Besatz

Hier geht es um wichtige Belange wie Naturschutz, sinnvolle Gewässer-Bewirtschaftung, schonender Umgang mit Umwelt und Kreatur, Ärgernisse (Schlagthemen) wie Klein-Wasserkraft & Kormoran und Rechtliches.

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Besatz

Beitragvon flo staeuble » 17.03.2017, 10:13

Hallo in die Runde, ich bin auf der Suche nach einem Rat.
Ausgangssituation: Kleiner Jurafluss mit hervorragendem Bestand an sich selbst reproduzierenden Bachforellen und ein paar Äschen, hohes Insektenaufkommen, gute Alterspyramide.
Problem: Kalter Winter, der Kormoran tauchte in stattlicher Anzahl auf (rund 50 Stück) und blieb 3 Wochen.
Ergebnis: Kein Zupfer mehr.
Jetzt glaub ich zwar nicht, dass jeder Fisch weg ist, aber ich muss mich mit der Realität anfreunden, dass der Bestand tatsächlich kolossalen Schaden genommen hat.
Also werde ich vorsichtig besetzen. Woher ich die Fische bekomme, steht bereits fest (Fischzucht am gleichen Gewässer, Strömungsbecken, passt alles)
Nur: Es werden von den unterschiedlichsten Menschen die unterschiedlichsten Größen empfohlen.
An alle, die eigene Erfahrungen mit dem Thema haben: in welcher Größe passen sich eurer Meinung nach Besatzfische am besten an ihre neue Heimat an?
Nicht falsch verstehen: mir gehts nicht darum, den verlorenen Bestand so rasch wie möglich zu ersetzen, damit ich auch heuer schon prima fischen kann. Sondern nur um die Frage, was die intelligenteste Herangehensweise wäre, um dauerhaft den Schaden "wieder gut zu machen".

Vielen Dank für euren Rat sagt der
Flo
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Re: Besatz

Beitragvon Olaf Kurth » 17.03.2017, 11:07

Das hört sich nicht gut an, lieber Flo,

den Äschenbestand wirst Du wohl weitgehend vergessen können, weil sie als wertvolles Kormoran-Futter dienten. Durch die natürlichen Fluchtreflexe werden sicher einige Bachforellen überlebt haben.

Den Großteil des Neubesatzes sollte idealerweise aus aktuellen Brütlingen bestehen. Je nach Gewässergröße und durchschnittlicher Gewässertiefe lässt sich die Zahl der zusätzlich benötigten, einsömmrigen Bachforellen ermitteln. Mehr würde ich da nicht machen, größere Fische haben da nichts zu suchen.
Ich würde das Gewässer dieses Jahr in Ruhe lassen.

Liebe Grüße,

Olaf
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Re: Besatz

Beitragvon AlexWo » 17.03.2017, 11:17

Hallo,

Züchter, gleiches Gewässer, heisst ja nicht, dass es der selbe, einheimische Stamm ist, falls dieser noch vorhanden war.
Auch sind Fische aus einer Zucht eigentlich domestizierte Haustiere und nicht so gut als Besatzfische geeignet.

Damit Du/Ihr überhaupt fischen könnt, würde ich Bf. und Ä schonen und Regenbogenforellen besetzen, allerdings massvoll.

Solltest Du an Deinem Bach kleine und kleinste Seitenbäche haben, empfehleich Dir diese, mittels E-Gerät, von Fressfeinden zu befreien, getreu dem Motto "Alles muss raus" u. diese dann mit Dottersackbrut, von Wildfängen aus Deinem Bach, zu besetzen. Nach zwei Jahren könntest Du abfischen und hättest erstklassigen Besatz. Solltest Du diese Möglichkeit nicht haben, würde ich sagen, dass Besatz um so kleiner umso besser ist.

LG

Alex
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Re: Besatz

Beitragvon Maggov » 17.03.2017, 15:21

Hi Flo,

soweit ich mich entsinne gab es kein Nebengewässer, richtig. Ansonsten wären Brütlinge in den Seitenbächen tatsächlich mein Favorit gewesen.

