Forellenbesatz

Hier geht es um wichtige Belange wie Naturschutz, sinnvolle Gewässer-Bewirtschaftung, schonender Umgang mit Umwelt und Kreatur, Ärgernisse (Schlagthemen) wie Klein-Wasserkraft & Kormoran und Rechtliches.

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Beitragvon tom64 » 06.04.2004, 13:32

Hallo Peter,
warum sollte ich nur provozieren wollen? Das Thema ist provokant genug, so dass es reicht, eine (sicher nicht für Jeden) nachvollziehbare Meinung zu haben. Für mich, und das sage ich noch mal ganz deutlich, ist die Bewahrung jeder einzelnen Art und jeder lokalen Rasse ein Wert an sich. Und dass es dafür gelegentlich radikaler Maßnahmen bedarf, muss ich in Kauf nehmen. Das ist eine Abwägung der Wichtigkeit, und wenn die bei Dir eine andere Reihenfolge hat als bei mir, ok. Ich würde die von mir gewünschten Entwicklungen auch gern der Natur überlassen, aber dafür müssen die äußeren Bedingungen erst mal geschaffen werden. Wenn Du einen Bach renaturierst, Mäander einbaust, Sohlgleiten konstruierst; wenn Du in einem See die Nährstoffgehalte mit technischen Maßnahmen senkst; wenn Du (wie in einem anderen Beitrag hier geschrieben) die kleinen Birken ausreißt, um die Heide zu erhalten; wenn Du ein trockenes Moor überstaust, um es Wiederzuvernässen: überall tötest Du Leben, welches im vorherigen Zustand existiert und sich den Bedingungen angepasst hatte. Wenn ich Dich recht verstehe, sollten wir das alles bleibenlassen?
Dürfen wir Hühner töten, weil sie vielleicht die Vogelgrippe übertragen können? Dürfen wir Rinder töten, weil sie möglicherweise BSE übertragen könnten? Ist der Wert menschlicher Gesundheit ein höherer als der Wert der "Gesundheit" der Natur (ist ein schwammiger Begriff, ich weiß)? Ich weiß darauf keine "richtige" Antwort, aber habe eine persönliche Meinung.
Gruß
Thomas
tom64
 

Beitragvon cgx » 06.04.2004, 14:18

....

O, du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
Der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
Steh doch wieder still!

Willst am Ende
Gar nicht lassen?
Will dich fassen,
Will dich halten
Und das alte Holz behende
Mit dem scharfen Beile spalten!

Seht, da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
Gleich, o Kobold, liegst du nieder;
Krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich! brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
Und ich atme frei!

Wehe! wehe!
Beide Teile
Stehn in Eile
Schon als Knechte
Völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Naß und nässer
Wirds im Saal und auf den Stufen:
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister, hör mich rufen! -
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister,
Werd ich nun nicht los.

(Auszug Goethes Zauberlehrling)
cgx
 

Beitragvon Rudi » 06.04.2004, 14:31

so lasst uns wieder abdriften,
abdriften wie neulich,
als es ging um die Herkunft der Blanks über die Kinderarbeit bei Rutenblanks,
zu den asiatischen Ausbeuterern zum Volksaufstand in Chinahausen.

Wunderbar, reden wir doch einfach mal über ..... das Wetter?

Hammerhart.
Rudi
 

Beitragvon Peter S., Köln » 06.04.2004, 19:28

Hallo Thomas,
Wenn Du einen Bach renaturierst, Mäander einbaust, Sohlgleiten konstruierst; wenn Du in einem See die Nährstoffgehalte mit technischen Maßnahmen senkst; wenn Du (wie in einem anderen Beitrag hier geschrieben) die kleinen Birken ausreißt, um die Heide zu erhalten; wenn Du ein trockenes Moor überstaust, um es Wiederzuvernässen: überall tötest Du Leben, welches im vorherigen Zustand existiert und sich den Bedingungen angepasst hatte. Wenn ich Dich recht verstehe, sollten wir das alles bleibenlassen?

