Findlinge ins Flußbett

Hier geht es um wichtige Belange wie Naturschutz, sinnvolle Gewässer-Bewirtschaftung, schonender Umgang mit Umwelt und Kreatur, Ärgernisse (Schlagthemen) wie Klein-Wasserkraft & Kormoran und Rechtliches.

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Findlinge ins Flußbett

Beitragvon MARIO S » 25.02.2019, 18:25

Hallo Leute ,
hab das sonnige Wochenende genutzt und bin zu meinem Heidefluß gefahren um mal zu schauen was man verbessern kann . Dabei ist mir aufgefallen das an manchen flußabschnitten keine Struktur im Flußbett vorhanden ist , keine oder sehr wenig unterstände für Fische und andere Lebewesen vorhanden ist . Daher meine Idee.
In unseren Heidefluß würden wir gerne größere Feldsteine , >50cm , einbringen um die Gewässerstruktur zu verändern , die Fließgeschwindigkeit zu erhöhen usw.
Aber wie wir auch schon gesehen haben versinken diese langsam aber sicher im Gewässergrund . Hat jemand Erfahrungen mit solchen Aktionen und hat eine Idee wie das versinken weitesgehend verhindert oder herausgezögert werden kann? Welcher Untergrund ist geeignet um Findlinge einzubringen ?
Freue mich auf interessante Berichte .
Grüße von Mario
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Re: Findlinge ins Flußbett

Beitragvon Oli » 25.02.2019, 20:04

Ist zwar löblich, was Du vor hast, aber ohne Absegnung von oben, kann dein Initiative ganz schnell nach hinten los gehen.
Eine Absprache über das Wasserwirtschaftsamt und/oder Untere Naturschutzbehörde Deines betreffenden Ortes wäre auf jeden Fall zwingend von Vorteil.
Dabei solltest Dir klar sein, dass über Deinen Angelverein, Fischereipächter etc. laufen zu lassen, ein willkürlicher Eingriff ohne Absprache/Genehmigung ist Strafsache.
Um eine Kießsohle/Steinsohle in einen z.B. lehmigen Niederrungsbach zu erhalten sind ein Eingriff mit schweren Gerät notwendig, was flußbautechnische Maßnahmen erfordert.

Hier mal ein paar willkürlich ausgewählte Verlinkungen zum Thema:

Hamburg am Beispiel Alster
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... h1414.html
https://www.lebendigealster.de/


hier Niedersachsen rechtliches und Programme
https://www.nlwkn.niedersachsen.de/natu ... 38719.html

https://www.deutschlandfunk.de/gewaesse ... _id=314829

https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/ ... and_bf.pdf

Hier mal eine kleine Übersicht anhand von hessischen Richtlinien am Beispiel Lahn
https://gfg-fortbildung.de/web/images/s ... lwl_v3.pdf
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Re: Findlinge ins Flußbett

Beitragvon webwood » 25.02.2019, 21:40

Servus Mario

bei mir an der Ammer wurden etliche Findlinge eingebracht, allerdings so Brummer von ein/zwei Metern Durchmesser. Rechtlich ist das an der Ammer eine andere Baustelle. Es gibt die Ammerallianz zum Rückbau und zur Erreichung der Durchgängigkeit der Ammer. Da ziehen Nabu, WWF, die Angelvereine und die Behörden alle an einem Strang.
Zum Technischen. Der Kiesboden ist so überwiegen Walnuß- bis Apfelgröße an den schnell fliesenden Stellen. Hinter den Steinen entstehen so Mini-Pools die sehr gute Plätze zum fischen sind. Das die Steine so langsam im Boden verschwinden konnte ich noch nicht bemerken. Viele kenne ich seit Jahren. Klar ist nach einem Hochwasser auch mal einer ganz wo anders oder einfach weg. Geologisch hat sich die Ammer durch einen massiven Fels gegraben. Wie dick eigentlich die Kiesschicht ist, bevor der gewachsene Stein beginnt, kann ich nicht sagen. Ich denke du solltest erst mal den Untergrund deines Gewässers abchecken. Das Steine im Lehm/Sand langsam versinken, scheint mir logisch. Vieleicht hast du mir einbringen von Totholz mehr Erfolg und wohl auch behördlicherseit weniger Probleme.

