Besatz

Hier geht es um wichtige Belange wie Naturschutz, sinnvolle Gewässer-Bewirtschaftung, schonender Umgang mit Umwelt und Kreatur, Ärgernisse (Schlagthemen) wie Klein-Wasserkraft & Kormoran und Rechtliches.

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Besatz

Beitragvon Royal Coachman » 11.06.2017, 10:38

Hallo Freunde!

BESATZ, neue Beobachtungen


Vor einigen Tagen an meinem Bach.

Drei Enten gründeln nebeneinander über die gesamte Bachbreite verteilt.

Dahinter im Abstand von 1-6 Metern ca 12 Bachforellen, die sich mit den abtreibenden Nymphen die Bäuche voll schlugen. Größen: von 15-45 cm.
Beobachtungszeitraum 20 min.

Dazwischen ein Saibling mit 33 cm, völlig regungslos ohne Aktivität.
Es war mir bekannt, dass beim Oberlieger eine geringe Anzahl fangfähiger Saiblinge vor zwei Monaten ausgesetzt wurden.

Ich versuchte nun diesen Saibling zu fangen, das wäre einfach gewesen mit einer Pelletimitation, die ich immer verwende, um an einem fremden Gewässer fest zu stellen, ob Besatz vorhanden ist.
Der Versuch ging aber in die Richtung, was nimmt der Saibling?
Nach einigen Versuchen mit großen Nymphen, ein Fischchen-Imitation!
Volltreffer, der Saibling kam quer über den Bach geschossen und verspeiste den Kleinstreamer direkt vor meinen Füßen.

Dieser 33cm große Saibling war total abgemagert, dünn wie ein Hering und das nach erst 2 (!) Monaten im Bach!

Mein Rückschluss aus diesem Erlebnis:

Fangfähiger Besatz hat keine Information über das Nahrungsangebot im Gewässer, verarmt dadurch und schädigt durch seine doch vorhandene räuberische Veranlagung zusätzlich den autochtonen Bestand.

Tight lines
RC

PS: ich bin mir dessen bewusst, dass diese Beobachtung keiner wissenschaftlichen Untersuchung standhält, aber interessant ist es doch und vielleicht regt es den einen oder anderen an, über fangfähigen Besatz nach zu denken.
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Re: Besatz

Beitragvon AlexWo » 11.06.2017, 22:30

Genau die selbe Beobachtung habe ich auch gemacht, allerdings bei Bachforellenbesatz.

Liebe Grüsse

Alex
"salmonfishing is not distance, its control...." H.M.
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Re: Besatz

Beitragvon flo staeuble » 12.06.2017, 08:11

witzigerweise haben wir gerade das absolute gegenteil beobachtet:
in einer leichten überreaktion unsererseits (zweites jahr pacht, über den winter ca 500 kormorane im tal, im gegensatz zum vorjahr fangerfolg im märz NULL) haben wir heuer im april zähneknirschend besetzt. fingerlange und ca 200 fische zwischen 20 und 40 cm. aus einer zucht, die am gewässer liegt.
erstaunlich: schon nach ca 14 tagen haben die fische normal genympht, oberflächennahrung genommen, dabei aber dreggende fliegen ignoriert.
insofern: wir waren ziemlich überrascht von der raschen "lernfähigkeit" der von uns besetzten zuchtfische.

grüße vom flo
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Re: Besatz

Beitragvon AlexWo » 12.06.2017, 12:06

ich denke,es ging in diesem Beitrag eher darum, dass Besatz in einem Gewässer ohne Schädigungen (Wasserbau, Vögel, Landwirtschaft usw.), Besatz eher nachteilig ist.

