Eisiger Frühling 2013 - Auswirkungen auf die Gewässer?

Hier geht es um wichtige Belange wie Naturschutz, sinnvolle Gewässer-Bewirtschaftung, schonender Umgang mit Umwelt und Kreatur, Ärgernisse (Schlagthemen) wie Klein-Wasserkraft & Kormoran und Rechtliches.

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Re: Eisiger Frühling 2013 - Auswirkungen auf die Gewässer?

Beitragvon Siegfried. » 30.03.2013, 12:24

Royal Coachman hat geschrieben:Hallo !

Es hat einfach keinen Sinn mit Dir weiter zu diskutieren, da Du die gesamten wissenschaftlichen Erfahrungen einfach in Frage stellst.

Dieses System funktioniert sogar bei Permafrost und den hat es im Fichtelgebirge wohl kaum.

RC


Hallo Freunde,
ich habe mich ja bis auf eine Kurzmeldung rausgehalten aus der Diskussion, aber diesen Vorwurf kann ich nun leider so nicht stehen lassen. Lieber Gebhardt das hast du nun leider auch genauso gut gemacht. Das Verhältnis zwischen Grund- und Interstitialwasser z.B. siehst du völlig falsch, sehr lange Inkubationszeiten sind sehr wohl möglich und Permafrostgewässer haben in dem Zusammenhang gar nichts verloren, das ist eine ganz andere Geschichte. Fischzüchter nutzen entgastes und sauerstoffangereichertes! verleichsweise warmes!! Brunnen(GRUND)wasser v.a. um die Schlupfzeit vor!zuverlegen.

Das Thema ist viel zu umfangreich, um es hier in einem thread mal so kurz und mit eine paar "endgültigen" Wahrheitsbehauptungen abzuhandeln. Ich würde also empfehlen etwas weniger absolute Positionen zu vertreten und noch mal ein paar Kapitel zur Biologie der Forellen und zum Temperaturregime der verschiedenen Gewässertypen nachzulesen. Allein über die Temperatursteuerung der Inkubationsphase sind einige Regalbretter an wissenschaftlichen Veröffentlichungen vollgeschrieben worden.

Nx für ungut und Glück Auf

Siegfried
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Re: Eisiger Frühling 2013 - Auswirkungen auf die Gewässer?

Beitragvon Da Beppe » 30.03.2013, 13:12

besser als Recht zu haben ist dazuzulernen :wink:
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Re: Eisiger Frühling 2013 - Auswirkungen auf die Gewässer?

Beitragvon gespliesste » 31.03.2013, 02:48

Hallo,

[quote="Siegfried." sehr lange Inkubationszeiten sind sehr wohl möglich und Permafrostgewässer haben in dem Zusammenhang gar nichts verloren, das ist eine ganz andere Geschichte. Fischzüchter nutzen entgastes und sauerstoffangereichertes! verleichsweise warmes!! Brunnen(GRUND)wasser v.a. um die Schlupfzeit vor!zuverlegen.
[/quote]

das kaltes Wasser die Inkubationszeiten verlängert ist wohl unbestritten und andersrum. Wie Christian richtig bemerkt hat, ist die Theorie der Tagesgrade gerade in Grenzbereichen (<2 oder >8 Grad) natürlich kein linearer Zusamenhang mehr (was ist in der Natur schon linear), das ist wohl einen Funktion die sich im Normalbereich zwischen 3-6 Grad annähernd linear verhält und in Grenzbereichen auch irgendwann ihre Gültigkeit verliert. Jeder der mal Fische gezüchtet hat, weiß wie empfindlich die Eier gegen abweichende Einflüsse sind, wenn da nur ein Parameter zu weit aus dem Ruder läuft schlüpft sehr schnell gar nichts mehr.

Aber wir sind ja hier auch keine Fischzüchter, die Masse Produzieren wollen und der Nahrungsmittelindustrie zuarbeiten.
Das gängige Erbrüten mit "warmen" Grundwasser bei den Fischzüchtern, sehe ich für die naturnahe Bestandstützung durchaus kritisch. Ein frühes Ausbringen der Brut ist dann kaum möglich, da sie in der Regel viel zu früh für die Natur geschlüpft sind und im Gewässer noch keine Nahrung finden würden. Die Fische im Strombecken entsprechend lange vorzuziehen, halte ich wegen der fehlenden Prägung auch für keine gute Option. Bei uns wollen wir keine vorgezogenen Sömmerlinge mehr besetzen, sondern nur noch Brut die gerade den Dottersack aufgebraucht hat. Ggf. kann man das natürlich auch direkt im Fluss mit Brutboxen machen.