TL

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Re: Findlinge ins Flußbett

Beitragvon Lutz/H » 25.02.2019, 22:51

Moin,
ich fische auch in einem Heidegewässer.
Ich war vor Jahren mal bei einer Gewässerwarte Weiterbildung an der Seeve, wo es um dieses Thema ging.
Dort wurde uns ein Gewässerabschnitt präsentiert, bei dem man z.T. große Felsen, Findlinge etc. mit schweren Gerät eingebracht hatte,
natürlich nach dem ganzen Gang durch die Instanzen untere Naturschutzbehörde, Landkreis usw., finanziert war das durch Spenden ich meine mich zu erinnern das ein großer Teil durch die Stiftung der Bingo Umweltlotterie gespendet war, ohne sowas ist so eine Maßnahme finanziell für einen Verein kaum stemmbar. Ziel war durch die Einbringung die Strömung pendeln zu lassen und auch schneller werden zu lassen um den Gewässerboden zumindest zum Teil vom Sand zu befreien, Sanddrift ist in Heidegewässern ja immer ein Problem.
Das ist in dem Gewässer ,in dem ich fische , so in der Form kaum möglich ist, es gab es schon einmal den Vorschlag, an ausgesuchten Stellen z.B. Prallhangkurven sogenannte Kartoffelsteine zu verbringen,ich weiß die Körnungsgröße nicht mehr. Die Steine werden nicht in das Gewässer verbracht sondern an den Böschungen angekippt,jedes Hochwasser soll dann Steine mitnehmen und dort ablagern wo sonst Sand und Lehm abgelagert wird, wir haben in dem kleinen Verein einen Wasserbau Ing. der sich beruflich damit beschäftigt, dieses "Ankippen" ist wohl eine eher passive Methode um den Bach zu helfen. Ich bin mittlerweile nicht mehr im Vorstand und meine letztendlich ist das bei uns eher am organisatorischen gescheitert.
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Re: Findlinge ins Flußbett

Beitragvon Harald aus LEV » 26.02.2019, 13:07

Hallo Mario,
in unserem Niederungsbach wurden vor etwa 25 Jahren ebenfalls Findlinge von ca. 2 -2,5 m Kantenlänge eingebracht und sind innerhalb weniger Jahre versunken.
Eine andere Möglichkeit wurde dann später gewählt. Es wurden Baumstämme mittels schweren Steinblöcken und Stahlketten so am Ufer befestigt, dass sie in einem etwa 45 Gradwinkel flussab in die Strömung ragen. Sieht zwar gewöhnungsbedürftig aus, lenkt aber die Strömung um. Es dauert lange Jahr, bis die Stämme verrotten. Aber bis dahin hat sich i.d.R. auf der LEE-Seite soviel Sediment abgelagert und verfestigt, dass die Struktur erhalten bleibt.
Aber auch für solche Eingriffe sind natürlich Genehmigungen vonnöten.

Gruß
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Re: Findlinge ins Flußbett

Beitragvon HansAnona » 26.02.2019, 13:58

Preisgünstig und nachhaltig sind Weidenschösslinge an passenden Stellen in den Bachgrund zu stecken.

Ist mit Sicherheit auch ohne spezielle Genehmigung o.k.

Grüße, Alf
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Re: Findlinge ins Flußbett

Beitragvon matthias z. » 26.02.2019, 15:04

Hallo Mario,

an unserem Seevestück (Inzmühlen bis Wiedenhof) haben wir es mit Strömungsumlenkern (Aus Baumstämmen und Findlingen gebaut) versucht den Sand zu bewegen und Kiesgrund freizulegen.

Irgendwo habe ich noch eine bebilderte Zusammenfassung so einer Aktion. Bei Interesse weiteres gerne per PN.

Tls

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Re: Findlinge ins Flußbett

Beitragvon FlyandHunt » 26.02.2019, 17:04

Würde mich auch mal interessieren.

Bisher haben wir immer nur die vorhandene Steine / Hölzer im Bach verlegt und somit schnell fließendes und ruhigeres Wasser erzeugt.

Oft waren schöne Stellen schon beim nächsten Angeln von den Forellen angenommen.

Allerdings haben wir jährlich solche Hochwasser, die diese Dämme und Umlenkungen wieder zerstören.

Gruß
Ferdinand
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Re: Findlinge ins Flußbett

Beitragvon Harald aus LEV » 26.02.2019, 20:54

Hallo Ferdinand,
deshalb das Verankern von dicken Baumstämmen im etwa 45Gradwinkel in die Strömung, wie Matthias und ich es beschrieben haben.
Das muss schon solide gebaut werden, damit es jahrelang der Strömung und den Hochwassern standhält.
Dafür hast Du dann nachher auf der Luvseite Kiesel-/ Geröllgeschiebe, je nach Bodenart und auf der Leeseite sich langsam verdichtendes Sediment.

Ich schau mal, ob ich in denn nächsten Tagen Fotos machen kann.

Gruß
Harald
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Re: Findlinge ins Flußbett

Beitragvon MARIO S » 02.03.2019, 11:57

Hallo Leute
vielen Dank für die ganzen Einschätzungen und Ideen . Selbstverständlich will ich das nicht in Eigenregie machen und es werden auch Genehmigungen eingeholt für eine solche Aktion.
Ich wollte nur mal ein Thema anschieben was mich und andere vielleicht auch interessiert. Unserem Heidefluß würde das guttun . Er wird immer breiter und flacher. Sandfracht ist das nächste Problem .
Die Aktion an der Seeve hab ich auf irgendwelchen Fotos schon gesehen, das währe auch eine gute möglichkeit .
Viele Grüße Mario
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