Ich sehe hierfür ganz einfache Gründe: ein Bach bietet nur sovielen Fischen Lebensraum, wie Nahrung und Standplätze vorhanden sind. Ich habe dem Vorsitzendem eines Fuschereivereins im oberen Inntal das mal versucht so zu erklären:
"Versuch mal 12 Liter Wasser in einen 10 Liter Eimer zu kippen!" Hat er nicht verstanden....
Das Ergebnis der Besatzmassnahmen, an diesem Gewässser mit sehr guter Eigenreproduktion war, dass die eingesetzten Bf's abmagerten oder einfach spurlos verschwanden, das die Wildfische magerer und magerer wurden u. dass sich zeigte, dass die eingesetzten Fangfähigen teils kleine Wildlinge im Verdauungstrakt hatten. Somit hat dieser Verein folgendes bewirkt:

-Geldverschwendung durch das Betreiben einer eigenen, in diesem Fall völlig nutzlosen, Fischzucht.

-Geldverschwendung durch das Füttern der Fische, die dann im Bach total abmagern.

-Schädigung des Wildfischbestandes da diese nun mit dem Besatz um Nahrung u Standplätze konkurrieren müssen und weil einige von diesen kleinen Wildfischen den grossen Besatzforellen zum Opfer fallen.


Es ist immer wieder traurig mitanzusehen, was die Laien in den Fischereivereinen treiben und dass sie keiner daran hindert. Deswegen habe ich immer gesagt, dass die Bewirtschaftung von Lebensräumen in staatliche Obhut gehört, z.B. durch Monitoring und festgelegte Massnahmen.

LG

Alex
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Re: Besatz

Beitragvon CPE » 12.06.2017, 12:25

Zu Alex' Ausführungen:

Die immense Reproduktionsfähigkeit der Fische ist ja gerade ihre simple Überlebensmasche. Wenn bereits 10 kg Wildfisch pro Jahr ca. 150.000 Nachkommen erzeugen, so wird ein Gewässer über sehr kurze Zeit immer an seine maximale Aufnahmefähigkeit gelangen, d.h. beim maximalen Gleichgewicht sich einpendeln. Was wiederum bedeutet, dass ein Gewässerwart "nur" die Bedingungen (wozu natürlich nicht das Einbringen von Fraßfeinden oder Nahrungskonkurrenten gehört...) für diesen Wildfisch zu optimieren hat.

Deshalb gilt mein Dank und meine Anerkennung dem Bestreben von RC, Alex und ähnlich denkenden Naturfreunden.

Meine 2 ct. Norbert
La pêche on sèche est la pêche en nymphe, ce qu'est l'amour courtois est à la copulation.
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Re: Besatz

Beitragvon Royal Coachman » 12.06.2017, 15:01

Hallo Freunde!

Da habt Ihr aber Glück gehabt, mit Eurem Besatz, wenn der schon in der Nähe aufgewachsen ist, so
haben die Forellen schon eine Futtervorgabe, das kann natürlich funktionieren.

Aber anmerkend Folgendes:

in meinem Bach hättest Du außer einigen riesigen Laichfischen im März auch kaum Fische gesehen.
Ich hatte vorigen Sommer einen Kormoraneinflug und direkt vom Seeauslauf konnte man über den gesamten Winter eine Rotte Kormorane (8-9 Stück) +
4 Gänsesägerpaare und bis zu 22 (!) Grau- und Silberreiher beobachten und die sind nicht nur im See geblieben.
Die Fische sind erst Mitte April wieder an ihren angestammten Standplätzen aufgetaucht, die Einsömmerigen erst Ende Mai und die Heurigen sind und bleiben noch bis August in ihren Verstecken.

Es fehlt der wissenschaftliche Beweis aber so habe ich mir das vor 4 Jahren, als ich den Bach übernommen habe, vorgestellt.

tight lines
Gebhard
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Re: Besatz

Beitragvon Stephen86 » 12.06.2017, 17:15

Hallo Gebhardt!
Ich verfolge deine Beiträge zu diesem Thema seit du damit hier angefangen hast und muss mal sagen das ich das bei dir wirklich sehr löblich finde wie du das Hand habst. Deine Einstellung dazu finde ich wirklich sehr gut - Hut ab. Wäre schön wenn das noch mehr so machen würden.
Weiter so!

