Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

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Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Landjunker » 26.05.2013, 00:19

Hallo,

ich habe mir die unterschiedlichen Stellungnahmen von Euch zum Thema durchgelesen. Es gibt aus biologischer Sicht überhaupt nichts zu tolerieren, wenn es darum geht, das Leiden eines Lebewesens in welcher Form auch immer, zu verkürzen.

Da ich davon ausgehe, dass das Abschlagen und die waidgerechte Tötung des gelandeten Fisches für uns alle eine Selbstverständlichkeit ist, bin ich ebenfalls der Überzeugung, dass wir jeder Kreatur soviel Anerkennung zollen sollten, dass wir uns offensichtlichen Missständen entgegenstellen, sofern dies die Situation als auch die Umstände zulassen!

Gruß
Ole
Landjunker
 

Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Werbe » 26.05.2013, 11:08

Sorry, ich muss dann doch ein
wenig gegen die absolute Sicherheit des festen Standpunktes "löcken".

Landjunker hat geschrieben:Hallo,

Es gibt aus biologischer Sicht überhaupt nichts zu tolerieren, wenn es darum geht, das Leiden eines Lebewesens in welcher Form auch immer, zu verkürzen.

Da ich davon ausgehe, dass das Abschlagen und die waidgerechte Tötung des gelandeten Fisches für uns alle eine Selbstverständlichkeit ist, bin ich ebenfalls der Überzeugung, dass wir jeder Kreatur soviel Anerkennung zollen sollten, dass wir uns offensichtlichen Missständen entgegenstellen, sofern dies die Situation als auch die Umstände zulassen!

Gruß
Ole


Aus Ersterem folgt, dass man- wenn es nichts zu tolerieren gibt- konsequent das Angeln einstellt.
Aus Zweiterem, dass wir uns "Missständen" entgegenstellen, die von anderen offensichtlich nicht als solche gesehen werden.

Mit der genau gleichen Argumentationstruktur der "absoluten Gewissheit des eigenen Standpunktes" versuchen die PETAS dieser Welt, dass Angeln verbieten zu lassen.
Was unterscheidet uns jetzt noch von ihnen, wenn wir mit dem gleichen Absolutheitsanspruch "unsere" Vorstellungen zur Maxime allgemeinen Handelns für alle Angler machen wollen? :smt102

Ich möchte mich als Fliegenfischer ( gern durch ein wenig Nachdenklichkeit und abseits absoluter Gewissheiten) von denen abheben, die alles ganz genau wissen.
Das heißt nicht, dass ich keinen Standpunkt habe. Das heißt aber, dass ich Standpunkte anderer toleriere und mindestens in Erwägung ziehe, dass man aus anderen Blickwinkeln die Dinge anders sehen kann.

Gruß
Werner
Werbe
 

Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon L4nc3r » 27.05.2013, 16:37

Werbe hat geschrieben:dass man aus anderen Blickwinkeln die Dinge anders sehen kann.


Ahoi,

wenn ein Fisch leidet, kann man da nichts anders sehen. Der Däne wird doch sicherlich seinen abzuschlagenden Forellen auch nen Klopfer geben, abstechen ausbluten, damit der Fisch eben sowenig wie möglich leidet.
Nur weil Ich Hechte in nem Forellengewässer nicht toll finde, kann Ich doch den nicht einfach lebend ins Gebüsch werfen und elendig verrecken lassen, was soll denn das. Der kann doch nix zu das er Hecht geworden ist.

Ich hätte den Dänen mal gefragt wie er mit seinen Forellen umgeht, ob er die auch so behandelt. So machst Du Ihn vllt. auf den Missstand aufmerksam, wenn er ihn schon nicht selbst als solchen erkennt.

MfG Benji
L4nc3r
 
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Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Werbe » 27.05.2013, 17:40

Hallo,

L4nc3r hat geschrieben:
Werbe hat geschrieben:dass man aus anderen Blickwinkeln die Dinge anders sehen kann.


Ahoi,

wenn ein Fisch leidet, kann man da nichts anders sehen.

nur zur Klarstellung: Ich werfe keine Hechte in Gebüsche und die Blickwinkel meinte ich ziemlich allgemein.

