Hallo Henry, hallo Thomas!
Ich kenne dieses Äschenprojekt sehr gut, habe mit dem Halleiner Fischereiverein sehr intensiv zusammengearbeitet und verfolge die Ergebnisse seit 10 Jahren.
Die künstliche Erbrütung und Aufzucht der Äsche funktioniert ausgezeichnet. Die Mutterfischhaltung findet in einem naturnahen, ehemaligen Salzach-Altarm mit einer Vielzahl von Still- und Fließgewässerabschnitten statt. Zur Laichzeit wandern hunderte Äschen in einen künstlich geschaffenen Laichbach. Die brauchen dann nur vorn und hinten abzusperren und können die laichreifen Äschen ohne Probleme mit dem Kescher zum Abstreifen herausfangen. Einfacher gehts wirklich nicht mehr. Ein Laichfischfang in den Zubringern der Salzach wird allerdings zur Erhaltung des Genpools weiterhin unumgänglich sein. Die Äschen werden meist zweisömmrig in der Salzach besetzt, wir konnten anhand von Markierungsexperimenten nachweisen, dass Äschen (Milchner) 4 Jahre nach Besatz erstmals am Laichgeschehen im Freiland teilnehmen.
Trotz dieser Erfolge sei betont, dass die Äschenbestände der Salzach durch einen enormen Aufwand erhalten werden. Jedes Jahr werden mehrere Zehntausend Äschen gezogen und besetzt, dennoch sind die Bestände in der Salzach, trotz vergleichsweise attraktiver Strukturen in diesem Abschnitt, als mäßig zu bezeichnen. Die Grundprobleme, vor allem die massiven hydromorphologischen Defizite, Schwall-Sunk-Erscheinungen, zusätzlich wahrscheinlich auch ein Einfluss fischfressender Vögel, bleiben erhalten. Es gibt in diesem Abschnitt noch einige Zubringer, die von der Salzach-Äsche zum Laichen aufgesucht werden. Neben Alm und Taugl ist vor allem die Lammer zu nennen, wo noch nennenswerte Laichaktivitäten stattfinden. In der Salzach konnte ich ebenfalls, wie auch Thomas, eine erfolgreiche Reproduktion nachweisen. Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Äschenbestände nach wie vor bedroht sind. Auch in den Zubringern sind vielfältige Belastungen nachgewiesen. Die schon erwähnte Taugl trocknet beispielsweise oftmals (natürlicherweise) über längere Zeiträume aus, manchmal sogar während der Laichzeit. Andererseit kommt es zu massiven Hochwasserereignissen. Die Alm ist durch Schwall-Sunkbetrieb gekennzeichnet. Bei der Lammer wurde ebenfalls eine Gefährdung der Äsche festgestellt, hier dürften mehrere Gefährdungsursachen zusammenwirken, auf die ich allerdings im Einzelnen nicht eingehen kann. Die übrigen kleineren Zubringer, welche im hier genannten Abschnitt in die Salzach münden, werden, bis auf einen Wiesenbach, von der Äsche nicht zum Laichen aufgesucht. Einige sind nicht mehr relevant, da sie oft austrocknen oder nicht fischpassierbar einmünden, aber zu diesem Thema habe ich eine Zusammenstellung der historischen und aktuellen Situation der Salzach und deren Zubringer publiziert. Da kann man sehr schön die Veränderungen in der Gewässermorphologie sehen:
http://bufus.sbg.ac.at/PDF/FlussverlaufSalzach_1.pdfhttp://bufus.sbg.ac.at/PDF/FlussverlaufSalzach_2.pdfhttp://bufus.sbg.ac.at/PDF/FlussverlaufSalzach_3.pdfLiebe Grüße aus Salzburg,
Bernhard