Gruß Stephen
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Re: Besatz

Beitragvon Hickey » 12.06.2017, 17:32

Hallo zusammen,

Ich finde die Beiträge hier hochgradig spannend und verfolge die Diskussion mit großem Interesse. Nur ein Kommentar: Manche - auch von denen, die einen Bach wie ihr nach ökologischen Gesichtspunkten bewirtschaften wollen - argumentieren ja, dass die fangfähigen Fische die Entnahme kompensieren sollen. Ich denke, das könnte eine interessante Studie ausmachen, inwieweit diese kompensatorische Maßnahme durch ihre negativen Auswirkungen überhaupt Sinn macht oder in der Nettorechnung dann doch hilft... Oder anders ausgedrückt: Wenn man komplett mit Wildbestand OHNE Kompensationsbesatz arbeiten will - wie müsste die Entnahme dann geregelt werden? Restriktiv, das ist klar. Aber was bedeutet das quantitativ?

Viele Grüße
Michael
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Re: Besatz

Beitragvon fjorden » 12.06.2017, 19:26

Hallo,
ja das ist eine spannende Frage. Ich kam bei meiner Pacht, in der nicht besetzt wurde, irgendwann zu der Entscheidung, dass eine Befischung, auch mit einer Entnahme von höchstens 5 Fischen im Jahr, in so einem Gewässer viel zu sehr ein Eingriff in die "natürlichen" ökologischen Abläufe ist. Wobei hier anzumerken ist, dass Landwirtschaft, Besiedlung, Bebauung, etc. ebenso Eingriffe sind, die für so ein sensibles Ökosystem eine Rolle spielen. "Meinem" Bach hat z.B. die Tatsache, dass über einen benachbarten See Hechte hinein kamen endgültig den garaus gemacht. Selbst in schnellfließenden Strecken hielten sich Hechte bis zu 70 cm auf.
M.E. sollte es in den Oberläufen von Gewässern generell Schutzzonen geben. Eine sinnvolle "wirtschaftliche" Nutzung sehe ich dort nicht.
Gruß
Fjorden
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Re: Besatz

Beitragvon Royal Coachman » 12.06.2017, 20:21

Hallo Fjorden!

In meinem Bach kommen auch Hechte vom See hinein.
Die Forellen können aber mit ihnen umgehen, ich habe in den letzten 3 Jahren 10 Hechte gefangen, die drei größten
93, 87 und 85 cm dazu diverse zwischen 50 und 60 cm, und keiner (!) hatte eine Forelle im Magen, alle nur Mühlkoppen, die sind nämlich viel leichter zu erbeuten.
Auch im Wehrkanal ließ sich einer sehen mit ca 60 cm trotzdem kamen die Forellen bestens auf.

Die Frage die Michael gestellt hat ist nur sehr schwer zu beantworten, es kommt auf die Eigenart eines Gewässers an und natürlich auf dessen Produktivität.
Produktivität heißt Nahrungsaufkommen und Standplätze für Jungfische bis zum ersten und zweiten Flaschenhals.

Einen (für mich) wichtigen Punkt möchte noch anfügen:
die Wertigkeit eines Fisches!
Durch die massiven Besatzmaßnahmen hat der "Fangwert" eines Fisches stark verloren, Forellen mit 60 cm und mehr sind kein Problem, zumindest nur ein Reiseproblem!
Wenn wir wieder schwierig zu fangende Fische in unseren Gewässern haben, verschwinden die "Hype-Fischer" und es bleiben die echten Idealisten übrig und das sind,
Ihr könnt es mir ruhig glauben nicht so viele aber auch nicht so wenige.

