Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

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Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Rolf » 19.05.2013, 14:22

Hallo zusammen,

letzte Woche habe ich in Dänemark an einem bekannten lachsführenden Gewässer gefischt. Am Startparkplatz traf ich einen sehr freundlichen dänischen Angelkollegen, der nach kurzem Gespräch mit der Spinnrute flussab zog. Ich wählte mit der Fliegenrute die andere Richtung. Etwa zwei Stunden später bemerkte ich ihn auf dem Weg zum Parkplatz, mit Fisch! Neugierig ging ich ihm entgegen. In der Hand hatte er eine Kombizange, mit der hielt er einen kleinen Hecht am Unterkiefer. So weit so gut… Mit einer verächtlichen Geste warf er den Hecht auf den Boden, weniger gut. Erst jetzt bemerkte ich: der Hecht lebte! Mein vorsichtig eingebrachter Vorschlag, es wäre doch waidgerecht, den Fisch zu töten, wurde rundweg als überflüssig abgetan. Es wurde mir erläutert wie schädlich der Hecht für das Wasser sei, in diesem Zusammenhang outete sich der Angler als langjähriges Vereinsmitglied in irgendeiner funktionalen Position. Ihn zu töten sei wohl nicht der Mühe wert, gewissermaßen schien es mir, als wolle er den bösen Fisch für seine pure Existenz bestrafen. Gefangen übrigens mit Spinner und Widerhaken.

Ein zufälliger Zeuge der Aktion, ein Däne der für den Tourismusverband uns Angler fotografierte, schien diesen Umgang mit dem Hecht auch für normal zu halten und verhielt sich diesbezüglich völlig teilnahmslos, ja er scherzte noch ein wenig.

Kaum eine halbe Stunde später wies sich mir gegenüber an anderer Stelle ein sehr netter Herr im Elektrorollstuhl als Fischereikontrolleur aus und drehte meine Lizenzen auf links, ließ sich meine Fliegen zeigen und geizte nicht mit Ratschlägen für das Revier. Auch wies er mich auf die Pflicht hin, in diesem Revier widerhakenlos zu fischen…

Was mich nachdenklich stimmt, das Handeln schien Normalität zu sein, keine Spur von Mitgefühl mit der Kreatur. So handelt man in der Öffentlichkeit doch wohl nur, wenn es hoffähig ist, oder? Die Heringsangler die ich an der Küste beobachten konnte, verhielten sich jedenfalls deutlich waidgerechter (und eh jetzt alle aufschreien, ja da gibt es auch Frevler…).

Mich hinterlässt das Erlebte nachdenklich. – Gibt es ähnliche Erfahrungen? War es ein Einzelfall oder ist die Denkweise und der Umgang mit dem „Unkrautfisch“ Hecht in Dänemark archaischer, als wir es gewohnt sind?

Ein verärgerter Rolf wünscht frohe Pfingsten
Rolf
 
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Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Headi » 19.05.2013, 19:35

Hallo Rolf!

Gestern, eine Mole bei Kopenhagen - die Hornhechte sind (in wenigen Exemplaren) da. Und liegen schnappend in der Sonne :?
EDIT: ich habe vergessen zu erwähnen, dass daneben eine dicke Perücke lag (2 Meter weiter war ein Mülleimer). Würde mich nicht wundern, wenn sie jetzt noch da liegt oder schon einen Vogel erdrosselt hat.


Gruß
Flo
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Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon daniel72 » 20.05.2013, 10:30

Hallo Rolf,
leider muß ich Dir bei den Heringsanglern widersprechen!
Erst vor ein paar Tagen in Stralsund, Heringe werden Eimerweise gefangen und verrecken elendig in der Sonne, scheint wohl "normal" zu sein! Ich jedenfalls bin kochend vor Wut abgehauen, konnte mir das wirklich nicht mit ansehen!
Wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn Außenstehende uns Angler verurteilen und uns als Tierquäler beschimpfen, leider haben Sie zu oft RECHT!
Da sollte wirklich eingeschritten werden, schnellstens!

Gruß Daniel
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Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Vogtlandsalmon63 » 20.05.2013, 10:47

Hallo Rolf!
Diese Einstellung hab ich selbst in den Nordländern erfahren. In Schweden wurden sogar die Hechte in die Büsche geworfen und an Ästen aufgehängt. Speziell in Salmonieden führenden Gewässern konnte man dieses Verhalten vermehrt feststellen.
Gruß Robby Vogtlandsalmon63.
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Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Da Beppe » 20.05.2013, 11:10

Ähnliches hab ich auch schon beim Hornhechtangeln in Helsingoer erlebt.

