Besatz

Hier geht es um wichtige Belange wie Naturschutz, sinnvolle Gewässer-Bewirtschaftung, schonender Umgang mit Umwelt und Kreatur, Ärgernisse (Schlagthemen) wie Klein-Wasserkraft & Kormoran und Rechtliches.

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Re: Besatz

Beitragvon Beppo » 16.06.2017, 08:21

Hallo in die Runde,
hier wird von fiktiven Behörden oder Ämtern geredet die dieses regeln und überwachen sollen. Es gibt sie doch schon, die mit Fachwissen ausgestatteten Behörden, da muss man das Fahrrad nicht neu erfinden. Man nennt sie die >Fischereibehörden< der Länder. Inwieweit sie im Interessenskonflikt mit ihrem Dienstherren kommen oder den jeweiligen Fischereiverbänden der Länder, da unter der Anglerschaft zwischen Wunsch und Wirklichkeit oft eine große Lücke klafft, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Gruß Beppo
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Re: Besatz

Beitragvon Hickey » 16.06.2017, 08:56

Maggov hat geschrieben:Deshalb ist für mich die Anzahl der Fischtage mittlerweile ein besseres Maß für den Befischungsdruck auf einen Wasser (und damit indirekt auch für den Schutz eines Wildfischbestandes) als Entnahmestatistiken.


Hallo Markus,

Hmmm, ich weiß gar nicht, ob ich mich dem anschließen würde. Einer meiner Vereine beschränkt die Zahl der Begehungen am Bach pro Fischer auf 15 Stück pro Jahr. Bei einem täglichen Entnahmelimit von 3 Fischen. Wenn man jemandem am Wasser trifft, und fragt, wie es läuft, kommen in der Regel antworten wie: "I hob meine Fisch", sprich: Gerade weil die Zahl der Fischtage limitiert ist, versuchen viele, aus den begrenzten Fischtagen das Maximum herauszuholen.

In dem Verein, in dem wir beide Mitglied sind, hingegen, ist die Zahl der Fischtage unbegrenzt, aber es gibt ein vergleichweise niedriges Jahresfanglimit von 25 Fischen (bei 2 pro Tag). Und da scheint mir der Bestand weit naturnäher und gesünder zu sein... Klar, auch das könnte man noch optimieren, z.B. durch noch niedrigeres Jahresfanglimit oder durch ein zusätzliches Wochenmaximum. Dieses Modell lässt den Fischern aber die Freiheit, auch öfter ans Wasser zu gehen, aber eben nicht Unmengen von Gefriertruhenfisch zu entnehmen...

Viele Grüße
Michael
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Re: Besatz

Beitragvon Maggov » 19.06.2017, 10:10

Hallo Alex,

bei den Vereinen bin ich bei Dir (inkl. den Ausnahmen) - bei den Verbandsgewässern kenne ich die Auflagen bzgl. Besatz zu schlecht um das beurteilen zu dürfen. Bei den Strecken die von Privat gepachtet wurden und ich die Details etwas kenne hatte keine einzige eine Auflage beim Besatz. Das war wenn dann hausgemacht bei den Pächtern.

Zentrales Bewirtschaften hat seinen Charme aber ich denke das wird sich in der jetzigen Konstellation nicht etablieren lassen ohne ein Urteil auf obersten rechtlichen Instanzen. Fischrecht ist nach meinem Wissen ein echtes Eigentumsrecht (steht im Grundbuch, ist veräußer- und vermietbar) - was meinst Du mit "eigentumsähnlich"?