Um noch mal auf die Ausgangsfrage des Beitrags zurückzukommen: Durch den langen Winter schlüpft die Brut ganz sicher später und das ist ntaürlich auch gut so. Ob und in wie weit es da zu Extremen kommt, die massive Ausfälle in einem Geburtsjahrgang nach sich ziehen, ist wohl sehr schwer zu beantworten. Aber Naturbestände haben bestimmt schon deutlich schlimmere Winter erlebt und erfolgreich überstanden.

Vor ein paar Tagen habe ich diese knapp 40cm Forelle gefangen:

20130312-078.jpg


die Brustflosse ist etwas geknickt und dazu ist sie total abgemagert. Ich denke das ist ein Besatzfisch, der gerade mal so den Winter überstanden hat ... ich hab an dem Tag auch einige sehr gut genährte Untermaßige gefangen ... ich schließe mal daraus, das es generell da wohl kein Problem gab, für assimilierte Fische genügend Nahrung zu finden. Das der Fisch gerade abgelaicht hätte wäre zwar denkbar, kann ich mir aber als einzigen Grund für seine Magersucht kaum vorstellen. Er hatte auch wirlich nix im Magen.

Glück auf,

Olaf
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Re: Eisiger Frühling 2013 - Auswirkungen auf die Gewässer?

Beitragvon Royal Coachman » 31.03.2013, 11:04

Hallo Olaf!

Du hast natürlich Recht, der Permafrost hat hier nichts zu suchen, aber die Grundwassertemperatur schon und die ist durch den Wärmeaustausch Winter/Sommer im Oberflächenbereich von entscheidender Bedeutung.
Der Boden nimmt im Sommer Wärme auf, die er im Laufe des Winters wieder abgibt.

Es gibt hier viele Untersuchungen da dieses Thema z.B. für den Einbau einer Wärmepumpe von entscheidender Bedeutung ist.

tight lines
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Re: Eisiger Frühling 2013 - Auswirkungen auf die Gewässer?

Beitragvon Kami » 31.03.2013, 14:09

Um zum Thema zurückzukommen: Wir hatten einen sehr milden Herbst (Im September und Oktober viel T-Shirt-Wetter), einen sehr warmen Dezember (19°C an Weihnachten) und auch die erste Januarhälfte war nicht sonderlich kalt, sodass die Fische mit Sicherheit gut volltanken konnten vor dem Winter. Ich denke dadurch hat sich alles etwas nach hinten verschoben und auch wenn sich das Winterende leider immer weiter rauszögert, ist die Gesamtlänge des Winters nicht so schlimm, wie man annehmen könnte.
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Re: Eisiger Frühling 2013 - Auswirkungen auf die Gewässer?

Beitragvon Gammarus roeseli » 31.03.2013, 16:47

gespliesste hat geschrieben: Wie Christian richtig bemerkt hat, ist die Theorie der Tagesgrade gerade in Grenzbereichen (<2 oder >8 Grad) natürlich kein linearer Zusamenhang mehr (was ist in der Natur schon linear), das ist wohl einen Funktion die sich im Normalbereich zwischen 3-6 Grad annähernd linear verhält und in Grenzbereichen auch irgendwann ihre Gültigkeit verliert.


Hallo Olaf,

sorry aber da melde ich Bedenken an!!

Wenn Du mit den Tagesgraden (420 für Bachforelle) rechnest, bekommst Du bei einer Wassertemperatur von 10 °C einen recht genaues Ergebnis von der Entwicklungsdauer bis zum Schlüpfen der Bachforellenbrut.

Wenn Du mit Wassertemperaturen zwischen 6°C bis 8°C rechnest, kannst Du auf das Ergebnis dann noch mal gut eine Woche dazuzählen bis die Bachforellenbrut schlüpft.

Wenn Du mit den Tagesgraden (420 für Bachforelle) und einer Wassertemperatur von 4°C rechnest, kannst Du auf das Ergebnis dann schon gut zwei(!!) Woche dazuzählen bis die Bachforellenbrut schlüpft.