Hab mir damal gedacht - ok, die haben sicher keine Fischerprüfung abgelegt.
Aber vorsätzlich die Fische mit schweren Zockern zu reißen und dann einfach hinter sich in den Sand zu schmeißen . . . .
Keine Betäubung und nicht gekehlt :?:
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Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Frank. » 20.05.2013, 12:09

Liebe Leute,

nur mal am Rande: Trotz Sportfischerprüfung und aller Kontrollen - derlei Auswüchse gibt es ganz genauso auch in Deutschland, und nicht nur an Forellenseen. So ziemlich die übelsten Dinge, die ich je gesehen habe, sind mit Brassen angestellt worden, die von manchen Anglern buchstäblich als (Zitat) "Ungeziefer" behandelt wurden, das rücksichtslos "ausgerottet" werden müsse.

Euer Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
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Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Werbe » 20.05.2013, 12:47

Hallo,
andere Länder andere Sitten..........

Vor (gefühlten) hundert Jahren fischte ich mit meinem damals 12jährigen Sohn auf einem Kutter vor der französischen Küste. Wir schlugen die Fische ab, bevor wir die Haken rauspulten. Die Franzosen rissen die Fische vom Haken und warfen sie in eine Plastiktüte, wo sie sich zu Tode zappelten, zeigten mit Fingern auf uns und lachten sich halb "scheckig", weil wir die Fische abschlugen.

eigenes Land eigene Sitten.............
Vor (gefühlten) neunzig Jahren fischte ich mit meinem damals 20jährigen Sohn auf einem Kutter vor der niederländischen Küste anlässlich eines vereinsinternen "Vatertagsangeln". Die meisten Angler schlugen ihre Makrelen ab, säuberten sie auf der Rückfahrt und nahmen sie (auf Eis) mit nach Hause. Zwei Vereinskollehgen rissen sie vom Haken, warfen sie in einen blauen Müllsack und nahmen sie (an einem heißen Tag) unausgenommen ohne Eis mit nach Hause- wo sie sie dann wahrscheinlich entsorgen mussten.

Fazit: Intelligenz ist unter Anglern genau so ungleichmäßig verteilt wie unter anderen Menschen- und in den meisten anderen Ländern hat "man" ein archaischeres Verhältnis zu Tieren als bei uns.

Gruß
Werner
Zuletzt geändert von Werbe am 20.05.2013, 16:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Headi » 20.05.2013, 14:39

Frank. hat geschrieben:So ziemlich die übelsten Dinge, die ich je gesehen habe, sind mit Brassen angestellt worden, die von manchen Anglern buchstäblich als (Zitat) "Ungeziefer" behandelt wurden, das rücksichtslos "ausgerottet" werden müsse.

:shock: und es soll Vereine geben, die so was zulassen bzw. den Nährboden dafür bereiten. Schon ein einfaches "Brassen dürfen nicht zurückgesetzt werden" reicht als Kriegserklärung. Statt dass man sich über natürlich gewachsene Fische freut werden Arten wider der Natur durchgesetzt, die in dem Gewässer keine Population erhalten können und "liebevoll gepflegt" werden müssen mit C&R und fleißig fangfähigem Besatz. Irgendwie kaum besser.

@Werner: ja da spricht du Wahres, aber gefühlt ist in D oder UK das Verantwortungsgefühl deutlich besser entwickelt. Tradition und Ausbildung tun sicher ihren Teil.

Gruß
Flo
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Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Svartdyrk » 20.05.2013, 15:53

Servus,

Flo hat geschrieben: ja da spricht du Wahres, aber gefühlt ist in D oder UK das Verantwortungsgefühl deutlich besser entwickelt.


Kommt darauf an, wobei es sich beim jeweiligen "Schädling" handelt. Mit Ratten, Mäusen, im eigenen Keller... Feldhasen, Maulwurf, Schnecken im eigenen Garten wird ja auch nicht unbedingt lange gefackelt, drüber diskutiert oder debattiert wie schonend oder waidgerecht mit diesen "Schädlingen" umgegangen werden sollte.
In Nordamerika gilt der Karpfen nicht als Speisefisch sondern als Schädling und wird so behandelt wie die Ratten, Mäuse, Schnecken...usw. hierzulande. Die Nordländer sehen eben den Hecht in ihren Lachsflüssen als Schädling.
Nicht immer gleich kollabieren wenn in anderen Ländern nicht alles nach DIN, unseren Vorstellungen und unserem Empfinden abläuft...is halt so.

Andere Länder andere Sitten... :wink:
Beste Grüße
Svart
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Wishin' I wuz fishin', g <*))))><
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Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Magallan » 20.05.2013, 17:15

Hallo Leute

Das immer wiederkehrende "Alte Thema", wenn auch traurig, aber toleriert es! Wenn es auch schwer fallen sollte. Wie es Svart so schön auf den Punkt bringt und ich es lediglich ein wenig anpasse: andere Kulturen andere Sitten!! Und ich weis von was ich rede... und toleriere es.

