Totenstille in der Lachsecke! :(

Das Forum der Lachs- und Meerforellenfischer, sowie aller Ostseeangler. Was geht, wann und wo? Auch hier gibt es sicher viel zu erzählen! Denn mal los!

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Re: Totenstille in der Lachsecke! :(

Beitragvon fly fish one » 30.09.2018, 20:15

Liebe Kollegen,

es hat ein wenig gedauert, aber es war versprochen. Meine Reise an die Orkla in der ersten Juli Woche.

Für Gisela, Petra, Hendrik, Klaus und Sven

Die Lachsjäger

Prolog
Mittwoch 2 Tage vor dem Abflug an die Orkla nachts um 1:00 Uhr.
Die Sage ist gerade fertig geworden und nun trocknet der Lack am Spitzenring und am Handteil vom Kork zum Blank. Von meinem Händler ist heute die letzte Bestellung aller Leinen und ein Transportrohr von Simms angekommen. Damit kann ich nun meine beiden Ruten sorglos in den Flieger verfrachten. Das Rohr ist extra für 2H bis 15' Fuß ausgelegt.

Ich bin völlig am Ende aber froh im Herzen. Wie so oft werde ich auf den letzten Drücker mit allem fertig. Dazu gehört natürlich auch eine große Portion Dusel. Wenn nur ein Teil nicht fertig oder rechtzeitig geliefert worden wäre, hätte ich keinen Plan B gehabt und wäre nur mit einer Rute an die Orkla aufgebrochen. Zusätzlich habe ich in der Firma eine Eskalation zu bewältigen und meine Familie macht auch nicht den glücklichsten Eindruck.

So starte ich mit Augenringen und erhöhtem Puls in den Donnerstag. Irgendwie schaffe ich den Arbeitstag und kann am Abend endlich meinen Koffer anfangen zu packen. So wie meine Stimmung steigt, so sinkt die Laune in meinem Umfeld. Es bricht sowas wie eine kleine Eiszeit aus. Mittlerweile ist es wieder 1:00 Uhr nachts. Alle sind im Bett und ich turne immer noch rum. Vielleicht sollte ich auch mal prüfen was, wie und wo mitgenommen werden darf auf meinem Flug. Achja, sehe ich, Sportgepäck muss man anmelden. Ich telefoniere mit einem ÖstereichKanadier in Toronto in der Hotline. Die Uhrzeit schmiedet einen irgendwie zu Verbündeten und Fischer, Fliegenfischer, ist er auch noch. Schon wieder Dusel gehabt.

Freitag, der Tag meines Abfluges. Ich arbeite bis Mittag im Home Office. Wieder Probleme in der Firma. Ich breche trotzdem um 12:00 Uhr alles ab und ziehe den Kopf ein. Wird schon alles laufen, ich bin ja nur eine Woche weg. Irgend wann an diesem Nachmittag sitze ich endlich in meinem Flieger nach Oslo. Ich kann mich das erste Mal etwas entspannen und dazu genehmige ich mir zwei Flaschen Bier. Ein Sage Classic Logo Cap auf dem und 2 Bier im Schädel, steigt Freude und Spannung auf die Orkla. Ich komme in den Lachsmodus, der mich 7 Tage lang tragen wird.

Schon wieder 1:00 Uhr nachts und ich stehe in meinem Zimmer an der Orkla. Ich habe tatsächlich alles auf die Reihe gebracht. Anschlußflieger, Verspätungen, Gepäck und Leihwagen, alles lief bestens. Zwischendurch sah ich Angler die verzweifelt ihre Ausrüstung am Flughafen suchten. Schon wieder erkenne ich, was für einen Dusel ich eigentlich habe. Ich sinke in mein Bett, kann endlich alles loslassen und selig einschlafen. Morgen kommt der Lachjäger, endlich!

