3Sat Nano zum Thema "Schnakenplage"

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3Sat Nano zum Thema "Schnakenplage"

Beitragvon CPE » 17.06.2013, 19:06

Liebe Leute,

Das kam gerade beim Feierabend-Zapping herein:

http://www.3sat.de/mediathek/index.php? ... &obj=35930

Da gibt es also Typen, die auf 300 Rheinkilometern jede Mückenlarve abmurksen, weil sie Menschen gefährden könnten und man irgendwann einmal schon mindestens ein exotisches Exemplar gefunden hat, das im Prinzip böse Krankheiten übertragen kann? Ich bin sprachlos.

Ein trauriger Gruß vom Mittelrhein, Norbert
CPE
 

Re: 3Sat Nano zum Thema "Schnakenplage"

Beitragvon webwood » 17.06.2013, 21:49

Lieber Norbert,

ohne dir nun ökölogisch widersprechen zu wollen, vor zwei bis drei Jahren war im Bereich Chiemsee eine exorbitante Schnakenplage, die auch bekämpft wurde.
Es ist wohl alles relativ. Was einem Finnen vieleicht ein Schulterzucken entlockt, mag für einen Mitteleuropäer definitiv zum Problem werden.
Ich kann mich noch gut entsinnen, das ich seinerzeit mit nassen Watklamotten und Watschuhen ins Auto geflüchtet bin, weil ein Ausziehen, während die Luft fast schwarz vor Mücken um einen herum war, mir nicht mehr möglich war.
Wie die Mückenbekämpfung ökologisch zu bewerten ist, dazu mag ich mangels Wissen nichts sagen, wie es ist, binnen einer Minute fünfzig oder hundert Stiche abzubekommen, da kann ich indess mitreden.

Viele Grüße

Thomas
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Re: 3Sat Nano zum Thema "Schnakenplage"

Beitragvon CPE » 17.06.2013, 22:36

Hallo Thomas,

Übernachtungen verkauft man auch am Chiemsee wohl nicht über Insektenstiche. Und Fische sind ja eh glitschig...

http://www.sueddeutsche.de/bayern/insek ... e-1.967671

Immerhin gibt es dort den zarten Hinweis, dass die Biester am Anfang einer für uns nicht uninteressanten Nahrungskette stehen...

Gruß, Norbert
CPE
 

Re: 3Sat Nano zum Thema "Schnakenplage"

Beitragvon Kami » 17.06.2013, 23:17

Also soweit ich weiß, stechen Schnaken keine Menschen. ;)
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Re: 3Sat Nano zum Thema "Schnakenplage"

Beitragvon webwood » 17.06.2013, 23:44

Lieber Norbert,

das ich mich in Sachen Ökologie sehr zurücknehme habe ich ja schon geschrieben.
Wie es ist, wenn man binnen Sekunden, in dem Moment als man stehen bleibt überfallen wird, muss man einfach selbst erlebt haben.
Ich habe daher wirklich zwiespältige Gefühle und brauche das nicht nochmal.

Lieber Kami;

das ist nun eine Frage der des Dialekts. Bei uns werden "Schnaken"als "Staunzen" bezeichnet. Wenn wir uns auf Daddy Longlegg einigen wollen, sprechen wir von dem gleichen Insekt. Was ich meinte sind Stechmücken, etwas größer als Kriebelmücken /Sandflys doch bestimmt genau so lästig. Die werden bei uns eben als Schnaken bezeichnet. Das war, meines Dialektes geschuldet, keine präzise entomologische Bezeichnung.

Tight Lines

Thomas
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Re: 3Sat Nano zum Thema "Schnakenplage"

Beitragvon Johannes » 18.06.2013, 11:16

Moin, bei der Begriffsklärung hilft das allseits bekannte Wissensportal weiter: http://de.wikipedia.org/wiki/Aedes_vexans


TL,

J.
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Re: 3Sat Nano zum Thema "Schnakenplage"

Beitragvon Frank. » 18.06.2013, 13:26

... und man sollte auch darauf hinweisen, dass die „Vereinigung zur Bekämpfung der Stechmücken- oder Schnakenplage“ bereits seit 1910 systematische Mückenbekämpfung betrieb, bevor dann 1976 die KABS damit begann, das Ganze auf ökologisch einigermaßen sinnvolle Fundamente zu stellen.