Gruß

Heiko
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Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Da Beppe » 20.05.2013, 20:41

weiss nicht was an perversem Verhalten einer Kreatur gegenüber toleriert werden muss/soll.

@ Frank - habe hier zu Lande noch niemals auch nur annähernd ähnliches Verhalten gesehen wie damals in Dänemark - das hat mich schon sehr verwundert. Allerdings muss man schon anführen, dass die industriell erzeugten Fische meines Wissens nach auch nicht betäubt und gekehlt werden, sondern zumeist zerquetscht und erstickt.
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Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Rolf » 24.05.2013, 10:28

Hallo zusammen,

irgendwie habt Ihr ja alle recht. Schlimm genug die Beispiele und offenbar ballen wir all zu oft die Faust in der Tasche, ohne uns zu artikulieren (mich eingeschlossen). Warum eigentlich?

Eine Änderung wird so jedenfalls nicht in Sicht sein.

@Daniel:

daniel72 hat geschrieben:Wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn Außenstehende uns Angler verurteilen und uns als Tierquäler beschimpfen, leider haben Sie zu oft RECHT!


Genau das ist der Punkt!

TL Rolf
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Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Frank. » 24.05.2013, 10:45

@ Frank - habe hier zu Lande noch niemals auch nur annähernd ähnliches Verhalten gesehen wie damals in Dänemark[/quote]

Schön - aber leider geht das gewiss nicht allen so. Ich wüsste bei youtube auch ein paar Videos aus Deutschland zu nennen, bei denen sich die Nackenhaare sträuben ... Allerdings werde ich den Teufel tun, auf solchen Mist zu verlinken.
Jedenfalls ist es wichtig, dass wir alle auch in unserem persönlichen Umfeld die Augen offen halten.

Euer Frank
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Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Michl » 25.05.2013, 09:00

Hallo,
wenn ich sehe wie sich Angler aus hierzulande zum Beispiel in Norwegen beim Meeresangeln benehmen, dann frage ich mich schon wie die das zu Hause machen.
Wobei, Tschechen, Polen, Dänen, Schweden, Spanier hab ich da auch schon gesehen, das war auch nicht besser.
Das muss wohl jeder mit sich selbst ausmachen.
Vor ein paar Jahren hab ich mal Russen (aus der Nähe von Moskau mit dem Auto angereist!) getroffen, meine Erwartungen waren da mehr als unterirdisch.
Und siehe da, die Männer haben das vorbildlich gehandhabt.
Haben das, was gefangen wurde, anständig behandelt und auch die kleinen zurückgesetzt.
Und alles was sie eingetütet haben auch mitgenommen. (Was allerdings viel war.)
Ich glaube aber nicht das alle Russen das so machen, da gibt es sicher auch die andere Fraktion.
Und zur Perücke auf der Mole, 10 km von meinem Wohnort ist ein amerikanisches Schnellrestaurant mit schottischem Namen.
Montagmorgens kann ich dann auch hierzulande am aus dem Fenster geschmissenen Müll die Besuchsfrequenz ablesen.
Auch nix spezifisch dänisches.
Es gibt sie also, ignorante, gedankenlose und unwissende Menschen.
Überall.

Gruß Michl
Die Beute ist unwesentlich, entscheidend ist nur das Gefühl.
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Re: Es gibt ihn wohl doch, den bösen Fisch, oder?

Beitragvon Headi » 25.05.2013, 17:35

Hallo Michl!
Michl hat geschrieben:Und zur Perücke auf der Mole, 10 km von meinem Wohnort ist ein amerikanisches Schnellrestaurant mit schottischem Namen.
Montagmorgens kann ich dann auch hierzulande am aus dem Fenster geschmissenen Müll die Besuchsfrequenz ablesen.
Auch nix spezifisch dänisches.

Fischer sollten schon mal gehört haben, dass Schnüre in der Landschaft grässliche Nebenwirkungen haben - bis hin zum Fischer, der über eine solche fällt :lol:. Im Vergleich dazu hat der typische halbstarke Fast-Food-Junkie deutlich weniger gefährliche Stoffe in der Hand. Wobei ja auch mancher Igel in den entsprechenden Bechern hängen bleibt. Und er hat von Umweltschutz noch nie was gehört und eine dagegen-Haltung. Ein Fischer kann sich jedenfalls nicht auf Nicht-Wissen zurückziehen.
Und nein ich finde das auch nicht spezifisch dänisch (wobei die Saubärenrate gefühlt höher ist...). Ich bin eher der Überzeugung, dass dieses ein Bildungs- und Schichtenproblem ist.


Gruß
Flo
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