Samstag, Lachstag 1.
Alle kotzen. Lachse, Lachsjäger und alle vereint in der Erkenntnis: zu wenig Wasser. Völlig egal, jetzt kommt die Stunde des "Lachstöters". Endlich kann ich die mit soviel Herzblut in den letzten Wochen aufgebaute Sage Method #10 15' zum Fischen fertig machen. Sie steht in praller Sonne und ihr herrlicher weinroter Blank, die ganzen Kinkerlitzchen die ich ihr spendiert habe, der Rollenhalter und die gewaltige Danielsson 11infinity Control, dass alles glitzert mir entgegen. Ich bin auf Wolke 7 und mir stehen fast die Tränen in den Augen. Ich bin nun endgültig im Lachsmodus eingerastet. Nichts, weder Niedrigwasser, "keine" Lachse oder nörgelnde Kollegen bringen mich 7 Tage aus diesem Zustand. Ich laufe nicht an der Orkla entlang, sondern ich schwebe.

Ich sehe endlich Hendrik wieder, meinen Guide, meinen Trainer, der, der jeden Kiesel an der Orkla kennt. Selbst Hendrik, eigentlich wie ich Berufsoptimist, wirkt ernüchtert ob der Verhältnisse. Er kommt anscheinend wegen der Lachsheinis aus Deutschland, die sich jetzt so kleckerweise einstellen, überhaupt erst an die Orkla um mit ihnen zu fischen. Ich steh vor ihm im Wasser, als es hinter mir laut platscht. Der erste Lachs schraubt sich an Hendriks Leine aus dem Wasser. Dieses Schlitzohr zeigt mir wieder mal wie Lachsangeln geht: einfach fangen!

Sonntag, Lachstag 2.
Lachse sind da, kleiner und nicht so dass man förmlich überrannt wird. Links und Rechts um einen herum hüpfen sie. Also doch nicht so schlecht. Die Berufsoptimisten unter uns Lachsheinis richten sich auf. Sven, Hendrik und ich turnen die Orkla rauf und runter. Leichte Anfasser, auch mal ein kräftigeres Ruckeln zeigt das wir Chancen haben.

Als ich nach dem Frühstück immer noch müde an die Orkla komme, ist Hendrik schon voll in Aktion: Lachs! Schon wieder! Der Kerl macht mich fertig. Aber wenn es jemand unter uns verdient hat, dann Hendrik. Seine selbstlose und rührende Hilfsbereitschaft für alle seine Lachsheinis ist umwerfend.

Wir haben auch Kollegen, nicht namentlich erwähnt, die sich schwer tun. Man braucht eine gehörige Portion unerschütterlichen Optimismus als Lachsheini. Wenn ich den nicht hätte würde ich das Lachsfischen einstellen. Nur so kommt man durch die vielen Stunden und Tage die nötig sind. Erst recht unter diesen schlechten Bedingungen.

Montag, Dienstag und Mittwoch, Lachstag 3, 4 und 5.

Hendrik muss arbeiten. Sven und ich turnen lose verbandelt Tag und Nacht die Orkla rauf und runter. Wir ignorieren die Berufspessimisten und fischen fröhlich drauf los. Sven, Fischers Fritz, wirft wie ein Großer. Überhaupt Sven, bescheiden und etwas schüchtern, aber mit stählernem Willen kurbelt er die Orkla ab. Seine Spezialität sind die hellen Okrlanächte. Tagsüber sieht man in kaum und wenn mache ich mir langsam Sorgen um seine Augenringe - dass könnte bleibende Schäden hinterlassen. Ich versuche mich tagsüber und in den Nächten, immer so, wie es Kondition und Schlafmangel zulassen. Ich sehe eigentlich auch nicht frischer aus als Sven, stelle ich fest, egal wann ich in den Spiegel sehe. Ich rasiere mich wenigstens einmal, damit ich nicht völlig derangiert aussehe. Zum Mittagessen genehmige ich mir stets eine feine Zigarre und ein Bier. Überhaupt Essen. Ich ernähre mich praktisch nur von Schwarzbrot, Salami, Käse und Äpfeln. In loser Reihenfolge variiert. Ich habe keine Zeit um mich mit so banalen Dingen wie Essen aufzuhalten.

Sven ist "the man"! Er fängt nachts seinen ersten Lachs. Ich freue mich total mit ihm. Er hat ihn sich regelrecht erarbeitet und wirklich verdient. Er verliert in den Nächten noch einen und läßt einen weiteren wieder schwimmen.