Du verstehst mich nicht recht!
Dürfen wir Hühner töten, weil sie vielleicht die Vogelgrippe übertragen können? Dürfen wir Rinder töten, weil sie möglicherweise BSE übertragen könnten?

Das sind Zucht- bzw. Nutztiere und da gelten andere Bedingungen. Thema verfehlt!
Für mich, und das sage ich noch mal ganz deutlich, ist die Bewahrung jeder einzelnen Art und jeder lokalen Rasse ein Wert an sich. Und dass es dafür gelegentlich radikaler Maßnahmen bedarf, muss ich in Kauf nehmen.

Diese Ideologie hat was Erschreckendes für mich!

Die Ausrottung von Kreaturen aus genetischen Gründen und zusätzlich noch unter der Billigung, dass alles andere Leben - auch genetisch einwandfreies- als leider nicht zu umgehender Nebeneffekt mit draufgeht, ist abartig.

Das ist mein Credo und für mich das Ende dieser Diskussion, aber eine Frage bleibt mir doch noch:
Kannst du dir wirklich vorstellen, du persönlich nimmst den Kanister und kippst das "Rotenon" von eigener Hand ins den Bach und entsorgst nachher den "Schrott", sei es im bulgarischen Mittelgebirge, bei dir in der Nähe oder sonstwo?

@ Rudi,
ich denke nicht, dass ich vom Thema abgedriftet bin.
Peter S., Köln
 

Beitragvon Werner » 06.04.2004, 20:29

@ tom64
Hallo Thomas,
ich freue mich, jemand zu sehen/lesen, der die an diesem Ort offenbar seltene Fähigkeit besitzt, die Dinge nüchtern und distanziert zu betrachten. Ich habe das an anderer Stelle mit ähnlich niederschmetterndem Ergebnis
( und dem gleichen Diskussionspartner) versucht.
Ich denke, wir werden die selbstgeschaffenen Probleme im Widerstreit von Natur und Kultur nicht lösen können, aber wenn wir sie nur einigermaßen beherrschen wollen, kommen wir um eine sachliche/differenzierte Auseinandersetzung mit der Problematik nicht herum, und diese Auseinandersetzung muss ohne "Denkverbote" geführt werden können.

Die Problematik : greife ich in die Natur ein, wenn ja wo darf ich das tun und wie sollte es geschehen ist gerade, was unsere Passion und die Erhaltung der Fischbestände angeht, viel zu komplex, als dass man ihr durch "flammend moralisierende" Positionen gerecht werden könnte.

Gruß Werner
Werner
 

Beitragvon tom64 » 07.04.2004, 13:11

Hallo Werner und Peter,
um der Sache die Krone aufzusetzen: ja ich kann mir das vorstellen, das Rotenon selbst einzusetzen und anschließend die toten Fische und was da sonst noch ist einzusammeln.
Ich akzeptiere, dass Du Peter eine andere Meinung hast. Wenn Dir Tierleben über alles geht (sollte dann aber auch für Nutztiere gelten), ok. Ich habe höchste Achtung vor allen, die eine absichtliche oder unabsichtliche Tötung von Tieren, soweit es in ihrer Macht steht, vermeiden. Unter allen Umständen. Aber so wie Du differenzierst, hier "nur" Nutztiere, da aber besetzte Forellen (sind auch sowas wie Nutztiere in meiner Sicht), das eine darf, das andere nicht - dem kann ich nicht folgen. Du kannst mich verdammen, beschimpfen, verspotten oder für sonst was erklären: für meine Haltung gibt es aus meiner Sicht einleuchtende, gute und mir innerlich schwer abgerungene Gründe. So wie es einen "höheren" Wert menschliche Gesundheit gibt, gibt es auch einen "höheren" Wert Biodiversität. Jedenfalls für mich. Und danke Werner, dass ich nicht der alleinige Rufer in der Wüste bin.
Gruß
Thomas
tom64
 

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