Wenn Du mit den Tagesgraden (420 für Bachforelle) und einer Wassertemperatur von 2°C rechnest, kannst Du dann von Deinem Ergebnis ca. 55 Tage abziehen, damit die Entwicklungsdauer bis zum Schlüpfen der Bachforellenbrut einigermaßen genau ist.

Wenn die Bachforellenbrut den Dottersack nahezu aufgebraucht hat und anfangen frei im Wasser zu schwimmen, beginnen die Bachforellen mit der Nahrungsaufnahme.
Wenn die Bachforellenbrut nicht genau zu diesem Zeitpunkt Nahrung findet, nimmt die Bachforellenbrut zu einen späteren Zeitpunkt oft einfach keine Nahrung mehr auf und sterben. (Das gleiche passiert in der Zucht von Bachforellen, wenn der Forellenzüchter den Zeitpunkt der Futteraufnahme versäumt hat.) Warum das so bei der Bachforellenbrut ist, weiß noch keiner …

Ich weiß es nicht, könnte mir aber durchaus vorstellen, dass durch ungünstig warme Wetterlagen im z.B. Alpenraum, sich die Dauer der Eientwicklung und somit die Schlüpfzeiten der Bachforellen so ungünstig verkürzen kann, dass für die Bachforellen- Brütlinge im Bach/ Fluss noch nicht genügend Nahrung vorzufinden ist.

LG
Christian

PS:
gespliesste hat geschrieben:
Gammarus roeseli hat geschrieben: PS: Durch höheres Aufstauen der zu Grundeisbildung neigenden Bächen, verringern die Forellenzüchter die Grundeisbildung. Dadurch vereisen die Rechen und Abgitterungen nicht so stark und eine Wasserentnahme für die Teichanlagen bleibt möglich.

mag sein, dass das den Forellenzüchtern nutzt, ob es den Fischen im Fluss nutzt ist eine ganz andere Frage. .


Wenn diese Aufstaue eher klein und für die Forellen (schadlos) in beide Richtungen passierbar sind, dann kann es den Bachforellen durchaus von großen Nutzen sein!
Natürliche Staue im Bach/ kleine Fluss wie z.B. rückstauend wirkende Totholzansammlungen oder kleine Biberdämme, gab es schon immer!! Werden aber in der heutigen Zeit aus Gründen der Gewässerunterhaltung leider sehr oft entfernt.

(In sehr flachen Bächen, werden solche kleinen Gumpen bzw. Biberstaue, sehr oft und gern von den Bachforellen als Lebensraum angenommen.)
Bild
(Ich weiß schon, der Biber ist ein böses Viech, das uns nur schädigt, Totholz ins Wasser schmeißt, so dass die Forellen sich drin verstecken können und wir beim Fischen behindert werden usw.)

Kleine Aufstaue im Bach verringern z.B. die Versandung der Kieslaichplätze, verhindern das Aufsteigen von Weißfischen, verringern die Grundeisbildung in der Aufstauung und im Rückstaubereich. Aber wie schon gesagt, aus Gründen der Gewässerunterhaltung werden diese natürlichen Aufstaue ja leider sehr oft entfernt.
Seit dem verrecken bzw. ersticken uns viele der letzten Flussperlmuscheln im und unter dem Grundeis …..
Bild

Naturschützer sind es, die versuchen durch (kleine) künstliche Aufstaue, die unnatürlich hohen Sandfrachten (die aus dem intensiv genutzten Bachumland eingeschwemmt werden) zu verringern.
Bild

Damit die Kieslaichplätze (unterhalb der künstlich angelegten Aufstaue) nicht so stark versanden und die Bachforellen sich endlich wieder natürlich vermehren können. (Den letzten Flussperlmuscheln hilft es ebenso, da sich durch diese kleinen (für Forellen überwindbare) Aufstauungen die Grundeisbildung reduziert.)
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Re: Eisiger Frühling 2013 - Auswirkungen auf die Gewässer?

Beitragvon HansAnona » 31.03.2013, 17:10

Hallo Christian,

Mit diesem Thema könntest Du durchaus einen neuen Thread beginnen.

Liebe grüße, Alf
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Re: Eisiger Frühling 2013 - Auswirkungen auf die Gewässer?

