von Siegfried. » 06.04.2011, 17:59
Hallo z`samm,
jetzt muss ich mich doch noch einmischen mit eigener Erfahrung und Literatur. In Übereinstimmung von beidem hängt es v.a. vom Grad der Flossenschädigung und dem weiteren Schicksal des Fisches ab, wie weit sie sich regeniert, in der geschädigten Form vernarbt oder sogar weiter degeneriert. Bei normalen Voraussetzungen und gut konditionierten Fischen regenerieren sich die Flossen sehr weitgehend, wenn auch in leicht verändereten Formen oder mit einem erkennbaren Versatz an der Regenerationslinie, solange alle Flossenstrahlen an der Basis und ein Stück darüber hinaus ungeschädigt bleiben und keine Verpilzung eintritt. In der Regel ist das der Fall bei natürlichen Schäden (die genannten Laich- und Kampfwunden aus dieser Zeit) und vergleichbaren akuten Verletzungen.
Hier liegen insbesondere Erfahrungen (auch eigene) mit Markierungen durch Flossenbeschneidung vor, wie sie bis zur Erfindung der cwt (coded wire tag) sehr üblich waren und wie es mit der Fettflosse heute noch oft gemacht wird. Im Gegesatz zu letztgenannter, die sich so gut wie nie regeneriert, wachsen die Strahlflossen munter nach, wenn sie nicht wirklich am Grundgelenk abgeschnitten werden. Auch Stanzmarken mit denen man es versucht hat schließen sich meist wieder. Trotzdem kann man die regenerierten Flossen mit etwas Erfahrung sehr oft ein Leben lang bei den Fischen an den o.g. Merkmalen erkennen, womit ich schon den einen oder anderen Gewässerbewirtschafter irritiert habe. In der amerikanischen Literatur dieser Zeit (bis Ende der 1980er Jahr) wird dieses Phänomen ausgiebig diskutiert. Sowohl nach dem Motto, wie mach ich es richtig als auch wie rette ich mein Experiment, wenn ich es verschlampt habe sowie auch die Frage, ob die Fische sich mit gekappter(n) Flosse(n) normal entwickeln und verhalten.
Anders sieht es dagegen mit den genannten Zuchtfischen aus, wenn es sich um Langzeitschäden aus der Haltung handelt, wie immer wieder abgebissene Flossen(ränder) und Scheuerstellen bis zum völligen Flossenverlust z.B. durch Entlangschwimmen an Beckenwänden, in Rundstrombecken usw. , bei denen sich Kallus(Narben)gewebe bildet. Hier findet praktisch keine Regeneration statt, weil, wie ich denke, die Reparartur für den Organismus mit dem Gewebeverschluss subjektiv ja stattgefunden hat. Fang- und Transportverletzungen (ausgefranste Flossen, Wunden etc.) werden dagegen, weil akut (s.o.), meist prima repariert. Hieraus lassen sich die unterschiedlichen Erfahrungen, auch der poster, erklären, dass scheinbar zerfledderte Fische später recht ordentlich aussehen können, richtig dralle und (zu) gut gefütterte und eng gehaltene aber immer amputiert aussehen (falls sie überhaupt überleben).
Das deckt sich natürlich mit der Aussage u.a. von Clemens, dass die langfristig erworbenen Körperfehler sich das ganze Leben im Fisch erhalten.
Die Fähigkeit zur Gliedmaßenregeneration hat sich evolutiv übrigens bei den Amphibien und sogar einigen Reptilien (nicht nur das berühmte Schwanzende) erhalten. Da das sowohl ernste Wissenschaftler als auch böse Buben schon oft genug bewiesen haben, bitte von eigenen Experimenten absehen. Bei Säugern klappt es dagegen erwiesenermaßen überhaupt nicht mehr, wie uns einige Biker in den nächsten Wochen wohl leider wieder demonstrieren werden.
@Berner. Schöner Versuch, das mit dem Besatzverzicht. Bei unserem Gewässer hatte das schon fast 20 Jahre lang wunderbar geklappt, bis der schwarze Vogel kam und buchstäblich alles zunichte gemacht hat. Jetzt liegt unsere Bachforellenpopulation unter der Erhaltungsschwelle und die Äsche ist ausgerottet (Für die Doofanmerker, ja ist per E-Befischung mit allem pipapo incl. Zeitreihe nachgewiesen, also bitte keine Kommentare).
Daher schön Acht geben was sonst so passiert am Gewässer und nicht voreilig die Fische für zu dumm zum Vermehren halten.
Glück auf und Petri heul
Siegfried
Fische sind zu schöne Geschöpfe um nur einmal bewundert zu werden