Gruß
Werner
Werbe
 

Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Landjunker » 27.05.2013, 20:21

Hallo Werner,

ich denke in meinem Kommentar habe ich eine klare Stellung zum waidgerechten Umgang mit Tieren dargelegt. Daher erlaube ich mir wie folgt auf Deine Argumentationen zu antworten:

Werbe hat geschrieben:Aus Ersterem folgt, dass man- wenn es nichts zu tolerieren gibt- konsequent das Angeln einstellt.
Aus Zweiterem, dass wir uns "Missständen" entgegenstellen, die von anderen offensichtlich nicht als solche gesehen werden.


Aus meiner Argumentation geht eindeutig hervor, dass ich mich auf das Töten von Tieren, in diesem Fall von Fischen, beziehe. Die von Dir unterstellte "Nulltoleranz" kann ich beim besten Willen aus meiner Argumentation nicht herleiten. Ebenso habe ich es vermieden, meine Argumentation zu generalisieren. Ich habe mich explizit auf dem Umgang mit Fischen / Tieren beschränkt.

Landjunker hat geschrieben:biologischer Sicht überhaupt nichts zu tolerieren, wenn es darum geht, das Leiden eines Lebewesens in welcher Form auch immer, zu verkürzen.


Darüber hinaus darf ich Deine Aussage

Werbe hat geschrieben:Mit der genau gleichen Argumentationstruktur der "absoluten Gewissheit des eigenen Standpunktes" versuchen die PETAS dieser Welt, dass Angeln verbieten zu lassen.
Was unterscheidet uns jetzt noch von ihnen, wenn wir mit dem gleichen Absolutheitsanspruch "unsere" Vorstellungen zur Maxime allgemeinen Handelns für alle Angler machen wollen? :smt102


wie folgt kommentieren:

Der Grundsatz von PETA ist meiner Kenntnis nach die Verhinderung und das Offenlegen von tierquälerischen Handlungen. Hierzu sollte sich doch ein jeder Waidmann (Fischer / Jäger) verpflichtet fühlen und Tieren so weit möglich, unnötiges Leid ersparen, oder?

Das ist das Einzige, auf welches ich in meinem Kommentar aufmerksam machen wollte. Ein jeder ist selbstverständlich seinem eigenen Gewissen verpflichtet und sollte wissen was er tut und was er verantworten kann. Trotz alledem gibt es doch auch moralisch verpflichtende Grundsätze (Tierschutz etc.) denen wir uns verpflichtet fühlen sollten!?
Desweiteren zitierst Du einen Absolutheitsanspruch, welcher ebenfalls von mir nicht formuliert wurde :smt017

Unabhängig von welchem Blickwinkel ich den Sachverhalt betrachte bin ich der Überzeugung, dass fremdes Brauchtum beispielsweise im Umgang mit Tieren keinesfalls einen waidfrevelhaften Umgang mit der Kreatur rechtfertigt!?

Für mich hat das gerechtfertigte Intervenieren auch etwas mit Zivilcourage zu tun und die, dies ist meine Überzeugung, beginnt bereits im Kleinen :!:

Beste Grüße
Ole
Landjunker
 

Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Pinn » 27.05.2013, 20:34

Rolf hat geschrieben:Mich hinterlässt das Erlebte nachdenklich. – Gibt es ähnliche Erfahrungen? War es ein Einzelfall oder ist die Denkweise und der Umgang mit dem „Unkrautfisch“ Hecht in Dänemark archaischer, als wir es gewohnt sind?


Hallo Rolf,

habe Deinen Beitrag leider erst gerade entdeckt, aber der deckt sich verblüffend mit meinen Erfahrungen an einem Lachsfluss in DK. Ich vermute sogar, wir sprechen über denselben Fluss, dieselbe Gewässerstrecke und denselben Fischereiaufseher. Ich wurde vor einigen Jahren eindringlich gebeten, doch bitte alle Hechte einschließlich der untermaßigen zu entnehmen und zu entsorgen, auch wenn die gesetzliche Schonzeit in DK noch nicht vorüber ist. Mir würde deshalb niemand vor die Karre pinkeln...