Beitragvon Olaf Kurth » 31.03.2013, 19:43

Gammarus roeseli hat geschrieben:Naturschützer sind es, die versuchen durch (kleine) künstliche Aufstaue, die unnatürlich hohen Sandfrachten (die aus dem intensiv genutzten Bachumland eingeschwemmt werden) zu verringern.

Damit die Kieslaichplätze (unterhalb der künstlich angelegten Aufstaue) nicht so stark versanden und die Bachforellen sich endlich wieder natürlich vermehren können. (Den letzten Flussperlmuscheln hilft es ebenso, da sich durch diese kleinen (für Forellen überwindbare) Aufstauungen die Grundeisbildung reduziert.)




Einspruch, lieber Christian,

Deine vermeintlichen "Naturschützer" wollen mit dieser Maßnahme festlegen, wo sich die Sandfrachten ansammeln und wo nicht? Kann man das so verstehen?

Solch kleine, künstliche Aufstaue sind z.B. für Mühlkoppen ein unüberwindbares Hindernis, deshalb ist u.a. die lineare Durchlässigkeit der Fließgewässer oberstes Gebot vieler Wanderfischprogramme!

Falls jemand an unseren Fließgewässern versucht durch eigenwillige Aufstauungen die Fließgeschwindigkeit und Struktur zu verändern, bekommt er mächtig Ärger - womit? Mit Recht!

Mit kopfschüttelnden Grüßen,

Olaf
Und Gott sprach zu den Steinen im Fluss: "Wollt ihr Mitglieder der UNERSCHROCKENEN werden?" Und die Steine antworteten: "Nein Herr, dafür sind wir nicht hart genug."
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Re: Eisiger Frühling 2013 - Auswirkungen auf die Gewässer?

Beitragvon Gammarus roeseli » 31.03.2013, 20:08

Hallo Olaf,

soweit ich es mitbekommen habe, bei diesen Naturschützer handelte es sich um Biologen und ihr Team. Diese Aufstaue bleiben auch nicht lange so, entwickeln sich im Laufe der Zeit zu einer gut passierbaren (auch für Mühlkoppen) Rausche. Das gleiche wurde in der Lüneburger Heide mit großen Erfolg für Bachforellen und Flussperlmuscheln durchgeführt…)

LG
Christian

PS: Bei uns findet man Mühlkoppen in den Fischaufstiegshilfen. (Das sind bei uns so kleine Umgehungsbäche, die ganz ähnlich wie dieser Aufstau auf dem Bild aufgebaut sind.)
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Re: Eisiger Frühling 2013 - Auswirkungen auf die Gewässer?

Beitragvon Olaf Kurth » 31.03.2013, 22:01

Mit Flussperlmuscheln kenne ich mich nicht aus, lieber Christian.

ich kenne noch gute Vorkommen der Muscheln in Fließgewässern des Westerwaldes, doch ob die noch existent sind bzw. wie sie geschützt werden, weiß ich nicht.
Schön, dass ihr gute Koppenbestände habt, sie gilt ja allgemein als Indikator für eine sehr gute Wasserqualität. Mit ihren übergroßen Brustflossen "watscheln" sie förmlich über den Gewässergrund, doch bei ca. 10cm hohen Hindernissen müssen sie kapitulieren. Soweit ich weiß, besitzen Mühlkoppen keine Schwimmblase und können folglich keine Erhöhungen im Wasser überspringen, so wie man das von Lachsartigen kennt.

Liebe Grüße,

Olaf
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Re: Eisiger Frühling 2013 - Auswirkungen auf die Gewässer?

Beitragvon Da Beppe » 31.03.2013, 23:38

Olaf Kurth hat geschrieben:
Gammarus roeseli hat geschrieben:Naturschützer sind es, die versuchen durch (kleine) künstliche Aufstaue, die unnatürlich hohen Sandfrachten (die aus dem intensiv genutzten Bachumland eingeschwemmt werden) zu verringern.

Damit die Kieslaichplätze (unterhalb der künstlich angelegten Aufstaue) nicht so stark versanden und die Bachforellen sich endlich wieder natürlich vermehren können. (Den letzten Flussperlmuscheln hilft es ebenso, da sich durch diese kleinen (für Forellen überwindbare) Aufstauungen die Grundeisbildung reduziert.)