Dann stößt die "Rentnerband" zu unserem losen Haufen an völlig Beklopten. Gisela und Klaus und ach Du Scheixe, sie kennen mich aus dem Forum. Kennen meine ganzen Eskapaden, schlechten Witze, natürlich auch den "Lachstöter" und seine Geschichte. Ein paar stahlblaue Augen lächeln mich freundlich an, ein sympathisches Händeschütteln und "Du bist also der Bärentöter" - Klaus!!

Ich habe über Klaus schon vom Hendrik gehört, Geschichten vom letzten Jahr und das er wohl ziemlich gut wirft. Er noch in Zivil stehen wir beide unvermittelt direkt am Wasser und dann erzählt Klaus und ich höre gespannt zu. Ich stelle fest der Mann ist wie ein wandelndes Buch über das Lachsfischen und die Technik dazu. Er erzählt und ich lausche andächtig, in diesem Modus bewegen wir uns die nächsten Tage. Ich profitiere davon unendlich und auch ihm scheint es zu gefallen.

Dann erlebe ich Klaus zum ersten Mal im Wasser. Ich stiefel zu ihm hin in der Erkenntnis hier einen Erfahrenen zu treffen und vordere ihn auf mich zu coachen. Ich habe bis dahin noch keinen Wurf von ihm gesehen, aber mein Instinkt hat mich noch nie im Stich gelassen.

Dann erlebe ich Klaus direkt neben mir das erste Mal in Aktion in der Demonstration für mich. Er wirft mit beiden Händen gleich gut und mit einer Leichtigkeit, praktisch kraftlos und das auf viele Meter Entfernung. Mir fällt wieder mal die Kinnlade ins Wasser. Zum ersten Mal verstehe ich wirklich worauf es ankommt, die Quintessenz des Zweihandwerfens. Sofort erkennt er meine Probleme im Rückschwung und arbeit die essentielen Abläufe für mich heraus. Klaus ist nicht nur ein guter Werfer sondern auch Lehrer.

Mein Lachstag, Mittwoch

Ich bin müde. Im Wechsel zwischen Pension oder doch lieber Pansion und Orkla krieche ich mittlerweile auf dem Zahnfleisch daher. Ich richte mich regelrecht am Lachstöter auf. Zwischendurch bekomme ich Einläufe von Hendrik und Klaus und was ich da schon wieder für Würfe fabriziere, irgend ein Schußkopf fliegt nicht richtig, dass "SSSSSSSSTTTTHH" der aus dem Wasser gerissenen Leine ist schon wieder zu heftig und lang. Bei Gisela, unserem Lachsheinibackoffice und Klaus Ehefrau, ruhe ich mich in der Sonne sitzend aus. Sie hat sich zum Kommunkationzentrum, Espresso Bar und guten Seele unseres Haufens entwickelt. Hier hocken alle beisammen. Gegen Abend bin ich schlachreif und verziehe mich ins Bett. Ein paar Stunden schlaf, dann stehe ich nachts wieder an der Orkla. Ich kann nicht behaupten das ich mich jetzt besser fühle als tagsüber, aber ich rede mir das trotzdem ein.

Sven und seine Augenringe sind auch wieder aktiv. Zwei Hundertjährige beim Lachsfischen.
Ich stehe an einer Stelle die sowas wie das Ende unserer Lachsbahn darstellt, bis zum Bauchnabel im Wasser. Hier kann ich vor allen Dingen mal weit werfen (üben). Für mich ist das eine denkwürdige Konstellation, weil die Rahmenbedingungen für mich das Werfen sofort schwieriger machen und das möchte ich üben. Die Sage ist einfach ein Traum, nur der Kerl am anderen Ende manchmal noch ein Albtraum. Sowas wie 30 Meter sind trotzdem schon mal drin und für mich immer wichtig, mit einem längeren Scandi Kopf. Die Abläufe passen alle noch nicht richtig zusammen, aber die Sage läßt ahnen was für Potential noch in ihr steckt. Man spürt förmlich das Rennpferd was von meinen noch beschränkten Möglichkeiten darauf lauert endlich richtig los zu stürmen. Die Sage, der Lachstöter, dass ist ein Weitenjäger deutlich jenseits der 30 Meter Marken. Im nächsten Urlaub muss ich das mit Hendrik und Klaus mal austesten, Motto: Was geht!?