Das war im April 2007.

Da hat man sich sicher noch große Sorgen um den Erhalt und die Förderung der Lachspopulation in diesem Fluss gemacht, da diese im Hinblick auf den Angeltourismus ein Magnet war. Die aufwendigen Renaturierungsmaßnahmen des Flußsystems mit dem Sympathieträger Lachs sollten nicht vergeblich gewesen sein. Der Hecht galt in diesem Zusammenhang wirtschaftlich als kontraproduktiv. Ob das tatsächlich so ist, kann ich nicht beurteilen.

Aus meiner heutigen Sicht: Die Lachse scheinen den renaturierten Fluss angenommen zu haben und die Hechte sind auch noch da. Was gibt es Besseres für den Fliegenfischer an einem naturtrüben Lachsfluss, wenn die Lachse nicht da sind? Er geht auf Hecht. :mrgreen:

Gruß, Werner
Pinn
 
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Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Werbe » 27.05.2013, 22:08

Hallo Ole,
Landjunker hat geschrieben:Hallo Werner,

Aus meiner Argumentation geht eindeutig hervor, dass ich mich auf das Töten von Tieren, in diesem Fall von Fischen, beziehe. Die von Dir unterstellte "Nulltoleranz" kann ich beim besten Willen aus meiner Argumentation nicht herleiten. Ebenso habe ich es vermieden, meine Argumentation zu generalisieren. Ich habe mich explizit auf dem Umgang mit Fischen / Tieren beschränkt.

Selbst das "Töten" von Tieren wird anderwo anders gehandhabt. Siehe mein Beispiel bezüglich der Verhaltensweise französischer Fischer in diesem Faden.
Die Betreffenden sind sich keiner "Fehlhandlung" bewusst, sondern halten ihr Vorgehen für normal. Davon habe ich zunächst einmal auszugehen. Und wenn es da "nichts zu tolerieren" gibt, was ist das anderes als Nulltoleranz?


Landjunker hat geschrieben:Der Grundsatz von PETA ist meiner Kenntnis nach die Verhinderung und das Offenlegen von tierquälerischen Handlungen. Hierzu sollte sich doch ein jeder Waidmann (Fischer / Jäger) verpflichtet fühlen und Tieren so weit möglich, unnötiges Leid ersparen, oder?

Nein. PETA ist eine Tierrechtsorganisation keine Tierschutzorganisation. Sieh Dir an, was die wollen und wie die argumentieren und was die machen. Das kann und will ich hier nicht alles ausbreiten. Selbstverständlich wollen Du und ich Tieren unnötiges Leid ersparen- aber Du solltest nicht davon ausgehen, dass das alle in allen Teilen der Welt "auf dem Schirm" haben. Daraus folgt, dass ich, wenn ich dort etwas ändern will, die Leute da abhole, wo sie sind und sie in ihrem Sosein zunächst einmal akzeptiere.

Landjunker hat geschrieben:Das ist das Einzige, auf welches ich in meinem Kommentar aufmerksam machen wollte. Ein jeder ist selbstverständlich seinem eigenen Gewissen verpflichtet und sollte wissen was er tut und was er verantworten kann. Trotz alledem gibt es doch auch moralisch verpflichtende Grundsätze (Tierschutz etc.) denen wir uns verpflichtet fühlen sollten!?

d'accord, solange Du "sollten" nicht durch müssen ersetzt

Landjunker hat geschrieben:Desweiteren zitierst Du einen Absolutheitsanspruch, welcher ebenfalls von mir nicht formuliert wurde :smt017
Unabhängig von welchem Blickwinkel ich den Sachverhalt betrachte bin ich der Überzeugung, dass fremdes Brauchtum beispielsweise im Umgang mit Tieren keinesfalls einen waidfrevelhaften Umgang mit der Kreatur rechtfertigt!?