LG

Markus
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Re: Besatz

Beitragvon Maggov » 19.06.2017, 10:28

Hallo Michael,

Die Entnahmelimits sind deshalb bitte nicht als obsolet zu verstehen, gerade wenn man im Verein die Rechnung Lizenz = Fischmenge auf der Agenda hat. Bei dem Verein mit der TK Limitierung kannst Du meines Wissens nach problemlos TKs nachkaufen. 15 Fischtage sind gar nicht so wenig und es gibt viele Jahreskartenfischer die diese Anzahl der Tage knapp oder gar nicht erreichen. Zumal einige von uns ja mehr als eine Jahreskarte haben ;)

Was ich eher sagen wollte:
Wenn ich viele Fischtage am Wasser habe dann kommt das zusätzlich zur Entnahme als Druck auf den Bestand dazu. Bei C&R werden auch Fische verfischt, wenn stündlich ein Fischer die Hot Spots beharkt und somit ein permanenter "Streß" am Wasser ist wird sich das auch auf den Bestand auswirken. Gerade bei Wildfischen merkst Du schnell ob jemand vor Dir durch die Strecke gegangen ist oder nicht.

Ein Fisch der noch im Unterschlupf einsteht weil er verschreckt oder releast wurde frißt nicht - kommt das zu oft vor kann das auch negative Konsequenzen für einen Bestand haben.

Deshalb sehe ich einen großen Vorteil darin die Fischtage zu zählen um zu verstehen wie hoch der Befischungsdruck auf ein Wasser ist. Bei den Jahreskarten wird gerne die Entnahme festgehalten aber nicht die Begehung (falls diese festgehalten werden tut's das logischerweise auch).

Denjenigen die Ihr Entnahmelimit voll ausreizen sei es gegönnt - sie legen es nicht fest, sondern der Bewirtschafter und wenn die Entnahmebedingungen gut gewählt sind sollte das ja auch keinen negativen Einfluß auf den Bestand haben.

Wenn ich natürlich das Wunschentnahmelimit der Mitglieder festsetze und dann versuche über Besatz dieses auch auf Teufel komm' raus zu bedienen, dann ist das natürlich hirnrissig.

Ich sehe gerade bei jüngeren Fischern dass diese kaum noch an der Fleischmacherei interessiert sind. Ich habe auch schon einige Fischer getroffen die gar keinen Fisch essen oder eindeutig ausschließlich C&R fischen wollen. Doch selbst in dieser Konstellation denke ich kannst Du nicht unbegrenzt Leute an ein Wasser lassen.

LG

Markus
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Re: Besatz

Beitragvon Hickey » 19.06.2017, 15:38

Hallo Markus,

OK, jetzt verstehe ich und gebe dir Recht. Mir gefällt deine Argumentation auch deshalb, weil sie - so wie ich sie verstehe - nicht für ein reines C&R (und damit generell gegen Entnahme) wirbt, sondern überhaupt für maßvollen Umgang mit den Fischen. Ich war immer (und bin es, obwohl ich sicher 90% meiner Fische release) der Meinung, dass die Argumentation von 100%-C&R-Verfechtern, man wolle die Bestände schonen und den Fischen Gutes tun, Blödsinn ist - weil man den Fischen immer noch am meisten Gutes tut und die Bestände am besten schont, wenn man gar nicht angelt.

Für mich ziehe ich - Stand jetzt - aus der Diskussion den Schluss, dass eine Kombination aus
a) Begrenzung der Begehungen und b) sinnvollen Entnahmelimits (gestaffelt nach täglich, wöchentlich, jährlich)
vermutlich die beste Lösung ist, um den Bestand eines Fischwassers auch ohne Besatz gesund zu halten.

Gruß
Michael
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Re: Besatz

Beitragvon CPE » 19.06.2017, 16:23

Hallo Michael,

Wenn ich an gewöhnliche Räuber-Beute-Beziehungen denke, so fallen mir noch ein:

c) Verbesserung der Nahrungsquellen, Beutefisch & Insekten

d) Verschlechterung der übergeordneten Räuberbedingungen, Schwarzer Vogel, Deckung für Alt- und Jungtiere

e) Verbesserung der Laichbedingungen

Ich meine damit, dass nur ein sich wirklich sicher reproduzierender Stamm mit gesunder Altersstruktur überhaupt nur nennenswerte Entnahme verträgt.