Dies sind alles nur meine Meinungen

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Re: Besatz

Beitragvon Hickey » 12.06.2017, 20:25

Hallo Fjorden,

Danke für deine Einschätzung. Ich denke auch, dass Oberläufe tendenziell nicht wirtschaftlich genutzt werden sollten, obgleich sicherlich fallabhängig zu entscheiden ist, wie weit sich im Sinne dieser Aussage der Oberlauf erstreckt. Am Ende sehe ich hier aber wirklich die Gretchenfrage zum Thema "Besatz ja oder nein?": In dichtbesiedelten Regionen wie Deutschland (bzw. in weiten Teilen Europas wohl generell) halte ich es nicht für unwahrscheinlich, dass einfach nicht genug Wasser für die vielen Angler vorhanden ist. Natürlich könnte man das komplett den Markt regeln lassen, sprich: Es gibt halt nur so viele Lizenzen wie natürlich nachwachsender Fisch da ist, und diese werden entsprechend des knappen Angebots und der überbordenden Nachfrage sauteuer. Da das aber gerade die weniger begüterten Angler vom Allgemeingut Naturnutzung ausschließen würde, ist das vermutlich auch nicht der richtige Weg...

Gruß
Michael
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Re: Besatz

Beitragvon flo staeuble » 13.06.2017, 08:05

Zum Thema Entnahme haben wir uns ähnliche Gedanken gemacht. Mein Verdacht: man tendiert zur Übervorsichtigkeit.
In unserem Gewässer gibt es einen tollen Bestand an Wildfischen, und da das Insektenaufkommen gewaltig ist, sind diese auch zahlreich und in allen Grössen und Altersstufen vorhanden. Aber: wenn man eine 50+Forelle in der Hand hält und deren makellose Schönheit und Wohlgenährtheit sieht, bringt man es schlicht und ergreifend viel schwerer übers Herz, dieselbe zu schädeln wie eine Besatzregenbogen im Fremdgewässer.
Aber wenn ich versuche, das ganze objektiv zu sehen, bin ich sicher, dass diese 50er zum einen mehrfach abgelaicht hat und zum anderen wahrscheinlich genausoviele Jungforellen vertilgt wie ein Kormoran (bereits beobachtet).
Also: bei geringem Befischungsdruck und gesundem Wasser sollte eine maßvolle Entnahme immer drin sein. Hat auch ne moralästethische Komponente (zumindest für mich): den ursprünglichen Sinn des Fischens nicht vollends aus den Augen zu verlieren.

Grüße vom Flo
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Re: Besatz

Beitragvon Michael Römer » 13.06.2017, 09:05

Hallo zusammen,

ich möchte mich Gebhard´s Meinung anschließen, welche sich um die "Wertigkeit" des Fisches dreht.
Genau das ist ja da Problem bei den Besatzmaßnahmen.
In einer Gewässerstrecke, die nur von wenigen Idealisten gepachtet wurde, wird man sehr selten fangfähig besetzte Fische finden.
Anders sieht es da schon im Vereinsgewässer aus. Ich bin selber Vorsitzender eines Vereins ( guter alter Stühlchenangler Verein mit Baggerteich :D ) und muss
mich jedes Jahr genau mit dieser Problematik herumärgern. Sehr viele Vereinsmitglieder, und das sind aber diejenigen, die die Gelder für die Pacht hereinbringen,
wollen 1- 2 mal im Jahr fischen gehen und dann natürlich auch ihre Fische fangen. Dies ist in einem Teich recht einfach zu handhaben da die besetzten Forellen sich nicht
reproduzieren und noch dazu recht schnell herausgefangen werden.
Anders sieht es da schon in einem Bach aus. Wie oben schon beschrieben fangen die großen Besatzfische
recht schnell an, die kleinen Wildfische zu fressen und somit ist dann das Gleichgewicht nicht mehr hergestellt.
Leider hängt das Problem, meiner Meinung nach, nur an er Erwartungshaltung der Gewässernutzer / Vereinsmitglieder. Wenn diese den Wert eines Gewässers daran messen, wie viele
natürlich aufgewachsene Schönheiten in dem Gewässer vorkommen und diese dann auch mal mit Mass und Verstand entnehmen, dann ist doch "fast" alles in Ordnung.
Wenn aber der Wert eines Gewässers in entnommener Fischmenge gemessen wird, dann ist es mit der Natürlichkeit des Gewässers leider vorbei.