Da ist er, der Absolutheitsanspruch: Unabhängig vom Blickwinkel hat fremdes Brauchtum sich Deinen Vorstellungen zu fügen. Du kannst doch sicher nachvollziehen, dass allein die Frage, was "waidfrevelhafter" Umgang mit der Kreatur ist, überall verschiedene Antworten findet.

Landjunker hat geschrieben:Für mich hat das gerechtfertigte Intervenieren auch etwas mit Zivilcourage zu tun und die, dies ist meine Überzeugung, beginnt bereits im Kleinen :!:


Das ehrt Dich und ist respektabel, solange Du das in einer angemessenen Form tust. Ich will niemanden veranlassen nicht für seine Überzeugung einzutreten. Aber wenn Du das tust, musst Du Dir darüber klar sein, Dass es DEINE Überzeugung ist und nicht die derjenigen, die Du überzeugen willst.
Und in dem Augenblick "sagst" Du de facto: Meine ist die richtige und eure die falsche- und eben das ist ein (gewisser) Absolutheitsanspruch, den auch die Tierrechtsorganisation PETA vertritt. Die Logik will es so.
Erst wenn ich bereit bin, meinen Standpunkt zu relativieren, indem ich z.B. konzediere, dass die Netzfischerei nicht jeden Fisch einzeln abschlagen kann, dass französische und auch manche deutsche Angler nichts dabei finden, dass ein Fisch sich zu Tode zappelt, weil sie es einfach nicht anders kennen, bin ich im von mir gemeinten Sinn dialogfähig.

Nichts muss Dich davon abhalten, zu sagen: Das finde ich nicht in Ordnung und es argumentativ zu untermauern.
Aber wir (alle) sollten das (als Angler und Tieren Leid Zufügende) nicht mit der Attitüde des Allwissenden tun und uns dabei in von jedem Tierschützer leicht aufzudeckende Widerspüche verstricken.
Das- und nichts anderes- wollte ich zu bedenken geben.

Gruß
Werner
Werbe
 

Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Frank. » 28.05.2013, 11:02

fremdes Brauchtum


Lieber Ole, lieber Werner,

den Begriff "fremdes Brauchtum", der in euren Beiträgen fällt, möchte ich kurz aufnehmen und hoffe, dass ich da ein bisschen Einigkeit erzielen kann: Ich habe nun schon in sehr vielen Ländern gefischt und - einerseits - überall ganz überwiegend positive Erfahrungen gemacht, was die "Waidgerechtigkeit" angeht, aber - andererseits - auch schon in Ländern, in denen man das nicht erwarten würde, Dinge gesehen, die ich ganz und gar nicht in Ordnung fand: dass zum Beispiel in manchem irischen Lachsfluss (trotz strengster Sanktionen!) Snagging praktiziert wurde, hat mich entsetzt.
Das ist nur nur eines von einer ganzen Reihe möglicher Beispiele (und dass es solche Auswüchse auch in Deutschland gibt, habe ich ja ohnehin schon geschrieben). Allerdings handelte es sich bei keiner einzigen dieser Beobachtungen um "Brauchtum" oder auch nur eine allgemeine Praxis, sondern immer nur um Einzelfälle.

Der Umgang mit einem Hecht, der diese Diskussion angefacht hat, ist zumindest meiner Erfahrung nach durchaus untypisch für Dänemark. So oft ich dort schon gefischt habe, habe ich so etwas nie erlebt, und an Lachs- bzw. Meerforellen-Gewässern mit einem enormen Hechtbestand war ich wirklich schon sehr häufig. Mit Pauschalurteilen gegenüber anderen Ländern, gegenüber anderen Kontinenten schon gar, sollte man vorsichtig sein (übrigens unterstelle ich euch beiden solche Pauschalurteile durchaus nicht!). Ich persönlich habe solche jedenfalls noch nie gerechtfertigt gesehen.
Den vielen, vielen Streitigkeiten, die sich hier im Forum schon um diese Thematik entzündet haben, lagen - soweit ich sehe - auch immer Einzelfälle zugrunde. Gerne fasse ich mir an die eigene Nase, wenn dieses nun einmal emotional aufgeladene Thema manchmal zu vorschnellen, unüberlegten Formulierungen führt bzw. geführt hat.