Einspruch, lieber Christian,

Deine vermeintlichen "Naturschützer" wollen mit dieser Maßnahme festlegen, wo sich die Sandfrachten ansammeln und wo nicht? Kann man das so verstehen?

Solch kleine, künstliche Aufstaue sind z.B. für Mühlkoppen ein unüberwindbares Hindernis, deshalb ist u.a. die lineare Durchlässigkeit der Fließgewässer oberstes Gebot vieler Wanderfischprogramme!

Falls jemand an unseren Fließgewässern versucht durch eigenwillige Aufstauungen die Fließgeschwindigkeit und Struktur zu verändern, bekommt er mächtig Ärger - womit? Mit Recht!

Mit kopfschüttelnden Grüßen,

Olaf



Hallo Olaf,

warum sollte so ein künstlich errichteter Aufstau aus natürlichem Material ein Hindernis für Mühlkoppen darstellen?
Die Mühlkoppen müssen ja nicht oben über die Steine hüpfen, sondern können durch die Rinnen und Durchlässe passieren.

Beim Biberdamm gibt es doch auch reichlich Durchlässe die den Wandertrieb nicht behindern.

Oder sind die Dämme im Sinne der linearen Durchlässigkeit der Fließgewässer hinderlich?

Grüße
Sepp
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Re: Eisiger Frühling 2013 - Auswirkungen auf die Gewässer?

Beitragvon gespliesste » 01.04.2013, 01:57

Hallo,

Gammarus roeseli hat geschrieben:sorry aber da melde ich Bedenken an!!

Wenn Du mit den Tagesgraden (420 für Bachforelle) rechnest, bekommst Du bei einer Wassertemperatur von 10 °C einen recht genaues Ergebnis von der Entwicklungsdauer bis zum Schlüpfen der Bachforellenbrut.

Wenn Du mit Wassertemperaturen zwischen 6°C bis 8°C rechnest, kannst Du auf das Ergebnis dann noch mal gut eine Woche dazuzählen bis die Bachforellenbrut schlüpft.

Wenn Du mit den Tagesgraden (420 für Bachforelle) und einer Wassertemperatur von 4°C rechnest, kannst Du auf das Ergebnis dann schon gut zwei(!!) Woche dazuzählen bis die Bachforellenbrut schlüpft.

Wenn Du mit den Tagesgraden (420 für Bachforelle) und einer Wassertemperatur von 2°C rechnest, kannst Du dann von Deinem Ergebnis ca. 55 Tage abziehen, damit die Entwicklungsdauer bis zum Schlüpfen der Bachforellenbrut einigermaßen genau ist.


also wen es man sich deine Werte (mit den Korrekturfaktoren) mal als Funktion aufzeichnet, im Bereich von 4-10 Grad auch mit den Abweichungen noch annähernd linear, in Grenzbereichen ( <2 und >? ) dann natürlich irgendwann nicht mehr brauchbar.

Gammarus roeseli hat geschrieben:Kleine Aufstaue im Bach verringern z.B. die Versandung der Kieslaichplätze, verhindern das Aufsteigen von Weißfischen, verringern die Grundeisbildung in der Aufstauung und im Rückstaubereich. Aber wie schon gesagt, aus Gründen der Gewässerunterhaltung werden diese natürlichen Aufstaue ja leider sehr oft entfernt.
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Damit die Kieslaichplätze (unterhalb der künstlich angelegten Aufstaue) nicht so stark versanden und die Bachforellen sich endlich wieder natürlich vermehren können. (Den letzten Flussperlmuscheln hilft es ebenso, da sich durch diese kleinen (für Forellen überwindbare) Aufstauungen die Grundeisbildung reduziert.)


Gegen die Versandung und die damit verbundene Kolmation der Gewässersohle helfen nach unseren Erfahrungen am besten ordentliche Hochwasser im Winter. Irgendwo muss der eingetragene Sand ja auch vor einem Stau dann irgendwann mal hin, im Grunde verzögert man doch nur den Abtrag. Natürlich mäandernde Flussverläufe bieten sowohl Tiefwasserzonen ohne Grundeisbildung, Kieslaichplätze und Plätze an denen sich temporär Sediment aufstauen kann. In solchen Verläufen hat man auch immer natürliche Stauzonen, die aber keiner vollständigen Querverbauung entsprechen. Struktur im Gewässer ist immer gut und Findlinge, als auch Teilverbauungen wirken sich bestimmt positiv aus. Aber die Durchgängigkeit der Gewässer für jegliche Art von Wasserlebewesen (auch Weisfische) sollte nach meiner Meinung immer gewährleistet bleiben.