Beste Grüße
Michael
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Re: Besatz

Beitragvon Hickey » 13.06.2017, 09:40

flo staeuble hat geschrieben:Zum Thema Entnahme haben wir uns ähnliche Gedanken gemacht. Mein Verdacht: man tendiert zur Übervorsichtigkeit.
In unserem Gewässer gibt es einen tollen Bestand an Wildfischen, und da das Insektenaufkommen gewaltig ist, sind diese auch zahlreich und in allen Grössen und Altersstufen vorhanden. Aber: wenn man eine 50+Forelle in der Hand hält und deren makellose Schönheit und Wohlgenährtheit sieht, bringt man es schlicht und ergreifend viel schwerer übers Herz, dieselbe zu schädeln wie eine Besatzregenbogen im Fremdgewässer.
Aber wenn ich versuche, das ganze objektiv zu sehen, bin ich sicher, dass diese 50er zum einen mehrfach abgelaicht hat und zum anderen wahrscheinlich genausoviele Jungforellen vertilgt wie ein Kormoran (bereits beobachtet).
Also: bei geringem Befischungsdruck und gesundem Wasser sollte eine maßvolle Entnahme immer drin sein. Hat auch ne moralästethische Komponente (zumindest für mich): den ursprünglichen Sinn des Fischens nicht vollends aus den Augen zu verlieren.

Grüße vom Flo


Ich neige mein Haupt vor diesem großartigen Post, dessen Inhalt ich bis ins Detail haargenauso sehe.
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Re: Besatz

Beitragvon Maggov » 13.06.2017, 14:52

fjorden hat geschrieben:
M.E. sollte es in den Oberläufen von Gewässern generell Schutzzonen geben. Eine sinnvolle "wirtschaftliche" Nutzung sehe ich dort nicht.
Gruß
Fjorden


Hallo Fjorden,

sehe ich genauso - schließe aber Befischungsdruck nicht von vornherein aus sondern sehe den Bedarf die Fischtage im Auge zu behalten und sinnvoll knapp zu halten als besten Kompromiss.

Ein Vermerk zu Deiner Pachtstrecke brennt mir unter den Nägeln:
Ich kann mir einfach nicht vorstellen dass die Hechte dem Stamm wirklich den Gar aus machen konnten. Sicherlich sorgen die für einen ordentlichen Rückgang aber wenn diese dezimiert werden können und das Wasser nicht komplett mit Querverbauungen verbarrikadiert wird bin ich fest davon überzeugt dass sich dort wieder ein Stamm an Forellen etablieren kann und wird.

Ich habe selbst an einer Strecke die nach Pachtende "elektronisch geleert" wurde und an der nicht besetzt wurde gesehen wie schnell und gut sich ein Bach regenerieren kann. Im ersten Jahr tendierten die Fänge gegen "0", im zweiten waren sie recht sporadisch und bereits nach 3-4 Jahren hatte sich ein toller Bachforellenbestand Fischen wieder etabliert. Dass man als Fischer (und erstrecht als Verein) nicht immer so lange warten kann und will ist ein anderes Thema... Dass die Fische wirklich schwer zu fangen sind ein anderer. :biggrin:

Der Bach wurde übrigens von einem Verein abgegeben da sie die Pacht nie refinanzieren konnten - am Ende war wohl niemand daran interessiert eine Jahreskarte für ein Wasser zu kaufen wo man mindestens 40 Minuten Fußweg zur ersten Angelstelle zurücklegen muss und tendenziell nie einen Fisch jenseits der 40cm Marke fangen wird da das Wasser dies schlichtweg nur in absoluten Ausnahmen her gibt. Besatz mit fangfähigen Fischen war wohl mehr schlecht bis gar nicht möglich da aufgrund der Lage in einer Schlucht kein LKW nah genug ans Wasser kommt ;)

LG

Markus
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A. A. Lucas in Fishing and Thinking, 1959
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