Vom industrialisierten oder professionell wirtschaftlich betriebenen Fischfang sehe ich hier mal ab. Karpfenteiche, Netzfischen, Langleinen usw. - das sind ganz andere Baustellen, und da gibt es, denke ich, weltweit überall dieselben Probleme.

Von "Brauchtum" könnten wir eher in ganz anderen Kontexten sprechen, bei den jahrhundertealten Fischfangpraktiken ethnischer Gruppen wie den Inuit oder den First Nations. Das wäre aber Fass Nr. 3.

Euer Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
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Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Werbe » 28.05.2013, 16:33

Hallo Frank,

Frank. hat geschrieben:

Von "Brauchtum" könnten wir eher in ganz anderen Kontexten sprechen, bei den jahrhundertealten Fischfangpraktiken ethnischer Gruppen wie den Inuit oder den First Nations. Das wäre aber Fass Nr. 3.

Euer Frank

im Prinzip stimme ich Dir zu. Und ich möchte auch gar nicht Recht behalten müssen- doch ( zum Abschluss) kurz eine Begebenheit schildern, dich mich hinsichtlich unseres (oft auch meines) allzu forschen Auftretens als selbstgewisser Tierschützer sehr nachdenklich zurückgelassen hat:
Bei der Recherche für einen Gewässerbericht ( in den Niederlanden) kam ich mit einem deutschen Angler in's Gespräch, der im Ural aufgewachsen war und seit einigen Jahren erst in Deutschland war. Ein freundlicher netter Mensch. Als er mit Fischen aufhörte, zog er seinen Setzkescher aus dem Wasser, schüttete ca. 25 Rotaugen und Bresen auf die Wiese und begann in aller Ruhe, sein Zeug zusammenzupacken. Von mir auf die zappelnden Fische angesprochen, begriff er erst gar nicht, was ich von ihm wollte. Er mache das immer so, alle anderen, die er kenne, auch. Wenn alles eingepackt sei, hätten die Fische ausgezappelt und man könne sie problemlos einsammeln. Meine Einwände? Aber das seien doch nur Fische. Wozu man sich denn die Arbeit machen solle, sie auf den Kopf zu schlagen.
Wo er herkomme, mache man das immer so, kein Mensch käme dort auf die Idee, Fische abzuschlagen oder zu stechen. Er verstehe nicht, was das bringen soll.

Erst in dem Augenblick wurde mir bewusst, dass der sehr naturnah (meine Gespräche mit ihm) aufgewachsene Mann eine völlig andere Erziehung als ich durchlaufen und einen völlig anderen Wertekanon bezüglich des Umgangs mit Tieren hatte.
Aus seiner Sicht war sein Verhalten überhaupt nicht in Frage zu stellen- wohl aber meines, der ich ( als Zivilisationsmensch)ihm erklären wollte, wie man mit Tieren umgeht.
Kurz: Seitdem bin ich zurückhaltender in der Einforderung des "richtigen" Verhaltens.

Gruß Werner
Werbe
 

Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Frank. » 28.05.2013, 18:00

Lieber Werner,

ja, ich verstehe deinen Punkt durchaus. Tatsächlich kommen wir bei dieser Thematik unversehens in eine Diskussion um - sozusagen - einen fischereilichen clash of cultures, mithin auf ein höchst komplexes Gebiet, in dem sich die Kategorien Richtig versus Falsch verbieten - das schließt ganz gut an die von mir erwähnten Inuit oder First Nations an, gilt wohl auch für die naturnahen ural-altaischen Völker, zu denen wohl der von dir erwähnte Angler zählte. Da wären wir einig. Der Versuch, in solchen Fällen Überzeugungsarbeit leisten zu wollen, ist immer die Wanderung auf einem sehr schmalem Grat - kann freilich auch klappen. Das ist eine Integrationsproblematik, die gewiss nicht leicht zu lösen ist. Ich habe selbst an unseren Gewässern schon solche Gespräche geführt und werde sie gewiss auch künftig führen.