TL, Norbert


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Re: Besatz

Beitragvon Hickey » 19.06.2017, 17:31

Hallo Norbert,

Klar, diese Punkte spielen auch mit hinein. Mir ging es jetzt explizit um die Bewirtschaftungsparameter, an denen man direkt drehen kann als Fischereirechtsinhaber, einfach durch Beschluss. Wenn die von dir genannten Punkte nicht stimmen, kommen wir zu dem zurück, was ich eine Seite vorher formuliert hatte: Dann muss man eben ggf. doch besetzen, um die Entnahme zu kompensieren, muss sich dann aber wiederum überlegen, ob dieser Besatz in der Nettorechnung tatsächlich kompensieren hilft oder durch die bereits diskutierten negativen Nebenwirkungen den Bestand in der Nettorechnung zusätzlich schädigt.

Gruß
Michael
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Re: Besatz

Beitragvon AlexWo » 19.06.2017, 18:08

Maggov hat geschrieben:Hallo Alex,

bei den Vereinen bin ich bei Dir (inkl. den Ausnahmen) - bei den Verbandsgewässern kenne ich die Auflagen bzgl. Besatz zu schlecht um das beurteilen zu dürfen. Bei den Strecken die von Privat gepachtet wurden und ich die Details etwas kenne hatte keine einzige eine Auflage beim Besatz. Das war wenn dann hausgemacht bei den Pächtern.

Zentrales Bewirtschaften hat seinen Charme aber ich denke das wird sich in der jetzigen Konstellation nicht etablieren lassen ohne ein Urteil auf obersten rechtlichen Instanzen. Fischrecht ist nach meinem Wissen ein echtes Eigentumsrecht (steht im Grundbuch, ist veräußer- und vermietbar) - was meinst Du mit "eigentumsähnlich"?

LG

Markus


Ich schrieb "eigentumsgleich"
"salmonfishing is not distance, its control...." H.M.
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Re: Besatz

Beitragvon pehers » 21.06.2017, 13:28

Servus liebe Leute!

Ich habe es leider zeitlich nicht geschafft, den ganze thread im Detail zu lesen, möchte aber ein paar Dinge berichten, die wir an einer Strecke meines Vereins erleben mussten. Vorweg möchte ich Euch aber alle warnen, die Bewirtschaftung an Behörden oder behördenähnliche Institutionen zu delegieren. Das kann meines Erachtens nur schief gehen, weil es da zwei Extreme gibt und keinen guten Mittelweg. Haben Naturschutzbehörden etwas mitzureden, dann wird die Fischerei unmöglich. Unsere Naturschutzbehörde hat mir sinngemäß mitgeteilt, man wäre der Ansicht, dass die Fische Otter, Säger, Kormoran und Co. gehören und nur wenn zufällig was über bleibt, dürfen wir fischen. Das ist auche eine Form der Enteignung. Die Fischerei ist an sich eine Frage der Landwirtschaftsbehörden und die sehen das eher als eine Frage der Wirtschaftlichkeit, bei der Ökologie eine untergeordnete Rolle spielt. Also Hände weg davon, diese Aufgaben aus der Hand zu geben.

Nun zu den wissenschaftlichen Ergebnissen, die ich Euch berichten kann:

1. Magenanalysen bei unseren Besatzfischen haben ergeben, dass nur ein extrem geringer Prozentsatz der Fische (25-40cm) auf Naturnahrung umstellen konnte und kein einziger Besatzfisch einen Jungfisch erbeuten konnte.

2. Von den 324 Mitte Juni besetzten und markierten Individuen wurden im Rahmen der Elektrobefischung Mitte Juli 3 wieder gefangen. Eine Hochrechnung auf den Gesamtbestand ergibt, dass ein Monat später noch 30% der Besatzfische vorhanden waren. Wie viele Fische am Ende der Saison oder gar im nächsten Jahr über sein werden, lässt sich gut extrapolieren und tendiert gegen 0%.