LG,

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Re: Eisiger Frühling 2013 - Auswirkungen auf die Gewässer?

Beitragvon Olaf Kurth » 01.04.2013, 06:47

Da Beppe hat geschrieben:warum sollte so ein künstlich errichteter Aufstau aus natürlichem Material ein Hindernis für Mühlkoppen darstellen?
Die Mühlkoppen müssen ja nicht oben über die Steine hüpfen, sondern können durch die Rinnen und Durchlässe passieren.



Wir unterhalten uns hier über Grenzfälle, lieber Sepp,

selbst wenn das Wasser über dicke Steine fließt und für andere Fischarten kein Hindernis darstellt, Mühlkoppen schaffen es oft nicht, gegen den herrschenden Wasserdruck nach oben zu schwimmen, ihnen fehlt die Kraft dazu.

Wenn "Naturschützer" diese künstlichen Aufstauungen errichten, wollen sie das recht ordentlich machen und wenn der Spiel- und Basteltrieb im Mann oder in der Frau erwacht, dann wird ein richtig gutes Hindernis errichtet. Die entstehenden Nachteile hat Olaf weiter oben bereits angedeutet.
In unseren Gewässerverordnungen sind solche "wilden" Anstauungen streng verboten. Im Sinne der linearen Durchlässigkeit für alle Wasserorganismen beseitigen wir jedes kleine Wiesenwehr. Womit? Mit Recht! 8)

Liebe Grüße,

OIaf
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Re: Eisiger Frühling 2013 - Auswirkungen auf die Gewässer?

Beitragvon Da Beppe » 01.04.2013, 09:29

Gu`Moing Olaf,

pauschalieren hilft ja nicht, ich bin auch dafür, dass Wiesenwehre weggerissen werden :wink:

Man sollte den Mühlkoppen sicher "keine Steine" in den Weg legen, jedoch halte ich so einen kleinen Steinwall, der ja auch nur bis zum nächsten größeren Hochwasser Bestand hat nicht für eine Barriere. So dicht wie ein Wehr ist dieser im Bild ja nun nicht gebaut. Selbst wenn eine Überwindung in Strömungsmitte nicht möglich sein sollte, so doch sicher am strömungsberuhigten Rand des Gewässers oder bei niedrigem Pegel.



Mir gehts aber im zweiten Schritt eher darum, wie sich eine Biberverbauung auf das Wanderverhalten der Mühlkoppen auswirkt. Sollte es unmöglich sein für Mühlkoppen Biberdämme zu überwinden, müssten diese stante pede aus dem Gewässer entfernt werden. (Ein Widerspruch im Naturschutz in sich)

Bisher dachte ich immer, das der Biber eine enorme Bereicherung der Wasserlandschaft bedeutet und förderlich für den Fischbestand ist. Am Biberdamm lagern sich die Feinsedimente ab, so lange bis das Stauvolumen erschöpfte ist. Die entstehende Kaskade reichert das Wasser mit Sauerstoff an, durch die Strömung entsteht ein Gumpen als Standplatz für Fische.

Sollte dem nicht so sein, müsste ich meine bisher positive Einschätzung dem Biber gegenüber revidieren.

Liebe Grüsse
Sepp
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Re: Eisiger Frühling 2013 - Auswirkungen auf die Gewässer?

Beitragvon Gammarus roeseli » 02.04.2013, 01:03

Olaf Kurth hat geschrieben: Die entstehenden Nachteile hat Olaf weiter oben bereits angedeutet.


Hallo Olaf,

so ein kleiner künstlicher Aufstau aus Felsbröcken (Steinwall) wird von den Mühlkoppen sehr gern(!) als Lebensraum genutzt (Versteckmöglichkeiten) und unter den hohl aufliegenden Steinen, heften die Rogner der Koppen im Frühjahr ihre Eigelege. Unterschätzen sollte man die Koppen sicher auch nicht und in so einem Steinwall finden die Koppen schon die geeigneten Durchgänge im Steinwall oder wühlen sich halt irgendwo durch.