Was ich mich freilich frage, ist, ob dieser Fall tatsächlich dem eingangs der Diskussion erwähnten dänischen Meuchler eines als Schadfisch empfundenen Hechts (oder mit "unseren" Brassen-'Vernichtern') vergleichbar ist - hier bewegen sich Kritiker und Kritisierter innerhalb desselben Kulturkreises mit sehr direkt vergleichbaren ethischen Richtlinien bzw. Wertekanon, oder? Auf dem deutschsprachigen Faltblatt des dänischen Fischereiverbandes, das man vielerorts gemeinsam mit den Lizenzen ausgehändigt bekommt, steht zu lesen: "Töten Sie die Fische menschlich!" Das dürfte auch für Dänen gelten.

Ich denke, dass es sich bei dem Gegensatzpaar Dänemark/Ural um zwei sehr verschiedene Paar Watschuhe handelt.

Dein Frank
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Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon webwood » 28.05.2013, 18:38

Erst in dem Augenblick wurde mir bewusst, dass der sehr naturnah (meine Gespräche mit ihm) aufgewachsene Mann eine völlig andere Erziehung als ich durchlaufen und einen völlig anderen Wertekanon bezüglich des Umgangs mit Tieren hatte.
Aus seiner Sicht war sein Verhalten überhaupt nicht in Frage zu stellen- wohl aber meines, der ich ( als Zivilisationsmensch)ihm erklären wollte, wie man mit Tieren umgeht.


Do as the romans do, when in Rome!!!

Hallo Werner,

meiner Meinung nach sollte sich ein Angler den Gepflogenheiten des Landes unterordnen in dem er fischt.
Das soll nicht heissen, ich würde im Ural nicht auch einen Fisch waidgerecht töten, doch umgekehrt bin ich der Ansicht, jeder Angler, egal woher er stammt, sollte sich nach den Gepflogenheiten richten, wie in unserem Kulturkreis mit Tieren umgegangen wird. Macht er das nicht, sollte man in sehr wohl darauf ansprechen. Das kann man ja auch sehr höflich tun.
Mir scheint Deine Argumentation (Achtung, überspitztes Beispiel!!!!) so, als würdest Du bei einem Gast das Fischen mit Dynamit gutheissen, weil das nunmal so in seiner Heimat Usus ist.

Viele Grüße

Thomas
Angler sterben nie, die riechen nur so.
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Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Landjunker » 28.05.2013, 20:00

Lieber Werner, lieber Frank!

Zunächst einmal freue ich mich darüber, mit dem FiFi-Forum eine Plattform kennenzulernen, die es ermöglicht, solche kontroversen bisweilen emotionalen Sachverhalte auf einer verhältnismäßig sachlichen Ebene zu diskutieren.

Daher erlaubt mir zum Abschluss der Konrtoverse nochmals kurz auf ein Zitat von Werner einzugehen.

Werbe hat geschrieben:Von mir auf die zappelnden Fische angesprochen, begriff er erst gar nicht, was ich von ihm wollte.


Lieber Werner. Genau dies habe ich bereits in meiner ersten Stellungnahme zu diesem Thema ausgesagt, nicht gefordert. In Deinen späteren Argumentationen wurde in mir jedoch der Eindruck erweckt, Dir sei das Leiden der Tiere gleichgültig!? Mit dem obigen Zitat hast Du mich selbstverständlich vom Gegenteil überzeugt. Nichts für ungut!

Lieber Frank: Mag sein, dass hier die Vokabel Brauchtum deplatziert ist, gern ersezte ich dieses Wort durch den Begriff Umgang, hierdurch wird der Sachverhalt vielleicht deutlicher. Danke für den Hinweis!

Letztendlich muss ich mir aber doch die Frage stellen, ob der offensichtliche, nicht fachgerechte Umgang mit einem lebenden Tier in einem anderen Land in welchem andere "Umgangsformen" herrschen mögen oder durch einen Dritten der u.U. bedenkliche Verfahrensweisen ausübt, rechtfertigt? Komme ich zu dem Schluss, dass diese Verhaltensweisen gerechtfertigt sind, welche Konsequenz(en) ziehe ich dann daraus?