3. Die Entnahme von Fischen in einem gewissen Größenfenster hat keinerlei Auswirkungen auf den Gesamtbestand, wenn eine natürliche Reproduktion im angemessenen Ausmaß stattfindet. Hier können aber keine Zahlen genannt werden, da diese für das jeweilige Revier speziell zu ermitteln sind. Man untreschätzt meines Erachtens jedenfalls massiv, wie viele Fische entnommen werden können, wenn man das richtige Fenster festgelegt hat. An einem kleinen Voralpenfluss (2-5m breit, ca. 5km Strecke), den ich kenne, sind das ca. 500 Fische pro Jahr, die keinerlei Auswirkungen auf den Gesamtbestand haben. Die kompensatorische Sterblichkeit (oder in dem Fall dann Nicht-Sterblichkeit) sorgt dafür. Große Fische sind aber für die Reproduktion tatsächlich wichtig und sollten daher auch geschont werden.

4. Es gibt mittlerweile viele Studien, die die Degeneration von in Fischzuchten aufgezogenen Fischen nachgewiesen haben. Erstmals "Genetic Effects of Captive Breeding Cause a Rapid, Cumulative Fitness Decline in the Wild", Hitoshi Araki, Becky Cooper, Michael S. Blouin, in Science 05 Oct 2007: Vol. 318, Issue 5847, pp. 100-103. Hier wurden Steelheads von Wildfischen abgestreift und bis zum Brütling aufgezogen. Danach wurden die Fische ins natürliche Gewässer entlassen. Bei der Rückkehr wurden die Zuchtfische untersucht und es wurde eine massive geschwächte Fortpflanzungsfähigkeit festgestellt. Trotz der relativ kurzen Verweildauer in einer Zucht. Das Ergebnis war dramatisch: It shows 37.5% fitness decline per captive-reared generation, suggesting that the fitness decline of captive-reared fish can be remarkably fast. Because any purely environmental effects should not accumulate over time, the continued decline with generations in captivity (Fig. 2) further supports genetic effects as the cause.

5. Die dramatischten Effekte auf den Fischbestand haben in diesem Gewässer die Prädatoren, die über den natürlichen Zuwachs hinaus in den Bestand hinein fressen. Da es sich um ein Naturschutzgebiet handet, ist ein Eingreifen derzeit unmöglich, obwohl die Naturschutzabteilung des Landes Oberösterreich die Besatzmaßnahmen mit Brutboxen extrem großzügig fördert (siehe oben: meine Meinung zu Behörden und Fischerei).

Ich gebe allen jenen recht, die in diesem Thread geschrieben haben, dass es leider ein Anspruchdenken unter uns Fischern gibt, das die Besatzmaßnahmen nötig macht. Das ist das größte Problem! Vor allem hier in Oberösterreich wird an sehr berühmten Gewässern (Gmundner Traun z.B.) durch Besatzmaßnahmen gewaltigen Ausmaßes ein Zustand aufrecht erhalten, der mit der Realität nichts zu tun hat. Es handelt sich um das teuerste Hechtwasser Österreichs...

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Re: Besatz

Beitragvon Maggov » 21.06.2017, 15:11

Hickey hat geschrieben:Hallo Markus,

OK, jetzt verstehe ich und gebe dir Recht. Mir gefällt deine Argumentation auch deshalb, weil sie - so wie ich sie verstehe - nicht für ein reines C&R (und damit generell gegen Entnahme) wirbt, sondern überhaupt für maßvollen Umgang mit den Fischen. Ich war immer (und bin es, obwohl ich sicher 90% meiner Fische release) der Meinung, dass die Argumentation von 100%-C&R-Verfechtern, man wolle die Bestände schonen und den Fischen Gutes tun, Blödsinn ist - weil man den Fischen immer noch am meisten Gutes tut und die Bestände am besten schont, wenn man gar nicht angelt.

