Flossenfäule?

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Flossenfäule?

Beitragvon Peter S. » 09.09.2016, 17:10

Ein Freund fing heute unten abgebildete Forelle und fragt, ob es sich
um eine Krankheit, eventuell Flossenfäule, handelt. Der Fisch fängt
am Schwanz quasi an zu faulen.
Das rote Fleisch passt nicht zu den Fischen, die in diesem Gewässer beheimatet
sind, weil es hier keine Bachflohkrebse gibt. Normalerweise haben die Fische
hier eher weißes Fleisch. Das bedeutet wiederum, dass Besatzfische eingebracht
wurden, die evtl. krank sind. Flossenfäule tritt eher bei Teichfischen auf, wenn
ich das richtig gelesen habe.

Weiß jemand mehr/Genaueres. Muss sowas gemeldet werden?
Danke für Antworten und Gruß

Peter S.
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Re: Flossenfäule?

Beitragvon Beppo » 10.09.2016, 08:33

Hallo Peter,
du solltest dir nachfolgende Fragen stellen:
- Weis der Fischereirechtsinhaber etwas davon, hat er Informationen dazu und ist er überhaupt
darüber informiert?
- Der abgebildete Fisch scheint eine Bachforelle zu sein, gibt es in der näheren Umgebung
Fischzuchten die Bachforellen in Teichanlagen halten (wäre ungewöhnlich) ?

Meldepflichtig ist dies nicht, es sei denn der Fisch stammt aus einer Fischzuchtanlage für Besatzfische !

Gruß Beppo
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Re: Flossenfäule?

Beitragvon orkdaling » 10.09.2016, 09:12

moin moin,
da nur ein Teil der Flosse befallen ist, nicht der Saum, weissliche Stellen bis kurz unter der Fettflosse, gehe ich mal von eine "gewøhnlichen" Verpilzung aus.
Betrifft es nur Einzelfische, wie hoch ist die Fischdichte, erfolgt Besatz, Wasserqualitæt - muss alles beruecksichtigt werden.
Du solltest aber darueber informieren, wer auch immer bei dir zustændig ist, eine Probe nehmen oder ganzen Fisch einfrieren.
Nur so kann man untersuchen und sicher stellen das was unternommen wird.
Gruss Hendrik
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Re: Flossenfäule?

Beitragvon Siegfried. » 10.09.2016, 13:36

Hallo Freunde,
hold the horses.....Hypochonder aller Länder vereinigt euch, die Krankheiten wollen euch besiegen. Immer vorsichtig mit den (Fern)Diagnosen und gleich solchen bösen Begriffen. Nach dem Bild ist das da keine Flossenfäule sondern ein "ganz normaler" fangfähiger mit ordentlich Karotin gefüttterter Besatzfisch, der von einem oder 2 seiner Kumpels mal angeknabbert worden ist. Ende, sonst nichts, der ist noch nich einmal verpilzt, es sei denn hast da schon was weggewischt.
Glück Auf
S.
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Re: Flossenfäule?

Beitragvon Olaf Kurth » 10.09.2016, 16:38

Lieber Peter,

Flossenfäule habe ich von Lehrgängen in Albaum noch ganz anders in Erinnerung. Ich tippe ebenfalls auf Satzfisch mit Karotin haltiger Narung (typische Schwanzflosse) und Verletzungen von Konkurrenzkämpfen.
Wer fischt bei diesen hohen Temperaturen auf Salmoniden?

Liebe Grüße,

Olaf
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Re: Flossenfäule?

Beitragvon Peter S. » 10.09.2016, 18:02

Hallo,
der Fisch wurde gestern in unserer Privatstrecke gefangen, schon der zweite dieser Art.
Wir vermuten mal, dass einer der Pächter oberhalb irgendwo billig übriggebliebene
Speisefische von einer Fischzucht bekam und diese dann quasi als "preisgünstigen
Besatz" in den Fluß eingebracht hat. Schade, dass sich nicht zuverlässig ermitteln
lässt, wer das gewesen ist.

Gruß
Peter S.
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Re: Flossenfäule?

Beitragvon AlexWo » 11.09.2016, 08:18

Olaf Kurth hat geschrieben:Lieber Peter,

Flossenfäule habe ich von Lehrgängen in Albaum noch ganz anders in Erinnerung. Ich tippe ebenfalls auf Satzfisch mit Karotin haltiger Narung (typische Schwanzflosse) und Verletzungen von Konkurrenzkämpfen.
Wer fischt bei diesen hohen Temperaturen auf Salmoniden?