Solche kleine künstliche Aufstau aus z.B. Felsbröcken die unnatürlich hohe Sandfrachten aufnehmen können und sich im laufe der Zeit zu einer kiesreichen Rausche weiter entwickeln können, baut man heutzutage in die Bäche ein. So etwas in der Art nennt sich ja heutzutage "Restaurierung von Kieslaichplätzen". :D


Man kann es nicht verallgemeinern, aber diese kleinen Biberdämme in Bächen mit guten Gefälle (!) und bei entsprechenden Sandfrachten, haben keine lange Lebensdauer. Füllen sich schnell mit Sediment auf, so dass die Biber diese Dämme aufgeben und im laufe der Zeit aus dem Damm eine (oft Kiesreiche) Rausche entsteht und so recht schnell für alle Fische passierbar wird. (Bei und nach kleinen Hochwasserereignissen, sind diese kleinen Biberdämme oft so stark geschädigt, dass dann Fische gut passieren können.)

Aufgefüllter und von den Biber aufgegebener Damm. (Der zurückgehaltene und abgelagerte Sand, befindet sich unter den Kieseln.)
Bild

gespliesste hat geschrieben: Irgendwo muss der eingetragene Sand ja auch vor einem Stau dann irgendwann mal hin, im Grunde verzögert man doch nur den Abtrag.


Hallo Olaf,

Sediment wie Feinsand, Grobsand aber auch Kiesel füllen den Biberdamm (oder den Rückstau vom Steinwal) im Laufe der Zeit soweit auf, dass das Wasser im Damm wieder beginnt zu fließen. Bei einer Strömungsgeschwindigkeit über ca. 0,25 m/s bis ca. 0,50 m/s kann sich kein Fein und Grobsand mehr ablagern und wird so von Ablagerungen aus Kieseln abgelöst und überdeckt. (So ähnlich wie eingekapselt.) Die Kieseln die den Sand aus dem Stau überdecken, sieht man oben auf dem Bild ganz gut im überwiegend sandigen Bach.

Der Damm entwickelt sich immer mehr zu einer Rausche in der sich durch die erhöhte Strömungsgeschwindigkeit (bei ca. 0,5 m/s bis 1,00 m/s) nur noch Kiesel ablagern und so in und unterhalb der Rausche ein neuer Kieslaichplatz für Forellen entstehen kann.

Die Biber bauen dann woanders einen neuen Damm, so dass ein richtiger Kreislauf entsteht und immer neue Rauschen und Kieslaichplätze entstehen können.
Ich beobacht seit ein paar Jahren an einem kleinen Bach, wie und dass sich diese kleinen Biberdämme (die von Fischen auch sehr gern als Wintereinstand genutzt werden) sehr günstig auf den vorkommenden Forellenbestand auswirkt und sich der Forellenbestand deutlich erhöht hat. :biggrin:

Natürlich gibt es auch zahlreiche Beispiele, wo man die Biber aus bestimmten Gründen besser entfernen sollte …

Zurück zum Thema…..

Bei uns sind die bevorzugten Laichplätze der Bachforellen (seichte Bereiche) oft kurtz oberhalb, in- und unterhalb von Rauschen. Eine Rausche ist (oder war) ja auch irgendwie so etwas wie ein kleiner Rückstau. Das bedeutet doch, dass das Kalte und sauerstoffreiche Flusswasser im Winter ( und nicht so das Sauerstoffarme ! :smt003 Grundwasser) aus dem Staubereich der Rausche, durch das Lückensystem in der Bachsohle der Rausche fließt und so direkt im darunterliegenden Kiesbett wo sich die Forelleneier befinden, teilweise wieder austritt. Richtig??

Das hyporheische Interstitial (Lückensystem im abgelagerten Kiesbett) ist ja ein Grenzbiotop zwischen dem Bach und dem echten Grundwasser.

Im Kieslückensystem bewegt sich das Porenwasser nur sehr langsam und kann sich bei entsprechend niedrigen Wassertemperaturen im Bach, (zeitweise) durchaus in einer Tiefe von ca. 20-30 cm unter der Bachsohle auf etwas über 0°C bis auf 3°C abkühlen. Richtig? (Wenn es nicht so ist, dann ist die Bachforellenbrut in diesem Jahr zu früh geschlüpft und wir werden wohl doch mit Totalausfällen rechnen müssen, woran ich aber nicht glaube.)

LG
Christian
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