Ich stiefel aus dem tiefen Wasser ein Stück zurück, reihe mich vor Sven ein, der noch noch ein gutes Stück hinter mir ist. Plötzlich und völlig überraschend schraubt sich ein Lachs an meiner Leine aus dem Wasser. Ein kleiner Lachs der mit Mühe gegen die völlig lose Bremse der großen Danielsson arbeitet. Sven kommt und schaut zu, sieht die Anti Reverse Funtkion im Einsatz. Nun ja, für diesen Lachs hätte es das ganz sicher nicht gebraucht. Dann liegt er auf dem Kies! Mein erster Lachs! Was für herrliche Fische sie doch sind. Glück und Dankbarkeit hallen in mir wieder.

Ich laufe zum Auto und hole mir ein Bier und eine Zigarre zur Belohnung. Mein Geisteszustand und mein Verhalten lassen sich nur schwer unter normalen Menschen beschreiben. Wenn mich jemand auf dem Weg von hinten gesehen hätte, wäre ihm aufgefallen das dieser seltsmane Kerle hin und wieder, scheinbar völlig ohne Grund, mit gestreckten Armen und geballten Fäusten in die Luft springt. So ein Lachs geht nicht spurlos an einem vorbei - oder sollte ich "schwimmen" sagen?

Sven macht Fotos von mir und dem Lachs, die mich den Rest des Lebens an diese denkwürdigen Stunden erinnern werden. Wo soll man diese Erinnerungen einreihen? Gleich nach Hochzeit und Kindesgeburt? Naja, vielleicht nicht ganz, aber doch sehr weit oben im Thema unvergeßliche Momente.

Donnerstag, der Tag nach dem ersten Lachs
Ich bin entspannt. Ich fische mit dem wahrscheinlich dämlichsten und grundlosesten Grinsen die Orkla rauf und runter. Sven fängt Lachse und ist unser aller Held. Ich kassiere weiter hier und da einen Anschiß von Hendrik oder Klaus, was ich da eigentlich für eine Scheixmontage in der Leine habe oder warum Dies oder Jenes, pipapo! Aber ich finde es großartig und bin froh diese beiden alten Hasen an meiner Seite zu haben. Es ist die pure Freude an dieser Art des Fliegenfischens.
In den Mittagspausen gönne ich mir ab jetzt nur noch die dicksten und längsten Zigarren. Vielleicht hat der Biss schon ein paar morbide Risse bekommen und ich lasse etwas nach.

Freitag, der zweite Tag nach dem ersten Lachs
Hendrik ist wieder zurück und wir zelebrieren eine kleine Grillsession an der Orkla. Alle Lachsheinis und Partner und Kind beisammen. Ich genieße die Geschichten, die sich nicht ausschließlich um Lachse drehen. Manche Menschen habe so bewegte Lebensläufe, da ließen sich Bücher schreiben. Hendrik, ganz der Lachsjäger drängt am späteren Abend wieder an die Ruten. Die Lachse kommen, die Flut steht gut. Ich pfeif drauf. Ich sitze lieber mit Gisela und Petra und dem Rest meiner Zigarre noch beisammen und lausche den Geschichten. Ein berühmtes Zitat etwas umgemodelt, könnte man sagen: " Hinter jedem erfogreichen Lachsheini steht vor allen Dingen eines - ein starker Partner!"

Samstag, der dritte Tag nach dem ersten Lachs und mein letzter Tag an der Orkla
Ich kann mich nur noch an die Nacht erinnern, an die letzten Stunden am Wasser. Ich liebkose den Lachstöter, mache Bilder zur Erinnerung und versuche alles ein letztes Mal förmlich einzuatmen - die Orka und das Lachsfischen. Dazu gesellt sich eine gewisse Traurigkeit, die aber keine Rechte Chance hat gegen die grandiosen Erinnerungen dieser Woche Raum zu gewinnen.

Sonntag, der vierte Tag nach dem ersten Lachs und meine Heimreise
Mein Flieger geht am Nachmittag. Ich schlafe bis Mittag und packe, verzettel mich ein wenig. Es kommt wieder mal zur Punktlandung mit der Abgabe des Leihwagens, dem Checkin und eine Dose Bier muss auch noch getrunken werden. Ich sage ja, der pure Dusel! So wie ich gekommen bin, so gehe ich auch. Sage Classic Cap auf und Bier im Schädel! Später am Abend schlage ich daheim auf. Die Stimmung ist immer noch etwas eisig. Die nächsten Tage bin ich ganz devot und der beste Ehemann von Allen! Bis zum nächsten Lachsabenteuer und der nächsten kleinen Eiszeit. Man kann nicht alles haben im Leben: Totale Harmonie und Lachse! Aber vielleicht sollte ich vor solchen Trips nicht wochenlang wieder Lachsruten aufbauen!!