Liebe Grüße,

Olaf


Hallo Olaf,

was haben die hohen Temperaturen mit der Befischung von Salmoniden zu tun?

LG

Alex
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Re: Flossenfäule?

Beitragvon orkdaling » 11.09.2016, 08:37

Hallo Alex,
hab da auch ueberlegt, das einzige was mir dazu einfællt ist, bei hohen Temperaturen und warmen Wasser sinkt der Sauerstoffgehalt. Das ist ein Grund fuer hohe Sterberate nach Releasen. Der Norwegische Landesverband hat in seine Broschuere, Gjenutsetting av laksfisk, darauf verwiesen das ab 18grad Wassertemperatur kein Aussetzen erfolgen sollte.
Zum eigentlichem Beitrag, der Fisch hat mehrere weisse Stellen auf der Schwanzwurzel, auch an Fett und Afterflosse scheint es so auszusehen.
Ich denke auch das es keine uebertragbare Krankeit ist, eher wohl eine Schædigung vom Transport wenn da eingesetzt wurde.
Ueber die Færbung mach dir mal keine Sorge, die Zuechter verwenden Futter mit zB karotin um die Forellen unter dem Namen Lachsforelle zu verkaufen.
So werden die Leute beschi.... ,Lachs verkauft sich besser.
Gruss Hendrik
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Re: Flossenfäule

Beitragvon AlexWo » 11.09.2016, 09:07

Hallo Hendrik!

Ja, so könnte Olaf das gemeint haben. Ich gehe heut noch an unseren Vereinsbach, der ist immer kalt....

LG

Alex
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Re: Flossenfäule?

Beitragvon CPE » 11.09.2016, 09:14

Hallo Alex,

Forellen brauchen laut Zuchtbetrieben mindestens 5 mg/l Sauerstoff. Die Löslichkeit von Sauerstoff (http://www.chemie-master.de/FrameHandle ... e/s23.html) nimmt von 14 mg/l bei 0°C auf 9 mg/l bei 20°C ab, was zu passen scheint, allerdings ist das der Wert bei 100% Sättigung. Das ist in der Praxis oft nicht erreicht (Austreiben von Sauerstoff, Aufzehrung durch starken Pflanzenwuchs um Sommer, etc.), was bedeutet, dass wir im Drill Forellen bei 20°C ziemlich flott auspowern ohne dass sie bei einem Release eine Chance auf Erholung hätten, was zu einer erheblichen Mortalität führen würde. Wenn nur maßige Verzehrforellen gefischt werden, sind solche Überlegungen natürlich irrelevant...

Cheers, Norbert
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Re: Flossenfäule?

Beitragvon Olaf Kurth » 11.09.2016, 10:26

AlexWo hat geschrieben:
Hallo Olaf,

was haben die hohen Temperaturen mit der Befischung von Salmoniden zu tun?

LG

Alex



Die Antworten wurden Dir bereits gegeben, lieber Alex,

es gibt Regionen, die leiden unter einer länger anhaltenden Trockenheit. Das Wasservolumen nimmt ab, die Temperaturen steigen und die Folgen der verringerten Sauerstoff-Sättigung hat Dir bereits Norbert erläutert. Unsere Salmonidenstrecken liegen zwischen 300 und 700 Metern und einige sind wegen des Niedrigwassers gesperrt. Viele verantwortungsvolle Angler (darunter auch Fliegenfischer 8) ) verzichten für einige Zeit auf ihr Hobby und lassen die Fische in Ruhe. So einfach ist das.

Liebe Grüße,

Olaf
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Re: Flossenfäule?

Beitragvon orkdaling » 11.09.2016, 10:42

Da will ich gleich mal auf etwas hinweisen was "nebenan" diskutiert wurde.
Die Studie betrifft zwar die Nordsee aber sind interessante Dinge zur Sauerstoffsættigung usw. zu lesen
http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=& ... 7741,d.bGg
Gruss Hendik
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Re: Flossenfäule?