Da die (hoffentlich) verbleibenden Fische (hoffentlich) keine Zwerge mehr sind und ich Dein Gewässer als "barrierefrei" betrachte wären Brütlinge nicht mein Favorit da sie wahrscheinlich zu schlechte Chancen haben durch zu kommen oder abwandern.

Deshalb würde ich eher einsömmrig besetzen mit der Chance dass ein paar durchkommen und kommendes Jahr (mit-)laichen mit dem was noch da ist. Ich gehe davon aus dass der Züchter den Du im Auge hast schon mal Besatz für Deine Strecke oder die ober/unterhalb geliefert hat... gibt leider ja kaum noch "reine" Stämme" mehr.

Die Idee mit dem RB-Besatz finde ich gar nicht so schlecht in Deinem Fall... aber wenn Du davon ausgehst dass die BF im Herbst noch ablaichen konnte dann kommt da sehr viel Fraßdruck auf die jetzige Brut. Hast Du Brütlinge schon entdeckt? Wäre doch schade wenn Du mit dem Besatz dem Stamm den Rest gibst. Wenn der kommende Winter nicht so hart ist wie dieser könnte sich das ja nochmals einpendeln.

Wann wolltest Du den besetzen? Ist ja noch sehr früh im Jahr und falls Du noch nicht mehrmals warst wäre es vielleicht gar nicht schlecht noch etwas ab zu warten um heraus zu finden wie groß der Schaden wirklich war. Oder mal mit dem E-Gerät einen Teilabschnitt beackern um sich zu vergewissern dass Deine Annahme stimmt?

Ich hoffe Du täuscht Dich und es ist nicht soo katastrophal wie Du vermutest...

LG

Markus
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Re: Besatz

Beitragvon dr-d » 17.03.2017, 15:38

hallo flo,


zum besatz als solchem haben meine vorredner schon kompetent geantwortet.

falls es an deinem gewässer zulässig ist, würde ich mir das einbringen von zusätzlichen unterständen
ggf. überlegen (v.a. holz aber auch felsen - ggf in kombi).

ganz bombig wäre im jura bereich das tw. bepflanzen des uferbereichs zwecks beschattung und
schutz.

mir ist das zuerst an einem nebengewässer der wiesent schon vor jahren aufgefallen, daß speziell in
den bereichen mit fels/holz/bewuchsunterständen trotz kormoran der bestand beachtlich war
und blieb.

das fischen dort wird dann auch für uns schwieriger , aber das kann man akzeptiren denke ich.


grüsse


thomas
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Re: Besatz

Beitragvon Beppo » 17.03.2017, 16:29

Hallo Flo,
wichtig wäre für dich heraus zu finden, ob deine Vermutungen auch den Tatsachen entsprechen. Dies geht aber nur durch eine Probebefischung per E-Gerät. Was anschließend du daraus ableitest, dazu hast du hier von den Anderen, gerade von Alex, gute Tipps bekommen. Mein Tipp und da gehe ich mit Alex konform, versuchen immer aus dem eigenen Gewässer/Einzugsbereich den Besatz zu rekrutieren.
Gruß Beppo
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Re: Besatz

Beitragvon Olaf Kurth » 17.03.2017, 19:11

AlexWo hat geschrieben:Damit Du/Ihr überhaupt fischen könnt, würde ich Bf. und Ä schonen und Regenbogenforellen besetzen, allerdings massvoll.



Maggov hat geschrieben:Die Idee mit dem RB-Besatz finde ich gar nicht so schlecht in Deinem Fall...



Bekommt ihr da keinen Ärger mit Euren Fischereibehörden, lieber Alex, lieber Markus?

bei uns gäbe ein RB-Besatz mächtig Ärger, denn in unseren naturnahen Juwelgewässern haben wir noch autotchthone Bf.Stämme. Wir haben eine vereinseigene Brutanlage und sind mit dem Bachforellenbrutprojekt schon auf Landesebene ausgezeichnet worden.


Maggov hat geschrieben:Da die (hoffentlich) verbleibenden Fische (hoffentlich) keine Zwerge mehr sind und ich Dein Gewässer als "barrierefrei" betrachte wären Brütlinge nicht mein Favorit da sie wahrscheinlich zu schlechte Chancen haben durch zu kommen oder abwandern.