Euer Frank

Tante Edit: Bilder und Kommentare folgen noch
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Re: Totenstille in der Lachsecke! :(

Beitragvon Noellgen, H » 30.09.2018, 20:55

Lieber Frank,

vielen Dank für diese wunderbare Geschichte!

Gruß,
Heiner
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Re: Totenstille in der Lachsecke! :(

Beitragvon fly fish one » 30.09.2018, 21:07

Und nun auch die Bilder:
Lachstöter:
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Und was machen wir da gerade?
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Das Land und das Hobby sind unschwer zu erkennen
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Lachsheiniauto
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Kann Norwegen noch schöner sein?
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Ach ja, Lachs
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Lachsheinis an der Orkla
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Romantik des Lachsfischens an echten wilden Flüssen
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Mein Traumpaar
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Mein Lachstöter
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Stimmungen einer unvergeßlichen Reise - das hat einen Doppel-T-Träger direkt ins Limbische System gerammt.

Euer Frank

Und Tante Edit mit dem besten Spruch des gesamten Urlaubes vom Sven, gefragt von einem Pessimisten wie er das mit dem Schlafen anstellt: "Ich bin nicht hier um zu schlafen, sondern um Lachse zu fangen!" Geschehen anno 2018 im Juli am hellerlichten Tage.
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Re: Totenstille in der Lachsecke! :(

Beitragvon fly fish one » 01.10.2018, 11:04

Und etwas möchte ich noch loswerden.

Was ich unsäglich finde (nicht bei den Protagonisten dieser Heldengeschichten) ist diese Fokussierung auf die Grössen der gefangenen Lachse. Die erste Frage ist immer: "Wie gross?" Um mit den eigenen Fängen zu vergleichen, zu erkennen das nicht viel drin ist oder was weiß ich denn! Ich bin nicht zimperlich oder ein Apostel, aber es entehrt jeden dieser grandiosen Fische. Es scheint bei den Lachsfischern, ich würde sowas nie als Lachsheini bezeichnen, weiter verbreitet zu sein als unter anderen Fliegenfischern. Jeder freut sich über Kapitale. Ich natürlich auch, aber die Grösse ist doch kein Kennzeichen und verhält sich nicht analog zur daraus resultierenden Freude, oder?? Bei Einigen ist das aber so! Ich finde das ganz furchtbar, denn es bedeutet ja eine gewisse Verachtung dieser noch kleinen Fische. Und was mag der schon gesehen und erlebt haben auf seiner Reise. Meiner hatte eine verheilte Wunde auf beiden Seiten. Gegen was er da wohl gekämpft haben mag? Robben, fiese Netze, böse Vogel? Keine Ahnung. Wenn er dann letztendlich bei mir landet, dann erweise ich ihm meine Ehre und Respekt. Nicht umsonst haben Jäger aus diesem Grund Jahrhunderte alte Rituale um das erlegte Wild zu ehren, oder? Ich bin kein Jäger, aber mit einem Fisch verhält es sich doch eigentlich nicht anders. Bei mir jedenfalls war die Freude riesig. Das wird auch so bleiben, egal wie gross meine Lachse in Zukunft sind. Kollegen die mir wichtig sind, weil man auf einer Wellenlänge schwimmt, legen einen ganz natürlichen und respektvollen Umgang mit der Beute an den Tag. Grösse ist da eigentlich nie ein echtes Thema, sondern nur Freude.

Frank
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Re: Totenstille in der Lachsecke! :(

Beitragvon Forelleke » 01.10.2018, 14:05

Schöne Geschichte Frank!

Das "hardcore" durchfischen ohne Rücksicht auf körperliche Verluste kenn ich ganz gut... und jede Lachs, auch meine ersten Grilse mit 8 Pfd , ist ein prachtvoller Fisch..