Ich erinnere ferner vorsichtig daran, dass schön Väterchen Goethe in seiner Autobiographie Dichtung und Wahrheit davon berichtet hat, wie der Versuch ausging, auf einer Rheininsel einen Imbiss mit frischem Fisch zu veranstalten:

"Die Rheininseln waren denn auch öfters ein Ziel unserer Wasserfahrten. Dort brachten wir ohne Barmherzigkeit die kühlen Bewohner des klaren Rheines in den Kessel, auf den Rost, in das siedende Fett, und hätten uns hier, in den traulichen Fischerhütten, vielleicht mehr als billig angesiedelt, hätten uns nicht die entsetzlichen Rheinschnaken nach einigen Stunden wieder weggetrieben. Über diese unerträgliche Störung einer der schönsten Lustpartien, wo sonst alles glückte, wo die Neigung der Liebenden mit dem guten Erfolge des Unternehmens nur zu wachsen schien, brach ich wirklich, als wir zu früh, ungeschickt und ungelegen nach Hause kamen, in Gegenwart des guten geistlichen Vaters, in gotteslästerliche Reden aus und versicherte, daß diese Schnaken allein mich von dem Gedanken abbringen könnten, als habe ein guter und weiser Gott die Welt erschaffen. Der alte fromme Herr rief mich dagegen ernstlich zur Ordnung und verständigte mich, daß diese Mücken und anderes Ungeziefer erst nach dem Falle unserer ersten Eltern entstanden, oder, wenn deren im Paradiese gewesen, daselbst nur angenehm gesummet und nicht gestochen hätten. Ich fühlte mich zwar sogleich besänftigt: denn ein Zorniger ist wohl zu begütigen, wenn es uns glückt, ihn zum Lächeln zu bringen; ich versicherte jedoch, es habe des Engels mit dem flammenden Schwerte gar nicht bedurft, um das sündige Ehepaar aus dem Garten zu treiben; er müsse mir vielmehr erlauben, mir vorzustellen, daß dies durch große Schnaken des Tigris und Euphrat geschehn sei. Und so hatte ich ihn wieder zum Lachen gebracht, denn der gute Mann verstand Spaß, oder ließ ihn wenigstens vorübergehn."

Ich denke wirklich, dass wir uns die Mückenplagen der Vergangenheit gar nicht schlimm genug vorstellen können …

Euer Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
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Re: 3Sat Nano zum Thema "Schnakenplage"

Beitragvon ostseelicht » 18.06.2013, 15:54

Ich habe 33 Jahre in Südhessen, Gernsheim/Rhein gewohnt.
Ich kann mich noch sehr gut zur Kindeszeit dran erinnern, dass es im Sommer abends ab 19.00 h unerträglich war, noch draußen im Garten zu sein. Gerade nach den Frühjahrshochwassern bleiben in den Altarmen und Tümpel der Rheinauen reichlich Brutgelegenheiten für die "Rheinschnaken". Auch wenn man mal vergessen hatte, ein Fenster o.ä. zu schließen, da sah man über Nacht dermaßen zerstochen aus, ein Streuselkuchen ist nix dagegen.
Und da mal einen Abend zum Angeln am Rhein oder meinen damaligen Vereinsgewässern (Kiesgruben) zu angeln, war nicht möglich, selbst mit Autan oder sonstigen Schutzmittelchen wurde man zerstochen ohne Ende (die Viecher finden immer ne einigermaßen freie Stelle um zu pieksen).
Wie Frank schon geschrieben hat, fings dann Mitte der 70er mit der sog. KABS an, ab dann war es einigermßen erträglich. Wobei damals der Grund der "Exotenbekämpfung" noch nicht gegeben war.

Ich würde mich auch derzeit auch nicht nackt über Nacht an einen Baum auf dem "Kühkopf" (Naturschutzgebiet an einer Altrheinschleife) binden lassen, denn da darf dieses Bakterium nicht ausgebracht werden.
--Würde das aber auch nicht woanders tun :)
Selbst wie ich da noch gewohnt habe und schon die Schnaken bekämpft wurden, war es an den Gewässern immer sehr lästig, meistens hat man sich abende mit etwas Wind oder kühlere Temp. ausgesucht.