Dies hat doch nichts mit Absolutheitsanspruch oder sonst dergleichen zu tun. Dies ist doch eine Frage der Wertschätzung die ich dem Leben entgegenbringe, oder wenn nicht dies, zumindest eine Frage des Gewissens, oder?

Meine Antwort auf die Frage kenne ich und ziehe daraus die entsprechenden Konsequenzen, falls es notwendig ist und die Situation es zulässt.

Beste Grüße
Ole
Landjunker
 

Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Werbe » 28.05.2013, 20:08

Hallo Frank
Frank. hat geschrieben:Lieber Werner,
Was ich mich freilich frage, ist, ob dieser Fall tatsächlich dem eingangs der Diskussion erwähnten dänischen Meuchler eines als Schadfisch empfundenen Hechts (oder mit "unseren" Brassen-'Vernichtern') vergleichbar ist - hier bewegen sich Kritiker und Kritisierter innerhalb desselben Kulturkreises mit sehr direkt vergleichbaren ethischen Richtlinien bzw. Wertekanon, oder? .............
Ich denke, dass es sich bei dem Gegensatzpaar Dänemark/Ural um zwei sehr verschiedene Paar Watschuhe handelt.
Dein Frank


natürlich ist der Fall nicht vergleichbar. Ich habe auch nirgendwo explizit das Handeln des dänischen Fischers gerechtfertigt. Das von mir geschilderte Beispiel lässt sich auch gewiss nicht verallgemeinern- sondern sollte lediglich "illustrieren", wie man(Ich) von einer Situation überrascht werden kann, die die eigene Selbstgewissheit gehörig "durcheinanderzurütteln" vermag. :? Die Folge dieses Durcheinanderrüttelns ist, dass ich dafür plädiere, zuerst einmal die Situation zu analysieren, :smt017 dann nachzudenken, ob Belehrungen und Interventionen sinnvoll sind- und wenn ja in welcher Form.
Und diese Nachdenklichkeit, diese Vorsicht, dieses Infragestellen der eigenen Position möchte ich mir auch nicht zugunsten einer "Interventionpflicht" als stets ( Sorry für die Polemik an der Stelle. Ich meine nicht Dich.) kampfbereiter Verteidiger des Fischwohls ausreden lassen, denn dabei käme ich mir als durch mein Fischen meiner Beute "Unbehagen" Zufügender recht unehrlich vor.

Gruß Werner
Zuletzt geändert von Werbe am 28.05.2013, 20:29, insgesamt 1-mal geändert.
Werbe
 

Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Werbe » 28.05.2013, 20:11

Hallo Thomas,
webwood hat geschrieben:meiner Meinung nach sollte sich ein Angler den Gepflogenheiten des Landes unterordnen in dem er fischt.

ja sollte er, und mein Beispiel ist keine Argumentation, sondern sollte lediglich "illustrieren", was die Initialzündung für die Entwicklung meines heutigen Standpunktes war. Ich mache einen Unterschied zwischen etwas gutheißen und (im Nachhinein) verstehen. Hätte ich die in der Wiese ausgeschütteten Fische bzw. das diesbezügliche Verhalten gutgeheißen, hätte ich den Mund gehalten und hätte gar nicht erfahren, was ich erfahren habe.

Gruß
Werner
Werbe
 

Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Werbe » 28.05.2013, 20:27

Hallo Ole,

Landjunker hat geschrieben:Dies hat doch nichts mit Absolutheitsanspruch oder sonst dergleichen zu tun. Dies ist doch eine Frage der Wertschätzung die ich dem Leben entgegenbringe, oder wenn nicht dies, zumindest eine Frage des Gewissens, oder?

genau das ist ja das Problem. Das, was Du wertschätzt, Dein Gewissen sind Dinge, die Dir in Deiner Kultur auf die eben spezifische Weise dieser Kultur anerzogen wurden. Das ist anderswo völlig anders.

Gruß
Werner
Werbe
 

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