Für mich ziehe ich - Stand jetzt - aus der Diskussion den Schluss, dass eine Kombination aus
a) Begrenzung der Begehungen und b) sinnvollen Entnahmelimits (gestaffelt nach täglich, wöchentlich, jährlich)
vermutlich die beste Lösung ist, um den Bestand eines Fischwassers auch ohne Besatz gesund zu halten.

Gruß
Michael


:daumen

Danke und LG

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Re: Besatz

Beitragvon Beppo » 22.06.2017, 08:37

Hallo in die Runde,
solange man über den natürlichen Ertragswert eines Gewässers hinaus Fische entnimmt, solange muss besetzt werden oder man richtet sich an diesen Ertragswert. Dieses aber würde unter der üblichen Anglerschaft einen Sturm der Entrüstung entfachen und wer will sich dies antun.
Das Problem ist hausgemacht und bedarf eines Umdenken bei einem Großteil der Angler. Da wird noch viel Wasser den Bach runter gehen.
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Re: Besatz

Beitragvon Royal Coachman » 22.06.2017, 09:21

Hallo Freunde!

Leider ist der Ertragswert eines Gewässers keine konstante Größe und schwankt von Jahr zu Jahr durch diverse äußere Einflüsse.

Kormoraneinflug, Hitzewellen, Spülungen von Stauseen oder ähnliches sind nur einige davon.

Außerdem sollte für den Angler der Wert eines gefangenen Fisches wieder höher werden.
Ich kann mich gut an vor 35 Jahren erinnern, als wir in Top-Gewässern wie z.B. dem oberen Inn einen Fischtag mit 2(!) Fischen als normal und ok empfanden.
Selbstverständlich gab es auch damals schon Sternstunden, aber im ehrlichen Rückblick (und nicht im verklärten) waren das Ausnahmen.

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Re: Besatz

Beitragvon pehers » 22.06.2017, 11:08

Servus Freunde!

Ich gebe den letzten Postern hier völlig recht!

Zum einen wird recht verklärt in die Vergangenheit geschaut und vieles besser dargestellt, als es tatsächlich war. Ein Beispiel dafür ist für mich immer die Traun unterhalb des Traunfalls, deren Fischreichtum legendär ist. Nur stellt sich niemand mehr die Frage, woran das lag. Der Grund für die vielen kapitalen Fische lag nämlich am Zellstoff, der von den Papierfabriken Steyrermühl und Laakirchen in die Traun abgeführt wurde. Dieser Zellstoff wiederum diente einer unvorstellbaren Menge an Bachflohkrebsen als Nahrumgsgrundlage, die wiederum für ein Abwachsen der Forellen zu kapitalen Größen sorgten. Was war das Ergebnis: Riesige Forellen, mit Fleisch wie Lachse - die man ausletteln musste wie Karpfen, weil ansonsten ungenießbar.

Ähnliches gilt für den Fischreichtum an der Gmundner Traun und den Salzkammergutseen, der zu einem guten Teil auf der Tatsache beruhte, dass es keine Kläranlagen gab und die meisten Abwässer in die Seen geleitet wurden. Das Kraftwerk Theresiental war dann der endgültige Todesstoß für dieses berühmte Gewässer...

Auch andere Gewässer werden ähnliche Geschichten haben, wie zum Beispiel die Mur, an der mir eine Gastwirt und Fischer berichtete, dass man dort die Huchen (!) ausletteln musste, da sie sonst ungenießbar waren...

Das heißt, es war nicht alles Gold, was glänzte...

Darüber hinaus kommt mir vor, dass in unseren Tagen Printmedien wie FliFi etc. oder Internetangebote (wie die diversen Magazine) bzw. Angelgerätehändler etc. - mit einem Wort die gesamte Industrie, die aus unserer Leidenschaft ein Business gemacht hat, einen Zustand suggeriert, der nie oder nicht in der Form mit den natürlichen Voraussetzungen korreliert oder gar kongruent gewesen wäre.