...aber mit den Namen deiner Lachsrute kann ich noch immer überhaupt nix anfangen... L....töter... einfach furchtbar...

Roel
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Re: Totenstille in der Lachsecke! :(

Beitragvon MARIO S » 01.10.2018, 16:31

Toller Bericht
über eines der schönsten Zeiten im Jahr .
In Norwegen zu sein und das Lachsfischen zu genießen
Danke für´s mitnehmen

Gruß Mario
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Re: Totenstille in der Lachsecke! :(

Beitragvon AlexWo » 01.10.2018, 22:36

Schöne Story, Petri zum Lachs, war Dein erster, oder?

LG

Alex
"salmonfishing is not distance, its control...." H.M.
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Re: Totenstille in der Lachsecke! :(

Beitragvon fly fish one » 02.10.2018, 10:36

Liebe Kollegen,

vielen lieben Dank! Es war mir eine Ehre.

@Alex: G4Zip läuft und läuft, wie der berühmte Käfer! Und es war mein erster Lachs.
@Roel: In erster Linie ist der Name nur purer Nonsens, entstanden um den ganzen Faden zum Bau mit so einem Joke auf die Spitze zu treiben. Achims "Küstenliebe" war in Abwandlung kurz als "Orklaliebe" :mrgreen: in der Wahl, aber das wäre irgend wie nicht besonders einfallsreich gewesen. Und ganz ehrlich, lieber Roel, ich mag ihn. Und jetzt ist eh alles zu spät, der hat sich nun als Name schon überall etabliert. So ein Rebranding ist im Nachhinein immer schwierig. :mrgreen:

Euer Frank
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Re: Totenstille in der Lachsecke! :(

Beitragvon Forelleke » 02.10.2018, 12:59

FRank,

alles gut, jeder was er mag...

Du bist doch auch bei den Isarfischer in München oder...? dann wäre a bissl üben mit deinem Zweihand auf Huchen ja auch mal spassig....

Roel
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Re: Totenstille in der Lachsecke! :(

Beitragvon Cowie » 02.10.2018, 17:40

PETRI & DANKE für den tollen Bericht und die Bilder, lieber Frank !!! =D> =D>

...im übrigen hat mir Dein Nachtrag zum Thema "Ethik" fast noch besser gefallen..., diese Denke zeichnet Dich in meinen Augen einfach nur aus....!!!! Respekt und Hut ab!
Petri & Tight Lines

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Re: Totenstille in der Lachsecke! :(

Beitragvon BergLutz » 04.10.2018, 08:31

Lieber Frank,
bin zwar kein Lachsfischer , aber mit deiner ethischen Betrachtung sprichst du mir aus der Seele. Vielen Dank dafür.

...natürlich auch für deinen schönen Bericht.

Gruß
Lutz
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Re: Totenstille in der Lachsecke! :(

Beitragvon superfredi » 04.10.2018, 20:51

Gaaaanz Toller Bericht - echt schön "authentisch" geschrieben. :smt041
Sieht ja auch wirklich gut aus - der Laxtöter……
Petri Heil zum ersten Lax !
Fred
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Re: Totenstille in der Lachsecke! :(

Beitragvon matthias z. » 12.10.2018, 09:13

Hallo Frank,

ich habe die Geschichte jetzt erst lesen können. Vielen Dank!

Vom Lachsfischen wirst Du nicht wieder loskommen.

Totale Harmonie gibt es übrigens.......meine Frau fischt mit!!!!......na ja, vielleicht ist totale Harmonie übertrieben, denn die Angelzeit meiner Frau geht zu Lasten meiner eigenen Angelzeit :wink: .........und mein Sohn fängt auch schon an Angelzeit einzufordern :roll: ....geht eigentlich natürlich überhaupt nicht :wink:

Tight lines,

Matthias
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Re: Totenstille in der Lachsecke! :(

Beitragvon fly fish one » 12.10.2018, 21:25

Lieber Matthias,

lieben Dank! Mein Sohn ist zwar noch kein Lachsheini, aber zumindest schon mal Fliegenfischer. Manchmal auch noch....ich kann das nicht tippen, das geht mit meiner Tastatur nicht! :badgrin: Das der Partner mitfischt, ist natürlich anzustreben, aber daran arbeite ich noch.

Frank
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