Genau das Gegenteil ist der Fall, lieber Markus,

Brütlinge haben hervorragende Chancen, sich ans Gewässer anzupassen. Wie Alex schon sagt: Je kleiner, desto besser. Die hohen Verluste sind von der Natur so vorgesehen. Diejenigen, die überleben, das sind die zukünftigen, wertvollen Laichfische. Je größer die Fische für den Besatz sind, desto eher wandern sie ab.

Liebe Grüße,

Olaf
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Re: Besatz

Beitragvon AlexX!! » 17.03.2017, 22:24

Hi zusammen,

generell bin ich auch der Ansicht, Bestz, je kleiner je besser.
Im genannten Fall sehe ich aber keinen Bedarf an Brütlingen,
die wird es nach wie vor aus natürlicher Erhaltung geben. Es werden sicherlich
einige Forellen abgelaicht haben bevor die Kormorane kamen.
Die stürzen sich ja bekanntlich vor allem auf Ein- und Zweisömmirge.
Diese würde ich dann auch nachbesetzen.
Eine Frage viele Antworten... das Thema mit dem maßvollen
RB Besatz halte ich auch für nicht ganz abwegig, vielerorts
funktioniert das gut, die RB und BF kommen sich wenig in die Quere.

Gruß
Alex
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Re: Besatz

Beitragvon AlexWo » 18.03.2017, 00:51

Hallo Olaf,

in Bayern ist der Besatz mit Rf nicht verboten. Ich würde den vorrübergehenden Besatz mit Rf, den Besatz mit Zuchtbfs. vorziehen, sofern noch ein heimischer Bestand vorhanden ist. Bf-Besatz stets nur aus Nachzucht von Wildfängen ohne Elterntierhaltung. Blos müsste man dem Züchter dazu schon sehr vertrauen.

LG

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Re: Besatz

Beitragvon flo staeuble » 20.03.2017, 11:18

Herzlichen Dank allen Postern!!!
Da ist viel interessantes dabei.
Grüße vom flo
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Re: Besatz

Beitragvon Royal Coachman » 20.03.2017, 17:05

Hallo Florian!

Ich würde mit dem Besatz warten und beobachten ob Brut aufkommt.
Das sollte in den nächsten Wochen zu sehen sein, denn jetzt ist der Dottersack zum Großteil aufgebraucht und die Forellchen erscheinen in den Flachwasserunterständen. Sie sind allerdings nicht leicht aus zu machen.

Sollte hier ein Aufkommen fest zu stellen sein, dann auf keinen Fall besetzen, denn auch schon einsömmrige Bachforellen jagen auf Fischbrut, wie ich feststellen konnte und besonders die Forellen aus der Zucht, da sie keinerlei Information über die im Gewässer vorkommenden Nahrungsresourcen haben.

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Re: Besatz

Beitragvon flo staeuble » 21.03.2017, 19:55

merci auch dir Gebhard.
Interessanterweise scheint es genau darauf hinauszulaufen. Die Nachfrage in den ortsansässigen Fischzuchten ist erdrutschartig - und es gibt nix mehr:-)
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Re: Besatz

Beitragvon Royal Coachman » 21.03.2017, 21:35

Hallo Florian!
Das ist das Grundproblem, es will niemand warten, ob sich ein Bestand aufbaut.

Habe heute in einem kleinen Seitenbächlein die erste geschlüpfte Jungforelle ausgemacht.
Länge ca 2 cm, die kleine war nur am Fressen und ist sogar gestiegen.

Man kann ihr nur alles Gute wünschen, denn es gibt in diesem Bächlein einen starken Bestand an Mühlkoppen.

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Re: Besatz

Beitragvon flo staeuble » 22.03.2017, 08:30

Royal Coachman hat geschrieben:
Man kann ihr nur alles Gute wünschen, denn es gibt in diesem Bächlein einen starken Bestand an Mühlkoppen.
C

..worüber wir uns grundsätzlich ja erstmal freuen sollten:-))
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