wasser gleitet. Nachts liebe ich aber die Ruhe, die tagsüber oft gestört wird, weil sich meine Lieblingsplätze eben in einer Gegend befinden, in der auch viele Wanderer und Wassersportler/Motorboote unterwegs sind. Klar, Luxusproblem in Norwegen. Ob ich im Mai noch in Norwegen bin, ist mehr als fraglich, wir bereiten gerade die Heimreise vor. Alles, was sich hier üer der Wasseroberfläche abspielt, ist irgendwie.....naja.....dritt.
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Re: Das Märchen von der schreckhaften Mefo

Beitragvon greypanther » 31.03.2016, 20:49

Hi Hubi,
wenn ich noch mal zum eigentlichen Thema des Fadens zurück kommen darf, so habe ich in den Brackwassergebieten auf den britischen Inseln beobachtet, dass es (mindestens) zwei "Gemütszustände" der Mefos gibt.
Sobald sie aktiv jagen, und ganz besonders wenn sie das in mehr oder weniger großen Gruppen tun, dann lassen sie alle Vorsicht fallen und verfallen in eine Art "Blutrausch" (der englische Ausdruck "frenzy feeding" gefällt mir besser). In diesem Zustand verfolgen sie ihre in Panik flüchtende Beute (insbesondere bei den Sandaalen ist das der Fall) bis in flachstes Wasser und manchmal sogar bis aufs Trockene. Sie scheinen sich dann um uns Fischer oder andere Gefahren keinen Deut zu scheren und sind selbst auf kürzeste Entfernung zu erbeuten.
An anderen Tagen hingegen kann man sie sehen, wie sie faul und träge in nicht einmal knietiefem Wasser stehen, scheinbar schlafend. Aber, das täuscht! Sie sind hellwach und reagieren auf eine Annäherung äußerst nervös und schießen mit sichtbarer Bugwelle schon davon, lange bevor der Fischer den Fisch gesehen hat.
Ganz besonders kritisch wird die Sache wenn die Mefos in die Flüsse aufgestiegen sind. Dort sorgt die relative Enge und Gegenwart zahlreicher Beutegreifer (uns Fischer einbegriffen) dass die Mefos, insbesondere bei Niedrigwasser, extrem scheu sind und sich (erfolgreiches) Angeln deshalb meist auf die Nachtstunden beschränkt.
Liest man bei den "alten" englischen Autoren nach über das Verhalten der Mefos, so stößt man immer auf die Feststellung, dass diese Fische außerordentlich scheu sind. Es wird deshalb eindringlich empfohlen, während der Dunkelheit zu fischen und möglichst darauf zu achten, dass man den Mond nicht im Rücken hat. Der grell scheinende Vollmond wirft den Schatten des Fischers über den Pool. Noch krasser wird die Sache bei Neumond. Da dann kein Mondlicht vorhanden ist, so schwören einige Autoren, dass es einen Gravitationsschatten gibt, den die Fische wahrnehmen könnten. Meiner Meinung nach ist das Mumpitz, sollte aber als Indiz dafür gewertet werden, wie ernst die "Alten" die Scheu der Mefos empfunden und beobachtet haben.
Gruß
Klaus


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Re: Das Märchen von der schreckhaften Mefo

Beitragvon orkdaling » 01.04.2016, 05:24

Moin moin,
stimmt Klaus, beim Fressen besonders im Fruehjahr sind die draufgængerisch. Spæter wenn`s genug Futter gibt eher wæhlerisch und kommen im klarem Wasser morgens oder nachts in Ufernæhe. Klares Wasser , Sonnenschein und wenig Welle sind "unser Gegner" denn da stehen sie tief. Was fuer Blechangler nicht fuer die Fliege.
Im Fluss hab ich beobachtet das die 10m weiter entfernt stiegen wenn ich 10m vorwærts ging und das sie wie zb ein Døbel unter jeder Krautfahne oder hængenden Weidenbusch Schutz suchen.
Gruss Hendrik
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Re: Das Märchen von der schreckhaften Mefo

Beitragvon hubi » 01.04.2016, 17:36

Gravitationsschatten ist gut, den muss ich mir als Ausrede merken, wenn ich wieder mal gnadenlos abgeschneidert habe :badgrin:
Das mit dem Fresswahn ist plausibel, die, die ich wie oben beschrieben, gefangen habe, war randvoll mit Wattis, die quollen schon aus dem Maul raus. Mittwoch war ich an der selben Stelle, Wasser lag ruhig wie ein Spiegel. Es ist ein Fels im Wasser, den man nur watend erreicht, ausser bei extrem niedriger Tide, wie sie nicht täglich herrscht. Ich hab mich ganz langsam und vorsichtig hochgezogen und hab in das gegenüberliegende Wasser gelinst. Da sah ich wieder ein paar Mefos stehen, etwa 4 m von der Kante entfernt. Nun, wahrscheinlich wars der Gravitationsschatten oder sonst etwas feinstoffliches, jedenfalls machten die sofort kehrt und schwammen, ohne übertriebene Eile, davon. Eine eilig hinterhergeworfene Fliege, die etwa zwei Meter entfernt wasserte, hat sie beschleunigt, weg waren sie. Die Vorsicht in dem Gewässer, das in weiten Teilen sehr flach ist, kann ich mir gut vorstellen, seh ich doch oft einen Seeadler darüberfliegen, der seinen Horst in der Nähe haben muss.
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