Paar Infos gibts z.B. hier:
http://www.kabsev.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Stechm%C3% ... 3%A4mpfung

TL
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Re: 3Sat Nano zum Thema "Schnakenplage"

Beitragvon Magallan » 18.06.2013, 16:18

Hallo

Ja Ja, die lieben Mythen: blutsaugende Schnaken, beissende Libellen und....

Fangt ihr auch noch Lachsforellen?

Gruss
Heiko
Magallan
 

Re: 3Sat Nano zum Thema "Schnakenplage"

Beitragvon Frank. » 18.06.2013, 16:27

Magallan hat geschrieben:Ja Ja, die lieben Mythen


Wie jetzt? Dass die Rheinschnake Aedimorphus vexans Blut saugt, wäre ein Mythos? Dann müsste die wissenschaftliche Literatur aber ziemlich weitgehend umgeschrieben werden …

Dein Frank
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Re: 3Sat Nano zum Thema "Schnakenplage"

Beitragvon Magallan » 18.06.2013, 16:47

Fraank,

Kami hat geschrieben:

Kami hat geschrieben:Also soweit ich weiß, stechen Schnaken keine Menschen. ;)


sorry das ich die Smylies vergass :wink:

Gruss vom

Schneider, nein, weder mit acht noch mit sechs Beinen :badgrin:
Magallan
 

Re: 3Sat Nano zum Thema "Schnakenplage"

Beitragvon CPE » 18.06.2013, 17:43

Liebe Leute,

Ich kenne vom Segeln in Friesland massive Mückenaufkommen, insbesondere am lauen Sommerabend (wenn die Pompeblede blüht...). Es ist unbestritten extrem ärgerlich. Auch der alte Goethe hat wohl recht.

Vielleicht sollte ich deshalb erklären, was ich daran trotzdem so merkwürdig fand: Es war die Selbstverständlichkeit, mit der über die Vernichtung eines zugegeben ärgerlichen Insekts berichtet wurde, ohne auch nur die geringste Reflexion in Sachen Schäden für andere Lebewesen, Resistenzen, etc.

Ich glaube auch nicht, dass ein Fisch, zumal die eine oder andere von uns beangelte Art, in seinem Speiseplan die Unterscheidung zwischen Stechmücke und Zuckmücke aktiv betreibt, sondern doch eher "denkt": Larve ist Larve. Gulp. Und davon gibt es nach solchen Aktionen schlicht ein paar Milliarden Exemplare weniger.

TL, Norbert
CPE
 

Re: 3Sat Nano zum Thema "Schnakenplage"

Beitragvon Siegfried. » 18.06.2013, 17:58

Hallo Werner,
jetzt um diese Jahreszeit Nordschwedenn Binnenland in der Waldregion. Eine Stunde draußen und eine Nacht mit einem Löchlein im Fliegengitter der Hütte und du hälst die Rheinaue mit und ohne Mückenbekämpfung für die reine Erholungslandschaft. Ich habe beides zwangsläufig getestet :oops: :smt067
Wahrlich ich sage dir, es gibt die Hölle auf Erden und sie liegt irgendwo zwischen Gällivare und Kiruna, vielleicht auch bei Jokkmokk oder so....
Vampire sind in Literatur und Film maßlos überbewertete Wesen :twisted:
Glück Auf
Siegfried
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Re: 3Sat Nano zum Thema "Schnakenplage"

Beitragvon Frank. » 18.06.2013, 18:20

Midges. Schottland. Noch so eine Höllenbrut.
Es ist wirklich nicht leicht, mich beim Lachsfischen zu vertreiben. Die Viecher haben's geschafft.

Frank
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Re: 3Sat Nano zum Thema "Schnakenplage"

Beitragvon Hardy » 18.06.2013, 18:32

Frank. hat geschrieben:Midges. Schottland. Noch so eine Höllenbrut.
Es ist wirklich nicht leicht, mich beim Lachsfischen zu vertreiben. Die Viecher haben's geschafft.

Frank




"...my tent, and now check out the midges. F*** this...."

:biggrin: :biggrin: :biggrin: Herrlich!

Danke für diesen Link!

Groetjes
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