Alle diese Dinge sind durch Besatzmaßnahmen nicht kompensierbar. Meines Erachtens ist Besatz (mit fangfähigen Fischen) nur dort zulässig, wo die Beeinträchtigung des Gewässers eine natürliche Reproduktion oder Heranwachsen von Eiern, Brütlingen, ... nicht mehr zu gewährleisten vermag. Das sind weniger als man glaubt!

Meines Erachtens gibt es auch einen massiven Trend, Gewässer der Barbenregion als Salmonidenreviere zu bewirtschaften - da werden auch Millionen Euros an Besatz hinein gekippt und man wundert sich, dass daraus nichts wird... Ich möchte mich jetzt nicht darauf festlegen, dass das aus Klimaerwärmung folgt, aber wärmer werden viele Gewässer definitiv... (ich glaube, dass das vielmehr auf die Staue zurückzuführen ist, die eine viel stärkere Erwärmung der Gewässer ermöglichen [wenn es nicht Talsperren sind, die Tiefenwasser ablassen...])

Wie RC schrieb, ist es vor dem Hintegrund dieses medialen Bombardements vielen Fischern leider nicht mehr vermittelbar, dass es einfach auch an Top Gewässern Tage gibt, an denen man einen oder keinen Fisch fängt. Oder dass es eben Gewässer gibt, die kapitale Fische gar nicht hervor bringen können - wie zum Beispiel das Neuseeland Österreichs... oder die Urgesteinsbäche des Wald- und Mühlviertels...

Wir haben einfach auch verlernt, zu genießen, kommt mir manchmal vor...

L.G.
Hans

P.S.: Selbstverständlich gibt es heute noch viele andere Gründe, die ein Einbrechen der Fischbestände verursacht haben, aber dennoch muss man auch einräumen, dass nicht alles schlechter geworden ist bzw. gut und schlecht manchmal nicht so genau auseinander zu halten ist...
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Re: Besatz

Beitragvon Beppo » 22.06.2017, 16:58

Hallo in die Runde,
das Zitat : > Kormoraneinflug, Hitzewellen, Spülungen von Stauseen oder ähnliches sind nur einige davon. < von "Royal Coachman", entspricht nicht ganz der Wahrheit. Der natürliche Ertragswert eines Gewässers ergibt sich aus dem Wasserdargebot, dessen Qualität und der Anzahl an Fischnährtieren. Die von "R...C..." angeführten Punkte können zur weiteren Verschlechterung des Ertragswerts führen sind aber bei nicht mehr Vorhandensein auch nicht mehr ausschlaggebend. Zur Berechnung des Pachtzins eines Gewässers werden aber nur die drei von mir genannten Punkte herangezogen.
Es obliegt einzig und allein dem Pächter, bei einer Verschlechterung des Gewässers durch chemische oder physikalische Einwirkungen, mit dem Verpächter, durch entsprechende Ausgleichsmaßnahmen oder Zahlungen, dem entgegen zu wirken. Dazu gibt es in den jeweiligen Bundesländern und deren Finanzämtern entsprechende Vorgaben die in Verbindung mit den Unteren Wasser - und Naturschutzbehörden erarbeitet wurden. Meist können für die im Bereich der jeweiligen Landratsämter gelegenen Gewässer die Ertragswerte abgefragt werden.
Gruß Beppo
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Re: Besatz

Beitragvon Royal Coachman » 22.06.2017, 17:31

Hallo Peppo!

So hatte ich das nicht gemeint, sondern, dass der Ertrag von einem Jahr zum anderen stark schwanken kann, wodurch auch immer.

Das kennt man von Seen ziemlich oft, besonders bei Hechten, wo es ganz schlechte Jahre und in Folge wieder exzellente Jahre mit beträchtlichen Fängen gibt.

Die Formel aus der der Ertrag berechnet wird ist mir zu starr und daraus den Pachtzins zu errechnen halte ich für völlig verfehlt, auch wenn es so gehandhabt wird.

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RC
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