Beitragvon Gammarus roeseli » 11.09.2016, 21:19

Hallo,

ich sehe einen Fisch mit Hautläsionen. Wie sich solche Läsionen weiterentwickeln ist schwierig vorherzusagen…

Das Thema Wassertemperatur und Sauerstoffsättigung möchte ich hier ganz kurz aufgreifen und anritzen…

Ich habe in den Gewässern mit einer Gewässergüte Saprobie I-II (Untere Forellenregion- Äschenregion) beobachtet, dass wenn die Temperaturen durch Sonneneinstrahlung stark ansteigen, die Photosyntheseaktivität der Algen und Wasserpflanzen deutlich zunimmt.
IMG_7542.JPG
IMG_7542.JPG (172.75 KiB) 981-mal betrachtet

Sauerstoffsättigungswerte von 110-125 % bei extremen Wassertemperaturen von 24-25°C in den Nachmittagsstunden (Urgesteinsflüsse) sind dann keine Seltenheit. (Hitzeperioden in Verbindung mit Niedrigwasser.)

Im Laufe der Nacht sinkt der Sauerstoffgehalt (gleichzeitig die Temperatur des Wassers) und ist vor Sonnenaufgang am niedrigsten.
Schnellfließendes/ turbulentes Wasser nimmt Sauerstoff rasch auf oder gibt den Sauerstoff bei Übersättigung rasch an die Atmosphäre ab. In langsam fließenden Gewässern findet der Ausgleich mit der Atmosphäre eher zögerlich statt….
In der Donau (Regensburg) habe ich bei Wassertemperaturen von über 20°C und starker Sonneneinstrahlung des Öfteren einen Sauerstoffgehalt von 11-14 mg/l gemessen. Am darauffolgenden Tag hatte das Wasser der Donau kurz vor Sonnenaufgang 20°C und ich konnte einen Sauerstoffgehalt von 8 mg/l messen…. Dazu muss man sagen, Sauerstoff ist in den Gewässern nicht gleichmäßig verteilt und Stoßbelastungen können den Sauerstoffgehalt im Wasser empfindlich aufzehren.
In der Barbenregion vom Fluss Regen konnte ich (unterhalb Marienthal) bei schönstem Badewetter (Lufttemperatur über 30°C) und Wassertemperaturen von 24°C einen Sauerstoffgehalt von 14 mg/l in der fließenden Welle messen.
Sauerstoffsättigung in % = 14 : 8,25 x 100 = 169,69 %
Mit zunehmender Eutrophierung steigen die Sauerstoffübersättigungswerte am Tag und es besteht die Möglichkeit, dass die Gasblasenkrankheit auftritt.

Grüße Christian

P.S.: In der Schonzeit greife ich das Thema auf und präsentiere Euch ausführlich meine eigenen Erfahrungen und Messungen in einer kleinen Doku mit vielen Fotos ...
Gammarus roeseli
 
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Re: Flossenfäule?

Beitragvon orkdaling » 12.09.2016, 07:21

Moin moin Christian,
da bin ich gespannt. Besonders um was fuer Gewæsser es sich handelt.
Generell kann man sagen, das je kælter und salzarmer ein Gewæsser ist, desto høher ist Aufnahmefæhigkeit von Sauerstoff.
(siehe im eingestellten Link Pkt 2.1.)
Photosynthetische Erhøhung hast du natuerlich nur da wo sie stattfinden kann, also wo zB im Verhæltnis zur Gewæssermaase/Grøsse genuegend Wasserpflanzen und Algen vorhanden sind. Ein verkrauteter Wiesenbach oder ein Gebirgsbach in Trinkwasserqualitæt sind ein grosser Unterschied.
Ich staune immer wieder wenn ich høre, du must frueh raus, was zu mindest in solchen Hitzeperioden total falsch ist.
Wie du schon richtig schreibst ist der Sauerstoffgehalt in den Abendstunden høher und morgens vor Sonnenaufgang am geringsten.
Das gilt fuer einen Karpfenangler am Waldsee genau wie hier am Fjord in der warmen Jahreszeit.
Aber wollen wir das Thema nicht vielleicht neu aufgreifen um "Flossenfæule" nicht zu kapern?
Gruss Hendrik
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Re: Flossenfäule?

Beitragvon Beppo » 12.09.2016, 07:23

Hallo in die Runde,
einfach toll, was für eine Kurskorrektur von der Flossenfäule zur Sauerstoffsättigung.
Gruß Beppo
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